Entwicklung im Jugendalter

Übung aus Pädagogischer Psychologie

LV-Leiter: Werner Stangl

Jugendliche und Selbstfindung

Julia Gschoßmann & Bernhard Gruber

 

1. Einleitung

2. Elemente des Identitätsbegriffs

2.1 Individualität

2.2 Selbst

2.3 Rolle

2.4 Kontext

3. Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz

4. Selbstfindung im Jugendalter

4.1 Verlauf der Selbstfindung

4.1.1 Kritische Betrachtung der äußeren Erscheinung

4.1.2 Betrachtung der inneren Vorgänge

4.2 Die Ebenen der Identitätsfindung

4.2.1 Die reflexible Ebene der Identität

4.2.2 Die optative Ebene der Identität

4.2.3 Die akzeptative Ebene der Identität

4.2.4 Die soziale Ebene der Identität

5. Identitätskrisen

6. Gelingen und Mißlingen der Selbstfindung

7. Psychosoziale Belastung im Jugendalter

7.1 Innerer Versuch der Belastungsregulation

7.1.1 Emotionale Anspannung

7.1.2 Negative Selbstwertschätzung:

7.2 Äußerer Versuch der Belastungsregulation

7.2.1 Medikamentenkonsum

7.2.2 Drogenkonsum

7.2.3 Jugendaggressivität:

8. Vor- und Leitbilder

8.1 Wahl der Vorbilder bei Jugendlichen

8.2 Typologien von Jugendlichen in ihrem Verhalten zu Vorbildern (nach Hanisch)

9. Normen und Werte Jugendlicher

9.1 Probleme bei der Wertbildung

10. Wahl des Berufs, Lebensplanung

11. Abschließende Betrachtungen

12. Glossarium

13. Literaturverzeichnis

14. Interviews

14.1 Interviewleitfaden

14.1.1 Vorbilder, Leitbilder

14.1.2 Selbstbild und Selbstwertgefühl

14.1.3 Abhängigkeit und Unabhängigkeit

14.1.4 Krisensituationen und Kernkonflikte

14.1.5 Zukunftsvorstellungen

14.2 Durchgeführte Interviews

15. Auswertung der Interviews

16. Lernkontrollfragen

 


1. Einleitung

Die Lebensphase des Jugendalters wird spezifiziert durch Problembewältigungen und Umbrüche in dreierlei Hinsicht: biologische Reife, soziale Integration und Rolle in der Gesellschaft.

Die biologische Reife ist mit starkem Längenwachstum und hormonellen Veränderungen verbunden. Beim Jungen äußert sich dies im wesentlichen durch den Stimmbruch. Die Menarche stellt bei den Mädchen einen gewissen Wendepunkt dar.

Die soziale Integration bezeichnet die zunehmende Orientierung der Jugendlichen an sozialen Kontakten außerhalb der Familie, insbesondere Schule und beginnendes Berufsleben, sowie Auseinandersetzung mit tradierten Normen und Werten. Die soziale Kontrolle der Familie tritt nun eher in den Hintergrund.

Der Aufbau eines eigenen Wertgefüges und Zukunftsplänen ist auf der Basis der Selbstfindung des Jugendlichen möglich, die er im Jugendalter zu bewerkstelligen hat.

Im Rahmen der Selbstfindung steht die Bewertung der eigenen Persönlichkeit im Vordergrund. Ich-Findung wird möglich durch zunehmende Selbstreflexion sowie Reifungs- und Lernprozesse. (vgl. SCHENK-DANZINGER1991, S. 188f.)

Probleme und Perspektiven der Jugendlichen im Rahmen der Selbstfindung sind Gegenstand unseres Referats. Die der Orientierung der Jugendlichen dienenden Vor- und Leitbilder werden ebenfalls in die Betrachtung miteinbezogen. Diese Themenkomplexe sowie die im Sozialisationsprozeß zu Tage tretenden Konflikte bzw. Übereinstimmungen mit Werten und Normen der Gesellschaft wollen im folgenden Referat näher beschreiben und Korrelationen mit Ergebnissen unserer narrativen Interviews aufzufinden. Einschränkend ist hier jedoch darauf hinzuweisen, daß 10 Interviews bei weitem nicht ausreichen einen repräsentativen Querschnitt zu erstellen.

2. Elemente des Identitätsbegriffs

Im folgenden werden wichtige Elemente des Identitätsbegriffs erläutert.

2.1 Individualität

Individualität bezeichnet das Gefühl der eigenen Einzigartigkeit, welches der Jugendliche entwickelt. (vgl. BAACKE 1991, S. 198 ff)

2.2 Selbst

Der Wahrnehmung des Selbst wird eine innere Differenzierung vorausgesetzt, durch die sich der Jugendliche selbst als jemanden wahrnimmt, der z. B. verschiedene Eigenschaften, Erwartungen und Verhaltensweisen besitzt. Die Ausbildung des Selbst sollte am Ende des Jugendalters soweit abgeschlossen sein, um sich als Hilfe für die Identitätsentwicklung zu erweisen. (vgl. BAACKE 1991, S. 204 f)

Nach William JAMES können drei Komponenten des Selbst unterschieden werden:

_ das materielle Selbst: Es besteht vor allem aus dem Körper. Auch Kleidung und Besitztümer zählen dazu. Ihr Verlust wird als Beeinträchtigung unserer Persönlichkeit empfunden.

_ das soziale Selbst: Es betrifft die soziale Anerkennung

_ das geistige Selbst: Es umfaßt die psychischen und geistigen Funktionen und Fähigkeiten des Menschen.

Das Selbst ist nicht nur rückbezüglich auf die eigene Person. Es enthält auch eine Beziehungsstruktur und definiert sich somit auch nach außen und von außen her. Ein schwaches materielles Selbst (z. B. Häßlichkeit, Armut) hat oft auch ein schwaches soziales und geistiges Selbst zufolge.

(vgl. BAACKE 1991, S. 205)

2.3 Rolle

Das Jugendalter ist der Zeitraum, in dem der Mensch kein Kind aber auch noch kein Erwachsener ist. Der Jugendliche wird bezüglich der Erwartungen, die seine soziale Umwelt an sein Verhalten stellt mit einschneidenden Veränderungen konfrontiert. Man erwartet von ihm, eine neue soziale Rolle zu spielen. Der Erwerb einer sozialen Rolle erfolgt durch verschiedene Arten von Lernprozessen. Unter einer sozialen Rolle versteht man inhaltlich Normen und Erwartungen der sozialen Umwelt; also dann, wenn sich bestimmte Verhaltenszüge durch Wiederholung oder Erwartung der anderen manifestieren. Ihre Bedeutung liegt in der sozialen Interaktion für die Identitätsbildung, also jener Interaktion, die zwischen Personen in ihrer Rolle als Gruppenmitglieder stattfindet. Ideales Rollenverhalten liegt dann vor, wenn die eigenen Erwartungen mit denen der anderen überein stimmen. Meist identifiziert sich das Individuum mit seiner Rolle. Man spricht von Internalisierung des Rollenverhaltens. Während des Heranwachsens kommen, im Rahmen der sekundären Sozialisation zahlreiche neue Rollen hinzu. (vgl. DE WITT & VAN DER VEER 1982, S. 80 f und BAACKE 1991, S. 211 ff)

Einerseits dienen die Rollen liegt als Interaktions-Codes, die helfen die Kommunikation zu sichern. Andererseits haben sie auch eine negative Seite. Indem sich der Jugendliche auf andere einläßt, wird er auch von ihnen beobachtet und soll ihre Erwartungen erfüllen. Mit anderen Worten bieten Rollen auf der einen Seite einen Spielraum für den Ausdruck des eigenen Wesens; auf der anderen Seite wird der Jugendliche durch die Erwartungen der Interaktionspartner zur Entfremdung von sich selbst gezwungen. (vgl. BAACKE 1991, S. 213)

2.4 Kontext

Unter Kontext versteht man das konkrete Bedingungsgefüge (gesellschaftliche Lage, historische Situation, ...), das die Eigenart, Wahl und das Ausagieren der Rollen bestimmt. (vgl. BAACKE 1991, S. 216f)

3. Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz

1. Neue und reifere Beziehungen zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts aufbauen

2. Übernahme der männlichen oder weiblichen Geschlechtsrolle

3. Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung und effektive Nutzung des Körpers

4. Emotionale Unabhängigkeit von den Eltern und von anderen Erwachsenen

5. Vorbereitung auf Ehe und Familienleben

6. Vorbereitung auf eine berufliche Karriere

7. Werte und ein ethisches System erlangen, das als Leitfaden für das Verhalten dient - Entwicklung einer Ideologie

8. Sozial verantwortliches Verhalten erstreben und erreichen”

(SCHENK-DANZINGER 1993, S. 357)

Diese Entwicklungsaufgaben werden von HAVIGHURST definiert. Hat der Jugendliche diese Aufgaben bewältigt so kann man davon ausgehen, daß er seine Identitätsfindung weitgehend erfolgreich geleistet hat, wobei es sich jedoch um einen lebenslangen Prozeß handelt.

4. Selbstfindung im Jugendalter

Die Gesamtheit der Probleme bei der Identitätsentwicklung wird als Selbstfindung bezeichnet. Wird im zweiten und dritten Lebensjahr insbesondere das Ichbewußtsein aufgebaut, so bildet sich im Jugendalter das Selbst als Wahrung der eigenen Person heraus. (vgl. HANISCH 1985, S. 11)

SCHENK-DANZINGER hebt in diesem Zusammenhang die Entwicklung einer persönlichen Kontur hervor, der sich aber nicht mit dem Abschluß der Pubertät erschöpft, sondern ein lebenslanger Prozeß ist.

Als unabdingbar erweist sich die Fähigkeit zur Selbstreflexion in Bezug auf innere Prozesse, wie eigenen Gefühle und Gedanken. Der Jugendliche entwickelt Empathie.

In der Phase der Selbstreflexion treten für den Jugendlichen drei Fragen zutage:

1. Wie bin ich? (die Frage nach der subjektiven Identität)

2. Wie möchte ich sein? (die Frage nach der optativen bzw. wünschbaren Identität)

3. Für wen hält man mich? (die Frage nach der zugeschriebenen Identität)

Ziele für die Entwicklung der Persönlichkeit werden vom Jugendlichen gesetzt, immer im Bewußtsein ihrer Wirkung auf andere.

(vgl. SCHENK-DANZINGER 1994, S. 196 u. 371)

4.1 Verlauf der Selbstfindung

Die Selbstfindung verläuft von außen nach innen. Zuerst erfolgt die Beachtung der äußeren Erscheinung und dann erst die der inneren Vorgänge.

4.1.1 Kritische Betrachtung der äußeren Erscheinung

Die Gleichaltrigen in Form der peer group werden zum ausschlaggebenden Moment bezüglich Elementen des äußeren Erscheinungsbildes. Spezielle von der peer group favorisierte Kleidungsstücke, Markenartikel und Frisuren werden zum Wunschobjekt, das erworben werden muß, um anerkannt zu werden. Das Fehlen dieser sowie Äußerlichkeiten, die von den Jugendlichen als Unzulänglichkeiten empfunden werden, wie Akne, Sommersprossen, Übergewicht und Körpergrößenabnormalitäten sind oft Auslöser für Unsicherheit.

Es kommt zur Nachahmung von Idolen und Vorbildern bezüglich der äußeren Erscheinung. Man denke derzeit an verschiedene Boy-Groups wie die ”Backstreet Boys” oder ”Caught In The Act”.

Diese erste Stufe der Identitätsfindung ist durch einen Zwiespalt gekennzeichnet. Subjektiv glaubt der Jugendliche durch die Nachahmung eines von vielen akzeptierten Vorbilds sein Selbst finden zu können, objektiv bedeutet diese Überidentzifizierung mit Vorbildern einen weitgehenden Identitätsverlust. (vgl. SCHENK-DANZINGER 1993, S. 372)

4.1.2 Betrachtung der inneren Vorgänge

In der zweiten Stufe der Selbstfindung wendet sich der Jugendliche seinem Inneren zu. Er baut sich eine optative (wünschbare) Identität auf, welche meist mit der subjektiven, tatsächlichen Identität nicht übereinstimmt. Dabei werden beachtliche Spannungen erzeugt, die sich verringern, wenn der Jugendliche glaubt seinem Wunschbild näher gekommen zu sein. Erlebt der Jugendliche jedoch Mißerfolge beim Bestreben seinem Vorbild näher zu kommen, so vergrößern sich die inneren Spannungen. Die Diskrepanz zwischen dem Ist-Zustand der subjektiven Identifikation und dem Soll-Zustand der optativen Identifikation regt den Jugendlichen zur Selbsterziehung an, wobei oft bedeutende Anstrengungen in Kauf genommen werden. (vgl. SCHENK-DANZINGER 1993, S. 372)

”Wenn die optative Identität jedoch von Leitbildern gesteuert wird, die die Anpassung an zu akzeptierende Normen erschweren, kann es zu beachtlichen temporären oder sich verfestigenden Fehlhaltungen kommen.” (SCHENK-DANZINGER 1993, S. 372)

Die Adoleszenz ist eine Phase der Innenwendung. FEND führte ein Untersuchung dieser Innenwendung durch, wobei er die Selbstaufmerksamkeit (als die stärkere Beobachtung des eigenen Innenlebens) und die Häufigkeit des Tagebuchschreibens als Indikatoren verwendete.

Das Ergebnis dieser Untersuchung bestätigte die zunehmende Selbstaufmerksamkeit mit zunehmendem Alter. Es kommt zu einer gesteigerten Selbstreflexion in der die Jugendlichen herausfinden wollen, wer sie sind und wie sie sich verändern. Dabei stellen sie sich diese Fragen selber und nicht mehr den Eltern oder anderen Bezugspersonen.

Ein auffallenden Aspekt des Untersuchungsergebnisses ist der große Geschlechtsunterschied bei der Selbstbeobachtung. Während sich Jungen und Mädchen bei der Selbstbeobachtung im 12. Lebensjahr noch sehr ähnlich sind, steigt die Selbstreflexion bei Mädchen kontinuierlich an. Bei den Jungen hingegen bleibt sie bis zum 15. Lebensjahr in etwa konstant und zeigt nur im 16. Lebensjahr einen Anstieg. (vgl. FEND 1990, S. 89 ff)

4.2 Die Ebenen der Identitätsfindung

Die Identitätsfindung ist ein Reifeprozeß, welcher nach HEINELT vier Stadien durchläuft:

_ reflexible Ebene: aus einer nachdenklichen - zurückblickenden Sicht

_ optative Ebene: aus einer wünschenswerten - zukünftigen Sicht

_ akzeptative Ebene: aus einer billigenden - zustimmenden Sicht

_ soziale Ebene: aus einer nach außen offenen Sicht

4.2.1 Die reflexible Ebene der Identität

Durch die Weiterentwicklung der intellektuellen Fähigkeiten des jungen Menschen ist er in der Lage sich selbst zum Gegenstand der Beobachtung und des Denkens zu machen. Es wird ihm somit möglich seine eigenen Gefühle und Empfindungen zu verarbeiten. Der junge Mensch erkennt seine Fähigkeiten und kann so seine Grenzen festlegen. Er formt sich ein erstes Bild vom eigenen Ich. Es hängt nun vom Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ab, ob es zu eine Übereinstimmung zwischen dem Selbstbild und der realen Selbsteinschätzung kommt. Fehleinschätzungen der Fähigkeiten könne schwerwiegende Konsequenzen für die Berufswahl oder auch für die Ehe bewirken. Im Falle einer derartigen falschen Selbstreflexion besteht die Gefahr, daß sich der Jugendliche in die innere Welt zurückzieht und sich von der Außenwelt abschließt. Nicht unbedeutenden Einfluß auf die Selbsterkenntnis haben die Urteile anderer Menschen.

4.2.2 Die optative Ebene der Identität

Der Jugendliche entwickelt vor allem durch die Orientierung an Vor- und Leitbildern ein ideales Bild von sich selbst, welches er verwirklichen möchte. Dieses beinhaltet seine beruflichen und persönlichen Zukunftsperspektiven. Ein Problem unserer Zeit ist die Einwirkung der Massenmedien, durch die Vor- und Leitbilder suggeriert werden, die vom Jugendliche im Normalfall nicht erreicht werden können. Diese Manipulation wird vom Jugendlichen oft nicht erkannt, woraus sich eine negative Einwirkung auf die Selbstfindung, durch ein Nichterreichen der gewünschten Rolle ergibt.

Die optative Ebene ist positiv beendet und somit für den Jugendlichen nützlich, wenn er sagen kann, ”ich weiß was ich will und mit meinen Fähigkeiten auch erreichen kann.” Der Jugendliche findet also zu seiner Identität. (vgl. HANISCH 1985, S. 15)

4.2.3 Die akzeptative Ebene der Identität

Auf dieser Ebene kommt es zu einer Annahme der eigenen Person und zu einer Bejahung des Lebens. Dabei ist es für den Jugendlichen wichtig zu wissen, daß er auch von anderen Menschen mit seinen spezifischen guten und schlechten Seiten akzeptiert und angenommen wird. Je intakter die Familienverhältnisse, desto wahrscheinlicher ist es, daß der Jugendliche zu einem positiven Selbstbild findet. (vgl. SCHENK-DANZINGER 1993, S. 374)

Wenn es der Mensch nicht schafft, sich selbst anzunehmen, kann dies die Entstehung von Feindbildern zufolge haben, um den inneren Konflikt abzuwehren. Eine geglückte Selbstannahme hingegen, die auch die Übernahme der Berufs- und Geschlechtsrolle impliziert, führt zu mehr Selbstvertrauen und ist die Voraussetzung dafür, Mitmenschen mit Vertrauen, Offenheit und Toleranz zu begegnen. (vgl. HANISCH 1985, S. 16 f)

Unter einer Rolle versteht man die Summe der Verhaltenserwartungen, die die Gesellschaft an eine Person heranträgt. (vgl. SCHENK-DANZINGER 1993, S. 188)

4.2.4 Die soziale Ebene der Identität

Gruppen von Gleichaltrigen mit gleichen oder ähnlichen Interessenlagen, meist auch aus der selben sozialen Schicht bezeichnet man als Peer Groups. (vgl. BAACKE 1991, S. 229) Der Jugendliche sucht den Kontakt zu Gleichaltrigen, um sich leichter vom Elternhaus zu lösen. Werden von diesen Verhaltensweisen praktiziert, die mit dem Normensystem der Herkunftsfamilie nicht übereinstimmen, kann es zu einer verschärften Identitätskrise des Heranwachsenden kommen.

In der Peer Group hat der Jugendliche die Möglichkeit Dinge zu tun, die aus der Schule bzw. dem Berufsleben ausgeklammert sind. In der Freizeit werden Meinungen gebildet, hinterfragt und gefestigt, Probleme diskutiert und Kontakte zu anderen Jugendlichen geschlossen. Es stehen also affektive Lernziele im Mittelpunkt. Für den Erzieher ist es deshalb wichtig zu wissen, in welchen Peer Groups der Jugendliche verkehrt. (vgl. NAUDASCHER 1977, S. 109)

5. Identitätskrisen

ERIKSON beschreibt eine Identitätskrise als eine grundsätzlich normale und vermeidbare Irritation in der jugendlichen Entwicklung (vgl. BAACKE 1991, S. 229) Der Jugendliche wird als zweifelnd und konfliktgeladen beschrieben. (vgl. NAUDASCHER, 1977, S. 68)

Folgende Faktoren können selbst bei guten psychischen Startbedingungen zu Identitätskrisen führen:

_ Die ständige Sorge, die Selbstkontrolle, das Gleichgewicht zu verlieren. Jugendliche empfingen oft die Veränderungen an ihrem Körper als ”Verhäßlichung”

_ der Wunsch nach eigener Unabhängigkeit, von der man noch nicht weiß, wie sie aussieht und ob man ihr gewachsen ist

_ die Sorge, den steigenden Erwartungen und Ansprüchen der anderen zu entsprechen. Der Jugendliche ist sich noch nicht sicher, ob er die übertragenen Aufgaben auch lösen kann.

_ die wachsende Bedeutung der Gleichaltrigen

(vgl. BAACKE 1991, S. 234)

Um zu verhindern, daß diese Schwächen von anderen ausgenutzt werden, haben Jugendliche eine Reihe von Mechanismen (Verdrängung, Zurückweisung, ...) ausgebildet. Dadurch eröffnet sich ihnen die Möglichkeit mit ihrer Angst fertig zu werden. Während die äußerlich unauffälligen sich eher mit ihrer Angst auseinandersetzen, müssen sich die auffälligen eher mit ihrer Aggression auseinandersetzen. Aggressionen äußern sich oft als Angriff. Dieser ist aber mit gesellschaftlichen Sanktionen für den Angreifer verbunden. Die Schwierigkeiten mit denen der Angreifer zu kämpfen hat, können so jedoch nicht beseitigt werden. (vgl. BAACKE 1991, S. 235 ff)

6. Gelingen und Mißlingen der Selbstfindung

Ist die Selbstfindung erfolgreich gelungen, zeigt der Jugendliche relativ überdauernde und konstante Einstellungen, Überzeugungen und Werthaltungen, die auf eine gefestigte Persönlichkeit hindeuten.

Aber nicht jeder findet sein Selbst. Eine gewissen äußerliche Eigenständigkeit in Bezug auf z. B. Kleidung oder Haare mag zwar vorhanden sein, dennoch bleiben manche Jugendliche in dieser Phase stecken. Andere wiederum finden aus einer introvertierten narzistischen Selbstreflexion nicht heraus, die den Betrachter auf Selbständigkeit verweist, tatsächlich aber nur Selbstgenügsamkeit ist. (vgl. HANISCH 1985, S. 20)

Arroganz und Überempfindlichkeit sollen oft mangelhaftes Selbstwertgefühl überdecken. Jugendliche, die selbst viel Kritik üben, vertragen es oft nicht kritisiert zu werden und reagieren mit hefitgen Aggressionen. Tatsächlich stellt dieses Verhalten nur eine Flucht vor der Konfrontation mit sich selbst dar. Weitere Folgeerscheinungen können Alkohol- bzw. Drogenmißbrauch und Sekten sein.

Von entscheidender Bedeutung für das Gelingen der Selbstfindung sind funktionierende, sprich unterstützende Bezugsgruppen. Deren gibt es drei: Eltern, Lehrer und die Gleichaltrigen (Peer-Group).

7. Psychosoziale Belastung im Jugendalter

Der Jugendliche gerät immer wieder in Lebenssituationen, bei denen er nur bedingt Strategien zur Lösung von Problemen entwickeln kann. Sein Ziel ist es die äußere Realität mit seinen inneren Ansprüchen in Übereinstimmung zu bringen. Man kann zwei Arten der Belastungsregulation unterscheiden, wobei die eine durch einen Verarbeitungsprozeß auf einer individuuminternen Ebene erfolgt, während die andere durch nach außen sichtbares Verhalten gekennzeichnet ist. (vgl. MANSEL 1991, S. 174 ff)

7.1 Innerer Versuch der Belastungsregulation

Hier kann man wiederum zwischen emotionaler Anspannung und negativer Selbstwertschätzung unterscheiden.

7.1.1 Emotionale Anspannung

Dabei handelt es sich nicht nur um eine subjektiv wahrgenommene Minderung der Lebensqualität. Gefühle spielen auch eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung und der Erarbeitung von Handlungsstrategien.

Positive Gefühle wie Glück, Freude und Zufriedenheit werden bei jungen Frauen weniger oft gefühlt als bei jungen Männern. Aggressive Gefühle wie Wut, Zorn und Ärger sind bei jungen Frauen spürbarer als bei jungen Männern.

Den größten Einfluß auf die emotionale Anspannung nimmt die Belastung durch schulische und berufliche Anforderungen, gefolgt von Beziehungsproblemen mit Eltern Unsicherheit der Realisierung der schulischen Ziele, materielle Mangellage und dem Geschlecht ein. (MANSEL 1991, S. 175 ff)

7.1.2 Negative Selbstwertschätzung:

Negative und positive Emotionen stehen in engem Zusammenhang zu dem Selbstbild und der Selbstwertschätzung der Person. Mit häufiger Wahrnehmung von neagtiven Gefühlen und dem Ausbleiben positiver Gefühle, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß die Person sich als minderwertig, unwichtig vorkommt und unzufrieden ist.

Beim Gelingen der Selbstfindung und dem Aufbau der Identität spielt das Selbstbild eine wesentliche Rolle.

Aus der Rosenberg-Studie (1968) läßt sich folgende Aussage ableiten:

Das Selbstwertgefühl junger Frauen ist negativer als jenes junger Männer.

Eine Untersuchung von Rosenmayr und Kreutz (1973) konnte auch einen Zusammenhang von Selbstwertgefühl und sozialer Schicht feststellen. Die wesentliche Aussage lautet:

Das Selbstwertgefühl ist umso geringer, je bescheidener die schulische Ausbildung ist. (vgl. SCHENK-DANZINGER 1993, S. 375).

7.2 Äußerer Versuch der Belastungsregulation

Bezüglich des äußeren Versuchs der Belastungsregulation wollen wirkurz den Medikamentenkonsum, den Mißbrauch von Alkohol und legalen Drogen und die Jugendaggressivität ansprechen.

7.2.1 Medikamentenkonsum

Medikamente bewirken auf Dauer keine Verbesserung der psychischen Befindlichkeit. Ebensowenig können sie helfen die Anpassungs- und Leistungsfähigkeit (wieder)herzustellen oder zu steigern. Die positive Wirkung von Arzneimitteln ist nur von begrenzter Dauer. Auf lange Sicht sind sie abzulehnen. (vgl. MANSEL 1991, S. 209 ff)

7.2.2 Drogenkonsum

Besonders Alkohol hat den zusätzlichen Reiz, bei seinem Konsum Erwachsenheit zu demonstrieren.

Weiters gibt es legal erhältiche Stoffe, wie z. B. Klebstoff, der durch die Nase eingeatmet wird, welche von Kindern und Jugendlichen als Droge mißbraucht werden. (vgl. LEIBOLD 1986, S. 82 ff)

7.2.3 Jugendaggressivität:

Gemeint ist hier nicht nie verbale Aggressivität, die in allen sozialen Schichten vorkommt und sich z. B. gegen Eltern und Geschwister richtet, sondern die tätliche Aggressivität, welche hauptsächlich in den unteren sozialen Schichten zu finden ist. Durch die vorhandene Statusunsicherheit kombiniert mit Alkohol kommt es zum Verlust der Hemmungen. Oft wird die Gruppenzugehörigkeit, bzw. die Position in der Gruppe durch Raufereien bestimmt. Einzelkinder lernen aggressives Verhalten im Vergleich zu Kindern mit Geschwistern, eher nicht. (SCHENK-DANZINGER 1993, S. 419 f)

8. Vor- und Leitbilder

Integraler Bestandteil des Selbstfindungsprozesses bei Jugendlichen ist im Regelfall seine Orientierung an Vorbildern und Leitfiguren.

Unter Orientierung an Vorbildern ist das Heranwachsen des jungen Menschen zu verstehen, der an Idolen oder in seinen Augen erfolgreichen Personen (Sportler, Musiker, Lehrer, Führungs-persönlichkeiten) seine Maßstäbe ansetzt, so oder ähnlich das Leben zu meistern. Oft träumen die Jugendlichen auch in ihrem Lebensplan eine vergleichbare zukünftige Rolle einzunehmen wie das Vorbild.

8.1 Wahl der Vorbilder bei Jugendlichen

Laut Haubner spielen die jeweilige seelisch-geistige Verfassung und der Entwicklungsstand Jugendlicher eine maßgebliche Rolle dafür, ob und welche Idole wirksame Bedeutung im Lebensbereich der Heranwachsenden erlangen.

( vgl. HAUBNER 1985, S.35).

Lückert definiert ein Vorbild als Person, welche ” ...für einen Menschen ein Ziel darstellt, welches er bei der eigenen Persönlichkeitsbildung anstrebt... ” (vgl. RÜCKERT 1965, S.79).

Hanisch wiederum sieht die Diversität der von Jugendlichen gewählten Vorbilder insbesondere durch eine Reihe von Einflußbedingungen determiniert:

a) durch Verfassung und Lage einer Gesellschaft

b) sowie eine Grundorientierung, welche kulturell fundiert ist

c) als Folge der Schulbindung und Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht

d) durch Alter des Jugendlichen; hier ist tendenziell eine Abwendung vom

Elternvorbild mit Alterszunahme zugunsten einer Ich -Zuwendung

bemerkbar.

e) Letztlich bedingt auch der jeweilige Entwicklungsstand des Jugendlichen

seine Vorbildwahl.

(vgl. HANISCH 1985, S.29ff)

Insgesamt ist die Unterstützung im Prozeß der Selbstfindung durch Rückhalt und Verständnis in einer gut funktionierenden familiären Umwelt sowie durch soziale Vermittlungsqualitäten in Schüler-Lehrer-Beziehungen von positiver und verstärkender Wirkung im erfolgreichen Bewältigen der sensiblen Phase des Selbstfindungsprozesses.

8.2 Typologien von Jugendlichen in ihrem Verhalten zu Vorbildern (nach Hanisch)

+ ”Naive”:

Zu geringe Distanz der Mädchen von sich selbst führt meist zu einem Entfall

der Wahl eines Vorbildes.

Im Gegensatz zur Vorbildlosigkeit der weiblichen Jugendlichen geben ”naive”

Jungen besonders Personen ihrer engeren Umwelt als Vorbild an, also bsw.

Eltern, ältere Freunde und auch Lieblingslehrer.

+ ”Konservative”

Auffällige Vorbildfreudigkeit typisiert diese Jugendlichen in ihrer Bindung an

nahe Bezugspersonen, also im Regelfall Familienmitglieder, welche intensiv

nachgeahmt und als hochstehende Autorität betrachtet werden.

+ ”Desinteressierte”

Aus Furcht vor zu großer Bindung an Vorbilder wird hierbei vom Jugendlichen

eine Anlehnung an andere Menschen abgelehnt.

+ ”Distanzierte”

Da ”distanzierte” Jugendliche absolute Vollkommenheit an Vorbildern

vergeblich suchen, wird eine Orientierung an Bezugspersonen, die auch

”schlechte” Seiten aufweisen , abgelehnt. Wie durch die ”Desinteressierten”

werden von ihnen Streber als Gegenvorbild erkannt.

+ ”Suchende”

Der Lebensplan wird von diesen Personen weitgehend selbst entworfen und

nur durch Zufall wird ein Vorbild gefunden, das aus Sicht des Jugendlichen

jeglicher Scheinheiligkeit , bürgerlicher Saturiertheit oder Routine abhold ist.

+ ”Entschiedene”

...wählen Persönlichkeiten wie etwa Christus, Ghandi und erachten insbeson-

dere Halbstarke als Gegenvorbild

Sowohl HANISCH als auch HAUBNER haben sich in Diplomarbeiten empirisch mit Vorbildern und Leitbildern von Gymnasiasten und Schülern des Polytechnikums, jeweils im Alter von durchschnittlich 15 Jahren befaßt.

HANISCH eruierte unter Schülern des polytechnischen Lehrganges die größte Vorbildattraktivität bei Sportlern (Sänger an 2. Stelle, gefolgt von Filmschauspielern).

Bei Schülern des Gymnasiums dominieren gedachte Vorbilder vor Sportlern und Sängern, wobei beide Gruppen (Polytechniker und Gymnasiasten) die Charaktereigenschaften ihrer Vorbilder als wichtigstes Kriterium mit annähernd 50% bewerteten (vgl. HANISCH 1985, S.131-132 - vgl. HAUBNER 1985, S.61).

9. Normen und Werte Jugendlicher

Im Rahmen der Sozialisation ab der Kindheit durchläuft der Jugendliche einen Verinnerlichungs- und Aneignungs-prozeß. Im Hinblick auf seine zukünftige Rolle und einen angestrebten Status in der Gesellschaft übernimmt der Heran-wachsende Verhaltensmuster von Eltern und Erwachsenen. Insbesondere muß er lernen, auch Verantwortung zu übernehmen und andere als gleichwertige Partner zu erkennen, deren Rechte es zu wahren gilt. Der Erwerb von Norm- und Wertgefügen ist aber nicht auf die Sozialisation bis zur Jugend beschränkt sondern nur provisorisch festgelegt, da veränderliche Familien- und Berufsverhältnisse im 3. und 4. Lebensjahrzehnt eine weiterführende Reifung der Persönlichkeit notwendig machen.

Schenk-Danzinger unterscheidet hinsichtlich des Aufbaus von Normen und Werten zwischen 3 aufeinander folgenden Stufen.

1) Zuerst werden Verhaltensnormen interiorisiert.

2) Sodann erfolgt die Verinnerlichung von spezifischen Normen von Leistungsverhalten.

3) Schließlich wird ein komplexes Wertgefüge aufgebaut (in ideologischer,

philosophischer, ggf. auch in religiöser Hinsicht).

9.1 Probleme bei der Wertbildung

Folgende auftretende Probleme können dem Jugendlichen den Zugang zur individuellen Wertbildung erschweren:

* Kontrolle des Handelns

Dies ist eng mit der Anforderung des Verantwortung-Übernehmens verknüpft, dem die

oftmals noch triebhaften Bedürfnisse des Adoleszenten diametral gegenüberstehen.

* Wertvorstellungen der Erwachsenen und daraus resultierendes Verhalten

gegenüber Jugendlichen

... sind von diesen oft nicht einsehbar, dies kann zu Rebellionsverhalten bei

Jugendlichen führen.

* Diversität von Normvorstellungen und Wertkomplexen einer Vielzahl von

Erwachsenen

Die Wertsysteme vieler Erwachsener, die Jugendlichen begegnen, müssen von diesen

in Einklang gebracht werden. Etwa soll der Jugendliche Haltungen von Lehrern,

Eltern oder anderen erwachsenen Bezugspersonen gegeneinander abgewogen werden;

der Jugendliche muß sich nicht selten für eine der Haltungen entscheiden.

(vgl. SCHENK-DANZINGER 1993, S.380 f)

Trotzdem die meisten Jugendlichen elementare Werte des v.a. von Eltern, Schule grund-

gelegte Sozial- und Leistungs-verhaltens übernnehmen, hat Shell in einer Untersuchung eine

Inkongruenz der Zustimmung zu unterschiedlichen Werten bei junger und älterer Generation

ermittelt.

Generell hoch wurden sog."alte" Werte wie Ordnungssinn, Sparsamkeit, Fleiß etc. von Erwachsenen bewertet (85% bezeichneten sie als wichtig), wohingegen 41% aller Jugendlichen deren grundsätzliche Bedeutung negieren (wie lediglich 9% aller erwachsenen Probanden).

"Neue" Werte wie spontan-lockerer Lebensstil, neue Lebensformen finden, Ausbrechen aus Sachzwängen lehnen hingegen 60% aller Erwachsenen als unwichtig ab, wobei dies wiederum 67% der befragten Jugendlichen als wichtig bezeichnen. Der Bruch in der Wertauffassung zwischen den Generationen wird hiermit evident.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, daß schon ein relativ geringer Altersunterschied zwischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Wertewandel in Bezug auf die Ablehnung der "alten"Werte mit sich bringt. Die Ablehnung von Sparsamkeit, Sauberkeit, guten Umgangsformen oder Pflichtgefühl ist innerhalb der Gruppe 21-24-jähriger erheblich höher als zwischen 15 und 17 Jahren, d.h. die Bedeutung der alten Werte nimmt in den ersten Jahren des Erwachsenen-alters markant ab (vgl. Schenk-Danzinger 1993, S.382f).

Offensichtlich haben die Jugendlichen die alten von elterlichen Bezugspersonen und schulischer Instanzen tradierten Wertvorstellungen interiorisiert und, ein Merkmal des Sozialisationsprozesses, als sehr hoch bewertet übernommen. Ist eine größere Entfernung von Elternhaus und Schule gelungen, hat der junge Erwachsene den Aufbau eines gewisses Selbstbildes und ein Überdenken von Werten bewerkstelligt, so wird die Bedeutung der alten Werte aus emanzipierter Einschätzung als weniger bedeutend eingestuft.

10. Wahl des Berufs, Lebensplanung

Als Selbstfindung in einem neuen Rahmen ist die Berufswahl als bedeutend für die Persönlichkeitsentwicklung einzuschätzen. Erfolg in der Berufsausbildung, Interesse an der beruflichen Tätigkeit sowie Hoffnung auf befriedigende Gestaltung der eigenen Zukunft stellen sich als bestimmende Faktoren für positives Selbstwertgefühl dar, dieses wiederum ist bedeutend für ein Gelingen der sozialen Integration.

Neben den Berufsanforderungen stellt aus entwicklungsgeschichtlicher Sicht die schon erwähnte Eingliederung in einen neuen sozialen Rahmen (nach Familie und Schule) die eigentliche Herausforderung dar. Wird diese bewältigt, also gelingt es dem Jugendlichen, sich persönlich durchzusetzen, sich in den neuen Rahmen der Kollegenschaft einzugliedern und anzupassen, ohne seine Persönlichkeit aufzugeben, so hat dies ebenso wie Erfolg in der Berufsausbildung positive Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl.

11. Abschließende Betrachtungen

Das stabilisierte Selbstbild stellt das eigentliche Ziel der Selbstfindung dar. Weder ist die Erkenntnis und Annahme der eigenen Persönlichkeit mit Ende der Adoleszenz abgeschlossen, es handelt sich hierbei um einen Prozeß der lebenslangen Reifung, noch kann die Selbstfindung in der Adoleszenz als leicht und friktionsfrei für den Jugendlichen, der um seine Persönlichkeit ringt, angesehen werden. Im Gegenteil wählt eine nicht geringe Anzahl von Jugendlichen gerade in dieser sensiblen Periode der Selbstfindung Scheinalternativen wie Alkohol, Drogen, Kriminalität oder auch Selbstmord.

Die Schwierigkeit, der für den Jugendlichen oft problemhaften Übernahme von neuen Rollen sollte m.E. insbesondere bei Autoritätspersonen wie Eltern oder Lehrern zum Bewußtsein um die "sensible Phase" für den zum Erwachsenen Heranreifenden führen, und zur Einsicht, diesen nicht mit zu vielen oder zu großen Herausforderungen zu überfordern. Wird etwa vom Jugendlichen verlangt, spezifische soziale Verhaltensmuster oder Anforderungen im schulischen System zu unvermittelt auszufüllen, so kann das bsw. in Verbindung mit sozialen Problemen in der Familie oder problemhafter Desintegration in Sozialgemeinschaften wie Klasse oder Peer-Group zu aus der Sicht des Jugendlichen ausweglosen Situationen und dies zu extremen Fluchtsituationen wie Ausbrechen aus dem System sogar bis hin zum Freitod führen.

Es sollte daher dem Jugendlichen in Bereichen, wo Jugendliche soziale und Leistungsnormen zu übernehmen haben, also insbesondere in Schule oder Familie, von Seiten der erwachsenen Bezugspersonen wie Eltern, Lehrern dem um sein Selbstbild ringenden Adoleszenten eine "Schonfrist" gewährt werden.

Ein derartiger Schonraum der Adoleszenz als Verlängerung der Kindheit wurde von wissenschaftlicher Seite schon mehrfach postuliert. Die Psychoanalytiker P. Blos und Erik H. Erikson begründen dies nicht nur mit den den Jugendlichen in Irritationen und Krisen führenden Veränderungen der körperlichen Akzeleration sondern insbesondere kritisiert Blos die geistige Überforderung in der Schule.

Er spricht davon, daß Jugendliche mit Lernanforderungen der Schule konfrontiert werden, die die Stufe der formalen Operation voraussetzen, welche aber nur bei etwa 45 % der Jugendlichen schon gegeben ist.

Zudem ist laut Blos der affektive Bereich, beim Jugendlichen de bei weitem bedeutendere zuwenig durch die Gestaltung des Schulcurriculums beachtet.

Die Jugendliche Mensch habe zuwenig Zeit und Hilfe, mit sich und der Welt ins Reine zu kommen. (vgl. BLOS 1972, S. 64-65)

In Erinnerung an meine Gymnasialzeit, kann ich anschließend an BLOS, nur Bestätigung seiner Erkenntnisse finden. Beispielsweise in Gegenständen wie Physik oder Mathematik wurden hohe Anforderungen formallogischen Denkens zu einem Zeitpunkt des Alters und der Interessen gestellt, wo konkret-angewandte Aufgaben eher interessant und besser verstehbar gewesen wären (Bsp: Technisches Werken oder auch Sequenzen praktischer Versuche in naturwissenschaftlichen Gegenständen).

NAUDASCHER argumentiert in ähnlicher Richtung und sieht die Theorie der Jugend als Schonraum durch unterschiedliche Gesetzgebungen auch historisch untermauert: Verbot der Kinderarbeit, Verlängerung der Schulzeit, Mindesturlaub für Jugendliche u. ä. (vgl. NAUDASCHER 1977, S. 58).

Um ein Resumée zu ziehen, die Erkenntnis gleichsam als Auftrag zu verstehen; es sollte dem Jugendlichen in Bereichen, wo Jugendliche Leistungs- aber auch soziale Normen zu übernehmen haben, insbesondere in Schule oder Familie, von Seiten erwachsener Bezugspersonen wie Eltern, Lehrern dem um sein Selbstbild ringenden Adoleszenten eine "Schonfrist” gewährt werden. Ich meine, man könnte es gleichsam auch als "Augenzwinkern bei der Kontrolle des Lernerfolges” umschreiben.

12. Glossarium

Adoleszenz

"... Anpassungsphase von kindlichem zu erwachsenem Verhalten ..."

(NAUDASCHER 1977, S.52)

Egozentrismus

... Ich-Bezogenheit des Kindes. Das Kind / der Jugendliche hat eine einzige

Vergleichsbasis zur Umwelt, nämlich sich selbst, eigene Wünsche und

Gefühle, eigenes Wollen und Bewirken.

(vgl. SCHENK-DANZINGER 1977, S.86)

Identitätskrise

... eine grundsätzlich normale jedoch vermeidbare Irritation jugendlicher

Entwicklung.

(vgl. BAACKE 1991, S.141)

Naudascher spricht auch vom "... Schwanken zwischen verschiedenen

Alternativen ..."

(NAUDASCHER 1977, S. 68)

Selbst

... die Wahrnehmung der eigenen Person und seiner Eigenschaften.

(vgl. HANISCH 1985, S.11)

Soziale Rolle

"... Summe der Erwartungshaltungen der Gesellschaft gegenüber einem

Individuum ..."

(SCHRAML, 1992, S.343)

Vorbild

Die Anlehnung an ein Vorbild bezeichnet die Ausrichtung nach dem

Verhalten ganz bestimmter Person (des Vorbildes), die beispielhaft wirkt.

(vgl. SCHENK-DANZINGER 1977, S.315)




13. Literaturverzeichnis

BAACKE, D. (1991). Die 13- 18-jährigen. Einführung in Probleme des Jugendalters.

Weinheim und Basel: Beltz Verlag

BÜHLER, Ch. (1991). Der menschliche Lebenslauf als psychologisches Problem.

Göttingen: Verlag für Psychologie Dr. Hogrefe

FEND, H. (1990 + 1991). Vom Kind zum Jugendlichen. Entwicklungspsychologie der

Adoleszenz in der Moderne - Band I + II. Bern: Verlag Hans Huber

HANISCH, C. (1985). Vor- und Leitbilder bei Schülern des polytechnischen Lehrgangs

(Diplomarbeit). Linz: Verlag der Universität Linz

HAUBNER, E. (1985). Vor- und Leitbilder von 15-jährigen Gymnasiasten (Diplomarbeit).

Linz: Verlag der Universität Linz

NAUDASCHER, B. (1978). Jugend und Peer-Group. Bad Heilbronn:

Verlag Julius Klinkhardt

NAUDASCHER, B. (1977). Die Gleichaltrigen als Erzieher. Bad Heilbronn:

Verlag Julius Klinkhardt

SCHENK-DANZINGER, L. (1993). Entwicklungspsychologie. Wien: Österreichischer Bundesverlag.

14. Interviews

Es ist hier an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß die Zahl der durchgeführten Interviews nicht ausreicht, um Theorien daraus abzuleiten oder zu widerlegen. Mangels einer repräsentativen Widerspiegelung tatsächlicher Verhältnisse ist die Erstellung des Fragebogens, die Durchführung der Interviews und deren Auswertung lediglich als persönliche Auseinandersetzung, gleichsam als empirischer Ansatz zum Thema der "Selbstfindung im Jugendalter" anzusehen und auch lediglich als solcher in der schriftlichen Ausarbeitung behandelt worden.

14.1 Interviewleitfaden

Jugendliche und Selbstfindung

14.1.1 Vorbilder, Leitbilder

1. Hast Du Vorbilder?

2. Warum hast Du gerade diese Person(en) als Vorbilder ausgewählt?

3. Was erwartest Du Dir von Deinen Vorbildern? Was wird für Dich durch sie besser? Was wird für Dich anders/besser, wenn Du ihnen ähnlicher wirst?

14.1.2 Selbstbild und Selbstwertgefühl

4. Wie bist Du? Wer bist Du? Beschreibe Deine wichtigsten persönlichen Eigenschaften! Bist Du mit Dir selbst zufrieden? Wenn nein, was möchtest Du ändern?

5. Bist Du mit Deiner gegenwärtigen Situation zufrieden (Schule, Familie, Freundeskreis)? Wenn nein, was möchtest Du ändern?

6. Wie wichtig ist Dir Dein Aussehen?

7. Wie sehen Dich andere? Welches Bild haben andere von Dir?

14.1.3 Abhängigkeit und Unabhängigkeit

8. Bist Du Mitglied in einer Gruppe (Clique)? Wenn ja, wie wichtig ist Die diese Mitgliedschaft? Wie abhängig bist Du von Deinen Freunden? Wenn Dein derzeitiger Freundeskreis wegfallen würde, würdest Du wieder neue finden?

9. Wie wichtig ist die Beziehung zu Deiner Familie (Geschwister, Eltern)? Besprichst Du Probleme mit ihnen. Hast Du öfter Konflikte mit Ihnen? Worüber geht es bei diesen Konflikten

10. Wie abhängig bist Du von Deinen Eltern?

14.1.4 Krisensituationen und Kernkonflikte

11. Welche Probleme/Ängste/Fragen beschäftigen Dich am meisten?

12. Wie werden Probleme gelöst?

13. Mit wem sprichst Du am häufigsten über Deine Probleme?

14.1.5 Zukunftsvorstellungen

14. Welche Pläne schmiedest Du für die Zukunft?

15. Was möchtest Du, daß an Deiner Person (Eigenschaften, Einstellungen, Aussehen, Beruf, Familie) in 10 Jahren anders/besser ist. Beschreibe Dein ideales Bild von Dir als Erwachsener.

14.2 Durchgeführte Interviews

Katrin

16 Jahre

7. Klasse Realgymnasium

1. ”Vorbilder”

Katrin beantwortete die erste Frage mit ”Nein”. Sie hat kein konkretes Vorbild. Manche Eigenschaften (teils auf Äußerlichkeiten bezogen, teils bezüglich des Verhaltens) von anderen Menschen gefallen ihr. Dennoch konnte sie mir kein Beispiel nennen.

2. ”Auswahl der Vorbilder”

Die zweite Frage erübrigte sich.

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

Katrin wörtlich: ”Ich erwarte eher etwas von mir.”

4. ”zur Person - Selbstbild”

Katrin beschrieb sich als nicht entscheidungsfreudig, etwas unzufrieden mit sich selbst und gut in der Schule, was sie aber nicht unbedingt mit gescheit assoziiert. Sie möchte nur ein paar Kleinigkeiten ändern, wie eine Spur mehr Selbstbewußtsein.

5. ”gegenwärtige Situation”

”Ja, ich bin schon zufrieden”

6. ”Aussehen”

”nicht wichtig, aber auch nicht unwichtig”

7. ”vermutetes Fremdbild”

”Die anderen sehen mich sicher anders, als ich glaube, daß ich bin. Manches sehen sie schlechter manches besser. Wenn ich zum Beispiel schlecht drauf bin, nehmen das die anderen oft ernster als ich selbst. Im Großen und Ganzen haben die anderen, denke ich, ein gutes Bild von mir.”

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

”Ja, meine Freunde sind mir schon wichtig. Ich möchte sie nicht verlieren, bin aber nicht von ihnen abhängig. Ich fände schon wieder neue, aber wie schnell? Es ist nicht leicht Menschen besser oder näher kennenzulernen.”

9. ”Beziehung zur Familie”

Die Beziehung zu ihrer Familie ist Katrin sehr wichtig. Sie bespricht auch Probleme mit ihnen. Schulprobleme eher mit ihren Eltern. Probleme mit Freunden und Eltern mit ihren Schwestern. Konflikte gibt es kaum, und wenn dann geht es nur um Kleinigkeiten.

10. ”Abhängigkeit von den Eltern”

Katrin findet, daß sie nicht nur finanziell von ihren Eltern abhängig ist. ”Sie helfen mir.”

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

”Was soll ich mal beruflich machen? Ich möchte einen Beruf, der mir mein Leben lang gefällt, wo mir nie fad wird.” Angst hat Katrin, daß sie einen Menschen verlieren könnte (durch Tod).

12. ”Lösung der Probleme”

Katrin löst Probleme am liebsten durch Überlegen. Sie sagt wörtlich: ”Ich bin kein so ein offener Typ. Ich denke gerne selber nach.” Manchmal berät sie sich aber auch mit anderen. Aber eigentlich, so meint sie dann, hat sie auch gar keinen wirklichen Probleme.

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Wie bereits oben erwähnt, spricht Katrin selten mit jemandem über Probleme, und wenn dann mit Freunden, ihren Schwestern oder Eltern.

14. ”Zukunftspläne”

Katrin hat keinen richtigen Plan und keine konkreten Vorstellungen. Dennoch meint sie, hätte sie fixe Ziele. ”Wie es sich ergibt. Finde ich jemanden mit dem ich Kinder haben will?”

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

Beruf, der ihr gefällt. Katrin möchte nie alleine sein, was sie aber ohnehin nicht annimmt, da ”immer Freunde dasein werden”. Das Aussehen ist ihr egal. Einstellungen und Eigenschaften sind vom zukünftigen Verlauf ihres Lebens abhängig.

Lisa

13 Jahre

4. Klasse Realgymnasium

1. ”Vorbilder”

Lisas eindeutige Antwort: ”Nein” Sie hat keine Vorbilder. Somit konnte sie auch die beiden darauffolgenden Fragen nicht beantworten.

2. ”Auswahl der Vorbilder”

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

4. ”zur Person - Selbstbild”

Sie beschreibt sich als nicht so selbstbewußt, nett, friedliebend, streiten macht sie fertig. Sie möchte gerne selbstbewußter, besser in der Schule und werden. Hier möchte ich noch anmerken, daß Lisa überhaupt nicht dick ist. Ihre Schwestern sind aber sehr dünn.

5. ”gegenwärtige Situation”

”In der Schule müßte ich mehr lernen.” Lisa streitet in letzter Zeit viel mit Freundinnen in der Schule. Da kommt es immer wieder zu Eifersüchteleien. Die eine Freundin ist beleidigt, wenn Lisa mit der anderen mehr redet als mit ihr. Die Situation in der Familie beschreibt sie als ”super”.

6. ”Aussehen”

”schon wichtig”

7. ”vermutetes Fremdbild”

”Meine Freundinnen und auch meine Familie finden mich nett und lieb.”

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

Lisa ist Mitglied in einer Gruppe, diese Mitgliedschaft ist ihr auch sehr wichtig. Es würde sie verletzen, wenn ihre Freundinnen sie verstoßen würden. In ihrer derzeitigen Schule glaubt sie keine neuen Freunde finden zu können; woanders schon.

9. ”Beziehung zur Familie”

Die Beziehung zur Familie ist Lisa schon recht wichtig. Probleme bespricht sie hauptsächlich mit ihrer älteren Schwester (Katrin, 16 Jahre alt), aber häufiger mit Freundinnen. Mit den Eltern redet sie auch über Probleme. Diese haben dann aber eher mit der Schule zu tun.

Konflikte gibt es kaum. Am ehesten mit ihrer zweiten Schwester (15 Jahre alt), da diese nur dann Probleme mit ihr bespricht, wenn sie gerade mit ihren Freundinnen zerstritten ist.

10. ”Abhängigkeit von den Eltern”

Auch für Lisa sind die Eltern nicht nur aus finanzieller Sicht wichtig.

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

”Werde ich die Schule schaffen? Daß jemand von der Familie stirbt, oder vielleicht sogar alle und ich dann alleine bin.” Lisa hat Schwierigkeiten mit Freundinnen in der Schule. Ihre beste Freundin geht in die Parallelklasse.

12. ”Lösung der Probleme”

Lisa möchte die Schule nach der 4. Klasse wechseln. Erstens möchte sie in eine Schule ohne Latein, zweitens rechnet sie sich nach einer berufsbildenden Schule mehr Berufschancen aus, für den Fall, daß sie danach keine weiterführende Ausbildung anstrebt und drittens wegen der nicht perfekten Beziehung zu ihren Freundinnen.

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Die oben erwähnte Freundin aus der Parallelklasse.

14. ”Zukunftspläne”

Lisa möchte ein Jahr ins Ausland gehen (England oder Amerika). Ihr Berufsziel ist Sozialarbeiter. Sie möchte Menschen helfen. Ein Mädchen in ihrer Klasse und deren Mutter werden vom Vater geschlagen und möchten von ihm loskommen. Hilfestellungen bei solchen Problemen, aber auch Bewährungshilfe oder Arbeiten mit Jugendlichen interessieren Lisa.

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

guter Beruf, Sozialarbeiter,

Lisa möchte weiterhin ein gutes Verhältnis zur Familie aufrechterhalten. Freund (im Sinne von Lebenspartner) möchte sie schon haben, heiraten möchte sie aber nicht bzw. nicht gleich bzw. später. Sie möchte flexibel sein und meint, sie wolle mehr ausprobieren. Kinder wünscht sie sich eines Tages schon.

Daniel

15 Jahre

HTL St. Pölten 2. Klasse

1. ”Vorbilder”

Daniels Vorbild ist sein Vater. Aber auch Sportler (Snwoboarder).

2. ”Auswahl der Vorbilder”

Sein Vater ist deshalb ein Vorbild, weil er es beruflich weit gebracht hat, weil Daniel auch so werden will und weil er ihn von Anfang an kennt.

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

”Wenn ich einmal so werden will, muß ich mich zusammenreißen und z. B. mehr lernen.”

4. ”zur Person - Selbstbild”

Daniel beschreibt sich als manchmal schlecht drauf, viel zu schüchtern, zu wenig selbstbewußt. Seine Augenbrauen gefallen ihm nicht. Er hält sich für nicht blöd. ”Ich mache alles im letzten Moment.”

5. ”gegenwärtige Situation”

Daniel ist mit seiner gegenwärtigen Position zufrieden, nur sein Liebesleben muß er noch aufbessern. (Er hat derzeit keine Freundin.)

In der Schule, so meint er, müßte er mehr lernen. Er hätte es auch gerne, wenn seine Familie ein bißchen öfter beisammen sitzen und reden würde. Auch die Beziehung zu seiner jüngeren Schwester wäre noch verbesserungsbedürftig.

6. ”Aussehen”

Das Aussehen ist für Daniel schon wichtig (er verfolgt einen gewissen Stil). Er würde gerne seine Haare anders tragen, was ihm aber seine Eltern nicht erlauben.

7. ”vermutetes Fremdbild”

Seine Freunde sehen ihn seiner Meinung nach als guten Freund. Sie können ihm alles erzählen. Bezüglich seiner Eltern meint Daniel, daß sie zuviel von ihm erwarten, da sie ihn besser einschätzen als er ist.

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

Daniel kann zwischen zwei Freundeskreisen unterscheiden. Jenem aus der Schule und jenem von zu Hause. (Eine mögliche Erklärung ist der weite Schulweg, so daß die Schulfreunde sehr weit weg wohnen.) Die Beziehung zu seinen Freunden von zu Hause beschreibt er als besser.

9. ”Beziehung zur Familie”

Die Beziehung zu seiner Familie ist ihm sehr wichtig. ”Sie geben mir Mut.” Er bespricht auch Probleme mit ihnen. Diese betreffen aber hauptsächlich die Schule. Andere Probleme bespricht er mit Freunden.

10. ”Abhängigkeit von den Eltern”

Daniel beschreibt sich als sowohl finanziell als auch gefühlsmäßig von seinen Eltern abhängig.

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

”Wie wird meine Zukunft aussehen? Werde ich die Schule schaffen? Bekomme ich einen Arbeitsplatz?”

12. ”Lösung der Probleme”

viel lernen, mit Freunden gut auskommen

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Daniel bespricht seine Probleme am ehesten mit Freunden. Mit seinen Eltern spricht er über Schulprobleme. Er meint aber, daß er auch mit anderen Problemen zu ihnen gehen könnte. Im Großen und Ganzen habe er aber gar nicht so viele Probleme.

14. ”Zukunftspläne”

Schule schaffen, Job, Freundin, vielleicht eine Familie, aber lieber würde er mit ihr die Welt bereisen

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

Daniel lebt als Erwachsener vielleicht in einer Wohnung, gemeinsam mit seiner Freundin/Frau. Kinder möchte er eher nicht haben. Er möchte viele Freunde haben und nicht nur zu Hause sitzen.

Thomas

17 Jahre

Elektriker-Lehrling

1. ”Vorbilder”

Thomas hat viele Vorbilder in allen Lebensbereichen (Schauspieler, Basketballspieler, Leute, die er auf der Straße sieht). Auch sein Vater ist für ihn ein Vorbild.

2. ”Auswahl der Vorbilder”

Thomas wählt seine Vorbilder aufgrund ihrer Art, Ausstrahlung und ihres Aussehens aus. Manche beeinflussen seine Kleidung.

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

Seine Meinung über sich soll durch seine Vorbilder und dadurch, daß er ihnen ähnlicher wird, besser werden. Außerdem möchte er selbstbewußter werden.

4. ”zur Person - Selbstbild”

Thomas beschreibt sich als sensibel, manchmal gemein, ohne zu wissen warum. Er ist für Gleichberechtigung auch Ausländern gegenüber. Er ist faul im Lernbereich, die hat sich aber nach der Schule gebessert. Er setzt sich gern für etwas wichtiges ein. Das Selbstbewußtsein fehlt ihm seiner Meinung nach jedoch noch; ebenso eine gute Ausstrahlung.

5. ”gegenwärtige Situation”

Thomas ist mir seinem Leben zufrieden. Er hätte gerne eine schönere Nase. Er möchte ein bißchen mehr mit seinen Freunden unternehmen. Die Beziehung mit seiner Freundin paßt. Wenn er in der Schule schlecht drauf ist, überträgt sich das auf seine Laune zu Hause. Das möchte er ändern.

6. ”Aussehen”

Sein Aussehen ist ihm sehr wichtig. Seine Freundin meint er sei eitel.

7. "vermutetes Fremdbild”

”Das ist total unterschiedlich. Das kann man schwer sagen. Ich denke zuviel darüber nach, was die anderen von mir denken könnten.”

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

Thomas ist Mitglied in verschiedenen Gruppen, die untereinander nicht zusammenhängen. Diese Mitgliedschaft ist ihm wichtig. ”Ich bin gerne mit meinen Freunden beisammen. Ohne sie könnte ich es mir nicht vorstellen.”

9. ”Beziehung zur Familie”

”Voll wichtig. Ich möchte niemals andere Eltern oder Geschwister haben. Ich bespreche viele Probleme mit ihnen und kann über alles mit ihnen reden.” Ein Streitpunkt ist das Taschengeld. Er fühlt sich dabei als Lehrling gegenüber seiner älteren studierenden Schwester oft benachteiligt.

10. ”Abhängigkeit von den Eltern”

Thomas beschreibt sich als sehr abhängig von seinen Eltern. Und dies nicht nur finanziell.

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

Als Problem nennt er das oben genannte Taschengeldproblem, wegen dem er oft auch ein schlechtes Gewissen hat, sich aber dennoch zurückgesetzt fühlt. ”Werde ich für immer mit meiner Freundin beisammen sein?”

12. ”Lösung der Probleme”

”Im Laufe des Lebens.”

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Freundin, Familie, Freunde

14. ”Zukunftspläne”

gutes Leben, Familie, Beruf, ”Das Ende meines Lebens soll so aussehen wie das meiner Großeltern.” Gemeint hat er hier hauptsächlich deren Beziehung, aber auch der Lebensart.

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

mehr Selbstvertrauen, glücklich verheiratet, mindestens zwei Kinder, die immer klein bleiben, Babys, die in der Nacht nicht weinen, viele Freund, mit denen er alles machen kann, nie zerbrechliche Knochen (Snowboarden), Welt ohne Kriege, Hunger (Startreck 5, alle arbeiten nur für den Fortschritt), unfallfrei Auto gefahren und weiterhin fahren.

Anna

13 Jahre alt

3. Klasse Hauptschule

1. ”Vorbilder”

”Nein - vielleicht eine Schauspielerin.”

2. ”Auswahl der Vorbilder”

”wegen der Ausstrahlung”

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

”Mein Vorbild beeinflußt mich nicht. Sie ist selbstbewußt und ich will es auch werden.”

4. ”zur Person - Selbstbild”

gescheit, faul, schlampig, ihre Freunde können ihr vertrauen

5. ”gegenwärtige Situation”

Anna ist schon sehr mit ihrer gegenwärtigen Situation zufrieden. Nur in der Schule, meint sie, könnte sie noch ein bißchen besser werden.

6. ”Aussehen”

”Nicht das wichtigste, aber wichtig.”

7. ”vermutetes Fremdbild”

”Finden mich alle ganz nett.”

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

Anna hat einen Freundschaftskreis, der seinen Ursprung in der Schule begründet. Dieser Freundschaftskreis ist ihr wichtig. Sie kann immer mit ihren Freundinnen reden. Sie beeinflussen, laut Anna, ihre Meinung nicht.

9. ”Beziehung zur Familie”

”Wichtig” Sie kann mit ihnen über ihre Probleme reden. Über Buben aber eher nicht. Bei Konflikten geht es meist um Kleidung oder Fortgehen.

10. ”Abhängigkeit von den Eltern”

Anna beschreibt sich als abhängig von ihren Eltern (nicht nur materiell).

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

”Nostradamus hat für 2000 den Weltuntergang vorhergesagt.” Andere Ängste stellen Krankheiten dar. Auch über Drogenabhängigkeit macht sich Anna Gedanken. Für sie selbst könne dies allerdings kein Problem werden, wie sie meint, da sie aufpaßt. Weiters fragt sie sich ob sie eines Tages von Arbeitslosigkeit betroffen sein wird.

12. ”Lösung der Probleme”

Zum Thema Drogen meinte Anna, daß sie aufpassen wolle und Drogen erst gar nicht ausprobieren würde. Bezüglich dem Problem der Arbeitslosigkeit, ist sie auch bereit schlechtere Arbeiten anzunehmen. Sie will sich auch in der Schule anstrengen.

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Freundin

14. ”Zukunftspläne”

Karriere machen. Ihre Familie soll gleichwertig sein.

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

Familie, gute Arbeit, beide Ehepartner arbeiten, selbstbewußter, ”Meine Kinder sollen mit mir reden können.”

Benjamin

13 Jahre

Realgymnasium 3. Klasse

1. ”Vorbilder”

”Nein” Eventuell einen Fußballspieler

2. ”Auswahl der Vorbilder”

Weil er ein guter Fußballspieler ist.

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

Nichts wird durch sein Vorbild besser. Nur daß er vielleicht mehr trainiert, besser Fußball spielt und dadurch bei seine Freunden mehr Ansehen erlangt.

4. ”zur Person - Selbstbild”

Benjamin hält sich für lieb, aber nicht recht hübsch.

5. ”gegenwärtige Situation”

Mit seinen Lehrern kommt er nicht ganz zurecht bzw. umgekehrt. Er hat manchmal Meinungsverschiedenheiten mit ihnen. Mit seinen Freunden ist alles in bester Ordnung.

6 ”Aussehen”

Er möchte etwas dicker sein, ansonsten ist er zufrieden. Sein Aussehen ist ihm nicht so wichtig. Er fügt aber hinzu, daß er auch nicht häßlich sein möchte.

7. ”vermutetes Fremdbild”

”Meine Freundin finden mich lustig. Die Lehrer mögen mich teilweise nicht, weil ich viele Scherze mache und im Unterricht viel rede. Für meine Familie bin ich der liebe kleine Bruder.”

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

Er und drei Freunde (Schulkollegen) nennen sich die ”fantastischen 4”. Sie sind sehr wichtig für ihn. Sie helfen sich immer gegenseitig.

9. ”Beziehung zur Familie”

Die Beziehung zur Familie ist ihm sehr wichtig. Er bespricht Probleme eher nicht mit ihnen. ”Ich habe keine Probleme, darum spreche ich auch mit niemandem darüber.” Konflikte sind sehr selten.

10. "Abhängigkeit von den Eltern”

”Ohne sie könnte ich nicht leben. Ich würde verhungern und erfrieren.”

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

”Ich habe keine Probleme! Eventuell die Frage: ”Werde ich je Arbeit finden?” Eine Lehrerin meinte, als Clown hätte ich gute Chancen, nur verdient man da nicht so gut.”

12. ”Lösung der Probleme”

”Gute Bildung. Da müßte ich aber was lernen.”

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Am ehesten spricht er mit Freunden über Probleme, wenn er mal Probleme hat.

14. ”Zukunftspläne”

”Ich will mal mit einer großen Yacht die Welt umsegeln. Geld brauch' ich dazu natürlich auch. Entweder durch Arbeit oder einen Lotto-Sechser.”

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

Benjamin hat davon noch keine Vorstellungen. ”Vielleicht einmal eine Familie.”

Melanie

16 Jahre alt

Berufsschule / Lehre Handelskauffrau

1. ”Vorbilder”

Eltern

2. ”Auswahl der Vorbilder”

"Sie haben alles, was ich auch haben will. Geld, großes Haus, guten Job."

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

”Ich will alles so machen wie sie und erwarte, daß ich dabei von ihnen unterstützt werde. Also sie sollen mich finanziell

unterstützen, wenn ich einmal baue.”

4. ”zur Person - Selbstbild”

M. glaubt Schmäh zu haben und wird im ihrer

5. ”gegenwärtige Situation”

"Eigentlich bin ich mit Schule und Freunden momentan zufrieden, aber mit meinen Eltern gibt es Probleme. Schon länger streiten wir ums Fortgehen. Ich gehe jedes Wochenende, oft auch während der Woche mit meinen Freunden aus (Disco "Fun") und komme immer erst in der Früh. Manchmal bleibe ich auch gleich bei meiner Freundin. Das sieht besonders meine Mutter nicht ein".

6. ”Aussehen”

"Sehr wichtig. Auch in der Firma schauen ja immer alle zuerst auf die Figur."

7. ”vermutetes Fremdbild”

" In unserer Klasse gibt es keine gute Gemeinschaft. Z.B. wenn einer hinfällt, dann lacht man eher noch darüber, als daß man fragt, hast Du Dir wehgetan? Ich glaube aber, daß ich von den anderen gut eingeschätzt werde, im Vergleich zu den meisten anderen. Mit den Arbeitskolleginnen habe ich ein super Arbeitsklima. Die denken sicher nur Gutes von mir."

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

M. glaubt nicht daß es eine Clique ist, wenn man immer mit denselben Freunden ausgeht, die wechseln immer ein wenig, die mitgehen. Ihre besten zwei Freundinnen sind immer dabei. Diese Gruppe ist ihr besonders wichtig.

9. ”Beziehung zur Familie”

Früher hat M. alles mit ihrer Mutter besprechen können. jetzt ist sie eigentlich selten mit ihren Eltern beisammen (beide berufstätig)

10. ”Abhängigkeit von den Eltern”

Sie entscheidet jetzt eigentlich fast alles selbst, früher war die Abhängigkeit größer auch wegen dem Taschengeld. Seit M. selbst verdient (4200 ÖS /Monat) bekommt sie weniger Geld von den Eltern, was auch einen Streitpunkt darstellt.

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

M. will den Betrieb ihrer Eltern (Schmuckgroßhandel) übernehmen und macht sich keine Sorgen um eine Arbeit, auch nicht um ihre Lehrstelle, da sie glaubt, ohnehin immer bei ihrern Eltern unterzukommen. Auch bei Umweltproblemen

hat sie keine Ängste, da es sowieso zuviele Menschen gibt, die . Eigentlich sagt sie, hat sie keine Sorgen, außer daß sie mehr Geld von den Eltern bekommen sollte, wie sie findet.

12. ”Lösung der Probleme”

Immer noch kann sie Probleme mit den Eltern lösen. Aber es muß dann leider lange diskutiert werden. Meist geben die Eltern nach. Wenn es aber um die Freunde geht ("Streit oder so") spricht sie mit einer ihrer beiden Freundinnen.

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Freundin oder Mutter.

14. ”Zukunftspläne”

"Viel Geld verdienen und einen coolen Freund". M. weiß noch nicht, ob sie Kinder haben will.

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

Selbständig. M.will Kontakt zu ihren Freundinnen behalten

Rene

15 Jahre

Berufsschule

1. ”Vorbilder”

Unique Two.

2. ”Auswahl der Vorbilder”

Weil R.deren Musik ("Dancefloor") taugt.

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

"Sie sollen keinen Blödsinn machen.

4. ”zur Person - Selbstbild”

R glaubt daß er cool ist und ein guter Musiker (Schlagzeug).

5. ”gegenwärtige Situation”

In der Schule ist er momentan in Englisch gefährdet. Zuhause hat er deswegen aber kaum Probleme. Seine Mutter findet zwar, daß er zu wenig für die Schule macht, aber der Vater bezahlt Nachhilfe.

6. ”Aussehen”

R. hält sich für sehr attraktiv. Immer wieder sagen ihm die Mädchen ("Weiber"), daß er "geil" aussieht.

7. ”vermutetes Fremdbild”

R. glaubt, daß seine Freundschaft gesucht ist, da er gut ankommt, vor allem bei Mädchen. Er glaubt nicht arrogant zu sein, obwohl das einige von ihm behaupten.

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

Die Band "the Hootchies" ist seine ihm sehr wichtige Freizeit-Gemeinschaft.

9. ”Beziehung zur Familie”

Mit den Eltern kommt er gut aus, sein jüngerer Bruder mag ihn besonders, er will auch einmal bei den "Hootchies" spielen. Richtig viel unternehmen kann er mit seinem Bruder aber nicht, da er vier Jahre jünger ist.

10. ”Abhängigkeit von den Eltern”

... ist finanziell noch gegeben, da R. zwar 4200 ÖS verdient, aber eine Vespa fährt und auch sonst viel Geld braucht. Meist geben ihm aber die Eltern, was er sich wünscht.

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

"Ich habe Angst, daß ich in Englisch am Schluß fliege." Die Mutter will ihm dann das Moped verkaufen.

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Die Freunde von der Band.

14. ”Zukunftspläne”

R. will Produzent von Computermusik werden, weil man da viel Geld verdient.

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

R. wird nicht heiraten sondern will das Leben genießen, seine Freundin(nen), R. glaubt nicht, daß er sich für eine entscheiden kann, sollen spitze aussehen.

Melanie

17 Jahre alt

Gymnasium

1. ”Vorbilder”

Eigentlich keines

2. ”Auswahl der Vorbilder”

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

4. ”zur Person - Selbstbild”

E. hält sich für eine Person, die sich etwas zu sagen traut.

5. ”gegenwärtige Situation”

Es geht ihr sehr gut. E. hat weder Probleme in der Schule, noch in der Familie.

6. ”Aussehen”

... hält sie für eigentlich nicht wichtig. Sie beurteilt andere nicht danach wie die ausschauen.

7. ”vermutetes Fremdbild”

E. glaubt, daß sie vielleicht nicht als sehr interessant oder in gesehen wird, da sich die meisten der Klasse eher für anderes interessieren. Da sie aber sehr gute Leistungen in der Schule erbringt, ist sie akzeptiert und auch als hilfsbereit bekannt, weil sie gerne anderen etwas erklärt.

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

Die katholische Jugend ist ihr sehr wichtig, auch der Jugendchor in dem sie singt. Ihre beste Freundin ist auch Mitglied des Chors.

9. ”Beziehung zur Familie”

Zu den Eltern und den beiden Brüdern (der eine studiert schon, der andere hat gerade mit dem Gymnasium begonnen) hat E. ein tolles Verhältnis, obwohl der Vater ihrem jüngeren Bruder mehr erlaubt als ihr, wie sie empfindet.

10. ”Abhängigkeit von den Eltern”

... wird finanziell schon als solche empfunden. E. wünscht sich oft schon ein eigenes Einkommen, da sie ein seltenes Hobby hat, sie sammelt altes Porzellan.

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

Keine Probleme

12. ”Lösung der Probleme”

Probleme werden immer im Gespräch mit den Eltern beseitigt.

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Mutter und Vater.

14. ”Zukunftspläne”

Sie will Medizin in einer anderen Stadt studieren und mit ihrer Freundin, die dasselbe plant, die Wohnung teilen.

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

Kinderärztin in einem Kinderkrankenhaus oder Kinderabteilung. E. weiß noch nicht, ob sie einen passenden Mann findet, aber eigentlich möchte sie heiraten und 1-2 Kinder.

Florian

13 Jahre

Gymnasium

1. ”Vorbilder”

Andreas Herzog. (Auch der eigene Vater ist ein Vorbild).

2. ”Auswahl der Vorbilder”

"Bester Fußballspieler."

3. ”Erwartungen an die Vorbilder”

F. glaubt, sein eigenes Spiel durch Nachahmen von Herzogs Technik verbesser zu können.

4. ”zur Person - Selbstbild”

F. hat viele Freunde und kommt eigentlich mit allen gut aus. Daher hält er sich für kameradschaftlich und kontaktfreudig.

5 ”gegenwärtige Situation”

"Alles in Ordnung. Bei bisherigen Schularbeiten einer der Besten in der Klasse." Leider hat sich Florian das Seitenband eingerissen und kann für mind. 2 Monate nicht Fußball spielen.

6. ”Aussehen”

F. glaubt, daß er gut aussieht. Auf seine Beinmuskeln ist er stolz.

7. ”vermutetes Fremdbild”

Da F. Fußball-Kapitän der Schulmannschaft ist, ist er eine Art Vorbild für viele. F. vermutet, daß die meisten seine Verletzung bedauern, sich aber diejenigen vielleicht freuen, die neidisch auf ihn sind.

8. ”Mitglied in einer Gruppe - Wichtigkeit dieser Mitgliedschaft”

Neben seiner Freundin, ist für F. der Fußballverein "Blaue Elf" wichtig.

9. ”Beziehung zur Familie”

Mit der kleineren Schwester streitet er eigentlich oft. Die Beziehung zu seinen Eltern ist okay.

10. ”Abhängigkeit von den Eltern”

F. sieht sich als abhängig von den Eltern, da diese seine große Sportausrüstung finanzieren.

Er findet aber, daß er das verdient, weil er ja gut in der Schule ist. Die meisten Entscheidungen seiner Eltern findet er richtig, aber es stört ihn, daß er nicht allein mit seinem Freund nach Wien zu Länderspielen fahren darf.

11. ”Probleme, Ängste, Fragen”

Das einzige Problem ist sein Seitenband.

13. ”Gesprächspartner bei Problemen”

Sein Vater und die Vereinsmitspieler haben ihn getröstet, und gesagt, daß sie ohne ihn sicher nicht so gut spielen.

14. ”Zukunftspläne”

F. möcht Fußballprofi werden. Wenn das nichts wird, dann will er Sportereignisse veranstalten oder ähnliches, wo er viel mit Sportlern zu tun hat.

15. ”ideales Bild als Erwachsener”

F. will seine Freundin heiraten und jedenfalls bei einem Verein spielen, wie sein Vater.

15. Auswertung der Interviews

Vorbilder, Leitbilder

1. Hast Du Vorbilder?

2. Warum hast Du gerade diese Person(en) als Vorbilder ausgewählt?

3. Was erwartest Du Dir von Deinen Vorbildern? Was wird für Dich durch sie besser? Was wird für Dich anders/besser, wenn Du ihnen ähnlicher wirst?

4 der 10 Befragten konnten kein Vorbild angeben. Bei allen genannten Vorbildtypen handelte es sich um reale Vorbilder. Eltern oder Elternteile (hier wurde bei männlichen Probanden dreimal der Vater genannt) gaben insgesamt vier Befragte an.

Bei Sportlern erfolgte in drei Fällen bei Burschen eine Doppelnennung, gekoppelt mit dem Vorbild des Vaters.

Insgesamt überwiegen bei den 13-15jährigen befragten Burschen die Sport- und Musikidole respektive der Vater.

Bei den befragten Mädchen fällt der hohe Anteil an Vorbildlosigkeit auf (60 % aller Mädchen = 30 % aller Befragten)

Im Falle jener die ein Vorbild angaben jedoch nicht die Eltern korrelierte die Begründung der Wahl, die Bereiche in denen außerordentliche Leistungen durch Vorbilder erbracht wurden, mit dem Haupthobby der Befragten. Die Eltern wurden überwiegend wegen Charaktereigenschaften als vorbildlich angesehen, nur in zwei Fällen deren materieller/pekuniärer Situation bzw. deren Erfolg im Beruf wegen. Die Angabe von Sport- oder Musikidolen erfolgte durchwegs aufgrund von deren Leistungen und nicht aufgrund von Charaktereigenschaften.

Selbstbild und Selbstwertgefühl

4. Wie bist Du? Wer bist Du? Beschreibe Deine wichtigsten persönlichen Eigenschaften! Bist Du mit Dir selbst zufrieden? Wenn nein, was möchtest Du ändern?

5. Bist Du mit Deiner gegenwärtigen Situation zufrieden (Schule, Familie, Freundeskreis)? Wenn nein, was möchtest Du ändern?

6. Wie wichtig ist Dir Dein Aussehen?

7. Wie sehen Dich andere? Welches Bild haben andere von Dir?

Unter fast allen Befragten ergaben die Aussagen kleine bis erhebliche Unzufriedenheiten mit dem eigenen Aussehen, Charaktereigenschaften etc., wobei die Mädchen selbstkritischer (auch bezüglich ihrer äußeren Erscheinung) waren als die Burschen. 60 % der weiblichen Befragten gaben an, irgendwelche Mängel zu haben. Auch 2 Burschen hatten Kleinigkeiten an ihrem Aussehen auszusetzen.

Mit der allgemeinen, gegenwärtigen Situation (Schule, familie, Freunde) sind 4 der 10 Befragten ganz oder überwiegend zufrieden. Zwei haben überhaupt keine Probleme (wenn man eine angegebenen kleinere Verletzung nicht als echtes Problem im Sinne der Befragung wertet).

Unter den Quellen der Unzufriedenheit steht die Schule an oberster Stelle. Echte Probleme stellt die Schule/ihre Anforderungen aber nur für 2 Probanden dar.

Das Verhältnis zu den Eltern ist lediglich für ein Mädchen durch echte Meinungsverschiedenheiten beeinträchtigt.

Alle glauben, daß andere ein überwiegend positives Bild von ihnen haben.

Abhängigkeit und Unabhängigkeit

8. Bist Du Mitglied in einer Gruppe (Clique)? Wenn ja, wie wichtig ist Die diese Mitgliedschaft? Wie abhängig bist Du von Deinen Freunden? Wenn Dein derzeitiger Freundeskreis wegfallen würde, würdest Du wieder neue finden?

9. Wie wichtig ist die Beziehung zu Deiner Familie (Geschwister, Eltern)? Besprichst Du Probleme mit ihnen. Hast Du öfter Konflikte mit Ihnen? Worüber geht es bei diesen Konflikten

10. Wie abhängig bist Du von Deinen Eltern?

Eine der Befragten glaubt, nicht zu einer Clique zu gehören, doch bezeichnet auch sie wie alle übrigen eine Gruppe von ständigen Freunden als sehr wichtig.

80 % geben den/die besten Freunde als bevorzugten Gesprächspartner bei Problemen an. 6 von 10 besprechen Probleme mit den Eltern, wobei allerdings 4 auch die Gleichaltrigen zusätzlich als Gesprächspartner angaben.

Alle Befragten gaben an, sich als materiell abhängig von ihren Eltern zu fühlen, wobei die finanzielle Abhängigkeit bei den schon verdienenden Lehrlingen geringer zu spüren war.

5 der Jugendlichen gaben an, daß sich die Abhängigkeit nicht nur auf Geld beziehe.

Krisensituationen und Kernkonflikte

11. Welche Probleme/Ängste/Fragen beschäftigen Dich am meisten?

12. Wie werden Probleme gelöst?

13. Mit wem sprichst Du am häufigsten über Deine Probleme?

Drei von zehn haben Angst vor möglichen Todesfällen im Kreis ihrer Bezugspersonen, ebensoviele beschäftigen Schulprobleme.

Demgegenüber macht sich die Hälfte der Befragten Sorgen, ob sie eines Tages Arbeitsplätze bekommen werden.

Zukunftsvorstellungen

14. Welche Pläne schmiedest Du für die Zukunft?

15. Was möchtest Du, daß an Deiner Person (Eigenschaften, Einstellungen, Aussehen, Beruf, Familie) in 10 Jahren anders/besser ist. Beschreibe Dein ideales Bild von Dir als Erwachsener.

Auf jeden Fall heiraten wollen 60 % der Probanden. 30 % sind sich diesbezüglich noch nicht sicher, bzw. wissen nicht, ob sie den passenden Partner finden werden. Der Kinderwunsch ist bei den Mädchen ausgeprägter (grundsätzlich wollen alle einmal ein Kind haben, nur eine ist sich nicht sicher). Ein Bursch lehnt die Familie rundweg ab.

Der häufigste Wunsch nach Veränderung betrifft nach dem Gründen der Familie das Ausüben eines entsprechenden Berufes. Ein Bursch und ein Mädchen geben an, besonders viel Geld besitzen zu wollen.

16. Lernkontrollfragen

Gehen Sie auf den Begriff der Rolle ein, und erläutern Sie warum es gerade im Jugendalter bezüglich der Rolle zu Problemen kommen kann!

Nennen und beschreiben Sie die vier Ebenen der Identitätsfindung!

Dem Jugendlichen stehen zwei mögliche Versuche der Belastungsregulation zur Verfügung. Welche sind dies? Beschreiben Sie kurz die jeweiligen Beispiele!

Nennen Sie die Typologien von Jugendlichen in ihrem Verhalten zu Vorbildern und beschreiben Sie jene mit der Sie sich rückblickend am ehesten bzw. am wenigsten identifizieren können!

Wenn Sie an die Probleme der Jugendlichen bei der Selbstfindung denken, welche Handlungsweisen erscheinen Ihnen, als zukünftiger Lehrer oder auch Elternteil dem Jugendlichen gegenüber als richtig? Begründen Sie ihre Angaben!

 


©opyright Julia Gschoßmann & Bernhard Gruber & Werner Stangl, Linz 1997.
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