Werner Stangls Lehrtext.Sammlung
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Soeben erschienen:Christian A. GertschLernen und lehren mit InternetEine Einführung ins Internet für das Selbststudium und den Unterricht, mit CD ROM für PC und Mac, Aarau: Sauerländer, 1999. ISBN 3-7941-4398-1 |
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Qualitätskontrolle auf dem World Wide Web
Die Zahl der Dokumente, welche allein im World Wide Web erhältlich sind, nähert sich einer halben Milliarde. Selbst die grossen Suchmaschinen vermögen boss noch einen Bruchteil dieser Informationsflut zu erfassen. Einem bloss gelegentlichen Websurfer dürfte es inzwischen kaum mehr möglich sein, diejenigen Informationen zu finden und zu evaluieren, die er sucht - falls er denn wirklich etwas Bestimmtes sucht. Zielloses Surfen auf gut Glück wird je länger je mehr zur blossen Zeitverschwendung - oder dann eben zum beabsichtigten Zeitvertreib.
Wer ernsthafte Recherchen auf dem WWW betreiben will, sieht sich mit einer ganzen Reihe von Problemen konfrontiert, die der Benutzer eines herkömmlichen Druckmediums - sei es ein Buch, eine Zeitschrift oder Zeitung - nicht kennt: In den allerwenigsten Fällen bürgt ein Verlag für die Qualität einer Publikation auf dem WWW. Elektronische Publikationen haben zudem etwas sehr Instabiles: Ihre Autoren können sie laufend verändern, z.B. aktualisieren, aber auch vorübergehend oder für immer aus dem Verkehr ziehen. Das WWW gleicht einem gigantischen Archiv ohne einen zentralen Katalog, dafür aber mit unzähligen Eingangspforten, die alle offenstehen und durch die jedermann jederzeit ein- und ausgehen kann. Wohl sind die meisten Web Dokumente irgendwo auf irgendeine Weise erschlossen und also auch auffindbar, und zwar selbst dann, wenn das Dokument mit Hilfe einer Suchmaschine (noch) nicht gefunden werden kann. Was Suchmaschinen dagegen finden, hat oft eher zufälligen Charakter - besonders dann, wenn die Suche im einfachen Suchmodus mit blossen Stichwörtern durchgeführt worden ist. Übersteigt zudem die Anzahl der angezeigten Dokumente jedes vernünftige Mass - was bei unspezifischen Suchvorgaben fast immer der Fall ist - dann würde schon die Sichtung der Suchresultate soviel Zeit beanspruchen, dass an eine systematische Evaluation der Dokumente gar nicht mehr gedacht werden kann. Suchmaschinen eignen sich deshalb nur für Recherchen nach sehr speziellen Themen und selbst dann nur, wenn der Benutzer all die ausgefeilten Möglichkeiten für die Trunkierung und/oder Kombination der Suchbegriffe und für das Einschränken der Suche auf bestimmte Dokumentattribute auch wirklich beherrscht.
Als Alternative zu den grossen Suchmaschinen, welche Roboter auf die Suche nach Informationen zu Stichwörtern schicken und also keinen Unterschied machen zwischen einer Reparaturanleitung, einem Ferienprospekt, einem Gedicht oder einer wissenschaftlichen Abhandlung, solange bloss das gesuchte Stichwort darin erscheint, gibt es aber auch tausende von verschiedenen Katalogen und Verzeichnissen, die von Menschenhand und also nach einer nachvollziehbaren Logik und Systematik erstellt worden sind. Am wertvollsten für die Recherche sind kleinere Listen von Ressourcen zu einem bestimmten Thema oder Gegenstand, welche von öffentlichen Institutionen - zum Beispiel den Universitätsbibliotheken - Firmen, Verlagen oder Privatpersonen erstellt worden sind und die jeweils nur einen kleinen, dafür aber fokussierten Ausschnitt aus der Menge an Information auf dem WWW erschliessen. Wie findet man nun aber den thematischen Spezialkatalog, der für die geplante Recherche relevant ist? Am schnellsten, indem man nicht über eine Suchmaschine, sondern über einen thematischen Katalog (einen sogenannten subject tree catalogue) ins WWW einsteigt.
Die grossen thematischen Kataloge (zum Beispiel Yahoo) oder die sogenannten Virtuellen Bibliotheken (zum Beispiel diejenige der Universitätsbibliothek Düsseldorf oder die WWW Virtual Library) erleichtern die Suche nach Spezialkatalogen zu bestimmten Fachgebieten oder Gegegnständen. Man öffnet im - deutschen oder internationalen - Yahoo Katalog das gewünschte Fachgebiet und wählt dann dort die Unterkategorien "Indices" oder "Directories".
Hat man via thematische Kataloge erst einmal einige für die Recherche relevante Spezialverzeichnisse gefunden, so geht es in einem nächsten Schritt darum, herauszufinden, ob diese Verzeichnisse auch speziell genug sind. Das ist im allgemeinen dann der Fall, wenn man beim Sichten der verschiedenen Ressourcenverzeichnisse feststellt, dass kaum mehr neue Information auftaucht. Erst jetzt kann man mit der Evaluation der eigentlichen Quellen beginnen. Letztlich wird man bei einzelnen Dokumenten landen, die es inhaltlich und formal zu evaluieren gilt (siehe dazu weiter unten).
Viele thematische Kataloge erlauben den - oft kaum merkbaren - Übergang in eine der grossen internationalen WWW Suchmaschinen. So liefert z.B. die Suchmaschine des Yahoo-Katalogs zu einem bestimmten Stichwort zunächst die Einträge im eigenen Verzeichnis und anschliessend - durch einfachen Mausklick aktivierbar - gleich noch eine Liste von WWW Dokumenten zum selben Stichwort, wie sie von der Suchmaschine Altavista erstellt worden ist. Hat man erst einmal ein Rechercheergebnis vor sich, ist es zunächst einmal wichtig, dass man sich Rechenschaft darüber ablegt, ob es sich dabei um das Ergebnis einer Stichwortsuche in einem Katalog oder in einer Suchmaschine handelt. Die erfolgreiche Benutzung von Suchmaschinen ist eine Kunst, die erstens gerlernt sein will und zweitens sehr viel Erfahrung verlangt. Wertvolle Hinweise darauf, welche Spezialsuchmaschine sich für welche Recherche am besten eignet, liefert eine Metasuchmaschine (eine Suchmaschine für Suchmaschinen) mit dem vielversprechenden Namen Klug suchen.
Genauere Erläuterungen zu differenzierten Suchfunktionen finden sich in den entsprechenden Kapiteln in meinem Buch: Lernen und lehren mit Internet. Eine Einführung ins Internet für das Selbststudium und den Unterricht, mit CD ROM für Mac und PC, Aarau: Sauerländer, 1999. ISBN 3-7941-4398-1.)
Unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Recherche mit Suchmaschinen ist eine möglichst genaue Formulierung des Recherchevorhabens, und zwar vor Suchbeginn. Je präziser ein Recherchevorhaben formuliert werden kann, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, innert nützlicher Frist relevante Dokumente zu finden. Suchmaschinen - ebenso wie die thematischen Kataloge- enthalten nicht die Dokumente selber, sondern bloss deren Titel - ev. zusammen mit einer kurzen Beschreibung des Inhalts - und ihre Internet-Adresse, den sog. URL. Als Resultat eines Suchvorgangs mittels einer WWW-Suchmaschine erhält man grundsätzlich immer eine Liste von Dokumenttiteln, ev. zusammen mit einer kurzen Inhaltsbeschreibung. Die Relevanz dieses Resultats für die eigene Recherche hängt dabei zunächst von den folgenden vier Faktoren ab:
Sind diese vier Bedingungen erfüllt, ergibt sich als Resultat in den meisten Fällen immer noch eine ansehnliche Liste von Dokumenten, die für die Recherche allenfalls relevant sein könnten. Erst wenn diese Liste nicht mehr als ein paar Dutzend Dokumente enthält, hat man Gewähr, dass die Suchvorgaben richtig gewählt worden sind.
Bevor man nun einzelne Dokumente herunterlädt, empfiehlt es sich, die Information, welche die Suchmaschine über die Dokumente liefert, etwas genauer zu studieren. Alle Suchmaschinen liefern:
Er gibt zunächst einmal Aufschluss über die Sprache, in der das Dokument verfasst ist. Der Titel kann ferner aussagekräftig und präzise sein oder sehr allgemein gehalten. Manchmal fehlt er ganz (no title) oder er ist verstümmelt oder auf sonst eine Weise unvollständig, was immer auf mangelnde Professionalität bei der Seitenerstellung schliessen lässt. Solche Dokumente sind meist wertlos.
Hier erfährt man einiges über den Anbieter der Seite: Aus welchem Land stammt er (.de, .ch, ...); handelt es sich um eine Firma (.com); eine Universität (.edu); eine nicht-kommerzielle Organisation (.org); ein kurzer URL verweist meist auf eine wichtige Einstiegsseite (homepage), wogegen lange URLs, in denen Unterverzeichnisse erscheinen, eher auf ein spezielleres Dokument in einer ganzen Dokumentstruktur verweisen. Private Homepages erkennt man oft daran, dass sie sich in einem Verzeichnis 'hompages' befinden, oder in einem Verzeichnis, dessen Name ein Eigenname mit vorangestellter Tilde (~) ist.
Die folgende Recherche möge als kleine Illustration dazu dienen. Alle die folgenden Dokumente wurden mit den Stichwörtern "inline skating" in der Suchmaschine Excite gefunden. Aufgrund der Dokumenttitel und der URLs (http:// ...) lässt sich bereits einiges über die Dokumente aussagen:
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Yahoo! - Sports and Recreation:Skating:Inline Skating http://dir.yahoo.com/Regional/U_S__States/California/Metropolitan_Areas/San_ Francisco_Bay_Area/Recreation_and_Sports/Skating/Inline_Skating/ |
Die Seite über In-line Skating im lokalen Yahoo Katalog für die San Francisco Bay Region. |
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Aggresive Inline Skating |
Ein Beitrag zum Thema "Aggresivität der Skater" in einem Diskussionsforum auf dem WWW. |
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Inline skating in the Netherlands |
Eine persönliche Seite eines Holländers, der in Schweden lebt (auf einem schwedischen Server). |
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InLiners - An Introduction to Inline Skating |
Eine Sammlung von links zum Thema (auf einem englischen Server) |
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Rullaluistelu linkit |
Ein Dokument in finnischer Sprache |
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Simon Atkinsons Rollerblading Page |
Simon Atkinsons persönliche Seite zum Thema (auf einem englischen Server) |
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International Inline Skating Association (IISA) Resource Center |
Die Home Page des Internationalen Inline Skating Verbandes. |
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Oft handelt es sich dabei bloss um die ersten paar Zeilen des Dokuments. Professionelle WWW-Autoren sind deshalb immer dafür besorgt, dass wichtige Informationen über den Inhalt des Dokuments gleich in den ersten Zeilen erscheinen. Zusammen mit dem Titel und dem URL lassen sie Rückschlüsse zu über die Sprache und Textsorte (kommerziell, nicht-kommerziell, privat, offiziell, ...) des Dokuments.
Es gibt keine allgemeingültigen Kriterien dafür, welche Dokumente relevant sind. Je nach Recherche wird man gewisse Kriterien höher gewichten als andere. Recherchiert man z.B. ein sehr entlegenes, spezielles Fachgebiet, das eher von einzelnen Personen als von Institutionen gepflegt wird, so wird man privaten Dokumenten mehr Beachtung schenken als solchen von Universitäten oder Firmen. Sucht man offizielle Informationen zu einem Thema, so wird man sich eher an die Publikationen von öffentlichen Institutionen halten. Sucht man Informationen über bestimmte Produkte (auch Bücher, CDs, Filme, ...), so werden kommerzielle Anbieter wichtige Informationsquellen sein. Sehr aktuelle Informationen zum Tagesgeschehen findet man auf den Servern von Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen.
Nachdem die für die persönliche Recherche allenfalls relevanten Adressen identifiziert sind, lassen sich die Dokumente herunterladen und evaluieren.
Um die Qualität und Relevanz des Inhalts eines einzelnen Hypertextdokuments zu beurteilen, braucht es - genau wie bei den Druckmedien - Sach- und Fachkenntnisse in den Bereichen, die das Dokument beschlägt. Kennt man sich in den Inhalten nicht besonders gut aus, so kann man sich auf die Beurteilung des fraglichen Dokuments durch andere Benutzer abstützen. Zu diesem Zweck gibt man z.B. im Altavista Advanced Modus ein: link:URL des Dokuments. Auf diese Weise erhält man eine Liste von Dokumenten, welche das Dokument zitieren. Eventuell finden sich auf diese Weise Besprechungen, Kommentare, Bewertungen des fraglichen Dokuments. In jedem Fall erkennt man, wer sich für das Dokument interessiert.
Findet man keine Verweise auf das Dokument, so bleibt immerhin die Beurteilung von formalen Kriterien, die meist verlässliche Rückschlüsse auch auf die Qualität und vor allem die Dichte der im Dokument enthaltenen Information erlauben.
Qualitativ hochstehende Hypertextdokumente auf dem WWW zeichnen sich durch folgende formale Eigenschaften aus:
Sind alle diese Anforderungen erfüllt, so kann man mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass auch der Inhalt gewissen Ansprüchen standhält.
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