Werner Stangls Lehrtext.Sammlung
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Vom Wissen zum Bewusstsein zur Weisheit

Ein Thesenpapier auf dem Hintegrund der Kybernetik zweiter Ordnung

Um etwas zu wissen, muss ein System zuerst Unterscheidungen einführen (ein Kleinkind führt z.B. die Unterscheidung Ich - Welt ein, um dann Wissen über sich und die Welt anzusammeln). Das generierte Wissen hat die Funktion, das Ueberleben dieses Systems innerhalb der getroffenen Unterscheidungen zu sichern.

Ein häufiger Irrtum dabei ist, dass das Wissen in irgendeiner Form eine gegebene Welt abbildet. Im Gegenteil repräsentiert das Wissen die aus eigenem Antrieb zuvor (bewusst oder unbewusst) eingeführten Unterscheidungen. Wissen wird daher nicht aufgenommen, sondern vom System selbst generiert und hat keinen Abbildungscharakter (Anti-Repräsentationismus).

Solange sich das System nun über die selbst eingeführten Unterscheidungen definiert, ist es im Irrtum. Es wird z.B. versuchen, Wissen zu generieren welches die eingeführten Unterscheidungen bestätigt und verfestigt (Assimilation). Durch jede solche Erzeugung von Wissen werden blinde Flecken eingeführt, welche die nicht passende Information ausblenden.

Bei zunehmender Komplexität und Vernetzung führt diese starre Identifikation zu Schwierigkeiten und müssen Unterscheidungen aufgegeben bzw. ersetzt werden (Akkomodation, Paradigmenwechsel).

Sobald das System die Möglichkeit entdeckt, Unterscheidungen und damit seine eigene Identität selbst zu modifizieren, führt dies zur Selbstorganisation. Das System kann sich operationell schliessen und erzeugt nun Wissen über die eigene Identität (Selbstbewusstein).

Wenn das System entdeckt, dass die Notwendigkeit, sich über Unterscheidungen zu definieren selbst auch schon auf Unterscheidungen aufbaut, entdeckt das System seine eigene Autopoiese (Selbsterzeugung). Es konstruiert sich und seine Umwelt selbst (Konstruktivismus).

Das Potential zur Weisheit entsteht, wenn die Gebundenheit des Systems an solchen Unterscheidungen, d.h. an irgendwelchen Vorstellungen von sich selbst bzw. der Welt entfällt. Das System identifiziert sich mit seinem Eigenwert, der die Eigenschaft hat, sich unabhängig von Unterscheidungen zu stabilisieren (Diagonalisierung).

Witz

Henk Goorhuis

 

 


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