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"Ausstattung der Zugänge zum internet"


Es stimmt zwar, daß etwa 1000 Schulen entweder über e-mail oder über eine homepage verfügen, doch das Gros der Schulen haben eine e-mail-Adresse oder eine webpage über einen Provider. Permanente Verbindungen mit eigenen domains sind selten, es sind vermutlich in Österreich nur einige Dutzend und diese beschränken sich auf einige HTLs und auf einen kleinen Teil der AHS.

Viele Zugänge zum internet sind das Ergebnis von Privatinitiativen von LehrerInnen oder auch Gewerbebetrieben vor Ort. Manchmal muß auch der Firmen-PC von LehrergattInnen dafür herhalten, die Schule oder eine Klasse im net zu präsentieren. Solche Initiativen sind allerdings an mancher Stelle von der jetzt anlaufenden Vernetzungswelle bedroht, denn vermutlich kann das meiste aus Kompatibilitätsgründen nicht in das geplante Einheitsnetz übernommen werden.

Man findet in der technischen Ausstattung eine sehr breite Streuung. So besitzt etwa die HTBL Hollabrunn über eine 64 (bald 128) kbit/s Standleitung ins Schulrechenzentrum Wien, über 150 voll internettaugliche PCs, neben WWW auch FTP, NNTP, TELNET, Mail-Server, Proxy, DNS im eigenen Haus. Andere - und das ist die Mehrzahl der Schulen - besitzen oft nur einen einzigen für Lehrer kaum zugänglichen Direktions-PC, der über Modem am net hängt.

Eine andere üppigere Konfiguration: Unsere "Schule besitzt eine Glasfaser-Standleitung der SAFE Salzburg; daran angeschlossen zwei Schulungsräume, die Bibliothek und die Verwaltung.Jeder Schüler und Lehrer hat zeitlich unbegrenzten und kostenlosen Zutritt zum Internet. Für jeden Lehrer und Schüler wurde eine eigene E-Mailadresse mit elektronischem Postkasten eingerichtet. Für Lehrervertreter, Schülervertretung und die Klassenvorstände und dem Direktor gibt es eigene elektronische Briefkästen, deren Nutzung wir in den nächsten Monaten für interne Kommunikation implantieren wollen. Ich beabsichtige auch, das Internet im Bereich der Erwachsenenbildung einzusetzen, weil die kommerziellen Anbieter m.E. horrende Preise für Interessierte verlangen."

Allerdings, was nützen die schönsten technischen Einrichtungen, wie ein EDV-Verantwortlicher schreibt, wenn "... vom BMUK nicht dafür gesorgt wurde, daß die NT-Netzwerk-Konfiguration für den Schulbetrieb angepaßt geliefert wurde. Daher steht derzeit zwangsläufig die Technik und noch nicht die Auswertung im Unterricht aller Fächer im Vordergrund, sodaß die Nutzung der Internet-Anbindung bis dato hauptsächlich nur im Informatik-Unterricht stattfindet."

Viele Ausstattungen sind die Folge von Projekten, etwa dem 1996 gestarteten zur "Vernetzten Bildung"( http://www.newmedia.at). In einer ersten Phase dieses Projekts wurde untersucht, "was geschieht, wenn man sechs Schulklassen samt ihren Lehrern und Lehrerinnen mit Notebooks, Modems und Druckern ausstattet und ihnen darüberhinaus den Zugang zum Internet ermöglicht? Wie wirkt sich das auf den Unterricht aus, auf Lehrer- und Schülerrolle, auf Lehr- und Lernprozeß, wie auf das Kommunikationsverhalten inner- und außerhalb des Schulbereichs?"

Generell scheint die Industrie zunehmend Gefallen daran zu finden, Ihre Produkte in den Schulen einzusetzen, wie etwa in den mit Unterstützung des Bildungsministeriums umworbenen "PROJEKTSCHULEN". Im Werbetext dazu heißt es:

Ziel dieser Partnerschaft ist es, Oesterreichs Schulen auch weiterhin mit
dem neuesten Technologien zu unterstuetzen sowie eine Plattform zu schaffen,
die Novell s IT-Loesungen evaluiert und auf die Anforderungen des
Schulsektors Einfluss nimmt. Sie erhalten von Novell die neueste Software bzw. Betaversionen der
naechsten Produktreleases oder technologischen Neuerungen und testen als
Projektschule die Produkte.

Offensichtlich ist man daran interessiert, die Schulen als Experimentierfeld für die eigene Software zu akquirieren. Aber daß user als beta-Tester auch von kommerzieller software eingesetzt werden, ist ja nichts so Neues ... ;-) Auch gut betreute und etablierte Einrichtungen wie die mailinglist von Blackboard können "außer Kontrolle" geraten und sich gewissermaßen selbständig machen, wie das vorweihnachtliche mail-Aufkommen dieser list zeigte.

Es müßte den Verantwortlichen, die an unseren Schulen flächendeckend das internet installieren wollen, klar sein, daß solche Systeme eine kontinuierliche Betreuung brauchen. Denn es ist nicht besonders ermutigend, jemanden etwa via e-mail zu kontaktieren und dann statt einer prompten Antwort folgende Meldungen zu erhalten:

    **********************************************
    **      THIS IS A WARNING MESSAGE ONLY      **
    **  YOU DO NOT NEED TO RESEND YOUR MESSAGE  **
    **********************************************
 
The original message was received at Sat, 7 Feb 1998 16:50:50 +0100 (MET)
from alijku04.edvz.uni-linz.ac.at [140.78.182.1]
 
   ----- The following addresses had transient non-fatal errors -----
<***@asn-graz.ac.at>
 
   ----- Transcript of session follows -----
<***@asn-graz.ac.at>... Deferred: Connection timed out with ns1.borg-graz.ac.at.
Warning: message still undelivered after 4 hours
Will keep trying until message is 5 days old

Vor allem an Wochenenden sind solche verordneten Netze oft äußerst instabil, aber das internet kennt eben keine Amts-, Dienst- oder Schulstunden ;-)

Mayrhofer (1998) beschreibt - zwar für .de, was wohl aber auch für .at gilt - die Misere: "Der entscheidende Unterschied ist, dass es bisher in Schulen keine Infrastruktur gab, die von der Komplexität annähernd mit der von heutigen Rechnernetzen vergleichbar ist. Auch das Nebenstellen-Telefon-Netz ist so einfach strukturiert und normiert, dass es gut von einer Firma zur Zufriedenheit aller Benutzer gewartet werden kann. Rechnerbetreuer greifen noch immer zur Selbsthilfe unter Vernachlässigung ihrer eigentlichen Aufgaben, weil eine Wartung von erforderlicher fachlicher Qualität derzeit nirgends vorgesehen ist. Die Meinung der Laien ist, Rechnersysteme seien wie z. B. Videorecorder. Wenn "etwas kaputt" ist, läßt man es reparieren und das war's. Rechnernetze sind aber eher verteilten "Produktionsstätten" vergleichbar, deren komplexe Verbindungsstrukturen und verteilten Ressourcen mit raffinierter Logistik koordiniert werden. Diese "Produktionsstätten" werden auf die vielfältigste Art von Lehrern, Schülern (Anfänger!) und sonstigem Personal genutzt. Es geht an solchen Systemen bei der Qualität heutiger Hardware nur selten etwas Materielles kaputt, aber es sind permanent Koordinationsfehler, Hindernisse, Ablagerungen, Störungen, usw. zu beseitigen, um das komplexe Zusammenspiel funktionsfähig zu erhalten und neuen "Produktionsbedürfnissen" anzupassen."

Blick über die Grenzen

Ein Blick über die Grenzen zeigt, daß es im deutschsprachigen Ausland ähnlich aussieht: Eine ältere Erhebung von internet-Projekten in Niedersachsen via e-mail wurde von Anke Scholz 1996 in Niedersachsen (BRD) durchgeführt (Scholz 1996). Auch sie ist hinsichtlich der oft kolportierten "paradiesischen Zuständ" eher skeptisch: "Computer sind in nahezu allen Schulen vorhanden, über das Offene Deutsche Schul-Netz ist ein extrem kostengünstiger Zugang zum Internet möglich, die Kultusministerien der meisten Bundesländer unterstützen vielfältige telekommunikative Aktivitäten. Was also wollen wir denn eigentlich noch?" Sie weist in ihrer Arbeit auf die offensichtliche Diskrepanz zwischen Schein und Sein hin und resumiert:

"Leider kann von einer in Niedersachsen flächendeckenden Verwirklichung dieser Vorhaben noch nicht gesprochen werden. Grund dafür ist unter anderem die derzeit desolate finanzielle Situation im Bildungsbereich. Ein weiteres Hindernis stellt die bisher fehlende Kooperation der Interessierten auf lokaler Ebene dar. Selbst wer großes Interesse an dem Einstieg in die Telekommunikation zeigt, scheitert oft an der unübersichtlichen, sich noch entwickelnden Netzstruktur und nur selten vorhandenen grundlegenden Informationen. Sogar nach erfolgter Anbindung an eines der vorhandenen Netze, fühlen sich Neueinsteigende häufig von der Vielzahl der Möglichkeiten überfordert. Ohne meist langwierige Recherchen und intensive Bemühungen um entsprechende Kontakte besteht kaum die Chance, ein für die jeweilige Gruppe passendes Projekt zu finden".

In der Schweiz finden sich vermutlich ähnliche Zustände. Wie in einem Artikel in Zürich Online ein anonymer Autor feststellt, kehrt an den Schulen Ernüchterung ein:

"Schulen ans Netz lautete vor einem halben Jahr die Devise. Im ganzen Land herrschte Aufbruchstimmung und Begeisterung für das Internet. Der Höhepunkt war erreicht, als Microsoft-Chef Bill Gates den Schulen Software für das Internet stiftete und der Bund gleich 2500 alte Computer dazu spendete. Ein halbes Jahr später hat sich Ernüchterung breit gemacht. Die von Bill Gates bei einem Besuch in der Schweiz gespendeten 5000 Betriebssysteme nützen den oft mit Apple-Rechnern ausgestatteten Schulen wenig. Die Altrechner aus der Bundesverwaltung sind bisher nicht gesichtet worden. «Die haben wahrscheinlich erst hinterher gemerkt, dass sie nicht nur verschenkt, sondern auch noch abgebaut und geputzt werden müssen», meint Christina von Waldkirch, Vorsteherin des Amtes für Bildungsforschung in der Berner Erziehungsdirektion. (...)

Auch 1998 verfügen viele Schweizer Schulhäuser über nur sehr mangelhafte Computerausstattung. «Wenn der schnellste Computer im Schulhaus ein 386er Rechner ist, nicht über ein Modem verfügt und im Lehrerzimmer steht, dann können Sie das Internet im Unterricht glatt vergessen», klagt ein Ostschweizer Lehrer. Die Investitionsfreude der zuständigen Behörden hält sich offenbar in Grenzen." (Ohne Autor 1998).

Fazit

Wie hieß es doch in der Einleitung: "Solange eine Schule mit 3000 Schülern mit einer 128 kBit/s-Leitung "im Internet" ist, und es dank nachfolgender Engstellen zu 300 bps-Übertragungen (und beliebig darunter) kommt - und das ist noch Gold, wie berichtet wird, sollten wir den Jubelmeldungen mit Skepsis begegnen". Bisher sind die vorbereiteten Anschlüsse bzw. Bandbreiten nur ein kleiner Anfang, der bei den derzeitigen staatlichen Förderungen und privaten Unterstützungen wohl eher dazu angetan sind, eine generelle Verbreitung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologiendurch den bei der Nutzung entstehenden Frust eher zu verhindern als zu fördern. Denn angesichts solcher niedriger Übertragungskapazitäten wird etwa die Informationssuche im internet zu einem Geduldsspiel, das innerhalb der üblichen Unterrichtsstruktur kaum unterzubringen ist.

Persönliche Anmerkung: Selbst die überdurchschnittlich gute technische Ausstattung an der Heimuniversität des Autors bringt es noch mit sich, daß die im Rahmen universitärer Lehre gestellten einfachen internet-Aufgaben (etwa das Suchen von Informationen zu einem vorgegebenen erziehungswissenschaftlichen Begriff) von den StudentInnen vielstundenfachen Einsatz in der Freizeit verlangen.

Als sinnvolle Alternative zu den derzeit im Gießkannenprinzip verteilten Mitteln - die vermutlich in Milliardenhöhe liegen - hielte ich die Förderung schon bestehender Initiativen und dabei einer gewissen Großzügigkeit für effektiver. Wie ein Überblick über österreichische und internationale Entwicklungen (insbesondere in der BRD und in der Schweiz) zeigt, dürfte die gezielte Förderung von einzelnen Schulprojekten am sinnvollsten sein, die dann als Beispiel vorgestellt werden können, aus denen dann andere Schulen lernen können (best-practice). Allerdings muß hier eine offene Kommunikation ermöglicht werden, d.h., es sollten nicht Studien vorrangig zur Erweiterung der Publikationslisten der Mitarbeiter erstellt werden, vielmehr sollten in interaktiver Form mit den untersuchten Schulen im internet nachvollziehbare und erkennbare Leistungen präsentiert werden.

Wie ich derzeit noch hoffe, werden einige entsprechende Privatinitiativen auch die oben angesprochene Vernetzungswelle überleben und möglicherweise für eine fruchtbar-konspirative Untergrundvernetzung sorgen, die in Konkurrenz zum Einheitsnetz tritt. Wie bisherige Erfahrungen mit dem internet gezeigt haben, sind verordnete Vernetzungen wenig erfolgreich, vielmehr ist es der schon angesprochene Wildwuchs, der für die Verbreitung sorgt. Zwar gibt es auch unter Wildpflanzen einen Verdrängungswettbewerb, doch sind solche Wiesen meist vielfältiger als gehegte und gepflegte Monokulturen.

Es sollte unter allen Umständen vermieden werden, in eine zu starke Abhängigkeit von einem einzigen System zu kommen, denn trotz mancher Inkompatibilitäten tendieren Monokulturen dazu, die Kreativität und letztlich die Weiterentwicklung zu zerstören. Die derzeit laufenden Versuche in dieser Richtung sollte man daher eher kritisch beurteilen.

Illustrierend für die Problematik, an bereits bestehendes equipments neue Systemkomponenten anzuschließen, eine anonymisierte e-mail aus einer mailinglist:

Ich habe als Administrator diese Woche den neuen Siemens Rechner bekommen und in meiner informatischen Begeisterung gleich in Betrieb genommen. Erster Absturz nach kaum 1 Minute: NT verabschiedete sich und blauer Schirm: "schwerer Fehler in der SCSI...SYS - fragen Sie Ihren Administrator oder Techniker." Ein Anruf bei der BRZ Hotline (sehr kompetent!) erbrachte als Fehler das ZIP Laufwerk, dessen mitgelieferte Treiber anscheinend zu ALT sind. Meine Abhilfe: von meiner schuleigenen, relativ neuen IOMEGA ZIP CD ROM den Treiber installiert und das ZIP funktioniert. Wie mir mitgeteilt wurde, sollte eigentlich ein internes ZIPDrive vorgesehen sein, es ist aber anscheinend dem Rotstift (?) zum Opfer gefallen. Zweites seltsames Verhalten des Siemens Computers: immer wenn ich ausschalten wollte, schaltete sich das Geraet nach 5 Sekunden wieder ein - sehr lustig - ich musste das Geraet ueber den auf der Rueckseite vorsorglich angebrachten Trafoschalter vom Strom trennen. Wieder Anruf beim BRZ, Verbindung mit einem Techniker von Siemens und nach einem Check des Computers per Telefon konnte der Fehler eingegrenzt werden: ich hatte meine sehr praktische LOGITECH Maus angeschlossen (was man in der Hand hat, behaelt man!), nur das Siemensgeraet akzeptiert nur die mitgelieferte Microsoft Maus ! Seltsam ! Umgekehrt unterstuetzt natuerlich Windows NT keine Logitech Maus und auf der Diskettte zu meiner Maus gibt es leider auch noch keine NT Treiber - muss mich auf der Homepage von Logitech erst erkundigen. Bitte diese Information an betroffene Administratoren weitergeben.


Zwei Jahre nach der Untersuchung im Oktober 1999 ...

fand sich auf der homepage des Pädagogischen Institutes Niederösterreich eine nach Bundesländern aufgeschlüsselte Statistik über die Verwendung des internets, auf der u.a. zusammengefaßt wird, wieviele Schulen zwar e-mail-Adresse haben und wieviele davon auf eine Probemail reagieren: von etwa 2500 Schulen mit e-mail-Adresse reagierten an die 900.


Hinweis

Falls Sie vermittels einer Suchmaschine auf dieser page gelandet sind: diese ist Teil des e-zine Artikels

Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchule.html


©opyright p@psych Linz 1998.
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