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Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchule.html (YY-MM-DD)

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Peter Diepold

Modellversuch "Informatische[1] Bildung für Lehrerstudenten"

Antrag vom April 1996

Copyright © Pädagogik und Informatik.


Summary

In einem Kooperationsprojekt mit den Universitäten Dortmund und Dresden soll ein übergreifendes Konzept für eine informatische Bildung für Lehramtstudenten entwickelt und konkret in ein multimediales "Paket" von Lehrtexten, Skripten, Grafiken, Bild- und Tondateien, Lernsequenzen und Lernarrangements für Lehre und Selbststudium auf der Basis eines hypermedialen Systems online auf einem Server, offline auf CD-ROM umgesetzt werden.

Der Berliner Part dieses Modellversuchs wird sich drei Schwerpunkten widmen:

0 Ausgangslage und Voraussetzungen[2]

Zukunftsorientierte Ausbildung für die Informationsgesellschaft

Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, ist Deutschland als rohstoffarmes Land auf sein Bildungswesen angewiesen. Dieses soll breite Allgemeinbildung und berufliches Fachwissen so vermitteln, daß seine Absolventen für jene Bereiche qualifiziert werden, die auch in Zukunft eine hohe Wertschöpfung versprechen und den hohen Lebenstandard sichern helfen. Im 21. Jahrhundert werden dies anspruchsvolle Dienstleistungen, Beherrschung umweltschonender Technik und Informationsverarbeitung sein.

Was das Stichwort "Informationsgesellschaft" bedeutet, sei an einigen Beispielen erläutert. Das menschliche Wissen verdoppelt sich derzeit alle 5 bis 7 Jahre. Es gibt zwischen 100.000 und 300.000 Zeitschriften auf der Welt; das sind 3 - 10 Mio. Aufsätze im Jahr. Täglich werden 2.000 Bücher veröffentlicht; davon allein ein Drittel auf Englisch, Deutsch oder Französisch (230.000 jährlich). Täglich produzieren Wissenschaftler weltweit 7000 Arbeiten. Jährlich werden 800.000 Patente angemeldet.[3] Dazu kommen große Datenbestände in Industrie und Verwaltung.

Die Informationsgesellschaft produziert aber nicht nur eine immense Menge an Informationen, sondern speichert sie wie in einem globalen "Gedächtnis" und macht sie auf vielfältige Weise verfügbar: durch elektronische Datenverarbeitung und die weltweite Vernetzung der Computer.

Bislang war das Wissen der Welt in den großen Bibliotheken zu finden. Heute werden die papiergebundenen Bestände an Monographien und Zeitschriften ergänzt und zunehmend ersetzt durch elektronische Bibliotheken, die Datenbanken. In mehr als 8.000 öffentlich zugänglichen Datenbanken ist das Wissen unserer Zeit zusammengefaßt und so strukturiert, daß es mittels Bool'scher Logik in Sekundenschnelle in beliebiger Kombination abrufbar ist.

Diese Datenbestände können mit dem Computer am betrieblichen oder häuslichen Arbeitsplatz über Telefon- und Datenleitungen abgerufen werden. Über die Netze kann asynchron mit Einzelnen (elektronische Post) und Diskussionsgruppen (Usenet) kommuniziert werden, unabhängig von Zeit oder Entfernung. In den letzten Jahren hat eine beispiellose Entwicklung der Vernetzung von Computern eingesetzt; lokale, betriebliche, regionale und überregionale Netze wachsen zusammen. Das Wissenschaftsnetz "Internet" vereinigt inzwischen ca. 30 Millionen Benutzer weltweit - mit Wachstumsraten um 10 % im Monat.

Die amerikanische Regierung hat schon frühzeitig die Bedeutung der weltweiten Vernetzung von Computern für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesehen und propagiert schnelle "Daten-Autobahnen" mit freiem Zugang für alle Bürger. Sie fördert gezielt die Telekommunikation im Bildungsbereich.[4] Das ist für Deutschland ebenfalls zu erwarten. Denn "die Bereitstellung einer Nationalen Informations-Infrastruktur wird für die unmittelbare wirtschaftliche Zukunft und die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ähnliche Bedeutung erlangen wie das Straßennetz und die sonstigen Versorgungsnetze."[5]

Wenn die Schule ihrem Bildungsauftrag gerecht werden soll, muß sie ihre Schüler darauf vorbereiten, kompetent und kritisch mit der Informations- und Kommunikationstechnik umzugehen. Das bedeutet: die Technik der Telekommunikation beherrschen, Datensicherheit und Datenschutz beachten, soziale Regeln des Umgangs mit Kommunikationspartnern eines weltweiten Datenverbundes einhalten, Rechte anderer respektieren (z. B. Copyright) und insbesondere die kognitive Fähigkeit entwickeln, sich in einem verwirrenden Universum von Informationen zurechtzufinden, Prioritäten zu setzen, Informationen zu gewichten, zusammenzufassen, zu strukturieren, zu bewerten und adqäquat darauf zu reagieren.


Informatische Bildung für Lehrerstudenten

Dies stellt hohe Anforderungen an die kognitive und soziale Erziehung in der Schule. Und es setzt eine entsprechend hohe Qualifikation der Lehrer voraus. Die Vermittlung einer solchen Qualifikation will der geplante Modellversuch erproben.

Er steht im Kontext weiterer beantragter Modellversuche zur informatischen Qualifizierung von Lehrerstudenten. Als gemeinsames Produkt wird eine Konzeption zur informatischen Bildung in der ersten Phase der Lehrerausbildung entwickelt und in eine Reihe curricularer Bausteine umgesetzt, die als Medienverbund, multimedial angelegt und mit vielfältigen Verweisen verknüpft ("Hypertext") mit Arbeitstexten, Beispielen, Aufgaben, Lösungen, hochschuldidaktischen Hilfen u. a. m. anderen Universitäten für den Einsatz in Lehrveranstaltungen, aber auch für das Einzelstudium von Studenten, offline auf dem Server der Erziehungswissenschaft an der HUB, offline auf einer CD-ROM zur Verfügung gestellt werden soll.

Die unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkte der drei Modellversuche lassen sich wie folgt charakterisieren:

Prof. Dr. Peter Diepold, Humboldt-Universität zu Berlin:

Prof. Dr. Friedrich, TU Dresden

Prof. Dr. Renate Schulz-Zander, Universität Dortmund[6]

1. Aufgaben, Schwerpunkte, Ziele des Berliner Modellversuchs

Es sind zwei Bereiche, die als "innovatorisches Plus" durch die Abteilung Pädagogik und Informatik der Philosophischen Fakultät IV der Humboldt-Universität in das Medienpaket der vier Modellversuche eingebracht werden sollen: (1) inhaltlich das Stichwort Internet nebst Entwicklung eines universitären Informations- und Kommmunikatons-Systems, (2) didaktisch-methodisch ein handlungsorientierter Ansatz; ein dritter Schwerpunkt wird sich (3) mit Fragen der Evaluation der Modellversuche beschäftigen.


1.1. Computernetze

Wie bereits eingangs ausgeführt, sind Computernetze und Datenbanken zentraler Bestandteil der Informationsgesellschaft. Davon ist kaum ein Bereich ausgeschlossen, wie eine Übersicht der derzeitigen Netze zeigt; dies gilt auch für den Schulbereich:

Wissenschafts-Netze

kommerzielle öffentliche Netze, z. B.

private Mailbox-Netze, z. B.

Netze geschlossener Benutzergruppen, z. B.

Schul-Netze, z. B.

BLK-Modellversuche zu Schulnetzen

Zu den erziehungswissenschaftlich relevanten Datenbanken, die über Netze erreichbar sind und mit denen die Lehrerstudenten im Rahmen des Modellversuchs vertraut gemacht werden sollen, gehören u. a.

Im Rahmen des Modellversuchs sollen angehende Lehrer mit der passiven und aktiven Nutzung elektronischer Kommunikationstechniken so vertraut gemacht werden, daß ihre Qualifikationen den zu erwartenden zukünftigen Standards professioneller Lehrertätigkeit entsprechen. Dazu gehören:

Entwickelt und erprobt werden soll ein Informations- und Kommunikationssystem, in das sich Studenten aus den öffentlichen CIP-Räumen ebenso wie über Modem von ihrem häuslichen Computer-Arbeitsplatz aus einwählen können. Über dieses lokale Netz und den eigenen WWW-Server der erziehungswissenschaftlichen Institute ist dann der Zugriff auf die CD-ROM-Datenbanken der Humboldt-Universitätsbibliothek, auf die bereits existierenden Datenbanken der erziehungswissenschaftlichen Institute (Bibliographie Medienpädagogik, Literaturdokumentation Berufliche Bildung, Bibliographie Pädagogik und Informatik, diverse Lernsoftware), auf die von der Abteilung Pädagogik und Informatik entwickelte elektronische Studienberatung (mit Vorlesungskommentar) der erziehungswissenschaftlichen Institute, auf externe Datenbanken wie die des STN Karlsruhe und auf die weltweiten Ressourcen des Internets möglich.

Der Umgang mit diesen Systemen soll "handlungsorientiert" erfolgen (s. u.); das bedeutet in diesem Zusammenhang: Studenten können nicht nur Informationen zu Studienprogrammen und Prüfungsordnungen, zu Lehrveranstaltungen, Zeiten, Orten, Voraussetzungen u. a. gezielt und miteinander kombinierbar abrufen, sondern aktiv an elektronischen universitären Diskussionsforen mitwirken, mit ihren Dozenten über E-Mail kommunizieren, Hausaufgaben und Seminararbeiten online abgeben oder in Gruppen an gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten, ohne daß dafür in jedem Falle ein Raum belegt oder ein gemeinsamer Termin gefunden werden muß. Damit würden vorhandene Ressourcen der Universität effektiver und kostensparend genutzt und gleichzeitig neue hochschuldidaktische Möglichkeiten des Fernstudiums (distant learning, distant teaching) erfahrbar, die thematisiert und reflektiert werden sollten.

Dieses Informations- und Kommunikationssystem soll von Anfang an Modelle und Erfahrungen für ein übergreifendes Konzept multimedialer Unterstützung akademischen Lehren und Lernens ("Humboldt Online") liefern.


1.2. Handlungsorientierung

Der Bezug auf die Handlungstheorie[7] bedeutet in diesem Kontext, daß Studenten lernen, beim Einsatz der Informationstechnik

Ein entscheidendes Moment für die Akzeptanz der neuen Informations- und Kommunikationstechniken ist die sinnvolle, konstruktive und kritische Nutzung des Computers für die eigene Arbeit. Erst wenn für Lehrerstudenten der Computer als tägliches "Denkzeug" selbstverständliches Arbeitsmittel geworden ist, wird man erwarten können, daß sie ihn auch als Arbeits- und Unterrichtsmittel in der Schule einsetzen werden. Die Verankerung im reflektierten, täglichen Gebrauch ermöglicht den Transfer der Nutzung in der späteren Schularbeit, und zwar sowohl für die eigene Arbeit des Lehrers am Schreibtisch als auch für die Arbeit der Schüler im Unterricht.

Um dies zu erreichen, ist es didaktisch nötig, die Einführung in die IT so zu gestalten, daß sie für die Teilnehmer aktuell inhaltsbezogen erworben und systematisch auf mehreren Ebenen reflektiert werden kann, und zwar

1) einführend:

a) inhaltsbezogene Fertigkeit: praktische Erarbeitung in der konkreten, eigenen Nutzung im Studium. Hier geht es darum, daß Studenten den Computer als "Denkzeug" für ihre eigene wissenschaftliche Arbeit kennen und beherrschen helfen.

b) theoriebezogene Systematisierung: Fertigkeiten allein genügen nicht. Nötig ist vielmehr ein systematisches, theoretisches Verständnis der informatischen Zusammenhänge, das den Blick für die Möglichkeiten und auch die Gefahren der Informationstechnik für den Menschen schärft.

2) vertiefend:

a) Transfer auf Anwendungen im späteren Berufsfeld: An Beispielen aus pädagogischen Handlungsfeldern in Schule, Berufsbildung und Erwachsenenbildung soll gezeigt werden, wie die konkret erfahrenen und auf dem Hintergrund der Informatik reflektierten Kenntnisse und Fähigkeiten im beruflichen Alltag des Lehrers oder Erziehungswissenschaftlers benutzt werden.

b) Diskussion gesellschaftlicher Aspekte: Schließlich sollen die Themen in ihrer Vernetztheit mit Ökonomie, Ökologie, Politik u. a. reflektiert werden.

Dieses Vorgehen würde dem Studenten erfahrungsbezogen wesentliche Aspekte einer informatischen Grundbildung erschließen. Grundlegende inhaltliche Bereiche dafür wären u. E. Textverarbeitung, Datenverwaltung, Volltext-Recherchesysteme, Lernprogramme, Tabellenkalkulation, Telekommunikation. Am Beispiel des Themas "Datenverwaltung" soll dies exemplarisch veranschaulicht werden:

1a. Inhaltsbezogene Fertigkeit: Wissenschaftliches Arbeiten bezieht sich auf Literatur. Es liegt nahe, den Zettelkasten durch eine Literaturdatei zu ersetzen, die, systematisch gepflegt, einmal (richtig) bibliographierte Literatur jederzeit in beliebigem Format für Fußnoten oder Literaturverzeichnisse verfügbar macht. Die Studenten werden sich eine eigene Literaturdatei erstellen.

1b. Am Beispiel der eigenen Literaturdatei lassen sich dann systematisch Begriffe wie Datenfeld, Datensatz, Datei, Datenbank, Ordnung, Speicherung, Indizierung, Sortieren, Suchen u. a. demonstrieren. Die Systematisierung sollte Indizierung, relationale Datenbanken SQL-Methoden thematisieren.

2a. Transfer ins Berufsfeld: Datenbanken in Unternehmen, Schülerdateien, Schulverwaltung, Stundenplanung

2b. Gesellschaftliche Aspekte: Datensicherheit, Datenschutz, "Rasterfahndung", Recht auf informationelle Selbstbestimmung

Voraussetzung für den Modellversuch ist zweierlei:

1. Zugang zu Rechentechnik. Es stehen den Studenten der HUB mehrere modern ausgerüstete CIP-Räume zur Verfügung, die sowohl für Lehrveranstaltungen als auch für individuelle Übungen eingesetzt werden können, zusätzlich das eigene mit 12 Arbeitsplätzen ausgestattete Multimedia-Labor der Abteilung Pädagogik und Informatik.

Wir erwarten, daß mehr und mehr Studenten über einen eigenen Computer verfügen, den sie als Arbeitsmittel im Rahmen ihres Studiums benutzen.

Für die Nutzung des Internet am häuslichen Arbeitsplatz ist darüber hinaus ein Telefonanschluß und ein Modem nötig. An laufenden Kosten fallen für die Studenten nur Ortsgebühren zur Einwahl in die Telefonzentrale des Rechenzentrums an. Die erheblichen Kosten für die Jahresmiete der Standleitungen des Forschungsnetzes trägt die Universität aus zentralen Mitteln.

Innerhalb der Humboldt-Universität existiert ein leistungsfähiges Rechnernetz (SERVUZ), in das im kommenden Jahr sämtliche Abteilungen der erziehungswissenschaftlichen Institute eingebunden werden. Dieses Netz ist über das Rechenzentrum mit mehreren Anschlüssen auch telefonisch von außen erreichbar; das Rechenzentrum der HUB, mit dem wir nachhaltig kooperieren, hat die Unterstützung der Nutzung durch Studenten über Telefon/Modem inzwischen realisiert.

Seit Mitte 1994 betreiben wir einen eigenen Server im World Wide Web (WWW), der spezielle Angebote für Erziehungswissenschaftler und Lehrer enthält, u. a. ein elektronisches Beratungssystem für Lehrerstudenten, mehrere Datenbanken, Planspiele und Veröffentlichungen, weltweite Kontakte zu Schulen u.a.m.[8] Dieser Server hat sich in kurzer Zeit zu einem pädagogischen Zentrum im deutschsprachigen Teil des Internet entwickelt, das auch externe Institutionen wie DGfE, DIPF, FIS Bildung u. a. angezogen hat, die auf ihm mit eigenen Informationsangeboten vertreten sind. Dieser Server ist weltweit erreichbar über die internationalen Wissenschaftsnetze wie über kokmmerzielle Online-Dienste.

2. Verfügbarkeit von Programmen. Es wird zu gewährleisten sein, daß den Studenten Programme für Datenverwaltung, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Telekommunikation usw. zur Verfügung stehen. Dies ist auf den universitätseigenen Rechnern über Campuslizenzen gegeben. Für den häuslichen Gebrauch empfehlen sich Shareware, Public Domain- oder Freeware-Programme, die für einen geringen Preis oder kostenlos benutzt werden können, soweit die nötige Software - wie es zunehmend Praxis wird - nicht gleich im Rahmen des Betriebssystems (derzeit OS/2 oder Windows 95) kostenlos enthalten ist.

Es wird im ersten Stadium des Modellversuchs zu analysieren und zu erproben sein, welche Software nach noch festzulegenden Kriterien sich besonders gut für die Arbeit durch Studenten eignet und in welcher Weise man sie verfügbar machen kann.

Der Modellversuch an der Humboldt-Universität wird untersuchen, auf welche Probleme eine handlungsorientierte, induktive Lehr-Lern-Strategie stößt, wie sie zu lösen sind und für welche Studenten dieser Ansatz besonders vorteilhaft ist.


1.3. Forschung: Evaluation

Die beteiligten Universitäten haben eine enge Kooperation vereinbart. In diesem Zusammenhang sind auch gemeinsam abzusprechende Evaluations-Studien angesiedelt. Geplant sind:

1. Erhebung der anthropogenen Voraussetzungen von Lehrerstudenten bezüglich Computervorkenntnissen und -fertigkeiten, Einstellungen sowie theoretischer Kenntnisse in Abhängigkeit einer Reihe unabhängiger Variablen wie Fachrichtungen, angestrebter Studienabschluß, Geschlecht und Standort sowie im diachronen Verlauf über vier Jahre. Methode: Fragebogen und Auswertung mit multivariaten statistischen Verfahren.

2. Erhebung von Kenntnissen und Fähigkeiten von Absolventen am Ende des Studiums. Methode: Fragebogen mit quantitativen und qualitativen Daten. Vergleichsuntersuchungen von Lehrerstudenten an Universitäten der Modellversuche und an anderen Universitäten.

3. Bezüglich der Begleit-Untersuchungen zum Einsatz der Module des geplanten Medien-Pakets sowie der benutzten Lehr-Lern-Verfahren im Sinne formativer Evaluation ist vereinbart, daß die einzelnen Modellversuche dies zunächst selbst durchführen und dies ergänzen durch wechselseitige Visitationen über mehrere Tage (Methode: Teilnehmende Beobachtung, standardisierte Befragung, Intensiv-Interviews und Fallstudien).

Die Online-Nutzung der Materialien über unseren Server ist Teil der Evluation: Aus Server-Sicherheitsgründen werden alle Eingaben/Abfragen anonym protokolliert. Eine quantitative Analyse der Kommunikationsmuster und des Abrufs einzelner Hypermedia-Dokumente ist ebenso geplant wie die qualitative Analyse des Benutzerverhaltens.

Curriculare Einordnung des Modellversuchs

Es wird kein Modellstudiengang geplant; vielmehr soll unter den vorgegebenen Randbedingungen Berliner Lehrerausbildung eine informatische Grundbildung im Rahmen der erziehungswissenschaftlichen Anteile des Lehramststudiums (I-III) vermittelt werden, auf der eine fachdidaktische Vertiefung (IV) aufbauen kann.

Das erziehungswissenschaftliche Begleitstudium hat an der Humboldt-Universität einen Umfang von 12 Semesterwochenstunden (SWS); davon entfallen 2 SWS auf eine einführende Vorlesung, 2 SWS auf das Orientierungspraktikum und 2 mal 4 SWS auf zwei aus insgesamt fünf Studienbereichen.

Für für eine informatische Grundbildung stünden damit im Wahlpflichtbereich maximal 6 SWS zur Verfügung, die einführende Vorlesung (I), die Vorlesung (II) sowie das Hauptseminar III, die beide dem Studienbereich "Curriculum und Unterricht" zugeordnet sind.

Die Grundbildung findet ihre Festigung im Rahmen des handlungsorientierten Ansatzes durch den angestrebten täglichen Umgang der Studenten mit dem eigenen Computer einschließlich Nutzung der im Modellversuch entwickelten hypermedialen Materialien; sie findet ihre fachliche Vertiefung durch geeignete Lehrveranstaltungen in den Fachdidaktiken der gewählten Studienfächern.

Im folgenden wird das erziehungswissenschaftliche Angebot, das durch die Abteilung Pädagogik und Informatik erbracht wird, näher erläutert:

I. Pädagogik und Informatik. Eine Einführung in pädagogische Theorie und Praxis (erziehungswiss. Einführungsvorlesung, 2 st.)

II. Der Computer als Medium für Lehr-Lernprozesse (erziehungswiss. Vorlesung 2 st. + wahlfreies Tutorium 2 st.)

Folgende Themen werden im Überblick behandelt:

Zu dieser Vorlesung wird ein wahlfreies 2-stündiges Tutorium angeboten, in dem interessierte Lehramtsstudenten in den praktischen Umgang mit Programmen für Schüler und Lehrer sowie in die Arbeit mit Netzen handlungsorientiert eingeführt werden.

III. Computer und Lehrer im informationstechnischen Zeitalter (erziehungswiss. Hauptseminar, 2 st.)

Dieses Hauptseminar, in dem der Schein erworben wird, faßt die vorangegangenen zwei Veranstaltungen zusammen, verdichtet und systematisiert sie hinsichtlich eines konkreten Themas, stellt die Informations- und Kommunikationstechnik in übergreifende Zusammenhänge und bereitet auf die Prüfung vor.

Das Lehrangebot der Abteilung Pädagogik und Informatik sieht Seminare zu folgenden Themen vor:

IV. Informatische Qualifizierung im Rahmen der Fachdidaktiken

Darüber hinaus findet in unterschiedlichem Maße eine informatische Qualifizierung im Rahmen des Fachstudiums statt: Zum einen wird im Rahmen der Methodik des Fachstudiums der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik demonstriert, thematisiert und eingeübt, z. B. Simulationen komplexer Prozesse in Natur- und Wirtschaftswissenschaften, computergestützte statistische Analyseverfahren in den Sozialwissenschaften, computergestützte qualitative Analysen von Text in den Philologien u. a. m. Zum anderen wird im Rahmen der Fachdidaktiken in unterschiedlicher Weise und Intensität - je nach personellen, organisatorischen und curricularen Voraussetzungen - der Einsatz des Computers für Lehr-Lern-Prozesse in den Schulfächern thematisiert (so z. B. im Physik-, Mathematik-, Sprach- oder Wirtschaftslehre-Unterricht).

Die Verantwortung für diesen Teil einer informatischen Ausbildung für Lehrerstudenten liegt ausschließlich bei den Fächern bzw. ihren Fachdidaktiken, doch bestehen zwischen der Abteilung Pädagogik und Informatik der HUB und einzelnen Fächern Arbeits- und Kooperationskontakte. Begrüßt und unterstützt wird unser Vorhaben, im Rahmen des erziehungswissenschaftlichen Studiums eine theoretisch fundierte Grundlage für eine integrative Nutzung der neuer Informations- und Kommunikationstechniken in den Fächern zu legen, auf die die Fachdidaktiken aufbauen können. Die Kooperation soll dahingehend vertieft werden, daß im Modellversuch Konzepte einer aufeinander bezogenen erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen informatischen Bildung von Lehramtsstudenten entwickelt und erprobt werden.


2. Durchführung des Modellversuchs / Zeitplan

Die Durchführung des Modellversuchs soll in folgenden Schritten erfolgen:

Vorbereitungsphase (1.4.96 bis 30.9.96)

Pilotphase (1.10.96 bis 31.09.97)

Darüber hinaus:

Erster Modellversuchsdurchgang (1.10.97 bis 30.9.98)

Erste überregionale Fachtagung der vier Modellversuche zur Diskussion mit interessierten Fachvertretern anderer Universitäten

Implementation und Transfer (1.10.98 bis 30.9.99)

Zweite überregionale Fachtagung zur Vorstellung des Multimedia-Pakets.

3. Wissenschaftliche Begleitung

Es ist eine gegenseitige wissenschaftliche Begleitung der Modellversuche geplant (vgl. den Punkt "Evaluation" oben.)

4. Zeitplan (s.o. zu 2.)

5. Abstimmung mit Modellversuchen vergleichbarer Themenstellung

Die Abstimmung mit den o.g. vier Modellversuchen, ggf. auch mit dem Modellversuch des Landes Sachsen-Anhalt, wird durch regelmäßige Konsultationen, Austausch der entwickelten Materialien, eine Arbeitstagung pro Jahr, die gemeinsame Evaluation sowie durch die Erstellung des gemeinsamen Multimedia-Produkts realisiert.

6. Einordnung in die Planung des Landes und der Hochschule

Die Koordinierung der Arbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin wird durch die Abteilung Pädagogik und Informatik (Lehrstuhlinhaber: Prof. Dr. Peter Diepold) geleistet. Auch mit Abteilungen außerhalb der erziehungswissenschaftlichen Institute sowie mit der interdisziplinären "AG für Arbeits- und Technikgestaltung, Organisationsentwicklung und Personalentwicklung" an der Humboldt-Universität bestehen Kooperationskontakte.

Die Struktur- und Berufungskommission des ehemaligen Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Humboldt-Universität hat mit der Einrichtung eines eigenen Lehrstuhls für Pädagogik und Informatik die zunehmende Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnik für die erziehungswissenschaftliche Qualifizierung von Lehrern dokumentiert. Zwar gehört Pädagogik und Informatik derzeit noch erst zum Wahlpflichtprogramm des erziehungswissenschaftlichen Curriculums, doch erwarten wir, daß zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine informatische Bildung für Pädagogen grundständig verankert werden wird. Die dafür nötigen innovativen Konzepte sollen in den beantragten Modellversuchen schon jetzt entwickelt und erprobt werden. Wir fühlen uns darin ermutigt und bestärkt durch die Forderung der Projektgruppe "Innovationen im Bildungswesen" der BLK:

"Die Hochschulen müssen ihre Bemühungen um differenzierte Studienangebote im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechniken fortsetzen. Die Forschung auf diesem Gebiet ist - gegebenenfalls unter Bildung von Schwerpunkten - weiter zu verstärken. Insbesondere sollte eine informatische Bildung zum Pflichtbereich der Lehrerausbildung gehören." (Informationsschrift über Modellversuche im Bildungswesen, 1992, S. 20)

7. Vorstellungen zur Umsetzung von Ergebnissen und zur Übertragbarkeit
(überregionale Bedeutung)

Wir erwarten, daß die in dem Modellversuchsverbund entwickelten, aufeinander abgestimmten und an den verschiedenen Standorten mehrfach erprobten Konzeptionen und Materialien des Multimedia-Pakets als Grundlage für die informations- und kommunikatonstechnische Qualifizierung auch an anderen Standorten eingesetzt werden, und zwar sowohl in der akademischen Ausbildung (wo diese das schon vorsieht) als auch in der Selbstqualifizierung der Studenten durch das multimediale Produkt.

Darüber hinaus werden neue Modelle des Lehrens und Lernens der Informationsgesellschaft entwickelt und erprobt, die für die Zukunft der Universität als Mittler zwischen Theorie und Praxis wichtig werden. Dies betrifft Konzepte des elektronischen Publizierens ebenso wie die eines "virtuellen Hörsaals", verteilter Gruppenarbeit, der "virtuellen Bibliothek" u.a.m. Wir planen, etwa ab 1997 an interessierte Kollegen anderer Universitäten Teile der Materialien zur Erprobung weiterzugeben und sie von Anfang an durch Informationen am Entwicklungsprozeß zu beteiligen. Nach 2000 werden die Ansprüche an eine Professionalisierung der Lehrerbildung für die Informationsgesellschaft u. E. so gestiegen sein, daß die Forderung nach einer curricularen Integration informatischer Qualifizierung in die Lehramtsstudiengänge von einem breiten bildungspolitischen Konsens getragen wird. Dann wird es sich auszahlen, wenn innovative curriculare Konzepte und erprobte Materialien zur Verfügung stehen.

Ihre Entwicklung muß jetzt beginnen.



Diese Materialien werden im Rahmen des BLK-Modellversuchs "Informatische Bildung für Lehrerstudenten" (IBL) entwickelt und gepflegt. Soweit nicht anders angegeben, liegen alle Rechte bei: Pädagogik und Informatik, Humboldt-Universität, 10099 Berlin, Geschwister-Scholl-Str. 7, Tel. (030) 2093-4178; Fax: -4198. Die Verbreitung des Dokuments als Ganzes oder von Teilen davon in elektronischer oder auch gedruckter Form ist erwünscht unter der Bedingung, daß der Titel des Dokuments und der URL genannt werden. Eine kommerzielle Nutzung ist ausdrücklich untersagt.

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