5 Deutsche Schulnetze


5.1 Das Offene Deutsche Schulnetz (ODS)


Das Offene Deutsche Schulnetz versteht sich als Dachorganisation für die Vernetzung deutscher Schulen. Es informiert über Möglichkeiten zur Anbindung und deren Finanzierung, hilft bei technischen Problemen und stellt geeignete Software zur Verfügung. Weiterhin bietet das ODS Fortbildungen an und versucht durch Einwirkung auf Kultusministerien und Fortbildungsseminare für Lehrende eine bundeseinheitliche Netzverwaltung durchzusetzen.

Der Arbeitskreis Schule der GUUG hat dafür die Domain ,Schule.De" reservieren lassen. Dies bedeutet, daß deutsche Schulen weltweit unter folgender Adreßstruktur erreichbar sind:

Benutzer@Rechner.Stadt.Bundesland.Schule.De.

Oft lautet die Adresse auch:

Benutzer@Schulname.Bundesland.Schule.De.

Die Anbindung erfolgt in der Regel über Rechner, die institutionelle Mitglieder im ,Deutschen Forschungsnetz" sind oder über die Firma ,EUnet GmbH" in Dortmund. Diese beteiligten Einrichtungen und der GUUG übernehmen derzeit alle Kosten, die durch das Weiterleiten (Routing) der Daten entstehen.

Grundsätze der Anbindung sind:

Das Internet wird als übergeordnete Netzstruktur akzeptiert; regionale Aktivitäten müssen sich, soweit es ihre Außenkontakte betrifft, den Gepflogenheiten dieses internationalen Datennetzes anpassen. Wo auf regionale Ansätze keine Rücksicht genommen werden muß, wird eine Vernetzungsform angestrebt, die sich so dicht wie irgend möglich an das Internet anlehnt, um gangsprobleme zu minimieren und hohe Betriebs- und Zukunftssicherheit sicherzustellen.

Die Struktur des Netzes ist sternförmig, bzw. baumartig. Eine Schule ruft eine Mailbox in ihrer Nähe an und tauscht Daten aus. Die Mailboxen leiten diese wiederum weiter bis die Daten am zentralen Rechner (Knoten) eines Bundeslandes ankommen.

Die deutschen Schulen müssen derzeit nur die Anschluß- und Telefonkosten bis zu ihrer nächsten Anbindung bezahlen. Die weiteren Kosten der schulische Internetanbindung in Deutschland wird aus privater, unternehmerischer oder öffentlicher Hand bezahlt, wobei der öffentliche Beitrag der Wissenschaftsministerien über Universitäten einfließt. Aussagen über zukünftige Regelungen werden derzeit nur ungern getroffen. Sollten in Zukunft Kosten auf die Schulen übertragen werden, müssen die Kultusministerien und Schulträger für die bisher unentgeltlich in Anspruch genommenen Dienste zahlen. Das ODS sichert zu, eine Umlage der Kosten auf alle teilnehmenden Schulen erst ins Auge zu fassen, ,wenn sich viele Schulen angeschlossen haben und damit der auf die einzelne Schule entfallene Betrag entsprechend gering ist" .

Durch die föderalistische Struktur der Bundesrepublik Deutschland ist die Internetanbindung und Vernetzung der Schulen in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich organisiert. In einigen Bundesländern erfolgt der Internetanschluß über Universitäten (in Niedersachsen z.B. über die Universität Oldenburg, in Sachsen über die TU Chemnitz), in anderen über die Landesbildstellen (z.B. Berlin) oder über private Initiativen wie z.B. in Thüringen (Vereine Thüringer Schulnetz e.V. und Thüringen Netz e.V.).

Derzeit ermöglicht die Anbindung der Schulen über das ODS einen ,offline-Zugriff" auf das Internet, der den Austausch von privaten Nachrichten und das Lesen und Schreiben in öffentlichen Diskussionsforen. ,Online-Zugriff" (inkl. Telnet, ftp und WWW ) ist geplant, allerdings wird hier noch an der nötigen technischen Infrastruktur gearbeitet. Aus Kostengründen ist dieser Service, der an einzelnen deutschen Schulen schon ermöglicht wurde, noch nicht in das ,Regelangebot" des Offenen Deutschen Schulnetzes integriert.

Die Anbindung der Schulen ist in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich weit fortgeschritten. Dies soll in der folgenden Aufstellung dargestellt werden, wobei die erste Zahl die angebundenen offiziellen Stellen angibt, darunter Kultusministerien, Fortbildungszentren, Studienseminare, Landes- und Kreisbildstellen, Universitäten, Schulsternwarten und das Amerikahaus Berlin. Die zweite Zahl zeigt die Anzahl der angeschlossene Schulen.

Baden-Württemberg 6:14 Bayern 3:45 Berlin 7:66 Brandenburg 2:6 Bremen 0:1 Hamburg 0:1 Hessen 10:15 Mecklenburg-Vorpommern (ohne Angaben) Niedersachsen 10:50 Nordrhein-Westfalen 2:43 Rheinland-Pfalz 3:9 Saarland 0:0 Sachsen 3:21 Sachsen-Anhalt 0:1 Schleswig-Holstein 0:2 Thüringen (ohne Angaben)

5.2 Das Deutsche Schulnetz


In den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein existiert neben der Vernetzungsstruktur des Offenen Deutschen Schulnetzes noch ein weiteres, auf FIDO-Technik basierendes Landesnetz.

Die an diese Netze angebundenen Schulen führen die Adreßform:

Benutzer@Schulname.Landesnetzkürzel.Landeskürzel.Schule.De.

Diese Vernetzungen sind im Zuge der Bemühungen um ein Deutsches Schulnetz seit dem Jahre 1990 mit Hilfe der Gesellschaft für Informatik (GI) entstanden . Da diese Landesnetze auf FIDO- Technik basieren, müssen die Nachrichten ins Internet über ,Gateways" geleitet werden, die für eine technische Abgleichung sorgen.

5.3 Das Niedersächsische Schulnetz (NSN)


In Niedersachsen wurde mit dem Modellversuch ,Telekommunikation" erstmals die Vernetzung von Schulen offiziell, d.h. von Seiten des Niedersächsischen Kultusministeriums, erprobt. Schon vorher war aufgrund der Initiative einiger Lehrenden in Niedersachsen unter Führung des Fachberaters für Informatik, Herrn Studiendirektor Helmut Wessels aus Neustadt, ein kleines Mailboxnetz auf FIDO- Standard aufgebaut worden. Zwei Schulen erprobten innerhalb des Modellversuchs ab April 1991 Software und Programmkonfigurationen. Im September des gleichen Jahres stießen vier weitere Schulen hinzu und im Januar 1993 umfaßte die Vernetzung zehn Schulen. Derzeit sind 37 Schulen an das NSN angeschlossen.

Weiterhin gehören folgende Bildungsinstitutionen zum Netzwerk:



Der Fachbereich Informatik der Universität Oldenburg sowie das Computer-Centrum sind für die technische Betreuung des Netzes zuständig. Die Mailboxen an einigen Schulen und am NLI sind seit Februar 1992 auch auf Pointanrufe eingestellt. Damit ist der Zugang für private Benutzer und Schulen, die keine eigene Maibox betreiben wollen, sehr viel vereinfachter und kostengünstiger.

5.3.1 Angebot der NSN-Boxen


Die einzelnen Mailboxen stellen ein Angebot von Nachrichten, Archiven und Datenbanken zur Verfügung.

Inhalte der Nachrichtenbereiche:



Die Dateibereiche sind gegliedert in:



Es werden ausschließlich Public Domain- oder Shareware- Programme angeboten, bzw. solche, die den Schulen ausdrücklich zur Verbreitung überlassen wurden.

Die Nachrichtenbretter des NSN haben jedoch kein hohes Nachrichtenaufkommen. Häufiger werden Nachrichten in den Brettern des Deutschen Schulnetzes (/DSN) oder des Offenen Deutschen Schulnetzes (/SCHULE) ausgetauscht.

Den ehrenamtlichen Betreibern des NSN ist dieses Problem, welches durch die regionale Beschränkung entsteht, bewußt, so daß seit 1992 auch internationale Anbindungen genutzt werden. Zuerst wurde das NSN Teilnehmer am Projekt PLUTO, dann schloß es sich auch dem ODS an. die Universität Oldenburg, und damit das ODS, ist das NSN nun auch an internationale Nachrichtenstrukturen angeschlossen.

5.3.2 Das Projekt PLUTO


Das aus konzeptionellen Vorarbeiten der ,Working Group New Information Technology" der ,Association for Teacher Education in Europe" hervorgegangene, seit 1989 existierende und seit 1990 von der Europäischen Union geförderte Projekt ,PLUTO" (Project to Link Universities and Training Organisations) ist ein pädagogisches Netzwerk, das ausgewählten Hochschulen und Schulen zur Verfügung steht. In Deutschland ist die ,National Node" an der Univer- sität Oldenburg eingerichtet.

PLUTO will pädagogisch arbeitenden Menschen (Lehrenden wie Lernenden) eine Kommunikationsbasis bieten. ,Hauptzweck ist die Aus- und Fortbildung von Lehrenden in der pädagogischen Nutzung neuer Technologien und insbesondere der Telekommunikation." Um Praxis-erfahrungen zu ermöglichen, werden auch konkrete Projekte unterstützt, bei denen zwei bis drei Schulen sich über einige Monate hinweg thematisch austauschen. ,Auch Projekte, die in anderen EG-Projekten oder in Modellversuchen durchgeführt werden, können sich an PLUTO beteiligen."

PLUTO unterstützt Schulen projektübergreifend.

Die einzige Verpflichtung für PLUTO-Teilnehmende besteht darin, einmal im Jahr über die Aktivitäten aller beteiligten Lehrenden und Klassen zu berichten und alle Unterrichtsmaterialien, die für die Schülerinnen und Schüler oder durch sie entwickelt wurden, in einer Kopie an den ,deutschen Knoten" [...] zu senden, damit die Aktivitäten belegt werden können.

An PLUTO nehmen Schulen aus England, Nordirland, Irland, Island, Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Österreich, Deutschland, Polen, Estland, Bulgarien und Norwegen teil, wobei viele Projekte auch außereuropäische Hochschulen und Schulen mit einbeziehen. Verbindungen zu weiteren osteuropäischen Staaten werden aufgebaut. Zum Informationsaustausch und zur Kontaktaufnahme stehen zwei Nachrichtenverteiler, sogenannte ,Mailinglists" zur Verfügung, die Nachrichten an alle deutschen oder internationalen Teilnehmende als private Nachrichten verschicken.

Weiterhin leitet die Universität Oldenburg die Nachrichtenhierarchien /SCHULE, /SCHOOL und /K12 an deutsche Schulen weiter und ist derzeit durch den Fachbereich Informatik der Universität Oldenburg voll verantwortlich für die technische Durchführung der Vernetzung über das ODS.

Das NSN ist in seiner derzeitigen Struktur einerseits ein eigenständiges regionales Netz, in dem beliebige auf Niedersachsen beschränkte Kommunikationsebenen ein- gerichtet werden können, andererseits ist das NSN aber auch Teilnetz großräumigerer Systeme und internationaler Netze.

5.4 ODS oder DSN?


Aus den FAQs von Klaus Füller zum ODS:

Darf ich Z-Netz oder FIDO-Software benutzen?
Ja. Im Prinzip. Aber: Ohne religiöse Gefühle verletzten zu wollen: Je weniger ,Gateways, und insbesondere je weniger Protokollumsetzungen zwischen verschiedenen Verfahren, desto besser. Es treten dabei immer Probleme auf, die man vermeiden sollte. Es gibt kommerzielle und frei-verfügbare Software unter MS-DOS, für Macintosh und unter UNIX, um ,ordentlich" in der Internet/UseNet-Welt mithalten zu können. Innerhalb der Schulwelt gibt es Erfahrungen mit den verschiedensten Produkten. Man wird früher oder später sich ohnehin mit der Internet/UseNet-Technologie aus- einandersetzten müssen. Warum also nicht gleich?

Den hier angesprochenen technischen Unterschied beider Netze möchte ich nicht weiter erläutern. Wichtig ist, daß ein zwischen den unterschiedlichen technischen Standards möglich ist. Dieser erfordert Zeit und Ressourcen - ein ,Gateway" ein sogenanntes ,Tor" zwischen den unterschiedlichen Systemen, muß eingerichtet und unterhalten werden. Die Initiatoren des ODS versuchen hier zu sparen, indem sie die Technologie ihres Netzes an der des Internets anlehnen. Technische Probleme beim von einem System in ein anderes können dadurch minimiert werden. Bei Nachrichten innerhalb des DSN sind z.B. die aus Zahlenfolgen bestehenden Adressen des FIDO-Netzes zu verwenden. Möchte man eine direkte Rückantwort auf eine von außerhalb des DSN geschriebene persönliche oder öffentliche Nachricht schreiben, so muß extrem umständlich über ein Gateway ins Internet adressiert werden, wobei die Art der Adressierung selten erläutert wird. So ist jede Benutzerin und jeder Benutzer auf sich selbst angewiesen.

Innerhalb des FIDO-Netzes sind Privatnachrichten, im Gegensatz zu einer Zerberus-Mailbox, innerhalb der Mailbox nicht lesegeschützt und den Betreibern daher zugänglich. Dies ist datenschutzrechtlich äußerst bedenklich.

Die für die schulische Anwendung wichtige Einrichtung geschlossener Gruppen von Benutzenden (gBG) ist bei beiden Systemen möglich. Lehrkräfte können dann im Netz ohne Einmischung von Schülerinnen und Schülern Nachrichten innerhalb nur begrenzt zugänglicher Nachrichtenbretter austauschen. Diese Einschränkung ist bei den an den meisten Universitäten verwandten UNIX-Systemen nicht möglich.

Da der technische Aspekt nicht mein Hauptanliegen ist, möchte ich hier nicht auf weitere existierende Unterschiede eingehen. Die erwähnten Beispiele sollen illustrieren, wie technische Details der Vernetzung und des Mailboxbetriebs, Verbreitung, Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit beeinflussen können. Der Zugang zu Systemen und Nachrichten wird im ODS und DSN unterschiedlich gehandhabt.

Das DSN erlaubt die Verbreitung seiner Nachrichten nur durch Schulmailboxen, die von Lehrkräften betreut werden. Der Kreis der möglichen Systembetreuenden ist daher stark eingeschränkt, und dies bedeutet, daß sich in den Anschlagbrettern nur Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern unterhalten und auch nur diese dort Informationen anbieten. Das Informationsangebot ist also gegenüber dem eines offenen Netzes relativ begrenzt.

Die Diskussionen in den Anschlagbrettern des ODS (/SCHULE) sind öffentlich, wodurch ein größerer Informationsfluß und größere Meinungsvielfalt entstehen. Die Betreiber des DSN sehen diese Einschränkungen als Vorteil ihres Systems, da durch die Abgeschlossenheit auch eine bessere Kontrolle über die Inhalte ausgeübt werden kann.

Innerhalb des DSN gelten auch die speziellen Regeln einer schulischen Umgebung. Im Gegensatz zu der sonst im Internet üblichen Anrede per ,Du" werden Lehrkräfte hier weiterhin mit ,Sie" angesprochen und reagieren teilweise auf ihnen zu umgangssprachlich oder vertraulich formulierte Anfragen barsch oder ignorierend. Auch die im Internet übliche ,give and take"- Mentalität (alle Teilnehmenden geben und empfangen Informationen gleichberechtigt) ist im DSN nicht sehr ausgeprägt.

Auch ergeben sich für die DSN-Boxen finanzielle Nachteile. Eine Schule, die Nachrichten des ODS beziehen möchte, kann diese über eine in der Nähe gelegene Universität oder Mailbox routen, d.h. sie dort bestellen und abliefern. Die Schule muß dann, um die Nachrichten zu erhalten, nur einen Telefonanruf auf lokaler Ebene bezahlen. Um aber Nachrichten des DSN zu erhalten, müssen Schulen oft weitere Anrufe zu Knotenpunkten tätigen, die im Fernzonen- tarifgebiet liegen. Als Beispiel mag wiederum die Mailbox des Max- Planck-Gymnasiums Göttingen (MPG) gelten: Nachrichten des ODS bezieht die MPG-GOE über die Mailbox LINK-GOE (Ortstarif), Nachrichten des DSN müssen beim NLI in Hildesheim (Fernzone) abgeholt werden.

Stellvertretend für viele aktiver Netzbenutzende steht daher die Aussage von Martin Lorentz, einem der Mitbegründer der MPG-Box:

Irgendwie beschleicht einen also das ungute Gefühl, in einer typischen DSN-Box von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Theoretisch sind es die DSN-Boxen nicht, aber praktisch.

Die schulische Netznutzung wird sich langfristig den Gepflogenheiten des Internets (freier Zugang, freies Nehmen und Geben) beugen müssen.

5.5 Neuere übergreifende Initiativen


Abgesehen von Initiativen der Länder und länderübergreifenden Projektangeboten gibt es in letzter Zeit eine Entwicklung hin zu bundesweiten Zusammenschlüssen und Initiativen. Dieser begrüßenswerte Trend basiert einerseits auf dem zunehmenden und bundeslandunabhängigen Engagement der Industrie und andererseits auf der Erkenntnis der in den einzelnen Bundesländern an der Vernetzung Arbeitenden, daß Vernetzung nicht isoliert erfolgreich sein kann. Weltweite Vernetzung und der kommunikative Gedanke an sich sind nicht mit Abgrenzung nach Außen vereinbar. Regionale Besonderheiten und Themen mit regionaler Wichtigkeit werden weiter existieren, aber ein Austausch von Informationen und Wissen wird fruchtbarer und vielfältiger, je weiter die Informationen verbreitet werden können und je mehr Menschen am Austausch teilnehmen. Eine zeitliche Ersparnis durch schnelleren Informationsaustausch kann nur so erfolgen.

5.5.1 WINShuttle


Der DFN-Verein, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt ab Herbst diesen Jahres eine ,kleine Auffahrt zum Wissenschaftsnetz" zur Verfügung. Einem begrenzten Kreis von Teilnehmenden, darunter Schulen, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern, wird über verschiedene Einstiegspunkte ein voller Internetzugang gewährt. Die Aktion wird vom Rechenzentrum der Universität Stuttgart betreut.

5.5.2 Bundesarbeitskreis Netze in Schulen (BAK)


Im November 1991 hat sich der Bundesarbeitskreis ,Netze in Schulen" aus einer Schulungsmaßnahme gebildet an der Lehrende und in Bildungsinstitutionen Tätige aus vier Bundesländern teilgenommen hatten. Ziel der mittlerweile ca. 80 Mitglieder dieses Arbeitskreises ist der Austausch von Informationen und Wissen zum Thema schulischer Vernetzung .

Die Notwendigkeit eines solchen Arbeitskreises ergab sich [...] aus der Erkenntnis, daß durch immer umfangreicher werdende Technologien im Umfeld der PCs das Aufgabenspektrum zu groß geworden ist, um von einer Institution allein vollständig und zufriedenstellend bearbeitet werden zu können.

Auf Initiative des BAK finden regelmäßige Tagungen und Workshops statt, bei denen Schulungen stattfinden und Projekte vorgestellt werden. Weiterhin existiert ein zentraler Informationsserver des KNIS am HIBS in Wiesbaden, von dem aus in Zukunft auch ein Zugang zum Internet geschaffen werden soll. Seit dem Jahr 1993 existieren drei thematisch arbeitende Arbeitsgruppen.

5.5.3 Berliner Memorandum


Dieses von der Initiative für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI) ausgehende Projekt umfaßt Firmen, Lehrende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Universitäten. Das im November 1994 veröffentlichte Memorandum fordert



Die Entscheidungsträger in Bildungspolitik, Bildungsverwaltung und Bildungspraxis werden aufgerufen, sich für die Verwirklichung dieser Ziele einzusetzen.

Nach unserer Einschätzung kann Deutschland einen zukunftsträchtigen Spitzenplatz im Bildungswesen und damit die Standortvorteile für die Wirtschaft nur sichern, wenn wir als lernende Gesellschaft die Chancen der neuen informations- und kommunikationstechnischen Werkzeuge und Medien für das Lernen konsequent erkennen und nutzen. Hierbei entstehen Aufgaben, denen sich unverzüglich die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Gemeinden, Schulen und Hochschulen konzertiert und konzentriert widmen müssen.

Als konkrete Hilfestellungen wurden weiterhin laufende Arbeitsgruppen gebildet, die ihre (vorläufigen) Ergebnisse auf einer Tagung im Dezember dieses Jahres in Berlin präsentieren wollen.

5.5.4 Schulen an das Netz


Eine weitere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und staatlichen Bildungsträgern stellt das Projekt ,Schulen an das Netz" dar, eine Bildungsinitiative der Gesellschaft für Informatik (GI). Die Projektbeschreibung dieser Bildungsinitiative Informatik und Kommunikation wurde im September 1995 vorgestellt. Auch hier werden Ziele formuliert, die denen der anderen Initiativen gleichen:



Das Projekt umfaßt fünf technischen Ausbaustufen über mehrere Jahre. Die technische Erschließung der Schulen soll dabei parallel zu didaktisch-methodischen Projekten und Evaluationen weitergeführt werden. Es wird allerdings vermehrt darauf hingewiesen, daß ,vor allem Prinzipien, nicht technische Details, vermittelt werden" sollen. An der möglichen Umsetzung der Planung wird derzeit gearbeitet.

5.5.5 Projekt ,Bildungswege in der Informationsgesellschaft" (BIG)


Das Projekt wurde am 22.08.1995 in Bonn der Öffentlichkeit vorgestellt. Der anwesende Bundesbildungsminister Rüttgers unterstützt die Initiative und räumte ein, ,daß die von den elektronischen Medien eröffneten neuen Dimensionen der Wissensvermittlung im Moment kaum wahrgenommen würden. Nur zehn bis 20 Prozent der Lehrkräfte nutzen die elektronischen Bildungsangebote, für nur zwei bis drei Prozent der Schüler stehe in den Schulen ein Computer zur Verfügung." Da neue Medien auf Kinder und Jugendliche aber eine ,ungeheure Faszination" ausübten, ,müsse man die jungen Menschen `abholenï" , dort wo sie sich dank technischer Neugierde und privater Anleitungen schon Fähigkeiten erworben hätten.

Das Vorhaben ist für fünf Jahre angelegt und wird von der Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung mit acht Millionen Mark unterstützt. Es soll hauptsächlich der Fort- und Ausbildung von Lehrpersonal (Schule und Hochschule) dienen. Durch diese ,Basisarbeit" soll die Medienkompetenz der Bildungsvermittelnden gesteigert werden, sowohl während der Ausbildung an der Universität (Erarbeitung eines Ausbildungskonzeptes für Studierende durch die Universität Paderborn) als auch während des Referendariats und in der späteren Fortbildung der Lehrer. Hier soll ein ,Programm zur `Grundbildung Medienï sowie zum Einsatz von Multimedia in allen Schulstufen erarbeitet werden" . Die Vertreterinnen und Vertreter der Stiftungen machten klar, daß sowohl Kompetenz als auch kritische Betrachtung der Entwicklungen und Möglichkeiten Ziel der Initiative seien.

5.5.6 Zusammenfassung


Folgende Bestrebungen sind bei allen neueren Initiativen übereinstimmend:



Diese Arbeiten sollten nach Ansicht aller Initiierender von Schulen, Schulträgern, Ländern, dem Bund und der Industrie gleichermaßen unterstützt und gefördert werden. Konkrete finanzielle Fördervorgaben sind allerdings zur Zeit nur beim Projekt BIG gegeben. Alle weiteren Projekte geben keine festen finanziellen Zusagen oder bestehen bisher aus rein theoretischen

Zusammenfassend basiert die derzeitige Anbindung der deutschen Schulen nur auf dem guten Willen der deutschen Universitäten, die ihnen Zugang zum wissenschaftlichen Netz bieten und den ,`Graswurzel-Initiativenï von Lehrern und Lehrerinnen, [die] bereits die wesentlichen technischen und organisatorischen Hindernisse, die dem Einsatz offener Netze in Schulen ent- gegenstehen, aus dem Weg geräumt" haben. Wie lange die Universitäten in der Lage sein werden, den kostenfreien Zugang zum Internet zu gewähren, ist ungewiß. Konkrete Finanzierungs- und ,Ausbauvorhaben" des Bundes oder der Länder sind nicht bekannt. Die Frustration der Beteiligten ist deutlich zu spüren: ,Wir können kaum darauf warten, daß von deren Seite [der Seite der Kultusministerien] in den nächsten Jahren Impulse ausgehen." Wie die Haltung der Lehrenden an Göttinger Schulen aussieht und wie die theoretischen Landesvorgaben an den hiesigen Schulen verwirklicht werden, soll im folgenden kurz dargestellt werden.


Quelle: http://www.regio.rhein-ruhr.de/schulen/internet/ins00005.htm