Klassische Konditionierung nach Pawlow

a) Ivan P.Pawlow: Der Vater der Verhaltenspsychologie

b) Die klassische Konditionierung

                                                                                        Abb.1: Ivan Petrowitsch Pawlow

[Image]

                           

UCS + CS => UCR

.

.

.

CS => CR

Alles klar ?

Ivan P. Pawlow: Der Vater der Verhaltenspsychologie

Am 14. September 1849 wurde Ivan Petrowitsch Pawlow  (siehe Abb.1) als erstes von 11 Kindern auf einem altrussischen Bauernhof geboren. Seine Kindheit war hart und arbeitsreich. Mit 7 Jahren stürzte er eine Treppe hinunter und zog sich eine schwere Kopfverletzung zu, die ihn 4 Jahre daran hinderte, die Schule zu besuchen und jegliche geistige Arbeit auszuführen. Mit 11 Jahren wurde er auf ein theologisches Seminar geschickt, um Priester zu werden. In diesem Seminar hatte Pawlow Zugang zu fortschrittlicher Literatur, die sein Interesse für die Wissenschaft weckte. Bald verdrängte sein wissenschaftliches Interesse seine religiöse Laufbahn und 1870 schrieb sich Pawlow als Physikstudent an der Universität in Petersburg ein. Nach kurzer Zeit wechselte er zur Physiologie, was er mit der Goldmedaille der Universität abschloß.

Die nächsten 8 Jahre widmete Pawlow medizinischen Studien, die er im Forschungslabor des Veterinärinstitutes in Petersburg durchführte (siehe Abb.2). Da der Zar und der Hochadel den wissenschaftlichen Forschungen kaum Interesse entgegenbrachten, wurden die Wissenschaftler entsprechend gering entlohnt. So mußte Pawlow alle Kosten für seine Versuche von seinem mageren Ein-kommen bestreiten, so daß er kaum Geld für seine Miete übrig hatte. Er schlief im Labor und aß nur dann etwas wenn es unumgänglich war. 1880 heiratete Pawlow, lebte aber weiterhin in seinem Labor, während seine Frau bei seinem Bruder wohnte. Pawlow promovierte 1883 und erhielt gleichzeitig den Titel „Professor". Im gleichen Jahr verstarb sein erster Sohn nach langer Krankheit. Die nächsten Jahre verbrachte Pawlow an der Universität Leipzig, bevor er 1885 nach Rußland zurückkehrte, um seine Forschungen über Blutkreislauf und Verdauungssystem fortzusetzen. 1887 wurde sein erstes Buch veröffentlicht. Trotz seine Popularität lebten er und seine Familie noch immer in ärmlichen Verhältnissen. Er wurde fast 40 ohne eine feste Anstellung zu bekommen, und seine Frau kam häufig bei Verwandten unter. Schließlich erhielt er eine Stelle an der militärischen Medizinakademie in St. Petersburg als Professor für Pharma-kologie. Nach kurzer Zeit wurde er auf den Lehrstuhl für Physiologie berufen, den er über 30 Jahre lang inne hatte. Zusätzlich gründete Pawlow das „physiologische Labor für experimen-telle Medizin", in dem der den größten Teil seiner Forschungsarbeiten durchführte und dem er 40 Jahre lang vorstand.

Abb. 2: Im Labor in Petersburg

[Image]

                         

Als Anerkennung für seine Forschungsarbeiten wurde ihm 1904 der „Nobelpreis für Physiologie und Medizin" verliehen. Seine experimentellen Arbeiten mußte er während des ersten Weltkrieges und der Revolution von 1917 einschränken, er konnte aber dennoch Forschungsvorhaben realisieren. Teilweise arbeitete er dann im Licht hölzerner Fackeln und in Mantel, Mütze und Stiefel gehüllt weiter. Es war zeitweise so kalt im Labor, daß ihm die Versuchstiere erfroren sind. Zwischen 1896 und 1921 veröffentlichte Pawlow vierzig Bücher über Psychologie, Physiologie und Psychiatrie, die noch heute als maßgebend zitiert werden.

Im Alter von 87 Jahren starb Pawlow 1936 als der berühmteste Physiologe seiner Zeit.

Die klassische Konditionierung

Pawlow hat in Experimenten gezeigt, daß z.B. Welpen über einen angeborenen Speichelreflex verfügen, der ausgelöst wird, sobald Futter in ihr Maul gerät. Eine Beobachtung, die jeder Hundebesitzer an seinem Tier feststellt. Pawlow nannte diese Speichelabsonderung eine psy-chische Sekretion, da er davon überzeugt war, es handle sich um einen vom Gehirn gesteuerten Prozeß.

Er beschloß eine eigene Methode zu entwickeln, psychische Vorgänge von außen zu beobachten. Er entschied sich dafür, Reflexe zu untersuchen, ohne sich dabei auf innere seelische Zu-stände zu beziehen.

„Die erste und wichtigste Aufgabe, die vor uns liegt, besteht also darin, die natürliche Neigung aufzugeben, unsere eigene subjektive Sicht der Dinge auf die Reaktion des Tieres im Experiment zu übertragen, und statt dessen unsere gesamte Aufmerksamkeit darauf zu lenken, die Korrelation zwischen externen Phänomenen und der Reaktion des Organismus zu untersuchen."

1905 wurde Pawlows klassisches Experiment durchgeführt: Ein Hund wurde in einem besonderen Apparat gestellt (siehe Abb. 3) in dem die Intensität des Speichelflusses als Reaktion auf bestimmte Reize gemessen werden kann.

UCS + CS => UCR

.

.

.

CS => CR

Dem Hund wurde ein unbedingter Reiz (UCS; Futter) präsentiert, woraufhin er den angeborenen Reflex (UCR; Speichelfluß) zeigte. Auf das Läuten einer Glocke (CS) zeigte der Hund keinerlei Reaktion, außer einer gewissen Neugier. Pawlow kombinierte die beiden o.g. Reize (UCS + CS), worauf der Hund mit Speichelfluß reagierte (=> UCR). Nach mehrmaligem Wiederholen dieser Reizpräsentation, reagiert der Hund schon auf das Glockenläuten mit Speichelfluß. Diese Reaktion nennt Pawlow bedingte Reaktion (CR). CR und UCR ähneln sich, sind aber nicht identisch: so produziert der Hund, beim Anblick des Futters immer noch mehr Speichel, als bei dem Ertönen der Glocke.

Der wichtige Punkt in diesem Experiment ist, daß nach der Konditionierung ein vorher neutra-ler Reiz eine Reaktion hervorruft, die vorher nur durch einen unbedingten Reiz ausgelöst wur-den.

Wird dem Versuchstier jedoch längere Zeit der bedingte Reiz (CS) dargeboten, so verschwin-det allmählich die bedingte Reaktion (CS); Pawlow nannte diesen Prozeß Löschung.

Wiederholt man jetzt das o.g. Experiment, so zeigt der Hund nach wesentlich weniger Ver-suchsdurchführungen die bedingte Reaktion auf den bedingten Reiz. Dies beweist, daß die Konditionierung nicht gänzlich gelöscht wurde, sondern lediglich gehemmt war.

Abb. 3 Pawlows Versuchs-Apparat

[Image]

               


Einleitung