Ausgabe 3/98 - Tips und Tricks:
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Kostenlos ins Internet?

Kreative Wege aus dem Gebührendilemma, aber kein Patentrezept 

Hohe Gebühren für Provider und Telefon bremsen die Internetaktivitäten von Schulen. Kein Wunder, daß viele Lehrerinnen und Lehrer vom kostenlosen Netzzugang träumen. Für Duisburger Lehrkräfte ist dieser Traum wahr geworden.  

Das „Duisburger Modell“ 
Im Rahmen der Ausstattungsinitiative „Telematische Schulen der Stadt Duisburg“ schließt Duisburg seine 90 weiterführenden Schulen über die städtische Telefonanlage und angemietete ISDN-Leitungen an einen Router der Stadtverwaltung an. Der Router selbst ist über Lichtwellenleiter mit der Uni-Duisburg verbunden. Somit haben die Schulen Zugang zum Internet, ohne daß Telefongebühren anfallen. Jede Schule hat dabei sogar zwei feste IP-Nummern. Zusätzlich investiert Duisburg etwa 80 000 Mark pro Schule mit Sekundarstufe I und II in einen vernetzten Computerraum. (Powerpoint-Datei zum Modell: ods.zip) 
Wer an seinem Ort keine derart paradiesischen Verhältnisse findet, braucht nicht zu verzagen. Oft sind lokale Firmen bereit, Schulen ins Netz zu helfen. 

Sponsoring im Kreis Coesfeld 
So hat die Realschule Lüdinghausen die Firma Ahrens als kostenlosen Provider gewinnen können. Die anfallenden Telefonkosten können mit der Telekom-Förderung beglichen werden. Auch von anderer Seite kommt Geld. „Die Volksbank unterstützt uns mit 30 Mark im Monat und die Sparkasse Coesfeld hat allen Schulen im Kreis einmalig 2000 Mark gespendet“, so Bernd Geister, Lehrer und Moderator im Kreis Coesfeld. Förderverein und der Verein der ehemaligen Sponsoren fördern ebenfalls die schulischen Internetaktivitäten. 
Wer Geld gibt, erwartet naturgemäß auch Leistung. Von ihrem Engagement erhoffen sich die Sponsoren einen Werbeeffekt. „Natürlich wollten sie ihr Logo auf der Startseite sehen – wir nicht. Daher haben wir einen Kompromiß gefunden: Eine eigene Sponsorenseite mit Logos“, sagt Geister. 

Freudige Geldgeber bei Berufsschulen 
Für Berufsschullehrerinnen und Lehrer lohnt es sich besonders, auf die Chefs ihrer Schülerinnen und Schüler  zuzugehen. Denn Firmen haben sehr starkes Interesse an einer guten Ausbildung ihrer Lehrlinge. Deshalb ist ihre Bereitschaft groß, die Berufsschulen zu fördern.  

Stadtnetze 
Die vielerorts entstandenen Stadtnetze sind potentiell kostenlose Provider für Schulen. In Münster bietet das Bürgernetz (Buene) Platz für nichtkommerzielle Informationsangebote. Der eingetragene Verein will demnächst sogar einen Techniker zur Betreuung der Schulen einstellen. 
Robert Nünning, Informatiklehrer am Gymnasium Paulinum ist zufrieden mit Buene. Der Verein bietet alle Internetdienste (WWW, FTP, E-Mail, Newsgroups, etc.) kostenlos an. Das Paulinum hat derzeit zwei Rechner mit Internetzugang. Die Einwahl erfolgt per ISDN. Noch sind die monatlichen Telefongebühren in Höhe von 150 Mark durch die Telekom-Förderung gedeckt. „Nach dem Auslaufen der Förderung werden wir die Schülerinnen und Schüler wohl um eine Telefonkostenpauschale bitten müssen“, so Nünning. In der Großstadt Münster war die Sponsorensuche nicht erfolgreich. „Wenn wir Geld bekommen, gehen gleich auch alle anderen münsterschen Schulen zum Sponsor und wollen das gleiche. Außerdem schalten die angesprochenen Firmen für das Geld lieber Anzeigen in der Presse“, so seine Erfahrungen. 

Public Private Partnership erwünscht 
Während Werbung in der Schule bisher strikt untersagt war, dürfen Schulen auf ihren WWW-Seiten die Unterstützer benennen. „Wir ermuntern die Schulen ausdrücklich, auf Sponsoren zuzugehen“, sagt Ulrich Abels vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung. Interessante Ansprechpartner sind vor allem die örtlichen Provider. 

Weitere Links zum Thema 
InterNett Hagen Schulkonzept und Schulserver 
WiNShuttle (Angebot B und Service für Schulen) 
Citykom Münster 
Info-Sammlung von Michael Weigend 
 

Bis zu 360 Mark je Schüler 

Bisherige Kostenanalysen differieren gewaltig  

Für jede ans Internet angeschlossene Schule fallen durchschnittlich 7500 Mark pro Jahr an Telefon- und Providergebühren an. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Modellrechnung der Kultus-Staatssekretäre. Bundesweit wird mit mindestens 90 Millionen Mark gerechnet. Prof. Herbert Kubicek, Mitglied der Forschungsgruppe Telekommunikation der Universität Bremen, legt noch eins drauf. Er rechnet schon im ersten Jahr schulischer Internetaktivität mit rund 360 Mark pro Schüler bzw. 3,3 Mrd. Mark bundesweit. Rund 10 Prozent dieser Summe entfallen auf Telekommunikationskosten. Hinzu kommen Kosten für Hardwareausstattung, Schulung der Lehrkräfte (15 Prozent) sowie die technische und pädagogische Betreuung des Rechnereinsatzes ( über 50 Prozent). In den USA und Großbritannien wurden ähnliche Berechnungen nicht nur verwendet, um eine deutliche Erhöhung des Bildungsetats zu erreichen, sondern gleichzeitig auch Wirtschaft und Eltern für eine Beteiligung zu gewinnen. „Eine solche Doppelstrategie erscheint auch für Deutschland unverzichtbar, wenn die Jugend auf die Anforderungen der Informationsgesellschaft vorbereitet und der Wirtschaftsstandort gesichert werden soll“, so Kubicek. 
 

 
 

ISIS bietet in Düsseldorf kostenlosen Internetzugang

Beispielhaft nennt NRW-Bildungsministerin Gabriele Behler eine Initiative der Isis Multimedia Net. Das Düsseldorfer Telefonunternehmen bietet den weiterführenden Schulen einschließlich der Berufsschulen in Düsseldorf einen kostenlosen Internetzugang. Isis übernimmt die Einwahlkosten für eine Verbindung zu den Internetservern der Heinrich Heine Universität und damit zu allen Internetdiensten. Was bleibt, sind die Kosten für Hardware, Software und die technische Betreuung. 
Im Gegenzug wechselt die Stadtverwaltung der Landeshauptstadt zum örtlichen Telefonprovider. Auch die Universität ist bereits Isis-Kunde. Ein entsprechendes Angebot liegt auch den Städten Neuss, Duisburg und Krefeld vor. 
 
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