Lernen am Modell

Albert Bandura

1. Sein Leben

2. Zum Begriff Modellernen

3. Beispiel


Albert Bandura:

1.:Sein Leben

Albert Bandura wurde am 04.12.1925 in Alberta geboren. Dort verbrachte er auch seine Jugendjahre. Sein Studium begann er auf der Universität von British Columbia. Danach entschied er sich für die Universität von Iowa, um dort Klinische Psychologie zu studieren. Er entschloß sich für diese Universität, da sie einen guten Ruf in bezug auf ihre Erforschung von Lernprozessen hat. Von dieser Zeit an interessierte er sich für die Anwendung der Lerntheorien auf klinische Phänomene. 1950 ging er nach Stanford und arbeitete dort auf dem Gebiet der Interaktionsprozesse in der Psychotherepie und dem Familienmuster, das Aggressivität bei Kindern erzeugt. Während der Arbeit auf diesem Gebiet, stieß er auf die zentrale Rolle des Modellernens bei der Persönlichkeitsentwicklung.

Da er Forschungen auch auf dem Gebiet der Aggression, des Modell- und Beobachtungslernens und dem Prozeß der Verhaltensänderung macht, erlangt er ein vielverzweigtes Forschungsprogramm. Dieses hat zum Ziel eine umfassende Theorie vom menschlichen Verhalten zu erhalten, um die menschlichen Fähigkeiten besser einordnen zu können. 1980 erhielt Albert Bandura die wissenschaftliche Auszeichnung der Vereinigung der "American Psychological Association" für "vorbildliche Leistungen als Forscher, Lehrender und Theoretiker".

2.: Zum Begriff Modellernen

Neben dem zentralen Begriff "Lernen am Modell" oder "Modellernen" findet man die Bezeichnung "Nachahmungs-" und "Imitationslernen", "Vorbildlernen", "Beobachtungslernen" und "stellvertretendes Lernen". Es gibt Versuche, zwischen einzelnen Termini zu differenzieren. Bandura hält solche Differenzierungen jedoch für unnötig und verwirrend (Vgl. Matthilde Bauer, S. 16).

Nach dem Wörterbuch der Lerntheorien von Hans Zeier wird Modellernen neben den oben bereits erwähnten Synonymbegriffen folgendermaßen definiert:

"Von A. Bandura eingeführte Bezeichnung für einen kognitiven Lernprozeß, der vorliegt, wenn ein Individuum als Folge der Beobachtung des Verhaltens anderer Individuuen sowie der darauffolgenden Konsequenzen  sich neue Verhaltensweisen aneignet oder schon bestehende Verhaltensmuster weitgehend verändert. Der Lernende wird dabei Beobachter (observer) genannt, der Beobachtete Modell (model) oder Leitbild. Wichtig für diesen Lernprozeß, der nur unter bestimmten Vorraussetzungen (z. B. weitgehende Identifikation des Beobachters mit dem Modell) stattfindet, ist die stellvertretende Verstärkung."

Nach Albert Bandura ist das Modellernen ein Lernprinzip, das gleichbedeutend mit der klassischen (Pawlow) und der operanten (Skinner) Konditionierung ist . Er bezeichnet den Vorgang des Lernens am Modell als "das Auftreten einer Ähnlichkeit zwischen dem Verhalten eines Modells und dem einer anderen Person unter Bedingungen, bei denen das Verhalten des Modells als der entscheidende Hinweisreiz für die Nachahmungsreaktionen gewirkt hat."(Vgl. M. Bauer, S. 16)

3.: Beispiel

An einem klassischen Beispiel von Bandura wird das Modellernen in einem Versuch verdeutlicht:

"Vorschulkinder wurden in vier Grupen eingeteilt, die unterschiedliche Erfahrungen machten: Gruppe A machte die Beobachtung eines aggressiven Erwachsenen. Gruppe B beobachtete den gleichen Erwachsenen in einem Film. Gruppe C wurde eine als Katze vekleidete Figur in  einem Film mit gleichem aggressivem Verhalten präsentiert. Gruppe D war Kontrollgruppe ohne aggressives Modell. Das aggressive Verhalten bestand in der Mißhandlung einer großen Puppe. Anschließend wurden die Kinder in einen Raum gebracht, in dem sich die Spielpuppe befand.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die Kinder der Experimentalgruppen A - C zeigten fast doppelt soviele aggressive Akte, wie die der Kontrollgruppe. Das menschliche Filmmodell (Gruppe C) hat dabei offensichtlich die stärkste Wirkung gehabt."(Vgl.: H. Gudjons S. 216/17)

Man muß diese Ergebnisse jedoch differenzieren. Vom Erlebten bis zur Ausführung eines Verhaltens durchläuft der Beobachter die im Folgenden beschriebenen vier Verarbeitungsphasen, die Bandura und seine Forschungsgruppe herausgearbeitet haben:

1. Aufmerksamkeitszuwendung

2. Behaltensphase

3. Reproduktionsphase

4. Motivationale Phase

Es müssen jedoch bestimmte Bedingungen herrschen, damit ein Modellernen stattfindet:

a) Ähnlichkeit zwischen Modell und Beobachter: Der Beobachter nimmt am Modell ein Verhalten wahr, daß er selbst realisieren möchte.

b) Emotionale Beziehung zwischen Beobachter und Modell: Je intensiver die Beziehung, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der Verhaltensnachahmung

c) Konsequenzen des Verhaltens: Vermutet der Beobachter hinter dem gesehenen Verhalten einen Erfolg, dann ist die Wahrscheinlichkeit der Nachahmung größer.

d) Stellvertretende Verstärkung: Sieht der Beobachter die Konsequenzen am Modell nach einem Verhalten, so wirkt sich dieses auf sein Handeln aus.

e) Sozialer Status des Modells: Personen, die einen höheren sozialen Status als der Beobachter haben, werden eher nachgeahmt, als Personen mit gleichem oder niedrigerem Status.

f) Soziale Macht des Modells: Das Modell sollte Macht oder andere kontrollierende Merkmale auf den Beobachter ausüben können. Dem Beobachter ist bewußt, daß das Modell belohnen oder bestrafen kann. Hierin äußert sich die Machtposition.