Was geschieht, wenn man sechs
Schulklassen samt ihren Lehrern und Lehrerinnen mit Notebooks,
Modems und Druckern ausstattet und ihnen darüberhinaus den
Zugang zum Internet ermöglicht?
Wie wirkt sich das auf den Unterricht aus,
auf Lehrer- und Schülerrolle, auf Lehr- und Lernprozeß,
wie auf das Kommunikationsverhalten inner- und außerhalb des
Schulbereichs? Um Antworten auf Fragen wie diese zu finden, hat
das BMUK die
Techno-Z FH Forschung und Entwicklung
GesmbH mit der Evaluation des
Notebook-Projektes betraut. Die folgenden Seiten stellen die
Zielsetzungen, Forschungsfragen, Methoden und Produkten des
Forschungsprojektes "Vernetzte Bildung" dar.
Fragen und Ziele des Projektes
"Vernetzte Bildung"
Das Forschungsprojekt "Vernetzte Bildung"
besteht aus drei Modulen: a) Evaluation des Notebook-Projektes und
dem Österreich-Monitoring, b) Monitoring, der internationalen
Entwicklung und c) konkrete Empfehlungen zum Einsatz von neuen
Medien an österreichischen Schulen.
Evaluation des Notebook-Projektes und
Österreich-Monitoring
Hier ist erstens zu untersuchen, wie das
Notebook-Projekt des BMUK verlaufen ist und welche
Schlußfolgerungen sich daraus für einen optimierten
Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)
im Unterricht ziehen lassen. Zweitens sollen jene Faktoren
herausgearbeitet werden, die den Lernerfolg beim Einsatz von IKT
im Unterricht fördern bzw. die ihn hemmen. Drittens soll ein
Überblick über die Internetprojekte
österreichischer Schulen erarbeitet werden. Es wird auch
ermittelt, wie sich der Einsatz von IKT im Unterricht auf Lehrer-
und Schülerrolle auswirkt, auf die Lehr- und Lernprozesse,
auf das Kommunikationsverhalten im Schulbereich und die
Unterrichtsgestaltung. Welchen Einfluß hatten Faktoren wie
EDV-Vorkenntnisse und -kompetenz, Computerbesitz, Einstellung
gegenüber den neuen Informations- und
Kommunikationstechnologien, Nutzungsverhalten, Unterrichtsform
usw. auf den Verlauf des Notebook-Projektes? Zudem wird
beleuchtet, ob und wie sich diese Faktoren während des
Projektes verändert haben.
Monitoring der internationalen
Entwicklung
In diesem Modul des Projektes "Vernetzte
Bildung" soll herausgefunden werden, in welchem Ausmaß und
auf welche Weise die neuen Informations- und
Kommunikationstechnologien in anderen europäischen
Ländern pädagogisch genutzt werden. Dabei sollen
folgende Fragen beantwortet werden: Wie stark werden die neuen
Unterrichtstechnologien in den Lehr- und Lernalltag eingebunden?
Auf welche Weise und für welche Zwecke werden sie im
Unterricht genutzt? Was kann man aus den Erfahrungen lernen, die
in anderen Ländern gemacht werden? Welchen Stellenwert haben
die österreichischen Projekte im internationalen
Vergleich?
Analyse und
Empfehlungen
Im letzten Modul werden bildungspolitisch
relevante Ergebnisse, Analysen und Schlußfolgerungen
berichtet und vermittelt. Es gilt, Vorschläge für einen
optimierten Einsatz der neuen Unterrichtstechnologien zu machen.
Worauf man künftig achten muß, wenn man die neuen
Informations- und Kommunikationstechnologien im Unterricht
sinnvoll einsetzen will, ist die zentrale Frage dieses
Arbeitsmodules.
Das Notebook-Projekt
Im Frühjahr 1996 stattete das BMUK
jeweils eine Klasse des BG
Blumenstraße in Bregenz,
des BG/
BRG Wels, der Kärntner
Tourismusschulen in Villach, des
BORG
Monsbergergasse in Graz, der
Schihandelsschule
Schladming und der HAK/
HASCH Tamsweg mit Notebooks,
Computertaschen und Druckern aus. Darüberhinaus erhielt jede
Schule ein CD-ROM-Laufwerk. Die Notebook-Schulen waren zusammen
mit den Landesschulräten ausgewählt worden.
Teilnahmebedingung war die Verpflichtung, LANs (Local Area
Networks; in diesem Falle schulinterne Netze) und
Einwählknoten zu errichten. Die Klassenräume sollten
lokal vernetzt, die Notebooks telekommunikationsfähig gemacht
und ins Schulnetz integriert werden. Die Schülerinnen und
Schüler sollten von zu Hause aus auf dieses zugreifen
können. Die Kosten für Modems, Netzwerkkabel und -karten
gingen zu Lasten der Schulbudgets. Die Kosten für die
technische Hilfestellung, die das Informatik Service
der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft
(IS) den Schulen für das
Aufsetzen und Betreiben ihrer Schulnetze veranschlagte, wurden vom
BMUK getragen. Die Anschaffung jener Software, die über das
standardmäßig mitgelieferte Softwarepaket (Bull-Windows
3.11 und Lotus-Smartsuit) hinausging, wurde von den Schulen
finanziert.
Welche Ziele hat das
Notebook-Projekt?
Im Zuge des Notebook-Projektes sollten
Modelle "für den Einsatz des Computers inner- und
außerhalb des Unterrichts und die Möglichkeiten des
pädagogischen Einsatzes der Telekommunikation entwickelt und
getestet" (Karner, 1996: 6) werden. Ziel war es, aus praktischen
Erfahrungen Schlüsse für einen sinnvollen und
zielführenden weiteren Umgang mit neuen
Unterrichtstechnologien zu ziehen und einen umfassenden Katalog
von Modellen und Vorschlägen für den pädagogischen
Einsatz von Computern zu erstellen (Karner, 1996: 6f). Die
einzelnen Modelle wurden von den am Projekt beteiligten
Lehrerinnen und Lehrern erstellt.
Das Projekt ist in drei Arbeitsmodule gegliedert, die auch den Leistungsumfang festlegen:
MODUL 1 - Laufzeit: März
1996 bis Dez. 1997
Erhebung und Evaluation von schulischem
IKT-Einsatz in Österreich anhand des Notebook
Projektes
Untersuchungsphase 2
Untersuchungsphase 3
Untersuchungsphase 4
MODUL 2 - Laufzeit: August 1996 bis
Dez. 1998
Monitoring der internationalen Entwicklung
bzgl. Einsatz von neuen KoInfo Technologien
MODUL 3 - Laufzeit: August 1996 bis
Dez. 1998
Reporting und Vermittlung von
entscheidungsrelevanten Ergebnissen, Analysen und
Schlußfolgerungen
Angewandte Methoden und erste
Ergebnisse des Forschungsprojektes
Um die gestellten Fragen zu beantworten,
werden im wesentlichen drei wissenschaftliche Methoden angewendet:
die schriftliche Befragung, das Fokusgruppeninterview und die
systematische Beobachtung österreichischer und
internationaler Online-Schulprojekte. Die ersten Ergebnisse liegen
schon vor. Sie betreffen vor allem die Evaluation des
Notebook-Projekts. Der vorliegende Band "Schulen am Netz"
ist ebenfalls ein direktes Ergebnis des
Projektes "Vernetzte Bildung".
Evaluation des
Notebookprojektes
Zur ersten
Fragebogenerhebung:
Im März 1996, die ersten Laptops wurden
gerade an die sechs Schulklassen ausgeliefert, wurden alle am
Notebook-Projekt Beteiligten ersucht, einen ersten Fragebogen
auszufüllen. Es galt noch vor dem eigentlichen Start des
Notebook-Projektes Punkte wie die folgenden zu erheben: die in das
Projekt gesetzten Erwartungen, die EDV-Kompetenz der Beteiligten,
ihre Grundhaltung gegenüber den neuen
Unterrichtstechnologien, ihr bisheriges PC-Nutzungsverhalten (z.
B. Nutzungszwecke und -orte), die bisher verwendete Software, den
Anteil der PC-Besitzer unter den Befragten, die bisherige
Computernutzung im Unterricht und jene Vor- und Nachteile, die dem
Einsatz des Computers zugeschrieben wurden.
Die erste Fragebogenuntersuchung brachte einige markante Ergebnisse:
- Der PC-Einsatz in der Schule wurde am Beginn des Notebook-Projektes von Schülerinnen und Schülern sehr positiv bewertet. Auch Lehrerinnen und Lehrer beurteilten die Auswirkungen des bisherigen PC-Einsatzes auf den Schulunterricht durchwegs positiv.
- Auffallend viele SchülerInnen verfügten bereits zu Hause über einen PC (68%). Bei den LehrerInnen waren es sogar 82%
- Die Schülerinnen und Schüler schätzten die EDV-Kompetenz ihrer Lehrkräfte als gering ein. Umgekehrt beurteilten Lehrkräfte die PC-Kenntnisse ihrer Schülerinnen und Schüler wesentlich höher ein als diejenigen ihrer eigenen Kolleginnen und Kollegen.
- Bei der PC-Nutzung der Schülerinnen und Schüler dominierten klassische Anwendungen wie Textverarbeitung und Rechenprogramme. Vor Beginn des Notebook-Projektes wurden Internet-Basisdienste (z. B. E-Mail, Telnet, Talk, Chat, Multi User Dimensions) und integrierte Internetdienste (z. B. WWW, Gopher) kaum genutzt.
Detaillierte Ergebnisse dieser ersten Fragebogenerhebung sind im Zwischenbericht nachzulesen, der im Rahmen des Projektes "Vernetzte Bildung" im April 1997 fertiggestellt worden ist.
Zur zweiten
Fragebogenerhebung
Im April 1997 beantworteten
Notebook-Schulklassen und -Lehrkräfte einen zweiten
Fragebogen. Viele Fragestellungen der ersten Erhebung wurden
übernommen, da herausgefunden werden soll, wie sich die in
das Projekt gesetzten Erwartungen, die Grundeinstellung
gegenüber den neuen Unterrichtstechnologien und das
Computer-Nutzungsverhalten in diesem Jahr verändert haben.
Welche Applikationen werden nach diesem Projektjahr bevorzugt
verwendet? Dominieren noch immer klassische Anwendungen wie
Textverarbeitungssoftware und Rechenprogramme? Inwieweit hat sich
das bisherige Nutzungsverhalten geändert? Werden die
Notebooks noch immer bevorzugt für klassische Nutzungszwecke
wie Schreiben und Layout genutzt, oder haben andere Nutzungszwecke
an Stellenwert aufgeholt? Hat sich die Einschätzung der
Beteiligten bezüglich der Vor- und Nachteile des
Computereinsatzes im Unterricht verändert?
Zu den
Fokusgruppeninterviews
Um den Verlauf des Notebook-Projektes aus
Schüler- wie Lehrerperspektive zu erfassen, wurden im
Frühjahr 1997 neun qualitative Fokusgruppeninterviews
durchgeführt. Sie werden derzeit ausgewertet. Befragt wurden
die Lehrkräfte der sechs Notebook-Klassen. Drei weitere
Fokusgruppen setzten sich aus Notebook-Schülerinnen und
-Schülern des BORG Monsbergergasse, der HAK/ HASCH Tamsweg
und den Kärntner Tourismusschulen zusammen.
In den Interviews ging es um die Fragen,
welche Veränderungen der Einsatz der Notebooks im Unterricht
bewirkt hat, wie intensiv und für welche Zwecke sie im
Schuljahr 1996/ 97 eingesetzt worden waren, welche Lern- und
Lehrformen entstanden sind, welche Schwierigkeiten es gab und
welche Vorteile der Einsatz der neuen Unterrichtstechnologien
gebracht hat. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede im Umgang
mit den Notebooks, Veränderungen im Verhältnis zwischen
Lehrern, Schülern und Lehrkräften und die Auswirkungen
des Notebook-Einsatzes auf den Lernerfolg wurden erhoben.
Zum Monitoring österreichischer
Internet-Projekte und der internationalen
Entwicklung
Mittels einer systematischen Beobachtung und
Beschreibung der österreichischen und internationalen
Entwicklung des Einsatzes der neuen Informations- und
Kommunikationstechnologien im Unterricht soll herausgefunden
werden, inwieweit, auf welche Art und Weise und in welchen
Fächern Computer, Internetbasisdienste wie E-Mail, FTP,
Telnet, Chat sowie integrierte Internetdienste wie Gopher und
World Wide Web derzeit in den Unterricht eingebunden werden. Ziel
ist es, einen Überblick über den österreichischen
Status Quo zu erstellen und diesen mit der internationalen
Entwicklung zu vergleichen. Ergebnis des Monitoring-Moduls soll
eine Liste von Examples of Best Practice sein: Es sollen jene
Online-Schulprojekte vorgestellt werden, aus denen man für
den zukünftigen Einsatz der IKT an österreichischen
Schulen am meisten lernen kann.
Publikationen und Berichte zum Projekt
"Vernetzte Bildung"
Im Rahmen des Projektes "Vernetzte Bildung"
entstanden und entstehen folgende "Produkte": ein Bericht zum
Notebookprojekt, das Symposion "Schulen am Netz. Innovative
Projekte in Österreich" und der dazugehörige
Tagungsband, eine Studie zur Praxis des
Computereinsatzes in Schulen und ein wissenschaftlicher
Endbericht.
- Im April 1997 wurde der Zwischenbericht zum Notebookprojekt fertiggestellt, der die Ergebnisse der ersten Fragebogenerhebung und einen Bericht über die Konferenz "Towards a European electronic network for schools" enthält. Die Ergebnisse der zweiten Fragebogenerhebung werden im Herbst 1997 fertiggestellt.
- Am 20. Juni 1997 veranstaltete die Techno-Z FH Forschung & Entwicklung im BMUK unter dem Titel "Schulen am Netz - Innovative Projekte in Österreich" ein Symposion, das von über 140 Personen besucht war. Engagierte Lehrkräfte erhielten die Möglichkeit in Arbeitsgruppen ihre Erfahrungen mit den neuen Unterrichtstechnologien zu präsentieren: Neue Unterrichtsformen, schulinterne und -externe Informationssysteme, IKT in Volks- und Hauptschulen, IKT in naturwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fächern, IKT im Mathematik- & Physikunterricht waren die Themen der Arbeitsgruppen. Das "European Network for Schools" wurde vorgestellt. Die Symposionsteilnehmerinnen und -teilnehmer konnten im Rahmen einer abschließenden Podiumsdiskussion Fragen an Unterrichtsministerin Gehrer richten.
- Ende 1998 wird ein umfassender Endbericht erscheinen, der Ergebnisse zu allen drei oben beschriebenen Modulen enthalten wird. Diese werden zu einem Maßnahmenkatalog verdichtet, der dazu beitragen soll den Einsatz der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien im Unterricht zu optimieren.
Projektleiter: Professor
Peter A. Bruck, Dr. iur., M.A., Ph.D.
Koordination/Kontakt: Dr. Guntram Geser *)
MitarbeiterInnen: Mag. Andreas E. Pointner, Andreas Gruber, Dr.
Günther Stocker *)
Kurzbeschreibung d. vorhandenen wiss.
Kapazität
(Organisationsapparat, Einrichtungen, etc.)
Infrastruktur der Techno Z FH Forschungs-
und Entwicklungsgesellschaft: Lan, 15 PCs, ISDN,
Internetschnittstelle, WWW Server, Distributed Media Lab,
umfangreiche Bibliothek, sozialwissenschaftliches wie technisches
Know-How.
Prof. Peter A. Bruck, Dr. iur., M.A., Ph.D.
Dr. Guntram Geser MTM, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Mag. Andreas Pointner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Andreas Gruber, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Mag. Dr. Günther Stocker, Wissenschaftlicher Mitarbeiter *)
Kooperationspartner:
Auftraggebende Organisationseinheit im BMUK: MR
Mag. Dr. Reinhold Hawle
Ing. Franz
Werner Karner, Steirische
Volkswirtschaftliche Gesellschaft
Mag.
Anton Knierzinger, IST Institut
für Schule und Neue Technologie an der PA der Diözese Linz