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Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchule.html (YY-MM-DD)

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M E M O R A N D U M

der Expertengruppe „PC in der Grundschule„ (Schörfling, 20. Jänner 1995)

Seit Jahren arbeitet auf Anregung der Abt. I/1 des BMUK die Expertengruppe „PC in der Grundschule„ an der Planung und Verwirklichung des Computereinsatzes in österreichischen Volksschulen. Für das vorliegende Memorandum wurden die Erfahrungen aus laufenden Grundschulversuchen, aus der Praxis des Computereinsatzes im gesamten Pflichtschulbereich und aus dem bereits erfolgreichen Einsatz des Computers in den Grundschulen anderer Länder zusammen mit den vorhandenen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen verarbeitet.

Das Anliegen der Expertengruppe ist es, die für die Grundschule Verantwortlichen auf die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien in ihrem Bereich besonders aufmerksam zu machen und konstruktive Vorschläge für die formale Verankerung und Verbreitung des bildungspolitisch notwendigen und pädagogisch nutzbringenden Einsatzes des Computers zu machen.

Ziel dieses Memorandums ist es, sowohl eine lehrplannahe Formulierung der neuen Bildungsziele und didaktischen Prinzipien anzubieten, als auch die notwendigen Folgerungen für die Lehreraus- und Fortbildung sowie die Anschaffung der notwendigen Unterrichtsmittel abzuleiten. In Summe soll das Memorandum die erforderliche Diskussions- und Entscheidungsgrundlage für die möglichst rasche Einbeziehung des Computers in den Unterricht der Grundschule bilden.

Neue Bildungsziele und ihre Begründung

In zunehmendem Maße sind Computer Teil der außerschulischen Lebenswelt der Kinder bereits im Vor- und Grundschulalter. Den gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung tragend, muß sich die Grundschule mit diesen modernen Kommunikations- und Informationstechnologien in altersadäquater Weise auseinandersetzen und Wissen und Fertigkeiten vor allem durch praktisches Umgehen mit dem Computer vermitteln. Die Auseinandersetzung soll auch einen kompensatorischen und korrektiven Bildungsauftrag erfüllen, wobei der kompensatorische eine geschlechtsspezifische und eine sozioökonomische Komponente enthält.

Die medienspezifischen Vorteile dieser Technologien sollen eine Leistungssteigerung durch verbesserte Differenzierung und Individualisierung und infolge ihres motivierenden Charakters ein erhöhtes Interesse der Schüler erbringen. Ähnlich wie im sonderpädagogischen Bereich kann im Förder- und im integrativen Unterricht der Grundschule die Anwendung des Computers nutzbringend sein.

Jeder Volksschüler soll die Gelegenheit zur praktischen Arbeit mit dem Computer erhalten. Durch den Umgang mit dieser Technologie ergibt sich die Möglichkeit zur frühen aktiven und kritischen Auseinandersetzung mit ihren Eigenschaften und Folgen.

Didaktische Grundsätze

Der Computer soll unter Beachtung der allgemeinen elementarmethodischen Grundsätze gleichberechtigt neben den bisher angewandten Unterrichtsmitteln stehen. Er soll insbesondere in der Erstellung und Kommunikation sprachlicher, grafischer oder musischer Produkte kreativ eingesetzt werden. Moderne Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und Verarbeitung sollen zur Bewältigung des traditionellen Lehrstoffes genutzt werden, wobei sich besonders die Form des Projektunterrichts anbietet.

Einem integrativen Ansatz folgend sollen Computer speziell im Bereich der inneren Differenzierung des Unterrichts und zur Individualisierung von Lernprozessen angewandt werden. Das Potential des Computers muß besonders im selbstgesteuerten und selbständigen Lernen, z.B. in offenen Lernphasen, genutzt werden. Der Computer soll dabei eine unmittelbare und individuelle Lernerfolgsrückmeldung und die Selbstkontrolle der erreichten Leistung ermöglichen. Die Bildungsaufgabe der Grundschule, primäre Lern-erfahrungen über alle Sinne zu ermöglichen, soll damit nicht beschränkt sondern erweitert werden, wobei die nonverbalen Aspekte der Kommunikation wie bisher besondere Berücksichtigung finden sollen.

Bei der praktischen Anwendung des Computers im Unterricht ist auf den möglichst unkomplizierten und einfachen Zugang durch die Schüler zu achten. Der Organisationsaufwand für die individuelle Nutzung soll in einer vernünftigen Relation zum erhofften Lerngewinn stehen. Dies wird durch die Anwendung im Klassenzimmer meistens besser erreicht werden, als durch die Benutzung zentraler Computerräume.

Lehrstoffe, die sich zur Anwendung des Computers besonders eignen

- Bereich „Texte verfassen„, insbesondere in Form klassen- oder gegenstandsübergreifender Projektarbeiten (z.B. Klassenzeitung, Plakate) und die interaktive Arbeit mit vorhandenen Texten

- schriftliche Kommunikation, auch mit entfernten/außerschulischen Partnern (Telekommunika-tion)

- das Erlernen der Grundlagen formaler Textgestaltung, Layout, Typographie

- das Üben und Festigen orthographischer Fertigkeiten und grammatikalischer Regeln

- das Erstellen einfacher grafischer Produkte (z.B. Glückwunschkarten, appellative Werke)

- Veranschaulichungen und Simulationen zur Unterstützung des Erwerbs geometrischer Grundkenntnisse und zu Aufbau und Festigung von Maßbeziehungen; zur Demonstration von Darstellungsebenen

- erste Versuche für formalisierte, schrittweise Lösungen einfacher Probleme (Algorithmisierung)

- Üben und Trainieren im Bereich der Grundrechnungsarten

- Sammlung, Ordnung und Nutzung von Wissensbasen und der Einsatz von Simulationen im Sachunterricht (z.B. Umwelterziehung, geografische Kenntnisse, kartografische Orientierung)

- Vernetzung des Lernbereichs Technik mit anderen Lernbereichen

Begleitende Maßnahmen zur Sicherstellung des erfolgreichen Computereinsatzes

Lehrerausbildung

In der Ausbildung der Grundschullehrer/innen sind Lehrveranstaltungen aus folgenden thematischen Bereichen verpflichtend zu berücksichtigen:

- Informationstechnische und systemspezifische Grundkenntnisse (Geräte, Betriebssysteme, etc.)

- Methodisch-didaktische Kompetenzen in der Anwendung des Computers in der Grundschule und Fertigkeiten im Umgang mit grundschultypischer Software

- die kompetente Nutzung von Informations- und Kommunikationsnetzen, Wissen über den und Fertigkeiten für den Zugriff auf pädagogisch relevante Wissensbasen und in der Nachrichtenübermittlung

- die mediale Aufbereitung von Lerninhalten unter Benutzung computerunterstützter Techniken

- die Förderung der Bereitschaft und die Fähigkeit zum aktiven und reflexiven Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesonders der Aufbau einer kritischen Evaluationskompetenz zur Auswahl pädagogischer Software

Lehrerfortbildung

Unter Berücksichtigung der für die Ausbildung zitierten Inhalte sind entsprechende Fortbildungsangebote an alle interessierten Grundschullehrer/innen zu richten, wobei sowohl einführende als auch fortgeschrittene Kurse angeboten werden sollen. Dabei ist insbesondere auf die spezielle Methodik und Didaktik der Grundschule und die Bedürfnisse und Interessenslage der Grundschullehrer/innen zu achten.

Ein detailliertes Konzept für die Lehreraus- und Fortbildung soll möglichst rasch unter Einbeziehung von Praktiker/innen, Ausbildnern und Wissenschaftern erstellt werden.

Unterrichtsmittel

Für den erfolgreichen Einsatz des Computers muß die Ausstattung mit Geräten und Software den in anderen pädagogischen Praxisfeldern erprobten Qualitätskriterien genügen, insbesondere

- muß die für diese Altersstufe notwendige Anwendung grafisch orientierter und bedienungsfreundlicher Benutzeroberflächen möglich sein (z.B. Windows),

- ist der Einsatz multimedialer Technologien (Ton, CD-ROM, ergonomischer Bildschirm) vorzusehen,

- soll an jeder Grundschule die einfache Anbindung an ein externes Datennetz geschaffen werden (Modem für Telefonanschluß, Kommunikationssoftware).

Alle Möglichkeiten zum Erwerb der auf dem freien Markt angebotenen und geeigneten Software für die Grundschule sollen genutzt und die Produktion neuer, grundschulspezifischer Software gefördert werden. Empfehlungen für die Eignung bestimmter Software für die Grundschule sollen von einer ständigen Evaluationsgruppe von Experten ausgesprochen werden („Qualitätssiegel für grundschulgeeignete Software„). Dabei sollen vor allem die Lehrplangerechtheit und pädagogische Eignung, die Implementierung aller notwendigen Grundfunktionen und die motivierende und unterstützende Benutzung verschiedener Sinneskanäle (Grafik, Ton) beachtet werden und nicht die Fülle der nur theoretisch nutzbaren Eigenschaften im Vordergrund stehen.

* * * Für das Redaktionsteam der Expertengruppe „PC in der Grundschule„: Dr. Elisabeth Seyfried, Dr. Günter Haider, LSI Dr. Jelle Kahlhammer, Prof.Mag. Anton Knierzinger, Prof.Dr. Alfred Kowarsch