Werner Stangls Lehrtext.Sammlung
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 Was macht die Schule falsch?

Gegen die Einsatz von Computern in Schulen wird oft eingewandt, daþ die Organisation des Unterrichts und die Rollen von Lehrern und Sch¸lern ge‰ndert werden m¸þten, und dies nicht durchf¸hrbar oder notwendig sei. Die folgenden, bewuþt provokant formulierten, Thesen einer Gruppe engagierter Sch¸ler aus Berlin zeigen allerdings deutlich, daþ sich die Schule nicht l‰nger auf den Standpunkt stellen kann, jegliche ƒnderungen seien riskant und ¸berfl¸ssig.


Was wir an der Schule falsch finden:

KONTRA - Medienwerkstatt f¸r Nichterwachsene
Hufelandstraþe 19
10407 Berlin - Prenzlauer Berg
Netzwerk Spiel/Kultur
Dezember 1994

Lernzwang

Nicht das lernen, was man will

Der Glaube, daþ der deutsche Lehrplan f¸r's Leben notwendig ist, ist unbegr¸ndbar und falsch. Die meisten Sachen lernt man aus Erfahrung und eigenem freien Willen. Zum Beispiel lernen auch Kinder, die noch nicht in die Schule gehen, lesen und schreiben, wenn sie es wollen. In der Schule kˆnnen Kinder nicht das lernen, wof¸r sie sich gerade interessieren, oder was ihnen gerade wichtig erscheint, da die meisten Lehrer den Stoff straff und planm‰þig durchziehen, ohne Lust und Interessen der Kinder zu achten. So wird freie Entfaltung (siehe Grundgesetz) und Erfahrungssammlung behindert. Das macht Lernen uneffektiv.

Massenhaltung

Zuviele Kinder in einer Klasse

In der Schule m¸ssen zuviele Kinder fast ohne Bewegung t‰glich mehrere Stunden gemeinsam in einem Raum durchhalten. Es ist bewiesen, daþ man dadurch mit der Zeit aggressiv wird. So kann man nicht lernen! Zum Lernen ist es auþerdem notwendig, daþ man eigene Erfahrungen sammelt und das ist kaum mˆglich, da man sich nicht zur¸ckziehen oder allein sein kann.

Sch¸lersortierung

Nur Gleichaltrige

Es ist langweilig, wenn in einer Klasse nur Kinder gleichen Alters sind. So lernt man andere Lebensarten und -unarten nicht kennen. Verschiedenaltrige kˆnnen voneinander lernen und sich unterst¸tzen.

45 - Minuten - Takt

Verkrampft-sture Zeiteinteilung

Wie lange Sch¸ler brauchen, um neuen Stoff zu kapieren, ist sehr verschiedenn und kaum planbar. Ein festgefahrener Studenplan stˆrt so bei vielen den Lernprozeþ. F¸r die meisten ist es belastend, daþ sie nicht ausschlafen kˆnnen.

Einzelherrscher

Der Lehrer sitzt am l‰ngeren Hebel

Im Fall eines Streits haben die Sch¸ler selten eine Chance sich durchzusetzen. Gegen LehrerInnen, die schlechten Unterricht geben und ungerecht sind, oder einen nicht leiden kˆnnen, kann man sich kaum wehren. Der Lehrer kann durch schlechte Noten - schlechtes Zeugnis - kein Schulabschluþ - Kack-Berufschancen groþen Druck aus¸ben. Fehlende Gleichberechtigung erschwert das Lernen ungemein.

Gedankensteuerung

So sein, wie andere es sich w¸nschen

Die Schule ist nicht nur zum Lernen da, sondern will den Sch¸lern jetzt schon vermitteln (antraineren), wie sie sich zu verhalten haben, was richtig / falsch / gut / bˆse ist. Sie will aus den Schulen angepaþte Staatsb¸rger machen. Nicht nur die Meinungs-, sondern auch die Gedankenfreiheit wird bedroht, denn die Kinder sollen nicht nur sagen, was die Lehrer hˆren wollen, sondern auch noch glauben, daþ es richtig ist.

Langeweile

Uninteressanter Unterricht

In den meisten F‰cher sollen die Kinder nur mit ihrem Denkvermˆgen und Ged‰chtnis Unterrichtsstoff kapieren, der sie h‰ufig nicht mal interessiert. In der Regel steht der Lehrer vorne und redet und redet. Aus einer Unzahl von Kopien und B¸chern muþ der Stoff erarbeitet werden. Tr‰umen, spielen, die Dinge der Welt erkunden - das ist in der Schule nicht mˆglich.

Scheinwelt

Lernen hinter Mauern

Die Schule will Kinder auf das Leben vorbereiten (als w¸rde es erst viele Jahre nach der Geburt beginnen). Aber anstatt im praktischen Leben Erfahrungen zu sammeln und zu lernen, sitzt man in langweiligen Schulgeb‰uden und es werden Videos und Kopien und fachliche Experimente vorgesetzt... Wo lernt man, wie man miteinander klarkommt, wie man am besten Probleme lˆst usw.? Das alles wird hˆchstens theoretisch besprochen.

Schulversagen

Eigentlich versagt die Schule

Das oft von Staat und Schule beschworenen Ziel, freundliche, friedliche und gut gebildete Sch¸ler aus der Schule zu entlassen, wird nicht erreichen. Viele Schulabg‰nger sind weder gebildet noch friedlich. Die Zufriedenheit und Friedfertigkeit lassen zu w¸nschen ¸brig. Nicht einmal Industrie und Wirtschaft sind mit den Schulabg‰ngern zufrieden. Damit fehlen die Gr¸nde, warum man das Zur-Schule-gehen in Kauf nehmen muþ. Die Schule erf¸llt ihren Zweck nicht.

Alptraum Schule

T‰gliches Leid durch Angst und Frust

Nach Sch‰tzungen geht

Nix Chancengleichheit

Viele bleiben auf der Strecke

Das Argument, daþ das jetzige Schulsystem wegen seiner Chancengleichheit so gut ist, stimmt nicht. Die Mˆglichkeiten, die Sch¸ler in der Schule haben, h‰ngen unter anderem sehr stark von den Eltern (Zeiteinteilung, Geld, Ansichten, ...) oder der Sympathie der Lehrer zu den Sch¸lern ab.

Zensurenterror

Alle m¸ssen dasselbe lernen

Die Menschen sind verschiedenen, sollen aber alle das gleiche lernen und zum sleben Ziel kommen. Sie werden durch Noten in gut oder schlecht eingeteilt. Man lert nur noch f¸r die Noten. Mit ihnen wird man erpreþt und zum Lernen gezwungen (entweder... oder 6). Das macht Angst und nimmt die Freude. Lernen wird dadurch erschwert.

Teilzeitgef‰ngnis

Der Zwang anwesend zu sein

Der Sch¸ler wird gesetzlich gezwungen, in die Schule zu kommen: Ob es ihm dort gut oder schlecht geht, ob er Probleme hat und ob er gerne woanders w‰re, um z.B. dort zu lernen, ist egal! Zwang auf Menschen auszu¸ben ist Gewalt. Sogar im auþerschulischen Leben werden Hausaufgaben angeordnet. Die deutsche Schulpflicht bricht das Grundgesetz (schon wieder).

Lehrerfrust

Lehrer sind auch Menschen

Auch viele LehrerInnen sind mit dem Schulsystem unzufrieden und leiden darunter. Sie gehen selbst nicht gern in die Schule. Manche geben sich kaum noch M¸he. Viele schaffen es nicht, die vielen Probleme, die durch Schule entstehen, zu bew‰ltigen. Oft sind die Sch¸ler Opfer diese Frustes.


Letzte Änderung am 21. September 1995 von Michael Oertel