Lernen in Gruppen *)

Warum ist Lernen in der Gruppe wichtig, welche Vorteile bietet es?

Wenn in Gruppen gelernt wird, geht es nicht einfach darum, mit anderen zusammen ein "Produkt" zu erstellen (und diese Sache möglichst schnell hinter sich zu bringen), sondern das Lernen an sich sollte im Vordergrund des Interesses stehen. Denn die Gruppensituation bietet die Möglichkeit, neue Sichtweisen und Perspektiven kennenzulernen und vom Wissen anderer zu profitieren. Wenn sich die Gruppenmitglieder gegenseitig unterstützen, kann jedes seine Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern.

Obwohl von seiten der Wirtschaft hohe Anforderungen hinsichtlich der Team-, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit an die StudienabgängerInnen gestellt werden, wird das Lernen in Gruppen von Studierenden (aber auch z. T. von den Lehrenden) häufig rundweg abgelehnt. Dabei fallen die Vorteile, die kooperative Lernformen sowohl auf kognitiver, als auch auf emotional-motivationaler und sozialer Ebene mit sich bringen können, meist unter den Tisch:

Allerdings stellen sich diese positiven Auswirkungen von Gruppenarbeit nicht von selbst ein. Es müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit Gruppenarbeit auch funktioniert. Dazu müssen die Gruppenmitglieder zum einen bereit sein, miteinander zu kooperieren, zum anderen müssen sie die Gruppenarbeit aber auch organisieren.

Was sind wichtige Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit in der Gruppe?

Welche Schwierigkeiten können beim kooperativen Lernen auftreten?

Da beim kooperativen Lernen mehrere Individuen mit eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen zusammenarbeiten, kann es natürlich zu Schwierigkeiten kommen.

Hans Gruber (19**) beschreibt weiterhin folgende 6 Phänomene:

Aus welchen Phasen besteht der Gruppenprozeß?

Für denjenigen, der in einer Gruppe arbeiten will (oder muß) kann es sehr hilfreich sein, die verschiedenen Phasen des Entwicklungsprozesses von Gruppen zu kennen. Du kannst dadurch z.B. Dein eigenes Verhalten besser verstehen lernen. Weiterhin kann dieses Wissen auch bei der Analyse von Konflikten nützlich sein.

Welche Hilfestellungen gibt es für eine kooperative, effektive Zusammenarbeit?

Gruppen sind soziale Systeme, die sowohl Aufgaben bewältigen, wie auch ihre inneren Beziehungen strukturieren müssen. Wird eines dieser Ziele vernachlässigt, so leidet auch das andere darunter. Ruth Cohn (1990) plädiert deshalb dafür, die drei Faktoren Person (Ich), die Gruppe (Wir) und das Thema bzw. die Aufgabe (Es) gleichwertig zu behandeln. Solange ein dynamisches Gleichgewicht dieser drei Faktoren immer wieder erarbeitet wird, existieren optimale Bedingungen für die TeilnehmerInnen als Personen, für die Interaktion der Gruppe und für die Erfüllung der Aufgabe. Ein besonderes Augenmerk gebührt auch dem Umfeld, denn Umfeld und Gruppe stehen auch in Verbindung: eine Änderung in Deinem Verhalten wird für das Umfeld spürbar und es wird darauf reagieren.

Nützlich sind auch die von Ruth Cohn aufgestellten Spielregeln der Themenzentrierten Interaktion (TZI). Sie helfen, die Interaktion zu erleichtern und sollen als Hilfe, nicht als zusätzlicher Streß verstanden werden, auch wenn sie zunächst eingeübt werden müssen.

Eine weitere Möglichkeit, gruppenförderliches Verhalten zu lernen, ist es, in der Gruppe regelmäßig Feedback-Runden durchzuführen. 

Feedback geben und erhalten ist wichtig für unser Lernen und die persönliche Entwicklung. Angemessenes Verhalten gegenüber Personen und Situationen lernen wir in hohem Maße dadurch, daß wir die Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf andere beobachten und die entsprechenden Signale nutzen.

Feedback geben verbindet sich meist mit drei Zielsetzungen:

Die positiven Wirkungen von Feedback liegen darin, störende Verhaltensweisen zu korrigieren und somit die Zusammenarbeit effektiver zu gestalten. Allerdings ist es keine leichte Angelegenheit, Feedback zu geben oder zu nehmen. Es kann manchmal sehr weh tun, peinlich sein, Abwehr auslösen oder neue Schwierigkeiten heraufbeschwören. Auch muß der offene Umgang mit Gefühlen häufig erst gelernt werden.

Auch beim Feedback sollten bestimmte Regeln beachtet werden:

Wie können Konflikte bewältigt werden?

Konflikte treten in Gruppen recht häufig auf. Sie sind Teil der Gruppendynamik und führen nach einer erfolgreichen Bewältigung meist zu einer produktiven Arbeit.

Konflikte entstehen dann, wenn die betroffenen Parteien voneinander abhängig sind und eine oder beide Parteien zum gleichen Zeitpunkt Handlungen beabsichtigen oder Durchführen, die zur Folge haben (könnten), daß sich die andere Partei behindert, blockiert, bedroht oder verletzt fühlt. Die Bedingungen, die zum Konflikt führen können z.B. Werte, Visionen, Ziele, Einstellungen, Motive, Wahrnehmungen oder Verhaltensweisen sein.

Solange ein Konflikt existiert, hält er die Gruppe davon ab, Ziele geschlossen anzustreben, Aufgaben koordiniert abzuwickeln und Beziehungen vertrauensvoll zu gestalten. Eine konstruktive Konfliktlösung ist deshalb anzustreben.

Zur Bewältigung eines Konflikts kommen zwei Strategien in Frage:

Hilfestellungen zur Konfliktbewältigung

Was sind Methoden kooperativen Lernens?

Nachfolgend werden Dir zwei Methoden für kooperatives Lernen vorgestellt:

1. Gruppenpuzzle

2. Reziprokes Paarlernen

(für 2-er Gruppen gedacht, kann aber auch in größeren Gruppen durchgeführt werden)

Checkliste für die eigene Sozialkompetenz

Checkliste für gruppenförderliches Verhalten

für Phase 1 des Gruppenprozesses

für die Phasen 2 und 3 des Gruppenprozesses


Literaturangaben

Langmaack, B & Braune-Krickau, M. (1995). Wie die Gruppe laufen lernt. Anregungen zum Planen und Leiten von Gruppen. Weinheim: Beltz Psychologie Verlags Union.

Friedrich, H.F. & Ballstaedt,S-P. (1995). Strategien für das Lernen mit Medien. Tübingen: Deutsches Institut für Fernstudienforschung an der Universität Tübingen (DIFF).

Berkel, K. (1992). Konflikttraining. Arbeitshefte Führungspsychologie.Band 15. Heidelberg: Sauer Verlag.


Quelle: http://leguan.emp.paed.uni-muenchen.de/strategien/lernen_in_gruppen.html (00-08-09)