Das Offene Deutsche Schulnetz versteht sich als Dachorganisation
für die Vernetzung deutscher Schulen. Es informiert über
Möglichkeiten zur Anbindung und deren Finanzierung, hilft bei
technischen Problemen und stellt geeignete Software zur
Verfügung. Weiterhin bietet das ODS Fortbildungen an und
versucht durch Einwirkung auf Kultusministerien und
Fortbildungsseminare für Lehrende eine bundeseinheitliche
Netzverwaltung durchzusetzen.
Der Arbeitskreis Schule der GUUG hat dafür die Domain
,Schule.De" reservieren lassen. Dies bedeutet, daß deutsche
Schulen weltweit unter folgender Adreßstruktur erreichbar
sind:
Benutzer@Rechner.Stadt.Bundesland.Schule.De.
Oft lautet die Adresse auch:
Benutzer@Schulname.Bundesland.Schule.De.
Die Anbindung erfolgt in der Regel über Rechner, die
institutionelle Mitglieder im ,Deutschen Forschungsnetz" sind oder
über die Firma ,EUnet GmbH" in Dortmund. Diese beteiligten
Einrichtungen und der GUUG übernehmen derzeit alle Kosten, die
durch das Weiterleiten (Routing) der Daten entstehen.
Grundsätze der Anbindung sind:
Das Internet wird als übergeordnete Netzstruktur
akzeptiert; regionale Aktivitäten müssen sich, soweit es
ihre Außenkontakte betrifft, den Gepflogenheiten dieses
internationalen Datennetzes anpassen. Wo auf regionale Ansätze
keine Rücksicht genommen werden muß, wird eine
Vernetzungsform angestrebt, die sich so dicht wie irgend möglich
an das Internet anlehnt, um gangsprobleme zu minimieren und hohe
Betriebs- und Zukunftssicherheit sicherzustellen.
Die Struktur des Netzes ist sternförmig, bzw. baumartig. Eine
Schule ruft eine Mailbox in ihrer Nähe an und tauscht Daten aus.
Die Mailboxen leiten diese wiederum weiter bis die Daten am zentralen
Rechner (Knoten) eines Bundeslandes ankommen.
Die deutschen Schulen müssen derzeit nur die Anschluß- und
Telefonkosten bis zu ihrer nächsten Anbindung bezahlen. Die
weiteren Kosten der schulische Internetanbindung in Deutschland wird
aus privater, unternehmerischer oder öffentlicher Hand bezahlt,
wobei der öffentliche Beitrag der Wissenschaftsministerien
über Universitäten einfließt. Aussagen über
zukünftige Regelungen werden derzeit nur ungern getroffen.
Sollten in Zukunft Kosten auf die Schulen übertragen werden,
müssen die Kultusministerien und Schulträger für die
bisher unentgeltlich in Anspruch genommenen Dienste zahlen. Das ODS
sichert zu, eine Umlage der Kosten auf alle teilnehmenden Schulen
erst ins Auge zu fassen, ,wenn sich viele Schulen angeschlossen haben
und damit der auf die einzelne Schule entfallene Betrag entsprechend
gering ist" .
Durch die föderalistische Struktur der Bundesrepublik
Deutschland ist die Internetanbindung und Vernetzung der Schulen in
den einzelnen Bundesländern unterschiedlich organisiert. In
einigen Bundesländern erfolgt der Internetanschluß
über Universitäten (in Niedersachsen z.B. über die
Universität Oldenburg, in Sachsen über die TU Chemnitz), in
anderen über die Landesbildstellen (z.B. Berlin) oder über
private Initiativen wie z.B. in Thüringen (Vereine
Thüringer Schulnetz e.V. und Thüringen Netz e.V.).
Derzeit ermöglicht die Anbindung der Schulen über das ODS
einen ,offline-Zugriff" auf das Internet, der den Austausch von
privaten Nachrichten und das Lesen und Schreiben in öffentlichen
Diskussionsforen. ,Online-Zugriff" (inkl. Telnet, ftp und WWW ) ist
geplant, allerdings wird hier noch an der nötigen technischen
Infrastruktur gearbeitet. Aus Kostengründen ist dieser Service,
der an einzelnen deutschen Schulen schon ermöglicht wurde, noch
nicht in das ,Regelangebot" des Offenen Deutschen Schulnetzes
integriert.
Die Anbindung der Schulen ist in den verschiedenen Bundesländern
unterschiedlich weit fortgeschritten. Dies soll in der folgenden
Aufstellung dargestellt werden, wobei die erste Zahl die angebundenen
offiziellen Stellen angibt, darunter Kultusministerien,
Fortbildungszentren, Studienseminare, Landes- und Kreisbildstellen,
Universitäten, Schulsternwarten und das Amerikahaus Berlin. Die
zweite Zahl zeigt die Anzahl der angeschlossene Schulen.
Baden-Württemberg 6:14 Bayern 3:45 Berlin 7:66 Brandenburg 2:6
Bremen 0:1 Hamburg 0:1 Hessen 10:15 Mecklenburg-Vorpommern (ohne
Angaben) Niedersachsen 10:50 Nordrhein-Westfalen 2:43 Rheinland-Pfalz
3:9 Saarland 0:0 Sachsen 3:21 Sachsen-Anhalt 0:1 Schleswig-Holstein
0:2 Thüringen (ohne Angaben)
In den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern,
Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und
Schleswig-Holstein existiert neben der Vernetzungsstruktur des
Offenen Deutschen Schulnetzes noch ein weiteres, auf FIDO-Technik
basierendes Landesnetz.
Die an diese Netze angebundenen Schulen führen die
Adreßform:
Benutzer@Schulname.Landesnetzkürzel.Landeskürzel.Schule.De.
Diese Vernetzungen sind im Zuge der Bemühungen um ein Deutsches
Schulnetz seit dem Jahre 1990 mit Hilfe der Gesellschaft für
Informatik (GI) entstanden . Da diese Landesnetze auf FIDO- Technik
basieren, müssen die Nachrichten ins Internet über
,Gateways" geleitet werden, die für eine technische Abgleichung
sorgen.
In Niedersachsen wurde mit dem Modellversuch ,Telekommunikation"
erstmals die Vernetzung von Schulen offiziell, d.h. von Seiten des
Niedersächsischen Kultusministeriums, erprobt. Schon vorher war
aufgrund der Initiative einiger Lehrenden in Niedersachsen unter
Führung des Fachberaters für Informatik, Herrn
Studiendirektor Helmut Wessels aus Neustadt, ein kleines Mailboxnetz
auf FIDO- Standard aufgebaut worden. Zwei Schulen erprobten innerhalb
des Modellversuchs ab April 1991 Software und
Programmkonfigurationen. Im September des gleichen Jahres
stießen vier weitere Schulen hinzu und im Januar 1993
umfaßte die Vernetzung zehn Schulen. Derzeit sind 37 Schulen an
das NSN angeschlossen.
Weiterhin gehören folgende Bildungsinstitutionen zum
Netzwerk:
Der Fachbereich Informatik der Universität Oldenburg sowie das
Computer-Centrum sind für die technische Betreuung des Netzes
zuständig. Die Mailboxen an einigen Schulen und am NLI sind seit
Februar 1992 auch auf Pointanrufe eingestellt. Damit ist der Zugang
für private Benutzer und Schulen, die keine eigene Maibox
betreiben wollen, sehr viel vereinfachter und
kostengünstiger.
Die einzelnen Mailboxen stellen ein Angebot von Nachrichten, Archiven
und Datenbanken zur Verfügung.
Inhalte der Nachrichtenbereiche:
Die Dateibereiche sind gegliedert in:
Es werden ausschließlich Public Domain- oder Shareware-
Programme angeboten, bzw. solche, die den Schulen ausdrücklich
zur Verbreitung überlassen wurden.
Die Nachrichtenbretter des NSN haben jedoch kein hohes
Nachrichtenaufkommen. Häufiger werden Nachrichten in den
Brettern des Deutschen Schulnetzes (/DSN) oder des Offenen Deutschen
Schulnetzes (/SCHULE) ausgetauscht.
Den ehrenamtlichen Betreibern des NSN ist dieses Problem, welches
durch die regionale Beschränkung entsteht, bewußt, so
daß seit 1992 auch internationale Anbindungen genutzt werden.
Zuerst wurde das NSN Teilnehmer am Projekt PLUTO, dann schloß
es sich auch dem ODS an. die Universität Oldenburg, und damit
das ODS, ist das NSN nun auch an internationale Nachrichtenstrukturen
angeschlossen.
Das aus konzeptionellen Vorarbeiten der ,Working Group New
Information Technology" der ,Association for Teacher Education in
Europe" hervorgegangene, seit 1989 existierende und seit 1990 von der
Europäischen Union geförderte Projekt ,PLUTO" (Project to
Link Universities and Training Organisations) ist ein
pädagogisches Netzwerk, das ausgewählten Hochschulen und
Schulen zur Verfügung steht. In Deutschland ist die ,National
Node" an der Univer- sität Oldenburg eingerichtet.
PLUTO will pädagogisch arbeitenden Menschen (Lehrenden wie
Lernenden) eine Kommunikationsbasis bieten. ,Hauptzweck ist die Aus-
und Fortbildung von Lehrenden in der pädagogischen Nutzung neuer
Technologien und insbesondere der Telekommunikation." Um
Praxis-erfahrungen zu ermöglichen, werden auch konkrete Projekte
unterstützt, bei denen zwei bis drei Schulen sich über
einige Monate hinweg thematisch austauschen. ,Auch Projekte, die in
anderen EG-Projekten oder in Modellversuchen durchgeführt
werden, können sich an PLUTO beteiligen."
PLUTO unterstützt Schulen projektübergreifend.
Die einzige Verpflichtung für PLUTO-Teilnehmende besteht darin,
einmal im Jahr über die Aktivitäten aller beteiligten
Lehrenden und Klassen zu berichten und alle Unterrichtsmaterialien,
die für die Schülerinnen und Schüler oder durch sie
entwickelt wurden, in einer Kopie an den ,deutschen Knoten" [...] zu
senden, damit die Aktivitäten belegt werden können.
An PLUTO nehmen Schulen aus England, Nordirland, Irland, Island,
Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Frankreich,
Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Österreich,
Deutschland, Polen, Estland, Bulgarien und Norwegen teil, wobei viele
Projekte auch außereuropäische Hochschulen und Schulen mit
einbeziehen. Verbindungen zu weiteren osteuropäischen Staaten
werden aufgebaut. Zum Informationsaustausch und zur Kontaktaufnahme
stehen zwei Nachrichtenverteiler, sogenannte ,Mailinglists" zur
Verfügung, die Nachrichten an alle deutschen oder
internationalen Teilnehmende als private Nachrichten verschicken.
Weiterhin leitet die Universität Oldenburg die
Nachrichtenhierarchien /SCHULE, /SCHOOL und /K12 an deutsche Schulen
weiter und ist derzeit durch den Fachbereich Informatik der
Universität Oldenburg voll verantwortlich für die
technische Durchführung der Vernetzung über das ODS.
Das NSN ist in seiner derzeitigen Struktur einerseits ein
eigenständiges regionales Netz, in dem beliebige auf
Niedersachsen beschränkte Kommunikationsebenen ein- gerichtet
werden können, andererseits ist das NSN aber auch Teilnetz
großräumigerer Systeme und internationaler Netze.
Aus den FAQs von Klaus Füller zum ODS:
Darf ich Z-Netz oder FIDO-Software benutzen?
Ja. Im Prinzip. Aber: Ohne religiöse Gefühle verletzten
zu wollen: Je weniger ,Gateways, und insbesondere je weniger
Protokollumsetzungen zwischen verschiedenen Verfahren, desto besser.
Es treten dabei immer Probleme auf, die man vermeiden sollte. Es gibt
kommerzielle und frei-verfügbare Software unter MS-DOS, für
Macintosh und unter UNIX, um ,ordentlich" in der Internet/UseNet-Welt
mithalten zu können. Innerhalb der Schulwelt gibt es Erfahrungen
mit den verschiedensten Produkten. Man wird früher oder
später sich ohnehin mit der Internet/UseNet-Technologie aus-
einandersetzten müssen. Warum also nicht gleich?
Den hier angesprochenen technischen Unterschied beider Netze
möchte ich nicht weiter erläutern. Wichtig ist, daß
ein zwischen den unterschiedlichen technischen Standards möglich
ist. Dieser erfordert Zeit und Ressourcen - ein ,Gateway" ein
sogenanntes ,Tor" zwischen den unterschiedlichen Systemen, muß
eingerichtet und unterhalten werden. Die Initiatoren des ODS
versuchen hier zu sparen, indem sie die Technologie ihres Netzes an
der des Internets anlehnen. Technische Probleme beim von einem System
in ein anderes können dadurch minimiert werden. Bei Nachrichten
innerhalb des DSN sind z.B. die aus Zahlenfolgen bestehenden Adressen
des FIDO-Netzes zu verwenden. Möchte man eine direkte
Rückantwort auf eine von außerhalb des DSN geschriebene
persönliche oder öffentliche Nachricht schreiben, so
muß extrem umständlich über ein Gateway ins Internet
adressiert werden, wobei die Art der Adressierung selten
erläutert wird. So ist jede Benutzerin und jeder Benutzer auf
sich selbst angewiesen.
Innerhalb des FIDO-Netzes sind Privatnachrichten, im Gegensatz zu
einer Zerberus-Mailbox, innerhalb der Mailbox nicht
lesegeschützt und den Betreibern daher zugänglich. Dies ist
datenschutzrechtlich äußerst bedenklich.
Die für die schulische Anwendung wichtige Einrichtung
geschlossener Gruppen von Benutzenden (gBG) ist bei beiden Systemen
möglich. Lehrkräfte können dann im Netz ohne
Einmischung von Schülerinnen und Schülern Nachrichten
innerhalb nur begrenzt zugänglicher Nachrichtenbretter
austauschen. Diese Einschränkung ist bei den an den meisten
Universitäten verwandten UNIX-Systemen nicht möglich.
Da der technische Aspekt nicht mein Hauptanliegen ist, möchte
ich hier nicht auf weitere existierende Unterschiede eingehen. Die
erwähnten Beispiele sollen illustrieren, wie technische Details
der Vernetzung und des Mailboxbetriebs, Verbreitung,
Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit beeinflussen können. Der
Zugang zu Systemen und Nachrichten wird im ODS und DSN
unterschiedlich gehandhabt.
Das DSN erlaubt die Verbreitung seiner Nachrichten nur durch
Schulmailboxen, die von Lehrkräften betreut werden. Der Kreis
der möglichen Systembetreuenden ist daher stark
eingeschränkt, und dies bedeutet, daß sich in den
Anschlagbrettern nur Schülerinnen und Schüler,
Lehrkräfte und Eltern unterhalten und auch nur diese dort
Informationen anbieten. Das Informationsangebot ist also
gegenüber dem eines offenen Netzes relativ begrenzt.
Die Diskussionen in den Anschlagbrettern des ODS (/SCHULE) sind
öffentlich, wodurch ein größerer
Informationsfluß und größere Meinungsvielfalt
entstehen. Die Betreiber des DSN sehen diese Einschränkungen als
Vorteil ihres Systems, da durch die Abgeschlossenheit auch eine
bessere Kontrolle über die Inhalte ausgeübt werden
kann.
Innerhalb des DSN gelten auch die speziellen Regeln einer schulischen
Umgebung. Im Gegensatz zu der sonst im Internet üblichen Anrede
per ,Du" werden Lehrkräfte hier weiterhin mit ,Sie" angesprochen
und reagieren teilweise auf ihnen zu umgangssprachlich oder
vertraulich formulierte Anfragen barsch oder ignorierend. Auch die im
Internet übliche ,give and take"- Mentalität (alle
Teilnehmenden geben und empfangen Informationen gleichberechtigt) ist
im DSN nicht sehr ausgeprägt.
Auch ergeben sich für die DSN-Boxen finanzielle Nachteile. Eine
Schule, die Nachrichten des ODS beziehen möchte, kann diese
über eine in der Nähe gelegene Universität oder
Mailbox routen, d.h. sie dort bestellen und abliefern. Die Schule
muß dann, um die Nachrichten zu erhalten, nur einen
Telefonanruf auf lokaler Ebene bezahlen. Um aber Nachrichten des DSN
zu erhalten, müssen Schulen oft weitere Anrufe zu Knotenpunkten
tätigen, die im Fernzonen- tarifgebiet liegen. Als Beispiel mag
wiederum die Mailbox des Max- Planck-Gymnasiums Göttingen (MPG)
gelten: Nachrichten des ODS bezieht die MPG-GOE über die Mailbox
LINK-GOE (Ortstarif), Nachrichten des DSN müssen beim NLI in
Hildesheim (Fernzone) abgeholt werden.
Stellvertretend für viele aktiver Netzbenutzende steht daher die
Aussage von Martin Lorentz, einem der Mitbegründer der
MPG-Box:
Irgendwie beschleicht einen also das ungute Gefühl, in einer
typischen DSN-Box von der Außenwelt abgeschnitten zu sein.
Theoretisch sind es die DSN-Boxen nicht, aber praktisch.
Die schulische Netznutzung wird sich langfristig den Gepflogenheiten
des Internets (freier Zugang, freies Nehmen und Geben) beugen
müssen.
Abgesehen von Initiativen der Länder und
länderübergreifenden Projektangeboten gibt es in letzter
Zeit eine Entwicklung hin zu bundesweiten Zusammenschlüssen und
Initiativen. Dieser begrüßenswerte Trend basiert
einerseits auf dem zunehmenden und bundeslandunabhängigen
Engagement der Industrie und andererseits auf der Erkenntnis der in
den einzelnen Bundesländern an der Vernetzung Arbeitenden,
daß Vernetzung nicht isoliert erfolgreich sein kann. Weltweite
Vernetzung und der kommunikative Gedanke an sich sind nicht mit
Abgrenzung nach Außen vereinbar. Regionale Besonderheiten und
Themen mit regionaler Wichtigkeit werden weiter existieren, aber ein
Austausch von Informationen und Wissen wird fruchtbarer und
vielfältiger, je weiter die Informationen verbreitet werden
können und je mehr Menschen am Austausch teilnehmen. Eine
zeitliche Ersparnis durch schnelleren Informationsaustausch kann nur
so erfolgen.
Der DFN-Verein, gefördert durch
das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt ab
Herbst diesen Jahres eine ,kleine Auffahrt zum Wissenschaftsnetz" zur
Verfügung. Einem begrenzten Kreis von Teilnehmenden, darunter
Schulen, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern,
wird über verschiedene Einstiegspunkte ein voller Internetzugang
gewährt. Die Aktion wird vom Rechenzentrum der Universität
Stuttgart betreut.
Im November 1991 hat sich der Bundesarbeitskreis ,Netze in Schulen"
aus einer Schulungsmaßnahme gebildet an der Lehrende und in
Bildungsinstitutionen Tätige aus vier Bundesländern
teilgenommen hatten. Ziel der mittlerweile ca. 80 Mitglieder dieses
Arbeitskreises ist der Austausch von Informationen und Wissen zum
Thema schulischer Vernetzung .
Die Notwendigkeit eines solchen Arbeitskreises ergab sich [...] aus
der Erkenntnis, daß durch immer umfangreicher werdende
Technologien im Umfeld der PCs das Aufgabenspektrum zu groß
geworden ist, um von einer Institution allein vollständig und
zufriedenstellend bearbeitet werden zu können.
Auf Initiative des BAK finden regelmäßige Tagungen und
Workshops statt, bei denen Schulungen stattfinden und Projekte
vorgestellt werden. Weiterhin existiert ein zentraler
Informationsserver des KNIS am HIBS in Wiesbaden, von dem aus in
Zukunft auch ein Zugang zum Internet geschaffen werden soll. Seit dem
Jahr 1993 existieren drei thematisch arbeitende Arbeitsgruppen.
Dieses von der Initiative für Bildung in der
Informationsgesellschaft (IBI) ausgehende Projekt umfaßt
Firmen, Lehrende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus
Universitäten. Das im November 1994 veröffentlichte
Memorandum fordert
Die Entscheidungsträger in Bildungspolitik, Bildungsverwaltung
und Bildungspraxis werden aufgerufen, sich für die
Verwirklichung dieser Ziele einzusetzen.
Nach unserer Einschätzung kann Deutschland einen
zukunftsträchtigen Spitzenplatz im Bildungswesen und damit die
Standortvorteile für die Wirtschaft nur sichern, wenn wir als
lernende Gesellschaft die Chancen der neuen informations- und
kommunikationstechnischen Werkzeuge und Medien für das Lernen
konsequent erkennen und nutzen. Hierbei entstehen Aufgaben, denen
sich unverzüglich die Verantwortlichen in Bund, Ländern und
Gemeinden, Schulen und Hochschulen konzertiert und konzentriert
widmen müssen.
Als konkrete Hilfestellungen wurden weiterhin laufende Arbeitsgruppen
gebildet, die ihre (vorläufigen) Ergebnisse auf einer Tagung im
Dezember dieses Jahres in Berlin präsentieren wollen.
Eine weitere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und staatlichen
Bildungsträgern stellt das Projekt ,Schulen an das Netz" dar,
eine Bildungsinitiative der Gesellschaft für Informatik (GI).
Die Projektbeschreibung dieser Bildungsinitiative Informatik und
Kommunikation wurde im September 1995 vorgestellt. Auch hier werden
Ziele formuliert, die denen der anderen Initiativen gleichen:
Das Projekt umfaßt fünf technischen Ausbaustufen über
mehrere Jahre. Die technische Erschließung der Schulen soll
dabei parallel zu didaktisch-methodischen Projekten und Evaluationen
weitergeführt werden. Es wird allerdings vermehrt darauf
hingewiesen, daß ,vor allem Prinzipien, nicht technische
Details, vermittelt werden" sollen. An der möglichen Umsetzung
der Planung wird derzeit gearbeitet.
Das Projekt wurde am 22.08.1995 in Bonn der Öffentlichkeit
vorgestellt. Der anwesende Bundesbildungsminister Rüttgers
unterstützt die Initiative und räumte ein, ,daß die
von den elektronischen Medien eröffneten neuen Dimensionen der
Wissensvermittlung im Moment kaum wahrgenommen würden. Nur zehn
bis 20 Prozent der Lehrkräfte nutzen die elektronischen
Bildungsangebote, für nur zwei bis drei Prozent der Schüler
stehe in den Schulen ein Computer zur Verfügung." Da neue Medien
auf Kinder und Jugendliche aber eine ,ungeheure Faszination"
ausübten, ,müsse man die jungen Menschen `abholenï" ,
dort wo sie sich dank technischer Neugierde und privater Anleitungen
schon Fähigkeiten erworben hätten.
Das Vorhaben ist für fünf Jahre angelegt und wird von der
Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung mit acht
Millionen Mark unterstützt. Es soll hauptsächlich der Fort-
und Ausbildung von Lehrpersonal (Schule und Hochschule) dienen. Durch
diese ,Basisarbeit" soll die Medienkompetenz der
Bildungsvermittelnden gesteigert werden, sowohl während der
Ausbildung an der Universität (Erarbeitung eines
Ausbildungskonzeptes für Studierende durch die Universität
Paderborn) als auch während des Referendariats und in der
späteren Fortbildung der Lehrer. Hier soll ein ,Programm zur
`Grundbildung Medienï sowie zum Einsatz von Multimedia in allen
Schulstufen erarbeitet werden" . Die Vertreterinnen und Vertreter der
Stiftungen machten klar, daß sowohl Kompetenz als auch
kritische Betrachtung der Entwicklungen und Möglichkeiten Ziel
der Initiative seien.
Folgende Bestrebungen sind bei allen neueren Initiativen
übereinstimmend:
Diese Arbeiten sollten nach Ansicht aller Initiierender von Schulen,
Schulträgern, Ländern, dem Bund und der Industrie
gleichermaßen unterstützt und gefördert werden.
Konkrete finanzielle Fördervorgaben sind allerdings zur Zeit nur
beim Projekt BIG gegeben. Alle weiteren Projekte geben keine festen
finanziellen Zusagen oder bestehen bisher aus rein theoretischen
Zusammenfassend basiert die derzeitige Anbindung der deutschen
Schulen nur auf dem guten Willen der deutschen Universitäten,
die ihnen Zugang zum wissenschaftlichen Netz bieten und den
,`Graswurzel-Initiativenï von Lehrern und Lehrerinnen, [die]
bereits die wesentlichen technischen und organisatorischen
Hindernisse, die dem Einsatz offener Netze in Schulen ent-
gegenstehen, aus dem Weg geräumt" haben. Wie lange die
Universitäten in der Lage sein werden, den kostenfreien Zugang
zum Internet zu gewähren, ist ungewiß. Konkrete
Finanzierungs- und ,Ausbauvorhaben" des Bundes oder der Länder
sind nicht bekannt. Die Frustration der Beteiligten ist deutlich zu
spüren: ,Wir können kaum darauf warten, daß von deren
Seite [der Seite der Kultusministerien] in den nächsten Jahren
Impulse ausgehen." Wie die Haltung der Lehrenden an Göttinger
Schulen aussieht und wie die theoretischen Landesvorgaben an den
hiesigen Schulen verwirklicht werden, soll im folgenden kurz
dargestellt werden.