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 Werner Stangl

Ergänzende Anmerkungen zum Definitionsversuch und anderen Veranstaltungen der offenen Arbeitsgruppe "Zentrum für soziale Kompetenz"

--> Aktuelle Fassung des Artikels

(Version 1.2 - 98 07 01)

Diese diskursive Auseinandersetzung des Autors mit der Arbeitsgruppe wird an dieser Stelle dokumentiert, da es zu den erklärten Zielsetzungen des e-zines p@psych (http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/paedpsych.html) gehört, das Medium internet im wissenschaftlichen Diskurs zu erproben (hier durch die Verbindung von e-mail und website). Eine kurze Chronologie der Ereignisse:

Dieser Text ist ferner der Versuch, nach Aufforderung mehrerer Kollegen die bisherigen Texte der Arbeitsgruppe nicht nur satirisch*) zu dekonstruieren, sondern einmal nach "normalen" Kriterien zu prüfen. Ich verstehe Juvenal jetzt besser: es ist verdammt hart, keine Satire zu schreiben.
Dienstag, 8. Juni 1999 fand sich bereits eine Frucht der satirischen Bemühungen des Autors in den Oberösterreichischen Nachrichten, die hier in Form der Aussage eines Politikers zur Thematik wiedergegeben wird.


Einleitung

Ich wählte den vorliegenden Text aus den vorliegenden papers, da er inhaltlich einiges versprach und er mir zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes neu war. Gleich gut geeignet wäre der Text "Zweck und Aufgaben des "Zentrums für soziale Kompetenz" von Robert Gams und Walter Ötsch, der aber letzlich nur einen Verschnitt der Texte "Entwurf für die Statuten eines "Zentrums für Soziale Kompetenz" (center for social competency, c.s.c.)" von Rudolf Ardelt und "Vorschlag zur Einrichtung eines "Zentrums für soziale Kompetenz" an der Johannes-Kepler-Universität Linz" von Walter Ötsch et al. darstellt, wobei überraschenderweise das, was in einem Text unter "Gründung und Bestandsdauer" firmiert im anderen zu Zwecken mutiert. Unergründlich und überraschend sind wohl die Ergebnisse des copy&paste ;-) Auch der hier besprochene Text von Born-Lechleitner & Nöbauer (1998) ist seinerseits mit zahlreichen "Zitaten" aus dem "Kommentar zum Vorschlagspapier "Kompetenzzentrum" vom 31.3. 98" (Böhnisch & Nöbauer 1998) gespickt, ohne daß dies nach den üblichen Standards nachvollziehbar wäre.
Mit diesen und auch anderen Unterlagen der Arbeitsgruppe hatte ich mich inhaltlich schon a.a.O. beschäftigt (
Stangl 1998d).

Ich mache im Folgenden - ausgehend von einem download des Originaldokuments (in schwarzer Schrift, wobei aufgrund eines Ersuchens der Arbeitsgruppe die Hintergrundfarbe geändert wurde, um Verwechslungen mit der Originalseite zu vermeiden) - in blauer Schrift Anmerkungen in eingerückten Blöcken direkt zu mir "frag"würdigen Textstellen. Sofern es die Lesbarkeit erlaubt, werde ich die Abkürzung SK für den im folgenden Artikel definierten Begriff "Soziale Kompetenz" verwenden.

Anmerkung zu dieser Version (1.0): Aus Gründen der knappen Zeit zwischen Veröffentlichung des papers und der angesetzten Sitzung der Gruppe wurde zunächst nur ein "Schnellschuß" (Stangl 1989c; beta-Version 0.9) mit Anmerkungen zu den wesentlichen Punkten verfaßt. Dieser Text war auch die Basis für die folgende detaillierte Analyse. Die von der Leitung der Gruppe eingemahnte und hier nach ihrem Urteil nun vorliegende "wissenschaftlichere" Kritik soll nicht die Ernsthaftigkeit meiner bisherigen Stellungnahmen in Frage stellen. Ich schrieb diesbezüglich in einer mail an einen der Leiter der Gruppe:

"meine Auseinandersetzung mit den bisherigen Aktivitaeten
der Arbeitsgruppe ist ernstgemeint, denn mehr als dekonstruieren
laesst sich das wohl nicht. Einige Kollegen haben bereits ihre
Besorgnis geaeussert, dass das, was bisher produziert worden
ist, unsere Universitaet in der internationalen Oeffentlichkeit 
der Laecherlichkeit preisgeben koennte. 
 
Bitte lesen Sie nur mit einigem Ernst den Absatz 2 der Statuten:
 
2. Zweck des c.s.c. ist die Förderung der Kooperation sowie 
gemeinsamen Präsentation gegenüber Öffentlichkeit und 
der internationalen Forschung von Wissenschaftler/innen der Sozial- und
Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät auf dem Gebiete der Forschung und 
Lehre zu Fragen der Sozialen Kompetenz. In die Kooperation sind auch 
fakultätsexterne Wissenschaftler/innen bzw. Institutionen der Forschung 
und/oder Lehre sowie Interessenten aus dem Bereich der Praxis
(z.B. Wirtschaft) einzubeziehen.

Wenn man diesen "Zweck" ernst nimmt, dann wäre die Herausgabe des Vorlesungsverzeichnisses ein förderungswürdiges Vorhaben. Des weiteren schrieb ich:

Auch die (in den Statuten) vorgesehene Bindung an das Doktorat halte 
ich fuer seltsam, denn was hat SK mit einer Ausbildung zu tun, die sich nach
Ihrem Konzept gerade ueberhaupt nicht dafuer eignen soll, SK zu
vermitteln. Hier wird die Argumentation in sich absurd.

Um mich zu wiederholen: D.E.S.N.S. Ich werde es trotzdem nach allen Regeln der Kunst versuchen.


Zum Begriff der "sozialen Kompetenz"

Ilse Born-Lechleitner und Brigitta Nöbauer


Auf den Begriff der sozialen Kompetenz stößt man in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen (z. B. Psychologie, Soziologie) und praktischen Kontexten (z. B. Schulausbildung, Personalentwicklung, Therapie). Vor allem in der Psychologie und in therapeutischen "Schulen" wurden zahlreiche Ansätze sozialer Kompetenz entwickelt (z. B. behavioristische, handlungstheoretische, kognitive bzw. systemische, gruppendynamische, kognitiv orientierte Ansätze wie NLP).

Anmerkung: Hier fehlen die Belege - mW gibt es innerhalb der wissenschaftlichen Psychologie weder einen begrifflichen noch praktischen (theoretischen) Kontext, in dem SK als explizites Konstrukt eine zentrale Rolle spielt. Die Durchsicht einiger neuerer Fachlexika der Psychologie kann das bestätigen. Dieses Aufstellen von unbelegten Behauptungen widerspricht IMHO eklatant der SK im wissenschaftlichen Diskurs. Vgl. dazu im Detail "Der Begriff der "sozialen Kompetenz" in der psychologischen Literatur"

Definitionen, Modelle und Trainingsmethoden spiegeln mehr oder weniger deutlich den jeweiligen theoretischen Kontext wider. Eine 'konsensuale Definition zu finden, ist daher unmöglich, vielleicht auch gar nicht wünschenswert.

Anmerkung: zum 1. Satz: Nona! (=Das ist zweifellos richtig!). Zum 2. Satz: Hier ist zu fragen, wer sich wünscht, irgendetwas zu tun ohne genau zu wissen, was er tut. IMHO definiert ein solcher Ansatz vermutlich genau das, was soziale Inkompetenz bedeutet.
Die Funktion einer Definition als Verdeutlichung dessen, worüber in einem Diskurs verhandelt wird, sollte gerade bei der hier angestrebten Zielsetzung nicht geringgeschätzt werden. Ich verstehe daher im Folgenden in Anlehnung an
Hinsch & Pfingsten (1998) unter dem Begriff "Soziale Kompetenz" ganz allgemein die Verfügbarkeit und Anwendung von kognitiven, emotionalen und motorischen Verhaltensweisen, welche in bestimmten sozialen Situationen zu einem langfristig günstigen Verhältnis von positiven und negativen Konsequenzen für den Handelnden führen. Eine mögliche wissenschaftlich befriedigende Operationalisierung des Konstruktes findet sich bei Rathus (1973) innerhalb seines "Rathus Assertiveness Schedule".


Über unterschiedliche psychologische 'Paradigmen' hinweg sind die Konzepte über folgende gemeinsame Merkmale verbunden.

Anmerkung: die im folgenden genannten Ansätze bewegen sich alle mehr oder minder innerhalb desselben Paradigmas (sensu Kuhn), daher ist die Verwendung dieses Begriffes wohl unzulässig. Allerdings mag eingeräumt werden, daß sich eine zunehmend schlampige Begriffsverwendung auf wissenschaftlichem Boden gerade anhand des Paradigmenbegriffs recht gut zeigen ließe. Im Detail zum Paradigmenbegriff s.a. Stangl (1989).

a. Effektivität sozialen Handelns

In ihrer allgemeinsten Form wird soziale Kompetenz als die Fähigkeit definiert, effektiv mit der Umwelt zu interagieren. In fast allen Konzepten gelten Effektivität bzw. Angemessenheit des Verhaltens als Kriterien für sozial kompetentes Handeln, wobei der Effektivitätsbegriff in zwei Richtungen geht: Einerseits bezieht er sich auf das interaktive Moment (Erfüllung von Rechten, positive Verhaltenskonsequenzen), andererseits auf die Qualität von Problemlösungen (Sachaspekt). Nur beides gemeinsam zeichnet sozial kompetentes Verhalten aus.

Anmerkung: Der wohl wichtigste Begriff, die "Angemessenheit" bleibt hier undefiniert. Nur wenn dieser Begriff klar ist, wird diese "Definition" verständlich. Der Begriff "Erfüllung von Rechten" müßte expliziert werden, "positive Verhaltenskonsequenzen" sind kein interaktives Moment, denn Interaktivität ist ein klassisches dreidimensionales Konzept (A,B,AxB). Qualität ist per definitionem ein Aspekt der (individualen, sozialen) Bewertung, also eindeutig nicht dem Sachaspekt zuzuordnen.

b. Wechselbeziehungen zwischen Individuen und ihrer Umwelt

Soziale Anforderungen verschiedener Lebenszusammenhänge werden zu den Fähigkeiten und Potentialen von Individuen in Beziehung gesetzt. Kompetenzen werden stets Einzelpersonen zugeschrieben. Es fallen aber Konstrukte, die nur vom Individuum her definiert sind, wie z.B. Selbstvertrauen, soziale Angst oder Selbstbehauptung für viele Autoren nicht unter den Kompetenzbegriff.

Anmerkung: Was ist der Unterschied zwischen Fähigkeiten und Potentialen (definitorisch)? Das einzige klassische psychologische Konzept "soziale Angst" ist neben den beiden anderen eher alltagspsychologischen Begriffen wohl konstitutiv, wenn man die Kompetenz eines Individuums definieren sollte.
Wenn nun aber nach der Begriffsverwendung in diesem Absatz Kompetenz Einzelpersonen zugeschrieben wird, dann ist zu fragen, warum weiter unten sogar vier Ebenen dafür bemüht werden, obwohl doch nach der hier aufgestellten Behauptung stets nur die erste relevant ist. Im übrigen wäre die konkrete Angabe von Quellen und AutorInnen hilfreich, um die Behauptungen auch nach wissenschaftlichen Kriterien nachvollziehen zu können.

Darüber hinaus weist der Kompetenzbegriff auch eine prognostische Komponente auf. Er beinhaltet die Annahme, daß ein beobachtetes bzw. gelerntes Verhalten auch in Zukunft oder in anderen Situationen gezeigt wird.

Anmerkung: Diese Sätze sind mir unverständlich - nicht nur im Zusammenhang mit einer Definition von SK. Ganz abgesehen davon, daß ein "Begriff" wohl nichts mit Prognose zu tun hat. Wenn sich - wie ich vermute - die Autorinnen aber auf latentes bzw. intentionales Lernen beziehen, dann sind die Aussagen vermutlich tautologisch. Schließlich ist nach allen gängigen Lerntheorien innerhalb der wissenschaftlichen Psychologie davon auszugehen, daß gelerntes Verhalten auch gezeigt wird, denn sonst wäre jegliches erfahrungswissenschaftliches Lernkonzept obsolet. Vermutlich verwechseln die Autorinnen den Begriff der Prognose mit dem der Verhaltensgeneralisation. Ersterer ist der metatheoretischen Ebene der Aufgaben einer Wissenschaft anzusiedeln, letzterer ist als explikatives Konstrukt auf Theoriebene einzuordnen. Eine Vermengung beider Ebenen ist der Klarheit eines inhaltlichen Diskurses abträglich.
Persönliche Anmerkung: Die permanente Vermischung von begrifflichen, sprachlichen und Betrachtungsebenen des erörterten Gegenstandes macht es sehr schwer, den Gedankengängen der Autorinnen zu folgen. Otto Nigsch (1997) schreibt im Zusammenhang mit Managementtheorien: "Dies (gemeint ist der vergeblich geltend gemachte Anspruch nach Wissenschaftlichkeit, WS) zeigt sich im unpräzisen Gebrauch der Sprache, dem häufigen Wechsel zentraler Begriffe für dieselben Dinge, die fehlende Bereitschaft, sich auf das Verhältnis von Wort und Sache, bezeichnendem Ausdruck und bezeichneter Realität einzulassen".

c. Anforderungsbezogenheit

Charakteristisch für den Kompetenzbegriff ist der Bezug zwischen personbezogenen Variablen (Eigenschaften, Fähigkeiten, Fertigkeiten o.ä.) und Anforderungen der Umwelt (kultur- bzw. situationsspezifisch, aufgabenbezogen). Kompetenzen können nur in Bezug zu jeweils konkretisierten Anforderungen gemessen und beurteilt werden, sie sind daher in Kontexten wichtig, in denen Personen an Standards gemessen werden. An der Erfüllung dieser Standards hängt häufig ein erstrebenswertes Gut wie Anerkennung, eine Stelle oder eine Beförderung.

Anmerkung: Oben wird geschrieben, daß personenbezogene Konstrukte nach Meinung vieler Autoren nicht unter den Begriff SK fallen, hier sind solche plötzlich charakteristisch.

d. Normativität des Begriffes

Kompetenzen beinhalten immer kulturelle, gesellschaftliche oder lokale Normen und Vorstellungen über "richtiges" Verhalten. Es gibt daher keine "generelle" soziale Kompetenz.

Anmerkung: Zuerst zum Begrifflichen: Mir ist nicht klar, wie eine Kompetenz (soziale Kompetenz?) Vorstellungen enthalten soll. Vorstellungen sind vergleichbar der SK oder auch dem an anderer Stelle bemühten Fähigkeitsmodell (Ötsch et al. 1998) wohl kein im Diskurs und in den gängigen Theorie brauchbares wissenschaftliches (psychologisches) Konstrukt. Solche "common sense"-Begriffe entfernen sich von wissenschaftlichem Boden insofern, als sie unscharfe Alltagsbeobachtungen unter wissenschaftlich kaum analysierbaren Oberbegriffen syndromartig zusammenfassen.
Vollkommen rätselhaft bleibt mir allerdings die Subsummierung dieser Aspekte unter dem Begriff "Normativität". Es ist wohl eine Tatsache, daß es nur wenige Begriffe in der Geschichte der Menschheit gegeben hat, die normativ (wirksam) gewesen sind. Üblicherweise versteht man unter Normativität den Vorrang des Sollens (also beispielsweise die Anwendung von nicht näher hinterfragten (hinterfragbaren?) Regeln, moralischen Urteilen usw.) vor dem Sein - logischerweise müßte die Überschrift also doch "Nicht-Normativität des Begriffes" lauten. Es kann doch nicht der Ernst der Arbeitsgruppe sein, soziale Kompetenz (wenn auch nur den Begriff davon?) im Sinne einer moralisch-ethischen Verpflichtung zu verordnen.

e. Skills und Kompetenz

Eine Unterscheidung, die in der theoretischen Diskussion weitgehend geteilt wird, besteht zwischen "skills" und "Kompetenz". Während erstere sich auf Teilfertigkeiten (z. B. eine bestimmte Methode beherrschen, Kenntnis von Einleitungsphrasen für ein Gespräch) beziehen, schließt Kompetenz ihre situationsgerechte Anwendung mit ein.

Anmerkung: In keinem einzigen Punkt (a-e) wird klar, was an diesem Konzept sozial sein soll. Interaktion allein ist noch nicht sozial. Es wäre hilfreich, den Ort der bisherigen "theoretischen Diskussion" anhand von nachprüfbaren Belegen untersuchen zu können.

Ich möchte nochmals auf meinen Versuch verweisen, die Begriffsbestimmung von sk, die an anderer Stelle versucht wurde (Ötsch et al. 1998) auf ihre Substanz hin zu untersuchen (Stangl 1998d). Dadurch, daß den genannten Punkten eine x-Beliebigkeit zuzueignen war, sollte demonstriert werden, daß sich SK wohl als eine Grundlage für ein sich wissenschaftlich gerierendes Konzept doch nicht so gut eignet.

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Inhaltliche Konkretisierung

Die oben angeführten Charakteristika machen es notwendig, eine inhaltliche Diskussion darüber zu führen, was soziale Kompetenz im Kontext einer sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen akademischen Ausbildung sowohl ausbildungsbegleitend wie auch berufsvorbereitend bedeuten kann.

Wir schlagen daher vor, von einer schlagwortartigen Aufzählung wünschenswerter Kompetenzen zu einer anforderungs- bzw. situationsbezogenen Herangehensweise überzugehen.

Unserer Auffassung nach sind dabei folgende Ebenen zu berücksichtigen:

Zur näheren Explikation diene hier das Schlagwort der "Teamfähigkeit", welche in Stellenausschreibungen immer wieder eingefordert wird.

Anmerkung: Das Schlagwort der "Teamfähigkeit" ist ein ähnliches nebuloses Konstrukt wie das Konstrukt SK. Hier offenbart sich ein kurioser circulus, der offensichtlich für manche "marktorientierte" Wissenschaftszweige charakteristisch sein dürfte: In der Ausbildung - etwa von Personalberatern - wird weitgehend unüberprüft zB als wesentliches Qualitäts-Merkmal von allen Job-Bewerbern das Konzept XYZ postuliert. An dieses Wissen erinnern sich nun die Absolventen bei ihrer späteren Arbeit und schreiben XYZ in alle Ausschreibungen hinein (von der Generaldirektorin bis zum Putzmann). Da bisher nun keine entsprechende Qualifizierung oder Zertifizierung für XYZ vorhanden ist, wird ein entsprechendes Ausbildungsprogramm entwickelt und verkauft. Solange, bis das Konzept RST in einer neuen Theorie auftaucht. Nun beginnt derselbe Kreislauf.
Persönliche Anmerkung: Ähnliche Prozesse lassen sich auch im wildwuchernden und weitgehend außerwissenschaftlichen psychologisch-esoterischen Bereich ("Psychomarkt") feststellen, wo verschiedene Richtungen miteinander konkurrieren (systemische, gruppendynamische) und dieselben alten Konzepte in immer neuen Gewand verkaufen. Das für den wissenschaftlich arbeitenden Psychologen Besorgniserregende daran ist die aufgrund dieses boomenden Marktes fast notwendigerweise immer größere fachliche Inkompetenz der explodierenden Zahl der Protagonisten. Vermutlich handelt es sich um eine ähnlich fatale Entwicklung, wie sie etwa
Nigsch (1997) im Bereich der Wirtschaftsführung ortet, nur mit dem Unterschied, daß in einem Fall das Material vorrangig "Wirtschaftsgüter" sind, im anderen aber "Menschen".

Teamfähigkeit könnte im Kontext einer sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung heißen: in die Lage versetzt werden, in Gruppen sowohl als Moderator als auch als Mitglied kooperativ und zielorientiert zu arbeiten. Bezogen auf die genannten Ebenen heißt das beispielsweise:

Anmerkung: In die Lage versetzt zu werden, in Gruppen zu zu arbeiten, kann doch wohl nicht Teamfähigkeit heißen. Bei aller Obsoletheit des Fähigkeitskonzeptes könnte man sich höchstens vorstellen, daß Teamfähigkeit ein Persönlichkeitsmerkmal sein könnte, das etwa einen erfolgreichen Moderator auszeichnet, indem es ihm z.B. gelingt, eine Gruppe über einen längeren Zeitraum hin zu ihrer empirisch nachgewiesenen Zufriedenheit zu betreuen. Gerade am Konzept der Teamfähigkeit - wie es hier oberflächlich in Schlagworten und ohne Bewertungsmaßstab abgehandelt wird - läßt sich wohl nachvollziehen, warum es solche Vorbehalte gegen die Einrichtung eines SK gibt.
An diesem ähnlich nebulosen Konzept läßt sich des weiteren deutlich zeigen, daß es wohl deshalb so erfolgreich "verkauft" werden kann, weil es kaum empirische Überprüfungsmöglichkeiten im Sinne der Anwendung von "harten" Kriterien gibt.

* selbstreflektive und interaktive Ebene

*Techniken wie z.B.

* Theoretisches Wissen etwa über Gruppenprozesse, Phasen von Gruppenarbeiten, Rollen innerhalb einer Gruppe...

Anmerkung: Nach der mir zufälligerweise vorliegenden neueren Studie über von Absolventen erlebten Defizite der universitären Ausbildung an sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Studienrichtungen in Österreich (Euler et al. 1995, S. 66 ff) werden in erster Linie weniger Defizite in den hier genannten Kompetenzbereichen moniert als in Bereichen, die klassischerweise dem Persönlichkeitsbereich zugerechnet werden, also genau jenem Bereich, der von vielen Fachleuten aus der Definition von SK explizit ausgeklammert bleibt (s.o.).

Alternativvorschlag zum vorliegenden Konzept: Ein auch wissenschaftlichen Ansprüchen entsprechendes Konzept ist etwa das Das Prozeßmodell sozial kompetenten/inkompetenten Verhaltens von Rüdiger Hinsch (1998). Dieses zählt nicht nur taxativ beliebig austauschbare Einzelphänomene auf, sondern ordnet bereits bewährte psychologische Konstrukte auf dem Hintergrund eines gesicherten theoretischen Modells in überprüfbarer Weise an. Nur auf dem Hintergrund eines solchen hypothetischen Modells können IMHO jene genannten Ziele wie Evaluation von Maßnahmen zur Erhöhung sozialer Kompetenz erst definiert werden. Nur durch geeignete Operationalisierungen können etwa die angestrebten Ziele hinsichtlich erfolgreichen Trainings überprüft werden, ohne sich einer subjektiven Beliebigkeit auszuliefern. Zur begrifflichen Klärung vergleiche "Der Begriff der "sozialen Kompetenz" in der psychologischen Literatur".

* Drei Vorschläge für die Einbindung des Konstrukts "Soziale Kompetenz" in psychologische Theorien:

Rampus (1947 ;-) definiert soziale Kompetenz als ein "Maß für die Fähigkeit, sich in einem gegebenen sozialen Feld angemessen zu bewegen". Er orientiert sich als Schüler Lewins an dessen Feldtheorie, wobei er teilweise die erst später als wirksam erkannten Mechanismen des Interaktionismus vorwegnimmt und zeigt, daß dieses Konstrukt in einem komplexen multidimensionalen Modell abgebildet werden muß. "Social Competence is possessing and using the ability to integrate thinking, feeling and behaviour to achieve social tasks and outcomes valued in the host context and culture. In a school setting, these tasks and outcomes would include accessing the school curriculum successfully, meeting associated personal social and emotional needs, and developing transferable skills and attitudes of value beyond school" (Rampus 1947, S. 683).

Rampus unterscheidet zwischen personalen und situationalen Variablen, die niemals isoliert sondern nur in ihrer Kovarianz gemessen werden können, wobei das Problem darin liegt, die Varianz angemessen zu separieren. Er demonstriert dies an einem Beispiel aus dem Sport, wo etwa Fairness durchaus ein relativer Begriff sein kann. Das Verhalten eines Footballspielers, der bekannt für seine harten Angriffe ist, wird auf dem Spielfeld anders zu beurteilen sein als im Kontext des Unterrichts am College.

Tajfel (1952 ;-) orientierte sich am need-drive-Konzept und definiert ein komplementäres Konzept sozialer Inkompetenz in Situationen, in denen innere drive-Zustände äußeren situativen need-Anforderungen gegenüberstehen. Sozial inkompetent ist nach ihrer Definition jenes Verhalten, in dem die drives den needs gegenüber ohne Einschränkung durch gesellschaftliche Normen durchgesetzt werden. Allerdings ist an ihrem Konzept zu kritisieren, daß die Operationalisierung allein über die subjektive Wahrnehmung durchgeführt wird, sodaß die Anforderungen der Situation nur über ihre Abbildungen in der Person erfaßt werden. Allerdings enthält Tajfels Ansatz bereits eine prognostische Komponente, indem die drives in Bezug auf eine angestrebtes Ziel konkretisiert werden, wenn etwa Mundraub in der Belastungssituation großen Hungers mit dem Ziel auch deshalb sozial akzeptiert werden kann, um ein Sättigungsgefühl zu erreichen, das zu einem zufriedenstellenden Endzustand für die Person (Überleben) und die Gesellschaft (die Person wird zumindest in naher Zukunft nicht mehr "kriminell" werden) führen wird. Bedauerlicherweise wird dieser sozialpsychologisch interessante Ansatz nicht weiter ausgeführt.

Hellman (1963 ;-) wählt einen relativistischen Zugang und begründet dies: "Very different social competencies are required and valued in different contexts. Behaviours which are dysfunctional and disapproved of in one context might be functional and approved of in another. Through thinking and feeling, the socially competent person is able to select and control which behaviours to emit and which to suppress in any given context, to achieve any given objective set by themselves or prescribed by others. This relativistic definition deliberately omits any specification of a particular outcome. However, populist conceptions of social competence often assume specific outcomes, implying but not making explicit culturally based value judgements". Er nähert sich Tajfels Ansatz insofern an, als er an anderer Stelle schreibt: "However, it is significant that a number of these are expressed negatively, seeking to define social competence as the absence of social incompetence. This highlights the need to term specific behaviours as socially competent or incompetent, not so label children. Although it might in principle be meaningful to term a person socially competent as a function of the number of social skills they possessed, the number of contexts in which they could demonstrate them, and the number of different objectives they could thereby achieve, quantifying these performance indicators would prove very difficult". Auch Hellman versucht also das Konzept der sozialen Kompetenz im traditionellen psychologischen Konstruktumeld zu verankern, indem er es an dem inzwischen obsoleten Fähigkeitsmodell (skills) orientiert.

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Literatur

Die hier angeführten Arbeiten aus dem internet finden sich unter der jeweils angegebenen WWW-Adresse; in der Klammer das Datum der verwendeten Quelle, das gleichzeitig ein link zu einem zu diesem Termin erfolgten download der Arbeit ist, wobei lokale links nicht berücksichtigt oder korrigiert werden konnten! Der download erfolgte ausschließlich zu Dokumentationszwecken und berührt nicht das Copyright der jeweiligen Autoren! Damit soll dem user eine Nachprüfbareit der Quellen ermöglicht werden, die im internet aufgrund der diesem Medium inhärenten Dynamik des Entstehens und Vergehens von pages gegeben ist. Die Zitation der Quellen erfolgt nach den Richtlinien des e-zines bzw. der Abteilung.

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*) Der smiley ;-) am Ende eines Satzes kennzeichnet einige Rückfälle das Autors; diese mögen von den LeserInnen verziehen werden.


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