Vom Buch zum Hypertext

Die Grenzen von gedrucktem linearem Text

Von Gerald Jatzek

Gedruckter und geschriebener Text wird für gewöhnlich linear gelesen. Die Leserichtung von Texten in lateinischer Schrift verläuft von links nach rechts und von oben nach unten. Unterbrechungen des Textflusses sind durch verschiedene Werkzeuge des wissenschaftlichen Apparates möglich, etwa .

Im künstlerischen Bereich hat es immer wieder Versuche gegeben, den linearen Textfluß zu verzweigen. Verwiesen sei beispielsweise auf

Zusatzinformationen durch Gestaltung...

Handschriftlich hergestellte und gedruckte Bücher führen zahlreiche Möglichkeiten der Zusatzinformation durch das Schriftbild vor:
- das Hervorheben einzelner Buchstaben,
- die Wahl der Schriftart,
- die Größe der Schrift,
- ihr Stil (fett, kursiv etc.),
- die Ausrichtung des Textkorpus (linksbündig, rechtsbündig, zentriert, Blocksatz),
- die Anordnung in Spalten, die Zwischenräume zwischen Zeilen und Absätzen etc. etc.


Die Gestaltung transportiert immer auch Informationen über die Art des Textes und trägt damit zu seiner Interpretation bei. Niemand käme bei der nebenstehenden Abbildung auf die Idee, es könnte sich um ein Computer-Manual handeln.

Unmittelbar klar wird dieser Zusammenhang, wenn Form und Inhalt einander in krasser Weise widersprechen.

Sieht so die R¸ckseite eines Vertrages aus?

Die allgemeinen Geschäftsbedingungen

So eine Headline?

Skandal! Leiche schießt 1:0!

...und durch Illustration

Illustrationen sind ein bewährter Informationsträger in Büchern. Was sich bei Kunstbänden und Bilderbüchern bewährt hat, wird bei der Darstellung von Prozessen allerdings zum Kompromiß: Physiklehrbücher stellen etwa Schwingungen durch eine Abfolge von Stroboskopaufnahmen dar.

Die Modelle von Vorgängen im naturwissenschaftlichen Bereich aber auch sozialemprisch erfaßte Vorgänge lassen sich nur unter großem Informationsverlust auf Einzelbilder reduzieren.

Grenzen des Buchs

Das Einbinden zusätzlicher Informationen in gedruckten linearen Text ist mehrfach begrenzt:

Die Welt ist digital geworden

Die gesamte Medienproduktion bedient sich heute digitaler Technologien.

Filme und Videos werden am Computer geschnitten, in vielen Fällen auch erstellt. Was im Bereich der Animation (Trickfilm) begann, hat sich auch beim Spielfilm durchgesetzt: Mit leistungsfähigen Rechnern lassen sich Dinosaurier animieren ("Jurassic Park"), Begegnungen mit Verstorbenen darstellen ("Forrest Gump") und kostengünstig aufwendige und / oder utopische Landschaften erzeugen.

TV-Shows finden in virtuellen Studios statt, die nur als Programme und Grafik-Dateien existieren. Mit digitalem Fernsehen ist es möglich, interaktive Anwendungen (Spiele, Lernprogramme) und Video-on-demand (Programm auf Abruf) anzubieten.

Musik wird in vielen Fällen nicht nur digital aufgenommen (CD) sondern auch digital produziert. Sogenannte Sequenzerprogramme haben bereits viele traditionelle Mischpulte verdrängt, bieten sie doch zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten der Bearbeitung. Als nur ein Beispiel sei die Änderung der Geschwindigkeit einer Aufnahme bei gleichbleibender Tonhöhe genannt. Durch die Bearbeitung von MIDI-Dateien können Töne erzeugt werden, die in der Realität nicht vorkommen, z. B. ein gestrichenes Klavier.

Im Bereich der Fotografie ersetzt die von Kodak entwickelte Photo-CD bereits viele analoge Archive und dringt auch in die Haushalte vor. Erste erschwingliche, leistungsfähige Digitalkameras kamen 1996 auf den Markt.

Bei den Druckmedien erfolgt die Textproduktion in vielen Fällen mit einem Textverarbeitungssystem. Satz und Layout sind bereits durchgehend digitalisiert, und auch im Druckbereich ist der Computer auf dem Vormarsch: Bildbearbeitung und Druckvorstufe sind in vielen Fällen in das elektronische System integriert. Kleinauflagen werden immer häufiger direkt auf dem Laserfarbdrucker bzw. auf dem Fotokopierer mit PC-Schnittstelle produziert.

Es liegt also nahe, auch das Endprodukt in digitaler Form anzubieten.

Arten von elektronisch gespeichertem Text

Dabei gibt es drei Ansätze: elektronischer Text (e-Text), layoutierter Text und Hypertext (elektronische Bücher).

E-Text

Unter e-Text versteht man elektronisch gespeicherten reinen Text ohne Formatierungen (ASCII-Format). Es geht darum, geschriebene Informationen zu archivieren und allgemein zugänglich zu machen.

Unformatierter elektronischer Texte benötigt wenig Speicherplatz und kann von allen Computersystemen und vielen unterschiedlichen Pogrammen verarbeitet werden.

Das Project Gutenberg

Das bekannteste Beispiel ist das ehrgeizige "Project Gutenberg". Das Ziel ist es, die englische Fassung der 10.000 verbreitetsten Bücher in elektronischer Form zur Verfügung zu stellen.

Die vollständige Ausgabe dieser Bibliothek soll letztendlich um etwa 100 Dollars erhältlich sein. Bis es soweit ist, werden Zwischenfassungen auf CD-ROM veröffentlicht. Außerdem sind die Texte über das Internet zugänglich.

Die nach ISO 9660 codierte CD ROM kann von praktisch allen Systemen (PC, Mac, UNIX-Computer, Atari, Amiga) und jeder Textverarbeitung gelesen werden.

"The Wizard of Oz" ist in der vorliegenden Ausgabe ebenso vertreten wie Lewis Carrolls Alice-Bände, Moby Dick und "Aladdin and the Lamp". Der Bogen der Weltliteratur spannt sich von Äsops Fabeln und der Ödipus-Trilogie über Miltons "Paradise Lost" zu "Frankenstein" und "Dr. Jekyll and Mr. Hyde". Für die alltägliche Verwendung bietet sich Roget's Thesaurus an, eher etwas für Spezialisten sind die ersten 100.000 Primzahlen und die Zahl Pi auf eine Million Stellen.

An philosophischen und religiösen Texten findet sich das Buch Mormon und die Bibel, Thoreaus "Civil Disobedience" oder das Kommunistische Manifest. Wesentliche wirtschaftliche und politische Informationen enthalten das jeweils aktuelle CIA World Factbook, Clintons Inaugural-Adresse und die NAFTA-Verträge.

Die Sammlung historischer Dokumente enthält zur Zeit vor allem solche, die einen Bezug zu den USA aufweisen. Unter anderem findet man hier die "Magna Charta", die Erklärung der Menschenrechte von 1789, die "Declaration of Independence," von 1776, die Verfassung plus Zusätze aber auch die "Constitution of The Iroquois Nations". Ein weiteres Verzeichnis enthält schließlich wissenschaftliche Texte mit Schwerpunkten in den Bereichen theoretische Informatik, Mathematik und Chaostheorie.

Die deutschsprachige Ausgabe wird vom Fachbereich für Informatik der Universität Hamburg betreut, die Sammlung ist allerdings noch sehr dürftig und umfaßt vor allem Märchen.

Weitere Anwendungen vom e-Text

E-Text wird überall dort eingesetzt, wo es darum geht, Dateien möglichst klein zu halten. Dies ist etwa bei elektronischer Post (e-Mail) und bei elektronischen Zeitschriften (e-Zines) der Fall, die auf Diskette oder über Online-Systeme, etwa das Internet verbreitet werden.

Daß das ASCII-Format sehr leicht zu verarbeiten ist, machen sich auch computerunterstützte Hilfsgeräte im Behindertenbereich zunutze. Beispiele dafür sind PCs mit Sprachausgabe, die Texte vorlesen oder die Ausgabe auf einem Brailledrucker. Die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitationstechnik hat unter dem Namen "Hot Dot" einen Drucker entwickelt, der wahlweise Buchstaben auf Papier oder Braillezeichen auf thermoplatische Folien druckt und zusätzlich den Text vorlesen kann.

Layoutierter Text

Text kann in zahlreichen Textverarbeitungs- und Layoutprogrammen formatiert werden. Die Möglichkeiten reichen von der einfachen Buchstabenformatierung wie fett oder kursiv über die Gestaltung von Absätzen und Spaltensatz bis zum Einbinden von Grafiken.

Die exakte Wiedergabe erfordert allerdings, daß auf dem Gerät des Lesenden

Acrobat

Aufgrund dieser Probleme gibt es mehrere Initiativen zur Schaffung programm- und plattformunabhängiger Formate. Am verbreitetsten ist die Acrobat-Definition (auch PDF genannt) von Adobe.

Mit der kommerziell vertreibenen Software Acrobat wird der zuvor in einem beliebigem Programm gestaltete Text in das PDF-Format umgewandelt. Nun kann er mit dem kostenlos verteilten Utility Acrobat Reader wiedergegeben werden. Die freie Lesesoftware ist für die Plattformen Windows, OS/2, Apple Macintosh, Sun SPARC, HP/UX, Silicon Graphics und IBM AIX erhältlich.

Im Zeitschriftenbereich, wo es auf schnelle und effiziente Produktion ankommt, könnte PDF in Zukunft eine gewisse Rolle spielen.

Postscript

Die Seitenbeschreibungssprache Postscipt dient der exakten Ausgabe von gestalteten Dokumenten auf Postscriptdruckern. Zahlreiche erlauben die Speicherung von Dokumenten nach dieser Definition.

Mit sogenannten Postscript-Readern (z. B. Ghostscript für Windows) lassen sich diese dateien auch auf dem Bildschirm darstellen und auf normalen Tintenstrahl- und Laserdrucken ausgeben.

Postscript wird vor allem im akademischen Bereich für Handbücher und Anleitungen eingesetzt.

Hypertext

Speziell gekennzeichnete Textstellen sind mit anderen Informationen durch sogenannte Hyperlinks gekoppelt. Der Anwender kann - zumeist per Mausklick - die entsprechenden Verweisstellen aufrufen, wobei es sich um jede Art von Dokumenten (Text, Bild, Ton, Video, Datenbank u.s.w.) handeln kann. Jedes Element kann selbst wieder mit anderen verknüpft werden.

Diese Information muß nicht unbedingt auf dem lokalen System (offline) gespeichert sein, sie kann sich auch in einem Netzwerk oder auf einem Computer im Internet (online) befinden. Die Software stellt dann automatisch die Verbindung zur angegebenen Stelle her.

Der allgemeinen Ansicht zufolge hat Vannevar Bush, der wissenschaftliche Berater Präsident Roosevelts, die ersten Ansätze zu einem Hypertext-System formuliert. 1945 veröffentlichte Bush seine Überlegungen zu einem assoziativ verknüpften Informationssystem. Sein "Memory-Extender" sollte damit im Gegensatz zu alphabetisch oder numerisch, geordneten Systemen dem menschlichen Denken entsprechen.

Von Hypertext zu Hypermedia

Multimedia

Das Bertelsmann Discovery Lexikon auf CD-ROM nennt als Synonyme Mixed Media. Multimedia, Totalkunst und definiert: "Sammelbegriff für Kunstbestrebungen der Gegenwart, die auf eine zeitgemäße Belebung der romantischen Idee vom Gesamtkunstwerk abzielen; gekennzeichnet durch Aufhebung der Gattungsgrenzen von Architektur, Malerei und Plastik, durch Einbeziehung von Wort und Ton und durch Gleichsetzung von Kunst und Leben."

Die aktuelle Verwendung des Begriffs schließt freilich die hier genannten Ziele nur dann ein, wenn sie im Zusammenhang mit virtueller Realität verwendet wird. Praktikabel ist der Ansatz der Fachbuchautoren Börner / Schnellhardt: "Multimedia bezeichnet das Zusammenspiel aller derzeit verfügbaren elektronischen Datenträger für Bild- und Toninformationen in der Information, Aus- und Weiterbildung und Unterhaltung."

Hypermediale Anmerkungen, ob auf CD-ROM oder online stehen keineswegs wie oft behauptet nur in Konkurrenz zum Buch sondern zu allen vorhandenen Medien.

Hypermedia

Der Begriff Hypertext geht auf Ted Nelson zurück, der in den Sechzigerjahren ein elektronisches Publikationssystem namens Xanadu plante. Nelson selbst erweiterte den Begriff bald zu Hypermedia erweitert.

Als Kompilation beliebiger digitalisierter Daten werden damit die Inhalte vorhandener Medien zusammengefaßt und kombiniert. Darüber hinaus lassen sich hypermedial neue Ausdrucksformen entwickeln.

Im einzelnen können hypermediale Produkte folgende Bestandteile umfassen:

Eine der größten Stärken der digitalen Informationsverarbeitung, wird im Publikationsbereich noch immer wenig genutzt: Mit Simulationen lassen sich reale Vorgänge unter verschiedenen Bedingungen wiederholen und beobachten.


Beispiel Fusebox: Haie und Fische

Als Anwendungsgebiete bieten sich natürlich zunächst der naturwissenschaftlichen Bereich und die Vermittlung von Sprachen an. Simulationen sind aber auch im sozialwissenschaftlichen Bereich und seit den siebziger Jahren in der Erwachsenenbildung üblich. Beim Planen einer Stadt oder der Durchführung umweltschützerischer Maßnahmen können auf spielerische Weise komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge vermittelt werden.

Interaktivität

Für manche Autoren, beispielsweise Börner / Schnellhardt, ist Interaktivität ein integriertes Kennzeichen von Multimeda: "Der Anwender ist aktiv beteiligt und kann den Ablauf nach seinem Wunsch gestalten", schreiben sie in ihrer Multimeda-Definition.

Richtig ist jedoch, daß multimediale Systeme zwar die Möglichkeit zum Eingreifen des Benutzers bieten, daß aber diese Möglichkeiten oft nicht oder nur begrenzt zur Verfügung gestellt werden und damit so wichtig wie des Kaisers neue Kleider sind.

Bestellsysteme oder Vokabel-Drillprogramme werden zwar oft mit dem Etikett "interaktiv" angepriesen, reduzieren den Handlungsspielraum des Benutzers auf simple Reiz-Reaktions-Schemata.

Ziel der Interaktivität ist es, dem Benutzer möglichst viel Freiraum bei der Erarbeitung der vorhandenen Informationen zu geben. Dazu gehören verschiedene Wege durch den Text, die Auseinandersetzung mit Kontrolltests und Animationen sowie Möglichkeiten zum Einbinden eigener Informationen.


CD-ROM "Telefonieren am Arbeitsplatz".

Als Beispiel der begleitenden Kontrolle seien Sprachlehrsysteme genannt, bei denen die Aussprache über ein Mikrophon aufgenommen, digitalisiert und mit einer gespeicherten Vorlage verglichen wird.

Bei vielen elektronischen Büchern sind wie beim analogen Medium Anmerkungen, Lesezeichen und Hervorhebungen möglich, die durch neue Hyperlinks mit dem Text verbunden werden. In Zukunft wird dies auch bei Musikstücken und Videos der Fall sein.

Zur Interaktivität gehört aber auch, daß zumindestens Texte und Bilder einfach exportiert und in anderen Anwendungen weiterverwendet werden können. Ein Lexikon macht logischerweise nur dann Sinn, wenn man einzelne Artikel und Darstellungen übernehmen kann.

Verknüpfungssysteme

Für die Produktion von Hypermedia-Anwendungen und "elektronischen Büchern" steht heute eine große Anzahl von Werkzeugen zur Verfügung. Der Markt teilt sich in vollprofessionelle Programme wie etwa Authorware Professional und günstige Lösungen, die durchaus für die Erstellung einfacher Dokumente ausreichen.

Zu den letztern zählt das Voyager Expanded Books Toolkit, das Bücher in sechs Sprachen ereugen kann. Neben der Hypertextfähigkeit kann das Toolkit auch digitales Video verarbeiten.

Als Konkurrenz zu den etablierten Autorensystemen entwickelt sich zunehmend HTML, das Format des World Wide Web. Web-Seiten sind ebenfalls mit Hyperlinks ausgestattet, erlauben Formatierungen und können mit der entsprechenden Software, einem Web-Browser gelesen werden. Dabei ist es egal, ob sich die Dokumente im Internet oder auf dem lokalen PC befinden.

Web-Browser können wichtige Grafikformate darstellen und werden zunehmend auch mit Multimediafähigkeiten ausgerüstet.

Es ist schon kein Problem, alle Arten von Programmaufrufen über CGI-Scripts, Java-Anwendungen (Applets), Musikdateien oder digitales Video einzubinden, wenn man den Webbrowser so konfiguriert, daß er bei Bedarf automatisch die dafür zuständige Software aufruft.

Einige Anwendungsgebiete von Hypertext / Hypermedia

Kataloge und Verzeichnisse
"Infodoc", das Verzeichnis der Bibliotheken, Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich umfaßt in der gedruckten Ausgabe 1994 1414 Einrichtungen. Im Vergleich dazu kann man über "Libweb" auf die Kataloge hunderter Bibliotheken weltweit zugreifen.

Volltexte
Historische Texte, wissenschaftliche Arbeiten (z. B. Vergleich von Textversionen), naturwissenschaftliche Texte mit Animationen und Simulationen (z. B. Atlanten).

Spiele und Spiel/Textanwendungen
Rollenspiele, erweiterte Bilderbücher etc.

Für kooperative Arbeit
Über das Internet können in Echtzeit Diskussionen durchgeführt oder gemeinsame Publikationen erstellt werden.

Lern- und Lehrsoftware
Didaktische Anwendungen werden auf CD-ROM und online realisiert: "Educational markets are a key target of top-selling websites, according to ActivMedia's Third Semi-annual Study of Net Marketers. Companies targeting to educators and educational institutions averaged sales more than twice those of Web marketers in general."

Präsentation, Werbung und Verkauf

Probleme mit Hypertext

In allen Bereichen der Informationstechnologie werden Speicherformate entwickelt, die den unterschiedlichen Anforderungen am besten entsprechen. Entwickler von Multimedia-Anwendungen müssen eine breite Palette von Formaten unterstützen und zusätzlich gewährleisten, daß ihre Produkte auf stark unterschiedlicher Hardware laufen. So sind etwa nur wenige Hybrid-CDs erhältlich, die sowohl von Apple- wie von Intel-Computern verarbeitet werden können.

Dazu kommen unterschiedliche Oberflächen und Abfragemechanismen, was zur Folge hat, daß der Anwender mit jeder neuen CD mehrere Megabytes an Steuerungssoftware installieren und neue Befehle, Strukturen und Icons lernen muß.

Als Ausnahmen seien Microsofts Familienanwendungen und die Duden-Bibliothek von erwähnt, die eine einheitliche Oberfläche für alle Anwendungen zur Verfügung stellt.

Eine gewisse Standardisiserung ist bereits durch das World Wide Web entstanden, wo die wichtigsten Browser (Netscape Navigator, Microsoft Explorer) nicht nur mit jeder Version mehr Datenformate unterstützen sondern darüber hinaus die Möglichkeit bieten, beim Laden eines bestimmten Formates die zusätzlich notwendigen Programme automatisch aufzurufen.

Allerdings ist die zur Zeit gültige Defintion der Hypertext Markup Language (HTML) 4.0 kein offizieller Standard. Diverse Erweiterungen (dynamische Seiten, Druckformatsvorlagen, serverseitige Fonts...) werden nicht von allen Browsern unterstützt resp. recht unterschiedlich interpretiert.

Die zukunftsträchtigste Entwicklung ist zweifellos die Programmierumgebung Java von Sun. Damit ist es möglich, Anwendungen zu schreiben, die unter allen 32 Bit-Systemen laufen, etwa Windows 95, Windows NT, MacOS auf PowerPCs, UNIX, Sun Solaris.

Zur Diskussion Buch oder Hypermedia

Bei Katalogen sind die Vorteile von hypermedialen Techniken unmittelbar einsichtig sind: Wer je das österreichische Nachschlagsystem BIBOs genutzt hat, verspürt keine Nostalgie nach den alten Zettelkatalogen.

An anderen Anwendungen haben sich jedoch zahlreiche Diskussionen entzündet. Gegner von multimedialen Anwendungen werfen diesen vor, zur Passivität zu verführen. Beispielsweise kennzeichnet Sybil Schönfeldt Neue Medien folgendermaßen: "In diesem halben Jahrhundert haben sich auch andere Bilder entwickelt, elektronische Impulse, die nichts verlangen als Passivität und die deshalb so verlockend und so gefährlich sind."

Befürworter verweisen auf die Einbindung aller Sinne und - bei Online-Angeboten - auf die Verfügbarkeit: "Der Leser wähnt sich jedenfalls im Paradies: Alles, was er haben will, gibt es sofort und auf der Stelle. Eine Nebenwirkung dieses Lebens in Echtzeit ist, daß die Füße überflüssig geworden sind. (...) Die Hände haben ihre tragende Funktion übernommen, statt in die Bibliothek läuft der Leser über die Tastatur. Er wird zum Handgänger im Schlaraffenland permanenter Verfügbarkeit. Es paßt auch, daß der Teil des Auges, in dem die Bilder Kopf stehen, bevor sie im Gehirn wieder umgedreht werden, 'Netzhaut' heißt. Die Natur hat uns gut auf das Internet vorbereitet."

Zugegeben, es gibt im Bereich Multimedia Angebote, die aus guten Büchern schlechte Programme machen. Doch der oft gehörte Stoßseufzer "Hauptsache, die Kinder lesen ein Buch" übersieht, daß auch "Mein Kampf" oder "Der Mythos des XX. Jahrhunderts" Bücher sind. Und wer je mit naturwissenschaftlichen Lehrprogrammen mit Simulationen gearbeitet hat, muß die Überlegenheit digitaler Technologien über Printmedien für diesen Bereich anerkennen.

Selbst Autor von Büchern für Kinder und Erwachsene stimme ich nicht in den Chor jener ein, die das Buch für ein antiquiertes Medium halten - und ein Handbuch für die Bedienung ihres Videorecorders benötigen. Vielmehr ist zu prüfen, welches Medium sich für welche Inhalte und welche Rezipienten eignet.

Verbunden damit sind u. a. Probleme des Urheberrechts, der Wandel der Aufgaben von Verlagen und Bibliotheken und die geänderte Rolle von Autoren und Illustratoren.

Die Diskussionen darüber kann nicht im Rahmen dieser Bestandsaufnahme geführt werden. Geführt werden sollte sie allerdings, auch von Ihnen.

Auswahlbibliographie

Börner, Wolfgang und Schnellhardt, Günther: Multimedia, tewi, München 1992.

Bush, Vannevar: As We May Think (originally published in the July 1945 issue of The Atlantic Monthly), http://www.isg.sfu.ca/~duchier/misc/vbush/.

Computer Writing, Rhetoric and Literature, http://www.en.utexas.edu/~cwrl/

Glaser, Peter: 24 Stunden im 21. Jahrhundert, 2001 Verlag, Frankfurt / M. 1995.

Glöckler, Gustav: Internet als Buchersatz?, in: Wissenschaftliches Österreich. Ein Magazin zum Österreich-Schwerpunkt auf der Frankfurter Buchmesse 1995, hrsg. vom Institut Wiener Kreis, Wien 1995, S.31.

Hilscher, Anton C.: Elektronik im Buchhandel, in: Wissenschaftliches Österreich, a. a. O., S.30.

Jatzek, Gerald: Die Welt als Scheibe. Gegenwärtige und zukünftige Möglichkeiten der CD-Technologie, in: Konzepte 4 - Medienpolitik. Neue Medien und Kinder. Organisation, Einkaufszentrale für Bibliotheken, Reutlingen 1996. Aktualisierte Fassung: Tausend und ein Buch, Nr. 3 und 4/1996, Wien 1996.

Jatzek, Gerald: Literatur im Internet, in: Literaturkorrespondenz 1/96, S. 23-35, München 1996.

Jatzek, Das Internet für Autoren, Artikelserie in: Autorensolidarität 1 bis 3/96, Wien 1996.

Kursbuch Neue Medien, Bollmann-Verlag, Mannheim 1995.

Maier, Gunther /Wildberger, Andreas: In 8 Sekunden um die Welt. Kommunikation über das Internet, Bonn 1995.

Project "Apple Classrooms of Tomorrow" (ACOT): Changing the Conversation About Teaching, Learning and Technology: A Report On Ten Years of ACOT Research, 1995, erhältlich bei: http//www.atg.apple.com/acot/index.html.

Tolva, John: The Heresy of Hypertext. Fear and Anxiety in the Late Age of Print. (1995), http://www.artsci.wustl.edu/~jntolva/heresy.html

WWW FAQ, New Software Technologies Service, Austria (Europe): http://nswt.tuwien.ac.at:8000/htdocs/boutell/

Zauner, Franz: Backspace und Strg+V. Lesen und Schreiben im Zeitalter des Internet, in: Wiener Zeitung, Beilage EXTRA, 27.9.1996, S.3. Bzw.:http://www.oesd.co.at/wz/extra/lexikon/LESEN.HTM.

Ausgewählte CD-ROMs und Hypertext-Applikationen

Birds of Europe", Springer Verlag, Berlin 1995.

Cinemania 96, Microsoft, Redmond 1995.

Concerto,Intercomputer, Unterhaching, 1993.

Das Flagschiff unseres Königs", Duden / Meyer 1995.

Einstein. Die Welt des Genies, Spektrum Verlag und Systhema, Berlin und München 1996.

Faszinierende Kreaturen,CD-ROM, Microsoft, Redmond1995.

Holzwig, Angela: Oskar Maria Graf. Nacha mach'ma halt a Revolution, Systhema Verlag, München 1996.

Just Grandma and me, Br¢derbund 1993.

Okopenko, Andreas: Lexikonroman, Hypertext-Ausgabe, bei: Literatur + Medien, Seidengasse 13, A - 1070 Wien.

Rock-Encyclopedia, Bertelsmann 1996.

Telefonieren am Arbeitsplatz, Applied Learning, Wien 1993.

Verkehrte Welt, Ravensburger, Ravensburg 1995.

Ausgewählte Internet-Adressen

A Hundred Highlights from the Koninklijke Bibliotheek, http://www.konbib.nl/100hoogte/menu-tours-en.html#hout

Alex: A Catalogue of Electronic Texts on the Internet, http://www.lib.ncsu.edu/stacks/alex-index.html

Brody, Florian: Electronic Books, Seminar 1995, http://www.newmedia.co.at/brody/e_books/default1.html

Ciencin, Scott: The Lurker Files, http://www.yahooligans.com/content/rh/

Dorling Kindersley Family Library, http://www.indirect.com/www/learnweb/dkfl/

Electronic Text Collections in Western European Literature, http://www.lib.virginia.edu/wess/etexts.html

Electronic Text/Online Books, http://library.adelaide.edu.au/~sthomas/etext.html

Great Books Online, http://www.mala.bc.ca/~mcneil/authors.htm

Kinderliteratur, http://www.oesd.co.at/wz/extra/KINDER.HTM

Libweb, http://sunsite.berkeley.edu/Libweb

Magic Keys Children's Storybooks Online, http://www.magickeys.com/books

OPAC Network in Europe, http://www.bibsys.no/one.html
Ausgangspunkt für Zugriffe auf die Kataloge europäischer Bibliotheken.

Project Gutenberg, http://www.promo.net/pg/
http://sunsite.mff.cuni.cz/ftp/Text/Books/Gutenberg
ftp://sunsite.mff.cuni.cz/Text/Books/Gutenberg/
http://kcmo.com/gdl

Sun Java Homepage, http://java.sun.com/index.html

Tales of Wonder, http://www.ece.ucdavis.edu/~darsie/tales.html

The Libirynth, http://www.microserve.net/~thequail/libyrinth/
Hypertext von Jorge Luis Borges, Umberto Eco, Gabriel García Márquez, James Joyce. Erweiterungen sind geplant.

WordNet: A Lexical Database for English, http://www.cogsci.princeton.edu/~wn/

Anhang: Die CD-ROM-Familie

Audio-CD
Am Anfang der Familie steht die 1982 definierte Musik-CD, die auf allen CD-Laufwerken abgespielt werden kann. Um die Musiktitel vom PC aus aufzurufen, ist eine spezielle Software notwendig, die jedoch oft im Lieferumfang von CD ROM-Laufwerken enthalten ist.

CD-ROM
Die CD-ROM (CD-Read Only Memory) ist ein Datenspeicher, der nur gelesen, nicht aber beschrieben werden kann. Nach der momentan üblichen Definition bietet die CD-ROM eine Kapazität von etwa 650 MB. Es können darauf mehr als 300.000 DIN-A4-Seiten Text oder etwa 74 Minuten digitales Video gespeichert werden.

Photo CD
Ein weiteres wichtigs Format ist die Kodak Photo CD. Sie ermöglicht die farbgetreue Speicherung von bis zu 100 Farbbildern mit einer Auflösung von bis zu 4 Millionen Bildpunkten und ist zudem kompatibel zur CD-ROM XA und CD-I. Das heißt, die Photo-CD kann sowohl auf den entsprechenden Playern abgespielt und über einen TV-Monitor betrachtet als auch für den Einsatz in jedem PC-System verwendet werden. Auf sogenannten Portfolio CDs werden die Bilder in geringerer Auflösung nur für die Darstellung am Schirm gespeichert, wodurch Platz für zusätzliche Daten, etwa Text, Ton oder Software, bleibt.

CD-I
Die CD-I sollte nach dem Willen des Herstellers Philips eine Norm für den Heimbereich schaffen. Da CD-Is physikalisch im XA-Format beschrieben werden, können moderne CD-ROM-Laufwerke die Scheiben zwar lesen, zum Abspielen wird dennoch eine Hardwareerweiterung in der Form einer von Philips angebotenen Steckkarte benötigt.

CD-R
Die CD-Recordable wird vom Anwender selbst in einem oder mehreren Arbeitsgängen dauerhaft beschrieben.

CD-RW
Diese CD kann beschrieben und wieder gelöscht werden. Die CD-RW kann nicht von allen CD-Laufwerken gelesen werden.

DVD
Die DVD (digital versatile disk oder digital video disk) speichert auf einer Schicht 4,7 GB pro Seite und kann in zwei Schichten beidseitig beschrieben werden. Sie entspricht dem MPEG2-Format und ist abwärtskompatibel. Das bedeutet: neue Abspielgeräte können alle bisherigen CD-ROMs lesen. Die DVD kam im vierten Quartal 1996 offiziell auf den Markt. DVDs werden auf einer Reihe von Abspielgeräten laufen: auf PCs ebenso wie auf Multimedia-Konsolen und Set-Top-Boxen für digitales Kabel-TV. Noch sind aber die wichtigsten Video- und Audio-Datenformate nicht standardisiert.


Quelle: http://www.wienerzeitung.at/extra/hyper/theorie/hypertex.htm (98-06-27)