Die nähere Zukunft: Vom Schein zum Sein?


Die in den Originaltexten genannten Namens- und Ortsbezeichnungen
wurden in einigen Fällen aus Gründen des Datenschutzes
anonymisiert und durch *** ersetzt!

Das Unterrichtsministerium (...) setzt Initiativen zur Weiterentwicklung einer neuen Lernkultur und plant deren stufenweise Implementierung in die Lehrpläne der Sekundarstufe. (...).
Der Einsatz neuer Technologien im Schulwesen wird in mehreren Schritten verwirklicht, wobei das Schwergewicht bei der Erprobung des pädagogisch sinnvollen Einsatzes neuer Medien (Internet, CD-ROMs) liegt. Diese Aktivitäten werden durch den Ausbau der Schulvernetzung und die Ausstattung der Schulen mit geeigneter Hardware unterstützt. Darüber hinaus werden die Auswirkungen der globalen Informationsgesellschaft auf das Bildungssystem praktisch und reflexiv beobachtet und Strategien zu entsprechenden Reformen in den Schulen entwickelt.

Aus "Internationalisierung und neue Technologien" auf dem server des BMUK


Die Wiener Stadträtin Brigitte Ederer sagte auf der am 15. Oktober 1997 im Rathaus stattfindenden Citynet-Fachtagung:

"Fuer die Schulen der Stadt Wien habe ich mir zum Ziel gesetzt, daß jeder Wiener Schueler und jede Wiener Schuelerin im September 2000 das Schuljahr mit einer leistungsfaehigen Internet-Anbindung beginnen soll. Das ist die Basis fuer eine neue Form von Unterricht, fuer die viele Schuelerinnen und Schueler laengst bereit sind. Es sind die Schulen, die Verwaltung, die Lehrer, die spaetestens jetzt beginnen muessen, sich umzustellen. Meine Aufforderung an die Schule lautet daher: raeumen wir die Schultafeln aus den Klassen, und fangen wir an, Schule neu zu denken, neu zu gestalten. Die Schultafeln und der vernetzte Computer sind ein Symbol fuer die Gegensaetze unserer Zeit: Die Schultafel steht fuer Einwegkommunikation. Der vernetzte Computer fuer Informationsaustausch. Die Schultafel steht fuer die alte Hierarchie zwischen Lehrer und Schueler, fuer die alten Grenzen. Der vernetzte Computer steht fuer Kooperation. Die Schultafel steht fuer das Prinzip der Reproduktion von Wissen. Der vernetzte Computer steht fuer die Verarbeitung von Information.Vor uns liegt die Herausforderung, das Alte zu ueberwinden, und dafuer brauchen wir gesellschaftliche Projekte, die begeistern koennen. Der Kampf gegen das Prinzip "Schultafel" und fuer die Vernetzung unserer Schulen ist ein solches Projekt, fuer das ich in Wien die Grundlage schaffe. Ein leistungsfaehiger Internetanschluss ist die Basis fuer eine neue Form von Unterricht. Ein paar Alibiprojekte, Schulversuche und Eliteprojekte werden nicht ausreichen. Es geht darum, die technologische Revolution bis ins kleinste Klassenzimmer zu tragen. Denn auch das ist Ausdruck der Durchsetzung der Telekommunikation, eigentlich ihre Basis. Bildung und Business sind entscheidend, fuer eine hohe Lebensqualitaet in Wien. Eine qualifizierte Ausbildung ist das politische Mittel, um einer neuen Klassenbildung unserer Gesellschaft wirkungsvoll entgegenzutreten."

In dieser Äußerung zeigt sich die Ignoranz hinsichtlich der technischen und finanziellen Aufwendungen, die notwendig wären, um diese Ziele auch nur annähernd zu verwirklichen. Als politische Zielvorgabe mögen solche PolitikerInnenaussagen notwendig und nützlich sein, sie zeugen aber auch davon, daß jedes konkretes persönliche Wissen um technische Notwendigkeiten fehlt: Auf der Cebit 1998 in Hannover wurden die neuesten Statistiken der Marktforscher von Forrester Research präsentiert. Demnach kostet der Betrieb eines PC pro Jahr - umgerechnet in Schilling - im Durchschnitt etwa 100000 Schilling (11000 für Software, 17000 für Mitarbeiterschulung, 24000 für Hardware, 45000 für die Administration).

Aber dieses mangelhafte Wissen kann man allerorten auch bei sogenannten Fachleuten finden, die ihr Wissen aus Hochglanzbroschüren von internet-Vermarktern beziehen. Soll es daher zu einem Einzug des internet bzw. generell einer neuen Informations- und Kommunikationstechnologie in die Schulen kommen, dann müßte außer einem oberflächlichen Blabla in Sonntagsreden auch eine Wissensvertiefung auf der Ebene der Verantwortlichen stattfinden.

Als illustratives Beispiel sei ein Erlebnis des Autors berichtet: Anläßlich der Vorbereitung der Teilnahme an einer Konferenz beider Bildungsministerien in Österreich zum Thema Lernen im nächsten Jahrtausend - wo es unter anderem auch um die Notwendigkeit der Implementierung neuer Medien in unseren Schulen ging - suchte ich auf den servern beider Bildungsministerien nach zusätzlichen Informationen (z.B. den in der Einladung angesprochenen Delors-Bericht: Learning: The Treasure Within, Unterlagen für die Arbeitskreise, genaueres Konferenzprogramm usw.). Allerdings fand sich auf den so bezeichneten news-Seiten der Ministerien kein Wort von dieser Konferenz, die "neuesten Nachrichten" waren etwa einen Monat alt. Als ich dann mit Vertretern der Ministerialbürokratie sprach, war man zwar zerknirscht, versprach aber, daß in den nächsten sechs Monaten diese Informationen nachgeliefert werden.

Aber es sind natürlich nicht allein materiale Ressourcen, die derzeit fehlen, sondern auch und vor allem personelle, die zur Verwirklichung der oben genannten Ziele vorhanden sein müssen. Solange die internet-Einbindung in den Unterricht an die wenigen technischen Fächern gebunden bleibt und nicht in den traditionellen humanistischen Fächern versucht wird, dürfte es noch sehr lange dauern, bis sich das net generell an den Schulen durchsetzt.

Aufwand kaum abschätzbar

Von uninformierten Bildungspolitikern aber auch von der auch im Wortsinn außenstehenden Öffentlichkeit wird der Aufwand grob unterschätzt, der zur laufenden Betreuung von einmal errichteten Anlagen notwendig ist. Illustrierend die Aufwandsberechnung eines EDV-Kustos einer Hauptschule in einer mailinglist:

"Mein" Netz an der Hauptschule *** umfasst momentan 17 PC's, Peer-to-Peer gemischt mit WfW3.11 und W95,Novell 4.12 im Aufbau. Als Kustos erhalte ich zur Betreuung und Wartung dieser Anlage 1,5 Wochenstd. an Lehrverpflichtung gutgeschrieben. Rechne ich das Schuljahr mit 40 Wochen, ergibt das 60 Std/Jahr. Der tatsächliche Bedarf verhält sich etwa wie folgt:
1) Ca. 35 Std. (es waren auch schon 55) verbrauche ich noch in der letzten Ferienwoche, um Hard- und Software auf den Servern sowie den Workstations zu reinigen und "Upzudaten".
2) Die Anlage ist in den Grundzügen mittlerweile 8 Jahre alt, mindestens monatlich fällt eine Kleinigkeit aus (Floppy, Netzkarte, auch mal ein Prozessor,...). Die rasche Schadensdiagnose sowie Behebung (inklusive Ersatzteilbesorgung) kann ich mit ca. 6 Std. beziffern. Mal 10 Monate = 60 Std.
3) Die häufigsten "Ausfälle" sind aber auf mangelnde Fachkenntnis von Usern zurückzuführen (Drucker offline, Druckmanager gestoppt, (non-dedikated) Server niedergefahren oder gar abgestürtzt,...). In Summe sicher 1 Wochenstunde. Mal 40 Wochen = 40 Std.
4) Dazu kommen allfällige Erneuerungen, z.B. hard- und softwaremäßige Einrichtung eines Kommunikationsservers (vorausgegangens wochenlanges Studium von Literatur, mündl. Informationsbeschaffung etc. nicht gerechnet), Speicheraufrüstung, Mainboard-Aufrüstung, Festplatten-Austausch, Aufsetzen eines Novell-Servers und Einrichtung der Clients,...). Übers Jahr sicher mehr als 40 Std.
Zusammengerechnet 175 Std. bzw. das DREIFACHE der bezahlten Zeit. Soweit der DIENST. Dazu kommen allerdings noch tägliche freiwillige Hilfestellungen bei Kollegen mit Softwareproblemen und, und, und,...
Soll allerdings keine Beschwerde sein, man kann es nämlich auch als ganzjährigen, kostenlosen EDV-Kurs mit garantiertem Wissenszuwachs sehen. ;-)

In einer Diskussion um überlastete Systembetreuer an Schulen fand sich in der mailinglist LEHRERFORUM@ccc.or.at der Hinweis auf die Bundesrepublik, der zeigt, daß dort Ähnliches diskutiert wird (Hervorhebungen von mir, WS):

Die Diskussion um die Ueberlastung der Rechnerbetreuer an Schulen
geht in Hamburg und Bayern in eine heisse Phase. Der Unmut und der Frust
haben ein Ausmass erreicht, das auf politischer Ebene gar nicht
wahrgenommen oder gerne nicht wahrgenommen wird. Wofuer Unternehmen und
Verwaltungen ausgebildete Fachkraefte vollzeit beschaeftigen, sollen
unqualifizierte Lehrer nebenbei mit Freistellungen und auch ohne
hinbekommen. Was kaum jemand weiss: Schulen haben haertere Anforderungen
an EDV-Ausstattungen als Unternehmen und Verwaltungen, weshalb externe
EDV-Firmen auch kaum den Anforderungen der Schulen gewachsen sind.
(...) 
Was ist ihre Meinung zur Situation der Systembetreuer an Schulen?
Sollten Physiklehrer, die im Unterricht die Funktion einer Gluehbirne
erklaeren koennen, deshalb in Zukunft alle kaputten Gluehbirnen
im Schulgebaeude auswechseln? Wieso sollte man fuer diese Arbeit in Zeiten
leerer oeffentlicher Kassen noch Hausmeister bezahlen? Waere es nicht
billiger, den Physiklehrer in eine Weiterbildung "Auswechseln von
Neonroehren" zu schicken?
Diskutieren Sie mit den anderen Teilnehmern von WWW-Schulen (zwischen dem
Auswechseln einer Netzwerkkarte und den Wartungsarbeiten am Proxy-Server) 
(...) (Vollständiger Beitrag).

Auch die finanziellen Belastungen - nicht so sehr die bei der Einführung, vielmehr die beim laufenden Betrieb - werden immer wieder als Hemmnisse erlebt, wobei neuere Entwicklungen bezüglich der Telekommunikation wohl kaum eine Entlastung bringen dürften:

An unserer Schule wird zur Zeit das Internet aus Kostengruenden nicht genuetzt, da unsere Schule
von der Landeshauptstadt, d.h. von den Schulbehoerden, weit - sprich 2. Inlandszone -
entfernt  und unsere Telefonrechnung schon so hoch genug ist.
Leider ist die Frage, wer die Telefongebuehren fuer die Internetnuetzung zahlen soll (Eltern,
Schule, Lehrer) nicht geklaert. Eine diesbezuegliche E-Mail an das Buero der Frau
Unterrichtsminister vom ******* blieb bis heute unbeantwortet - ebenso eine E-Mail an alle
Kollegen in der ***, wie sie die Kosten verrechnen, bis auf die Privatgymnasien, bei denen
die Schule die Kosten traegt. Wuerden nur die Informatikklassen  unserer Schule
das Internet nuetzen, gaebe das eine Telefonrechnung von 7000 Schilling in 2 Monaten.
Allerdings mit der neuen Gebuehrenregelung ab 1. November (?) "erniedrigen" sich  die Kosten ja auf
5000 Schilling, sie bleiben fuer uns  immer noch unerschwinglich, ausser wir laden die Schueler am
Wochenende oder am Abend ein. (Auch da wird es Schwierigkeiten geben, denn in dieser Zeit wird
durch die Kostengestaltung das Netz so ueberlaufen sein, daß man alles vergessen kann). Die Homepage
des ********** habe ich auf meine eigenen Kosten ins Netz gestellt, ebenso wie ich die
Pflege der Homepage groesstenteils ueber meinen eigenen Computer durchfuehre.

Um die Folgekosten niedriger zu gestalten, werden in mailinglists jedoch Alternativen diskutiert, die insgesamt betrachtet den notwendigen Aufwand wohl ebenfalls unterschätzen:

In einer 1996 veroeffentlichten Studie an die EU zu den Trends im Einsatz
von IKTs im Bildungsbereich wird u.a. auf den kostenguenstigen Einsatz von
Network Computern hingewiesen. Als Vorteile eines NC-basierten Netzes
werden z.B. angefuehrt: plattformunabhaengig, wesentlich niedrigere Kosten
fuer Anschaffung und Erhaltung im Vergleich zu PCs, einfachere Anwendung
und Administration, hoehere Netzsicherheit, etc.In Zahlen ausgedrueckt, weisst die Studie besonders auf die Vorteile fuer
den Einsatz von NCs im Bildungsbereich hin:
Um alle europaeischen Klassenzimmer mit einem PC auszustatten, sind mind.
4 Becu notwendig (Schaetzung sept. 1996); um alle europ. Klassen mit NCs
auszustatten, fallen nur ein Viertel der Kosten, rund 1 Becu an.
Um in allen europaeischen Klassen fuenf Schuelern mind. einen Computer zur
Verfuegung zu stellen, waeren bei PC-basierten Netzen ein
Investitionsaufwand von mind. 20 Becu notwendig; die selbe Ausstattung auf
NC-Basis kaeme auf rund 5 Becu.

Wie man auch aus dieser Wortmeldung ersehen kann, dominieren in der Diskussion um den zukünftigen Einsatz des internet im Klassenzimmer finanzielle Erwägungen. Solche Berechnungen - die letztlich rein spekulativ sind - berücksichtigen nicht, daß weder die materialen noch die intellektuellen Ressourcen dafür bereitstehen.

Herbert Kubicek, Mitglied der Forschungsgruppe Telekommunikation der Universität Bremen (http://www.fgtk.informatik.uni-bremen.de) rechnet für die BRD schon im ersten Jahr schulischer internet-Aktivität mit rund 360 Mark pro Schüler bzw. 3,3 Mrd. Mark in der gesamten BRD. Rund 10 Prozent dieser Summe entfallen dabei auf die Telekommunikationskosten. Hinzu kommen noch die Kosten für hardware, Schulung der Lehrkräfte (15 Prozent) sowie die technische und pädagogische Betreuung des Rechnereinsatzes (über 50 Prozent). Gerade die letzgenannten Kosten werden in der mancherorts anzutreffenden net-Euphorie bei der Einrichtung von net-Anbindungen "großzügig" übersehen.

Wegscheider (1996) betont die Notwendigkeit eines laufenden Budgets für die internet-Anbindung, notwendige Erweiterungen bzw. Reparaturen: "Während man zur Not noch hin und wieder Geld für einmalige Anschaffungen bekommt, wird an Folgekosten überhaupt nicht gedacht. Vor allem im Zusammenhang mit Internet sind dabei die anfallenden Beträge recht stattlich (vor allem dank der österreichischen Post!). Ideal wäre hier eine Standleitung (64k oder ISDN), die aber je nach Lage der Schule gewaltige jährliche Kosten verursacht. Die Telephonkosten im Wählleitungsbetrieb sind auch nicht zu unterschätzen".

Eine neuere Wortmeldung stammt aus einer mailinglist, in der die Sparpläne der Regierung in .at zu den tatsächlichen Anforderungen bzw. zu leistenden Arbeiten (der EDV-Kustoden) bei der Betreuung der EDV an Schulen in Beziehung gesetzt werden, wobei hier ein beträchtliches Ausmaß an Frustration deutlich wird :)

...kommen wir zu folgendem Ergebnis:
 
1) Allgemein:
* wir sind die Idioten der Nation, da wir bis dato mehr oder weniger
umsonst viel Zeit investiert haben, damit andere ihre Arbeit tun koennen.
(Verwaltung, Schueler, Lehrer),
* wir koennen am Beginn des naechsten Schuljahres nicht damit rechnen, daß
unsere zukuenftige Arbeit gerecht und leistungskonform abgegolten wird,
 
2) Verwaltung
* wir haben durch die Aussage 2) von Gehrer eigentlich den Dienstauftrag
folgendes durchzufuehren:
Jegliche Hilfestellungen bei Direktoren, Administratoren und Sekretaerinnen
sind ab sofort einzustellen. Die Anlaufstelle fuer EDV-Fragen in diesem
Zusammenhang (WINDOWS meldet sich mit dem beliebten blauen Fenster - warum?
Wieso hab ich ploetzlich die UPIS-Dateien vom Vorjahr im Zugriff, die
Schulbuchliste im APAS funktioniert nicht-warum? Das SCHUeSTA-Programm ist
abgestuerzt, wie drucke ich landscape aus, warum funktioniert der
Serienbrief nicht, warum funktioniert die Excel-Word-Verknuepfung nicht
mehr, etc. usw. und so fort) ist ab sofort der Landesschulrat!
* Jegliche von uns entwickelten und nicht bezahlten Hilfsprogramme (Batches
od. sonst. Applikationen zur Arbeitserleichterung, Datensicherung etc.)
sind von den Verwaltungsmaschinen zu loeschen
* jedes Hardwareproblem (ich hab' einen Papierstau, der Toner ist zu
wechseln, das Diskettenlaufwerk ist kaputt, die die Bildschirmaufloesung
stimmt nicht mehr, die Ventilator rattert etc. usw. und so fort) ist ab
sofort dem dem Landesschulrat zu melden.
* Anfragen der Telekom, des Bundesrechnamtes etc. wo der Router fuer das
Verwaltungsnetz hinkommt, wo die Verkabelung der Geraete durchzufuehren ist
etc. sind an die Direktion, die Sekretaerin, den Schulwart, die Putzfrau
oder an sonst irgend einen Verwaltungsangestellten weiter zu leiten - aber
nicht zu beantworten. Fuer zukuenftige Kommunikationstests,
Modemeinrichtung u.ae. an der Schule ist ebenfalls das Verwaltungspersonal
zustaendig!
* Von uns erstellte Schul-WEB-Seiten sind zu loeschen bzw. die lfd. Wartung
ist einzustellen, die WWW Adresse ist zu kuendigen.
* die Verwaltung der div. Exchange-Server, der Schul-Mail-Adressen und
sonstige Arbeiten in diesem Zusammenhang sind ab sofort einzustellen 
 
3) Paedagogischer Bereich
 
* Jegliche Programme die unlizensiert laufen (!) sind zu loeschen !!! Dies
gilt vor allem fuer Windows95, Office97/95, Virusscanner,
Komprimierprogramme etc., da diese ja sowieso gar nicht da sind.
* Meldungen ueber defekte Geraete sind zu uebernehmen und deren Reparatur ist
in die Wege zu leiten. d.h. der Lieferant (bei Garantie) oder ein
Fachbetrieb ist mit der Reparatur zu beauftragen.
* Dasselbe gilt fuer abgestuerzte bzw. nicht mehr bootende Geraete, (weil z.B.
irgendwelche Systemdateien, irgendwelche Treiber etc. geloescht wurden)
* das Entviren von Schuelergeraeten ist ebenfalls durch einen Fachbetrieb
durchzufuehren.
* Neu angeschaffte Software ist nicht mehr zu testen, ebenso ist fuer die
Installation der Lieferant (oder der Kollege der die Software braucht)
zustaendig. Einschulungen oder Hilfestellungen fuer Kollegen auf irgendeine
Software ist nicht mehr unsere Sache
* Schueleroberflaechengestaltungen werden nicht mehr durchgefuehrt
* Accounts in Netzwerken werden nicht mehr angelegt, sondern es gibt den
generellen User mit 08/15 Rechten
* Groessere Schulnetzwerke sind nur in der Weise zu aufzubauen bzw. zu
warten, als die Systemsoftware per Setup zu installieren ist. Zusaetzliche
Einstellungen und Anlagen (Druckerspooler, Anmeldeskripts und dgl.) sind
nicht durchzufuehren.
* Intranet-Server sind, soferne sie nicht im Rahmen des Unterrichts (?? wo
wird das unterrichtet ??) gewartet werden, abzustellen.
* Ausschreibungen fuer den Hardwareankauf koennen nicht mehr von uns
durchgefuehrt werden, damit ist ein Fachbetrieb gegen Rechnung zu befassen
 
Wenn ich noch laenger nachdenke, fallen mir wahrscheinlich noch mehr Sachen
ein, die wir als reine EDV-Kustoden nicht mehr machen duerfen und brauchen!!
* Unsere Aufgabe ist es, die Geraete in Evidenz zu halten, das Inventarium
zu fuehren, die Geraete zu "bepickeln" und zu nummerieren und allfaellige
Reparaturen in die Wege zu leiten.
 
Ich weiss nicht wie ihr alle darueber denkt, aber ich glaube wir sollten
dies konsequent durchfuehren soferne wir per Dienstauftrag mit der
Uebernahme des Kustodiats beauftragt werden. Das ist naemlich in vielen
Schulen bereits geschehen. Klar - viele Direktoren finden in ihrer Schule 
keinen anderen Idioten.
 
Abschliessend sei noch darauf hingewiesen, daß die Tendenz besteht die
Kustoden durch einen rotierenden B-Beamten zu ersetzen. (Der rotiert dann
sowieso innerhalb kuerzester Zeit - aber am Stand :-)). Dies bedeutet aber,
daß die Kustodiatsstunden an diesen B-Beamten fallen und natuerlich die
"alten" Kustoden wieder voll unterrichten, womit fuer viele Kollegen die
Stunden futsch sind und es sogar denkbar ist, daß ein Kollege gehen muss,
weil keine Stunden mehr da sind. (Gewerkschaft schau oba !!!!)

Die Schule als Schlußlicht der technologischen Entwicklung?

Vermutlich wird in den privaten Haushalten viel früher eine hohe Durchdringung mit moderner Kommunikationstechnologie stattfinden als in den Schulen, zumindest wenn man bisherige Beispiele zum Vergleich heranzieht: Tonaufzeichnung, Fernsehen, Video, Taschenrechner ...

Die Akzeptanz der Technologie seitens der LehrerInnen wird wohl eine zentrale Entwicklungsaufgabe darstellen. Insbesondere muß bei Ihnen ein Bewußtsein dafür geschaffen werden, warum diese Technologien in den Unterricht Einzug halten sollen. Das bloße Vorhandensein von internet-Zugängen in einer Schule bewirkt selbst bei einer grundsätzlichen Akzeptanz noch nicht deren intensive Nutzung. Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für LehrerInnen werden zu Beginn viele Kapazitäten binden, ohne daß sofort ein Erfolg sichtbar sein wird.

Nur allzu oft wird der Fehler gemacht, daß die Einführung als ein rein technisches Projekt angegangen wird. Die Qualität und Quantität der vorhandenen hardware, der Leitungen und Netzwerkanschlüsse sowie der eingesetzten software sind eine Sache, eine andere jedoch ist die socialware, die deren effektive Verwendung im Unterricht erst ermöglicht. Ausschnitte aus einem Beitrag in einer mailinglist mögen die Problematik illustrieren:

Erforderlich dafuer sind Akzeptanz der Technologie seitens der Lehrkraefte
und SchuelerInnen, Faehigkeiten zu deren Nutzung, durchdachte neue
Unterrichtsmodelle und geeignete digitale Lehr- und Lernmaterialien. Wie die
Technik, so kann naemlich auch die Nutzung abstuerzen oder erst gar nicht
jene Hoehe erreichen, bei der von einem Absturz die Rede sein kann.
 
Hinsichtlich des Unterrichts sorgen sich Lehrkraefte vor allem um eine
gelingende Interaktion mit den SchuelerInnen und die Erreichung der
Lernziele (was im traditionellen Verstaendnis jedoch vorrangig die
Vermittlung von Wissensinhalten bedeutet). Die Einfuehrung der IKT 
(=Informations- und Kommunikations-Technologie; W.S.) in den
Unterricht verlangt daher sorgfaeltige Vorbereitungen.
 
Insbesondere muß das Bewußtsein dafuer geschaffen werden, warum diese
Technologien verwendet werden sollten, welche neuen Moeglichkeiten sich
durch sie eroeffnen und wo die Vorteile und Nachteile liegen. Das
Gewinnbringende der IKT darf nicht nur in Aussicht gestellt, sondern muß in
exemplarischen Verwendungsweisen konkret demonstriert werden. Die
Unsicherheiten und Bedenken der Lehrkraefte sind ernst zu nehmen, da sich
diese sonst einer Nutzung der IKT verschließen.

In einer Antwort darauf fand sich der Hinweis, daß es oft weniger die LehrerInnen sind, an denen die Einführung des internet scheitert, als vielmehr hemmende organisatorische Bedingungen:

Wie kann man Internet-desinteressierten Direktoren, Inspektoren bzw.
auch den zustaendigen Magistratsabteilungen die Sinnhaftigkeit des
Internets klar machen, sodaß diesbezuegliche Aktivitaeten
"Interessierter" nicht nur als "Spielerei" abgetan wird?

Der Praxisbericht eines EDV-Kustos (Wegscheider 1996) bezieht sich zwar noch auf das Jahr 1996, aber es dürfte sich hinsichtlich der Bedingungen wenig geändert haben:

Als Kustos hört man immer öfter auch von Kollegenseite: "Am Fortbildungsseminar XY haben wir da etwas furchtbar Interessantes gehört, könnten wir nicht auch bei uns ...". Die Antwort lautet meist: "Nein, können wir nicht, es fehlen die entsprechenden Möglichkeiten!". Symptomatisch für diese Situation war für mich das letzte Geographentreffen, in dem ein an der Hochschule tätiger Kollege über neue Möglichkeiten der Datenbeschaffung referierte und dabei hauptsächlich auf das für ihn selbstverständliche, da in den meisten Universitäten frei und schnell (Ethernet!) verfügbare, Internet einging. Die kurze Zwischenfrage, wer denn von den anwesenden Geographielehrern überhaupt eine Möglichkeit hätte, einen Zugang zu benutzen, brachte ihn recht schnell auf den Boden der Realität zurück. Es zeigte sich, daß von den über 50 anwesenden Kollegen genau einer - nämlich der Autor dieser Zeilen - über einen Zugang verfügte. Dieser war aber zu diesem Zeitpunkt auch noch beschränkt. Auch die Verwendung von CD-ROMs war und ist immer noch keine Selbstverständlichkeit. Mindestens zwei Drittel der Kollegen hatten auch für dieses neue Medium keine Abspielmöglichkeit, da entweder an der Schule kein CD-ROM Laufwerk existiert, oder dieses mangels geeignetem Computer nicht entsprechend installiert ist oder durch spezielle Raum- bzw. Schlüsselsituation der Zugang so erschwert ist, daß es im normalen Unterrichtsbereich nicht verwendbar ist. Andere Kollegen hatten "nur" keine Erfahrung mit diesem neuen Datenträger.

Mayerhofer (1998) faßt das Arbeitsspektrum eines Schul-Rechnerbetreuers an einem bayerischen Gymnasium zusammen, aus dem sich wohl auch für einen Außenstehenden annähernd ableiten läßt, wie zeitraubend und aufwendig eine solche Tätigkeit ist, die nach Politikervorgabe mit wenigen Wochenstunden erledigt werden soll:

Aber auch regionale Probleme wurden als hinderlich angesprochen, auch wenn in Zeiten des internet der Begriff der Region wohl immer mehr nur virtuell in den Menschenköpfen denn real existiert. Dazu eine Wortmeldung im Original:

Persoenliche Erfahrung: Das Interesse an der Nutzung des Internets 
unterliegt einem starken Ost-West-Gefaelle (zB: bei Ankuendigungen
ueber Aktualisierungen unserer Homepage via Mailbox(Blackboard) ist der
Zugriff beispielsweise Wiener Lehrer nur auf BRG`s beschraenkt, der 
Pflichtschulbereich ist, trotz der Bezeichnung einiger Schulen als 
Informatikschulen < NULL); ich verwende nach wie vor den Begriff der 
Linz-Graz-Achse, da das Interesse sogar von "sogenannten" EDV-Lehrern
fuer dieses Medium  speziell im Wiener Bereich nur sehr maessig
vorhanden ist!

In einer mailinglist fand sich ein deutlicher Hinweis darauf, daß verordnete Vernetzung nicht immer willkommen ist, zumal auch massive Sicherheitsbedenken auftauchen:

Gemaess Mitteilung des LSR fuer ***. werden bis MAI 98 (!) alle hoeheren
Schulen Oesterreichs mit dem CNA vernetzt (Communal Network Austria - noch nie
gehoert - muss es aber geben) Der naechste Knoten ist jeweils die
Bezirkshauptmannschaft oder deren Pendant, die Telekom will dafuer 4000.- ATS
pro Standleitung (ohne Gewaehr auf genaue Betraege!). Es duerfte sich um eine
ISDN Leitung handeln, da beabsichtigt ist:
eine Leitung zum Administrator - fuer die neue Abrechnung ab HERBST !
eine Leitung fuer den Internetzugang ACONET
Damit duerfte der Wunsch - alle Schulen ins Internet - erfuellbar sein, wenn
auch noch niemand weiss, wer die Leitungsgebuehren uebernehmen soll.
 
Warum glaeserne Schule?
Das neue UPIS RAP (ich weiss nicht, was RAP heisst) ist die Software, die ab
Herbst jeden Administrator online mit dem Bundesrechenamt in Wien verbindet.
Alle schulrelevanten Daten (Lehrfaecherverteilung, Stundenplan, Supplierplan,
Krankenscheinabrechnung etc.) sind staendig zu uebermitteln und stehen dann
auch dem LSR/SSR auf Knopfdruck zur Verfuegung.
1. Geruecht: geschaetzte Soft- und Hardwarekosten  60 Millionen ATS
2. Geruecht: die neue Software soll alles koennen, was bisher UPIS, Mentor,
Untis und Present von Gruber&Petters konnte
 
Es wird interessant, wenn man bedenkt, daß bis Mai nur noch 3 Monate sind. Die
Ausschreibung des letzten EDV Saales fuer AHS hat allein 9 Monate gedauert und
derzeit ist mir aber nichts von einer Ausschreibung bekannt - oder hat jemand
etwas davon gehoert?
Auch die Software muesste bis Mai wenigstens probeweise funktionieren und bis
Anfang September aber sicher ( zu bedenken waere, daß waehrend der
Sommerferien kaum jemand zum Testen in der Schule bleiben wird, dann bleibt nur
noch der JUNI !!!!)

Langsamkeit der Zentralstellen

Folgende e-mail wurde im Oktober 1998 in einem Diskussionsforum verbreitet, die ich aus verständlichen Gründen hier nur anonymisiert wiedergeben möchte. Sie illustriert wohl gut die sich langsam breitmachende Resignation mancher Aktuere:

Die nachfolgende Mail habe ich an *** vom BMUK und an das Forum
"Teachers Only" gesendet.
 
Reaktion des BMUK: Ignorieren und durchtauchen.
 
Was ist ein Versprechen von offizieller Seite des BMUK Wert?
Das Papier, auf dem es gedruckt ist??
Es wird doch nicht etwa folgendes die Logik des BMUK sein:
E-Mails sind nicht aus Papier, daher sind sie nicht einmal als
Klopapier zu gebrauchen...
 
Herr *** vom BMUK hat am 18. März (!) dieses Jahres geschrieben:
Von ***
Thema:BB-Ende?: BMUK-STELLUNGNAHME
An:Teachers only!
Liebe Black Board User/innen
 
Da eine Diskussion über ein mögliches Ende von "Black Board"
eingesetzt hat, möchte ich "von offizieller Seite" dazu Stellung
nehmen. Als Leiter der Mediengruppe des BMUK fällt die Abwicklung und
Finanzierung von "Black Board" in meinen Aufgabenbereich.
Bei den Weiterentwicklungen im Zusammenhang mit "Black Board" geht es
keinesfalls um das Ende, sondern um eine Veränderung!
...
Änderungen bringt diese Umstellung natürlich auch für die User/innen,
wovor aber niemand Angst haben muss! Folgende Einrichtungen sind
vorgesehen:
...
Was den Zugang für die Lehrer/innen anbelangt, wird die neue Plattform
eine  wie wir meinen  sehr positive Änderung bringen: Über die
ASN-Knoten werden Sie sich aus ganz Österreich sehr leicht erreichbar
direkt in das WWW einwählen können. Es wird Ihnen daher ab 1.
September 1998 von zuhause ein kostenloser Zugang zum World Wide Web
ermöglicht. (Außer der Telefonrechnung.) Dies stellt eine zusätzliche 
Serviceleistung und eine entscheidende Erweiterung des Angebots für
Lehrer/innen gegenüber dem derzeitigen System dar.
...
Wir beabsichtigen, Sie über den Verlauf der Entwicklung bei der
Nachfolgeplattform von Black Board auf dem Laufenden zu halten.
...
Mit freundlichen Grüßen
***
Mehrere Blackboard-User haben seither erfolglos nachgefragt.
So wurden auch meine diesbezüglichen Anfragen vom 11. Juli  und 28.
August, die ich an allen obgenannten Adressen deponierte, "net amoil
ignoriert".
Der 1. September ist seit 4 Wochen verstrichen, ohne daß vom BMUK meine
offenen gestellten Fragen beantwortet wurden:
 
>Gratis-Anschluß für alle interessierten Lehrer seitens des BMUK?
>Welche Telefonnummern für die Einwahl aus allen Bundesländern?
>Welche Netzwerk- und Browser-Einstellungen?
>Welches Anmelde-Passwort für jeden einzelnen User?
 
HIERMIT FORDERE ICH VOM BMUK DIE UNVERZÜGLICHE EINLÖSUNG SEINES DURCH
HERRN MAG. HÜFFEL GEGEBENEN VERSPRECHENS DES GRATIS-INTERNETZUGANGS VON
ZUHAUSE AUS FÜR ALLE LEHRER/INNEN (UND NICHT NUR DEN ERLAUCHTEN KREIS
DER BISHERIGEN BLACKBOARD-USER!) - WIDRIGENFALLS ICH SIE UND DAMIT DAS
BMUK DER UNWAHRHEIT UND ABSICHTLICHEN IRREFÜHRUNG TAUSENDER
GUTGLÄUBIGER LEHRERINNEN BEZICHTIGEN MÜSSTE.
 
Mit nicht mehr ganz so untertänigen und freundlichen Grüßen an die
wichtigen Herrschaften im Ministerium
 
***

Manchmal werden gesetzte Maßnahmen auch als kontraproduktiv erlebt:

Bei uns in *** wird der ASN-Knoten, der bisher an der HTBLuVA
betrieben wurde, in den LSR verlegt. Die dort zustaendigen Herren (z.B.:
Hr. ***) sehen sich nicht in der Lage (fachlich???) zumindest
jene e-mail-Adressen weiter zu warten, die bisher vom ASN-Knoten betreut
worden sind. Auch fuer eine Homepage der Schule soll kein Speicherplatz
zur Verfuegung stehen.
So schaut's aus!
Wieder einmal eine Verwaltung des Mangels! Dafuer sind die Leitungskosten
ca. dreimal so hoch wie bisher!
MfG ***

Eine erfolgreiche Vernetzung und die Nutzung dieser Möglichkeiten hängt in einem rasches Handeln erfordernden Medium wie dem internet vor allem auch vom Tempo der Akteure ab. Es ist verständlich, daß aktive LehrerInnen in einem Apparat - dem man oft mangelnde Flexibilität und Beweglichkeit vorwirft - notwendigerweise resignieren, wenn sie dauernd das Gefühl haben, nicht ernstgenommen oder sogar ignoriert zu werden.

Negative Rahmenbedingungen

Döring (1997) zählt die negativen Rahmenbedingungen auf, unter denen internet-gestützter Unterricht schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt ist (Hervorhebungen von mir):

  1. Die Lehrkraft hat zu wenig Internet-Kompetenz. Neben technischen Grundlagen geht es bei der Lehrkraft insbesondere um Erfahrung im Informationsmanagement sowie um Kenntnis der sozialen Besonderheiten von Netzkommunikation (...).
  2. Die Teilnehmer haben kaum Internet-Interesse. Internet-basierter Unterricht hat immer das Internet selbst zum Gegenstand. Dementsprechend sollten technikkritische Vorbehalte, Ängste oder sonstige Einwände der Teilnehmer ernstgenommen werden. Es muß genügend Zeit eingeplant werden, um Internet-Kenntnisse zu vermitteln sowie individuelle und kollektive Probleme der Internet-Nutzung im Unterricht zu thematisieren und aufzuarbeiten. (...)
  3. Der Internet-Zugang ist stark reglementiert. Wenn zu wenig Rechnerarbeitsplätze zur Verfügung stehen, Computerräume selten geöffnet sind, Telekommunikationskosten die Online-Zeit eng begrenzen oder es inhaltliche Einschränkungen und Kontrollen der Netznutzung gibt, haben Lernende kaum Gelegenheit, in Ruhe die Möglichkeiten des Netzes zu explorieren, Internet-Interesse und Eigeninitiative zu entwickeln.
  4. Benutzungsberatung steht nicht zur Verfügung. Mit Installations-, Bedienungs- oder sonstigen Problemen bei der Internet-Nutzung alleingelassen zu sein, ist für Lernende sehr frustrierend. Die Organisation einer leicht zugänglichen Benutzungsberatung (z.B. durch andere Teilnehmerinnen, die Dozentin, spezielles Betreuungspersonal) ist deswegen außerordentlich wichtig.
  5. Die Erwartungen sind zu hoch. Wer sich vom Internet-Einsatz im Unterricht quasi automatisch hochmotivierte Lernende, globale Kommunikation, Kosten- und Zeitersparnis sowie hohe Lernerträge verspricht, wird mit Sicherheit enttäuscht sein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist Internet-Einsatz zwar lohnenswert und sinnvoll, aber für die einzelnen Beteiligten und die Bildungsträger mit dem Betreten von Neuland verbunden. Dementsprechend ist (insbesondere in der Anfangszeit) mit einer deutlichen Steigerung des Arbeitsaufwandes und neuen Problemen und Konflikten zu rechnen. Internet-gestützter Unterricht sollte deshalb nicht als fertige Patentlösung "verkauft", sondern zunächst eher als Chance zur Horizonterweiterung und zum gemeinsamen Experimentieren begriffen werden.

Diese negativen Rahmenbedingungen - auch wenn einige sicherlich niemals vollständig auszuschalten sind -, sollten daher kritisch in die Erwägungen der Bildungs- und Technologieplaner miteinbezogen werden. Denn nur dann können jene Frustrationen, wie sie derzeit schon bei einigen Projekten beobachtbar sind, vermieden werden. Döring (1997) resumiert: "Es lohnt sich (...) an der Verbesserung der Rahmenbedingungen zu arbeiten, da sonst die Gefahr besteht, daß das didaktische Konzept nicht greift." Zahlreiche der in dieser Arbeit zitierten Belege deuten derzeit darauf hin, daß man in .at dabei ist, beinahe alle die genannten negativen Rahmenbedingungen mit Akribie zu erfüllen;-)

In .at kommt noch ein politisches Spezifikum als zusätzlich hemmende Rahmenbedingung hinzu - nüchtern analysiert in einer mailinglist:

Die Realitaet der Telekom-Aktivitaeten an den Schulen ist eine typisch
oesterreichische: eine proporzartig aufgeteilte
Schul-Telekom-Landschaft: eine (rote) Blackbox & Blackboard Loesung,
eine (schwarze) Netway & Raiffeisen - Connection und ein ASN, das
alternative Loesungen zur Implementierung des Internet in Schulen durch
Bindung aller Geldmittel im Keime erstickt. 
Damit wird jeder eigenstaendigen Schulaktivitaet der Boden entzogen.
Entweder die Schule beteiligt sich an den oeffentlichen Projekten oder
sie finanziert ihr Projekt frei und ohne Unterstuetzung. Dazu kommt,
daß die BMUK-Services die Clubdienste durch den Null-Tarif
konkurenzieren.
Eine so schlechte Ausgansposition fuer innovative Ideen ist sogar in
der EU unbekannt. Dort koennen sich Antragsteller in einem vorgegebenen
Foerderungsrahmen frei bewerben. Vielleicht waere es eine
nachahmenswerte Idee, Ziele, die in Schulen erreicht werden sollen, zu
definieren und eingereichte Projekte zu dotieren. Das ASN genauso wie
die Hyperbox oder den CCC oder die BlackBox.
Private Initiativen bezahlen Marktpreise und koennen diese lediglich
ohne Gewinnaufschlag in gemeinnuetzigen Vereinen an Lehrer und Schueler
weitergeben. Oeffentliche Unterstuetzung der Einfuehrung moderner
Informationstechnologie an Schulen sollte den verschiedenen Proponenten
dieser Formen gleichartig zur Verfuegung stehen. Ohne Parteibuch.

Grenzen und Gefahren des internet-Einsatzes im Unterricht

Notwendigkeiten

Konsequenzen für das Bildungsmanagement

 

ACHTUNG:
Diese Kapitel finden Sie ab sofort nur mehr unter
www.stangl-taller.at/INTERNETSCHULE/


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Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchule.html


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