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Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchule.html (YY-MM-DD)

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Internet und Unterricht


7 E-Mail und Netnews in der Schule


7.1 Theoretische Überlegungen


7.1.1 E-Mail- und Netnewsnutzung als ,Internetstartprojekt"


Das Internet kann im Unterricht, wie im Entwurf ,Schulen an das Netz" beschrieben, sowohl inhaltlich-curricular (Vermittlung notwendiger Kenntnisse und Fähigkeiten) als auch methodisch (Recherchen, Projekte, Kommunikation, etc.) eingesetzt werden. Weiterhin kann es den Lehrenden und Lernenden als Lernunterstützung und Informationsquelle dienen und Kommunikation mit außerschulischen Stellen (Eltern, Betriebe, Verwaltung, generelle - zum Beispiel Public Relations für die Schule) herbeiführen.

Wer Internet sagt, meint häufig das World Wide Web (WWW). Es ist nicht der einzige, aber der attraktivste Netzdienst. Aber auch weniger multimedial verpackt hat das Internet noch eine Menge zu bieten. Für manchen noch wichtiger sind Dienste wie Elektronische Post, Nachrichten oder Dateitransfer.

Durch technische und materielle Restriktionen sind ,online"- Dienste derzeit nicht für alle Schulen Deutschlands realistisch zu fordern. Klaus Füller spricht daher vom Unterschied zwischen einem ,Anschluß an die Datenautobahn Internet oder wenigstens den Autobahn-Zubringer UseNet" .

Natürlich bieten ,online"-Dienste größere Informationsquellen und größere Schnelligkeit, sowie die Möglichkeit zum direkten Kontakt zu räumlich getrennten Personen, allerdings ist die Deckung der entstehenden Kosten derzeit für die meisten Schulen in der Bundesrepublik Deutschland nicht möglich.

Durch eine ,Netzumfrage" und Recherchen im WWW stellte ich fest, daß die Nutzung von E-Mail an deutschen Schulen weiter fortgeschritten ist als der Einsatz des WWW (oder ,online"- Diensten im Allgemeinen). Zum Einsatz von E-Mail-Projekten lagen Erfahrungswerte vor, die mir beteiligte Lehrkräfte auch bereitwillig zur Verfügung stellten. Die Vorarbeiter im Bereich der ,online"-Anbindung von Schulen sind dagegen derzeit noch mehr mit technischen Entwicklungen beschäftigt und konnten nur wenige Erkenntnisse zur Didaktik und Methodik liefern.

Ich habe ich mich daher bei meinen Betrachtungen auf Projekte beschränkt, die im ,offline"-Betrieb möglich sind und durch geringe Anschaffungs- und Betriebskosten eine realistische Möglichkeit für jede deutsche Schule darstellen. Dabei muß es sich nicht zwangsläufig um in Deutschland initiierte Projekte handeln, die Einschränkung auf in Deutschland praktikable Projekte soll aber lästige und oft nicht adäquate Vergleiche mit den möglicherweise elaborierteren Möglichkeiten in anderen Ländern vermeiden.

7.1.2 Netnews


, Nachrichtenbretter" werde ich im weiteren nicht näher erläutern. Sie dienen meist als ,Kummerkasten und Hilfe- Medium" . Hier werden Projektvorschläge bekanntgegeben und diskutiert, allerdings hat sich in den seltensten Fällen (Ausnahme: /K12-channels) eine ,öffentliche Durchführung von weiteren Unterrichtsprojekten [...] ergeben" . ,Ein Grund dafür ist, daß sich viele Kollegen berechtigt davon abschrecken lassen, daß jeder ,von der Seite" hier reinquatschen kann, und das in einem beliebig unfreundlichen Ton" . Daher haben öffentliche Nachrichtenbretter ,bei Leuten, die längerfristig inhaltlich zusammenarbeiten wollen, [...] oft keinen besonders guten Ruf".

Die meisten Projekte werden aber über diese öffentlichen Nachrichtenbretter geplant, vermittelt oder bekanntgegeben.

Weiterhin dienen diese Kommunikationsforen natürlich auch der Kontaktaufnahme, Information und Hilfe der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler untereinander. Meine Arbeit wäre zum Beispiel ohne die Existenz der Nachrichtenbretter /SCHULE und der Bildungsbretter im /Z-NETZ und die freundliche Hilfe von mehr als hundert Menschen, die sich auf meine Anfrage hin meldeten, nicht möglich gewesen. Über diese Foren aber konnte ich Kontakte knüpfen und Informationsquellen erschließen.

7.1.3 E-Mail-Projekte


7.1.3.1 Klassifizierung von E-Mail-Projekten


E-Mail-Projekte dienen der Forschung und dem Austausch von Informationen. Zu diesem Zweck verbinden sie Gruppen mit gemeinsamen Zielen über zeitliche und geographische Schranken hinweg. Sie ermöglichen den Zugriff auf entfernte Archive, Datenbänke oder Kataloge und erschaffen durch die Benutzung neuer Interaktionsmöglichkeiten eine ,Text-Based Virtual Reality" - also einem auf Text basierenden virtuellen Raum.
E-Mail-Projekte können eingeordnet werden


7.1.3.2 Didaktisch-methodische Konsequenzen des Einsatzes von E- Mail-Projekten


Die folgende kurze Aufstellung soll illustrieren, wie sich E-Mail- Projekte und die Einbindung von E-Mail in den Unterricht von üblichen Unterrichtsmethoden unterscheiden. Wie Jill Ellsworth habe ich nicht die Absicht, E-Mail Projekte vollkommen didaktisch zu durchleuchten, sondern möchte ,in kurzen Zügen auflisten, wie das Internet benutzt wird, um wichtige Bildungsziele zu erreichen. In einigen Fällen sind dies sogar Ziele, die ohne die Nutzung des Internets nicht erreicht werden könnten" .

Klaus Füller stimmt dieser Aussage zu, wenn er den Einsatz von E- Mail-Projekten folgendermaßen resümiert:

Die Teilnehmer haben fachübergreifend wertvolle Kenntnisse und Einsichten erworben. Mir fällt keine Unterrichtsmethode und kein Medium ein, mit dem [...] Bildungsziele so leicht erreichbar sind.

7.1.3.2.1 Persönliche Kommunikation



Die Arbeit mit elektronischer Kommunikation wird von den meisten Anwendenden als Motivationsfaktor für den Unterricht gesehen. Die für die Schülerinnen und Schüler neue Möglichkeit, mit entfernten oder sonst ihren Belangen nicht zugänglichen Personen zu kommunizieren wirkt motivierend. Durch E-Mail können persönliche Erfahrungen und Einschätzungen in größerem Umfang veröffentlicht werden. Dies ist im normalen Schulbetrieb nur selten möglich. Meist werden Ergebnisse nur innerhalb des Klassenraumes oder bestenfalls schulweit bekannt gemacht. Die weltweite Verbreitung motiviert die Schülerinnen und Schüler insofern, als daß sie ihren eigenen Werken mehr Wert zubilligen. Lehrkräfte, die E-Mail bisher im Unterricht benutzten, stellten fest, daß die Schülerinnen und Schüler deutlich mehr auf die Qualität ihrer Texte achten: ,Sie geben sich mit Vokabeln und klarem Ausdruck so viel Mühe wie nie zuvor."

Allerdings muß bemerkt werden, daß dieser Motivationsfaktor für Schülerinnen und Schüler auch eine psychologische Abschreckung für die Lehrkräfte darzustellen scheint, die es oft als nicht angenehm erachten, wenn Fremde einen ,Einblick" in ihren Klassenraum erhalten und damit ihren Unterrichtsstil und ihre Persönlichkeit kennenlernen können.

7.1.3.2.2 Umgang mit Text


Das persönliche, zwischenmenschliche Interesse an den Aussagen des Gegenübers motiviert die Schülerinnen und Schüler zur genaueren Untersuchung der eingegangenen Texte. Lehrkräfte berichten hier von einem nie vorher erfahrenen Interesse der Schülerinnen und Schüler am Verständnis der Texte. Besonders von Englisch- Lehrkräften wird in dieser Effekt positiv erwähnt Die Schülerinnen und Schüler lernen, vom ,Wort-für-Wort"-Übersetzen des Textbuchalltags Abstand zu nehmen.

Heike Rautenhaus führt dies darauf zurück, ,daß E-Mail-Texte [...] im Vergleich zu Lehrbuchtexten expressiver, idiomatischer, authentischer, echter und konkreter sind, das Interesse der Schülerinnen und Schüler daher besser treffen und zur Schulung kultureller Toleranz geeignet sind" .

Im Gegensatz zur Begeisterung der Schülerinnen und Schüler existieren allerdings Lehrkräfte, denen es schwerfällt, durch das mögliche öffentliche Verschicken nicht-perfekter Texte ihre ,vorgeschobene Lehrer-Perfektion aufzugeben" .

7.1.3.2.3 Geschlechtsspezifischer Zugang


Bei empirischen Untersuchungen des Einsatzes von E-Mail im Fremdsprachenunterricht von Heike Rautenhaus fallen die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Herangehensweise an den Computer geringer aus als üblicherweise dokumentiert. Frau Rautenhaus spricht davon, daß Schülerinnen und Schüler ,nahezu gleich begeistert mit Telekommunikation" gearbeitet haben, wobei ,Jungen, die durch die Telekommunikation im Fremdsprachenunterricht zum ersten Mal mit dem Computer konfrontiert werden, geringfügig mehr Irritationen zeigen als Mädchen in der gleichen Situation".

Eckhard Modrow, Informatiklehrer am Max-Planck-Gymnasium in Göttingen, berichtete mir bei einem Besuch in seinem Unterricht sogar, daß Mädchen nach seinen Beobachtungen längeres und dauerhafteres Interesse an der Telekommunikation zeigten als Jungen.

Das Internet kann daher als ein ,kraftvoller Auslöser von Emotionen, Motivation und Engagement für Schülerinnen und Schüler" bezeichnet werden, wobei ich wie Jill Ellsworth eindeutig betonen möchte, daß der Computer nur Mittel zum Zweck ist: ,Der Umgang mit der Tastatur ist Nebensache. Die Schülerinnen und Schüler lernen Fragen zu stellen, sie strukturieren ihre Gedanken besser und präsentieren sich selbst positiv im Netz." Schülerinnen und Schüler lernen durch diese Projekte, Informationen zu finden und zu benutzen, wodurch sie zu ,pädagogischer Unabhängigkeit und intellektueller Autonomie" befähigt werden.

7.1.3.3 Nötige Strukturierung von E-Mail-Projekten


Die Erfahrung, daß ,weltweite Kontakte jedes Projekt dynamischer und interessanter machen" , teilen die meisten Lehrkräften, mit denen ich sprach, nicht. Es wurde von Projekten berichtet, die die Schülerinnen und Schüler nach kurzer Zeit uninteressant fanden. Ursache hierfür war nach Ansicht der Lehrkräfte die fehlende Strukturierung eines Projektes und seine unzureichende thematische Definition. Die ,Interessen an der Kommunikation auf beiden Seiten [sind oft] sehr unterschiedlich" und die Interessen und die Sprachfähigkeit der beteiligten Schülerinnen und Schüler, so Klaus Füller, müssen erst einmal ,unter einen Hut" gebracht werden.

Reinhard Donath hat seine Erfahrungen mit E-Mail Projekten zusammengefaßt und kommt dabei zu folgendem Ergebnis:

Bei E-Mail-Projekten sind zu beachten:

  1. fester und zwischen den Projektpartnern (aktualisiert) abgesprochener Zeitrahmen,
  2. gemeinsam erarbeitetes Thema,
  3. regelmäßige Kommunikation der Lehrkräfte,
  4. Schülerkommunikation zwischen festen Partnern,
  5. vorbereitete und bewußte Textproduktion,
  6. vorvereinbarte Kommunikationssprache[n] und Beachtung der allgemein im Netz gültigen Kommunikationsregeln,
  7. Wichtigkeit von


Herbert Gudjons schlägt in seinen ,Ausführungen zur Projektarbeit" vor, für ein Projekt eine ,für den Erwerb von Erfahrungen geeignete, problemhaltige Sachlage auszuwählen" , die er durch ,Situationsbezug" , ,Orientierung an den Interessen der Beteiligten" und der ,gesellschaftlichen Praxisrelevanz" definiert. Die Bildungsinitiative ,Informatik und Telekommunikation" spricht von realen Anwendungsbezügen, die didaktisch aufbereitet zum lebensnahen Unterricht führen.

Nach der gemeinsamen Themenfindung (siehe Donath) folgt bei Gudjons als zweiter Projektschritt die gemeinsame (Lehrkraft, Schülerinnen und Schüler) Entwicklung eines ,Plans zur Problemlösung" durch ,zielgerichtete Projektplanung" und ,Selbstorganisation und Selbstverantwortung" . In den Rahmenrichtlinien Gemeinschaftskunde des Landes Niedersachsen heißt diese Forderung:


Bei den meisten derzeit angebotenen E-Mail-Projekten sind feste Zeitabläufe vorgesehen, innerhalb derer sich Gruppen finden, die an einem bestimmten Thema arbeiten möchten. Die in der Praxis der Unterrichtsplanung, durch die Rahmenrichtlinien und festgesetzten Stundenpläne vorgegebenen Ziele lassen Lehrkräften nicht die Freiheit zur unabhängigen thematischen Festlegung. Abgesehen vom Sonderfall der freien Projektarbeit werden sich in den Unterricht integrierte Projekte - trotz der Forderungen der Rahmenrichtlinien - an den vorgegebenen äußeren Bedingungen orientieren müssen.

Der Forderung Gudjons, sich mit dem Thema ,handlungsorientiert" durch ,Einbeziehung vieler Sinne" auseinanderzusetzen, kommen E-Mail-Projekte durch ihre abwechslungsreichen Arbeitsformen - und sicher auch durch ihre Neuheit an sich - nach.

Das von Gudjons in diesem Zusammenhang geforderte ,soziale Lernen" , d.h. ,Zusammenarbeit in Gruppen, Koordination der Gruppenarbeiten zu einem Ganzen, Interessenausgleich, Beachtung der gruppendynamischen Ebene usw." , finden bei E-Mail- Projekten gleich auf zwei Ebenen statt.


Hier kann durch Rückbezug der erlernten Fähigkeiten auf die eigene Umgebung auch noch das Lernziel des ,Multikulturalismus" einbezogen werden. Die Niedersächsische Koordinatorin des ,European Schools Project" berichtete zum Beispiel von sozialer Aufwertung ausländischer Mitschülerinnen und -schüler, wenn diese erstmals durch ihre Bilingualität als Experten in der Klasse in eine gefragte Position gelangen.

Gudjons fordert schließlich, die ,erarbeitete Problemlösung an der Wirklichkeit zu prüfen" . Die Ergebnisse der Projektarbeit sollen ,Gebrauchs- und Mitteilungswert" haben. Gudjons erwähnt einige Projektprodukteinteilungen, die darauf eingehen, daß Projekte nicht immer nur abgeschlossenen Produkte hervorbringen und reale Gegenstände (Dokumentationen, Ausstellungen, etc.) sein müssen, sondern auch die gedankliche Weiterentwicklung der Teilnehmenden beinhalten können.

Trotzdem ist meines Erachtens ein reelles Projektprodukt ein großer Motivationsfaktor für die Teilnehmenden. Viele ,Anfänger"- E-Mail-Projekte beziehen sich daher nicht auf langwierige Kommunikation und Koordination, sondern versuchen nur die Verbreitungsmöglichkeiten und zeitlichen Möglichkeiten von E-Mail aufzuzeigen.

Weiterhin können ,Vorzeigeprodukte" natürlich auch, wie bei Reinhard Donath erwähnt, einen werbetechnischen Aspekt erfüllen. Mit Schaffung einer größeren können gerade im schulischen Bereich Unterstützung und Verbreitung der Projektideen gefördert werden.

Gudjons fordert grundsätzlich, bewußt auf die Interdisziplinarität des Projektunterrichts einzugehen. Das Ziel eines Projektunterrichts, ,eine Aufgabe in ihrem komplexen Lebenszusam- menhang zu begreifen und sie sich im Schnittpunkt verschiedener Fachdisziplinen vorzustellen" , muß auch für E-Mail-Projekte übernommen werden - schon allein wegen ihres offenen thematischen Charakters. Gerade deshalb bleibt die thematische Refokussierung eine der Hauptaufgaben der Lehrkraft. Die Lehrkraft wird zum Moderator der thematischen Auseinandersetzungen und generellen Projektvorgänge.

Auch die von der Initiative ,Schulen an das Netz" geforderten Tätigkeitsprofile netzorientierten Arbeitens in Schulen werden durch die Einführung von E-Mail-Projekten und die Einbeziehung von Nachrichtenbrettern als Informationsquellen erfüllt:



7.1.4 Zusammenfassung


Zusammenfassend erfüllen E-Mail-Projekte folgende Lernziele:


Der Einsatz von E-Mail-Projekten im Unterricht hat aber auch Konsequenzen für das gesamte innerschulische Umfeld.

7.1.5 Schulische Rahmenbedingungen


Die Formen des Lehrens und Lernens werden sich durch den Zugriff auf die neuen Möglichkeiten der Telekommunikation verändern. Die didaktischen und technischen Rahmenbedingungen der Schule müssen sich dementsprechend anpassen, da die Schülerinnen und Schüler auf diese neue Art der Informationsverarbeitung und damit eine neue Art der Lebensgestaltung vorbereitet werden müssen. Innerhalb der derzeitigen Organisationsstrukturen des Schulbetriebs ist dies nur schwer möglich. Daraus folgt, daß Schule an sich neu gestaltet werden muß, um den Veränderungen der Gesellschaft gerecht zu werden.

Die ohnehin bereits existierenden Forderung nach der Schule, fächerübergreifendem Unterricht und projektbezogener Arbeitsweise sind auch Voraussetzung für eine sinnvolle Einführung von Telekommunikation. In der heutigen Zeit wird von Schülerinnen und Schülern nach Abschluß der Schule nicht mehr umfassendes Fachwissen, sondern vielmehr eine breite Wissensbasis mit grundlegender Bereitschaft zur Informationsaneignung und -verwer- tung, die Bereitschaft zur Gruppenarbeit und persönlicher Flexibilität gefordert.

Telekommunikation ist nicht nur Ausdruck dieser gesellschaftlichen Veränderungen, sondern auch eine sich didaktisch anbietende Methode, die Ziele der Informationsgesellschaft im Unterricht zu vermitteln.

Die veränderten Bedingungen seien hier kurz - entsprechend der Projektbeschreibung ,Schulen an das Netz" der Bildungsinitiative Informatik und Telekommunikation der GI - aufgeführt:

Durch die Arbeit mit Netzen ändert sich das Selbstverständnis der Lehrenden und Lernenden.


Abgesehen von den strukturellen bildungspolitischen und generellen bürokratischen Hindernissen für eine schnellen Wandel der schulischen Struktur stellt die fehlende Flexibilität der Lehr- kräfte oft ein Problem dar. Reinhard Donath spricht in diesem Zusammenhang von einer ,generelle[n] Unsicherheit" unter den Lehrkräften und findet für seine Kollegen folgende direkte Worte: ,Lehrer gehören zu einer Berufsgruppe, die sich die größte Ignoranz ungestraft leisten kann." Auch bei einer Diskussion von Medienexpertinnen und -experten auf der 6. Tagung des BAK ,Netze in Schulen" klang diese Haltung an. Die Vertreterinnen und Vertreter der Fortbildungsseminare, der Industrie und der Presse monierten, daß sich Lehrkräfte durch ihren gesicherten Arbeitsplatz zu wenig um die Einbindung neuer Möglichkeiten in den Unterricht kümmerten. Um Telekommunikationsprojekte in der Schule erfolgreich einsetzen zu können ist folglich auch eine flexiblere und offenere Haltung der Lehrerschaft gegenüber Neuerungen und Änderungen im Schulbetrieb Voraussetzung.

Ist diese gegeben, kann mit der Umsetzung der im folgenden erläuterten interessanten Angebote begonnen werden.

7.2 Praktische Angebote


(Eine Liste der Adressen aller hier vorgestellter Initiativen und Organisationen befindet sich im Anhang unter 12.7.4.)

7.2.1 Kontaktangebote


7.2.1.1 ,St.Olaf-Liste"


Als ,St. Olaf Liste" bezeichnet sich eine Mailingliste, die Nachrichten mit Projektvorschlägen von Schulen aus der ganzen Welt weiterleitet. Die ,Intercultural Email Classroom Connections" (IECC) werden auf zwei Listen verteilt. Während die eine Liste nur Kontakte für die Sekundarstufe I enthält, beschäftigt sich die zweite mit dem Bereich Sekundarstufe II, Colleges und Bibliotheken. Nach Angaben von Reinhard Donath wurden diese Listen im Januar 1995 von 2.000 Teilnehmenden in 30 Ländern benutzt. ,Abonnenten" der Liste erhalten ca. zehn Nachrichten pro Tag.

7.2.1.2 ,Goethe goes Mail"


,Goethe goes Mail" ist eine seit 1993 laufende Initiative des Goethe-Instituts San Francisco. Deutschlehrkräfte werden in Workshops mit der Nutzung von E-Mail für ihren Unterricht vertraut gemacht, Projekte werden initiiert und Kontakte vermittelt. Mittlerweile nehmen auch weitere Goethe-Institute teil und eine Erweiterung ist geplant. Über das Goethe-Institut Chicago, welches den amerikanischen Teil des ,Transatlantischen Klassenzimmers" betreut, bestehen auch Querverbindungen zu diesem Projekt. ,Zur Zeit nehmen ca. 80 Schulen auf deutscher und amerikanischer Seite teil." Die Goethe-Institute sehen sich durch dieses Projekt in einer ,Vorreiterfunktion für alle anderen welt- weit" .

7.2.1.3 ,Das Transatlantische Klassenzimmer" (TAK)


Dieses Projekt wurde von der Körber-Stiftung initiiert und entwickelt. Mit Hilfe der Telekommunikation wird versucht, die Kommunikation Hamburger Schulen mit Schulen in der Partnerstadt Chicago zu intensivieren. Derzeit nehmen auf deutscher Seite 25 Hamburger Schulen, eine in Rothenburg und zwei in Dresden teil, die von der Körber-Stiftung mit der entsprechender Technik ausgerüstet wurden. Auf amerikanischer Seite wird das Projekt vom Goethe-Institut Chicago betreut. Die Moderation der Projektkommunikation wird von beiden Instituten bestritten. Die Körber-Stiftung hält sich derzeit mit Werbung zurück, da die deutsche Seite bereits ,überlastig" ist und das öffentliche Interesse dennoch steigt. In Chicago sind im Sommer 1995 40 Schulen angeschrieben worden, wodurch das dortige Goethe-Institut letztendlich eine Beteiligung von rund 20 Schulen zu erreichen erhofft. Die schleppende Beteiligung auf US-amerikanischer Seite wird durch geringere finanzielle Mittel des Instituts und der Schulen sowie die Angst der Schulen vor den ,Tiefen" des Internets begründet.

Im Februar 1995 begann das Projekt mit einer viermonatigen Probephase, mit monatlich wechselnden Themen. Diese Arbeitsorganisation erwies sich aber für Schulen als zu schnellebig. Daher startet die neue Projektphase im Herbst 1995 mit Projektgruppen, die an den Themen ,Deutsche Sprache und Literatur", ,Buchprojekt `Hamburg-Chicagoï", ,Guide to Teenage Life: ,Was bewegt Jugendliche heute?", ,Berufsausbildung", ,Arbeitswelt", ,Wirtschaft und Umwelt" arbeiten. Zusätzlich wird noch eine ,Plauderecke und Partnervermittlung" angeboten, die von einer Schülergruppe des St.Ansgar-Gymnasiums in Hamburg betreut wird. Die Kommunikation innerhalb des Projektes erfolgt via Mailingliste.

7.2.2 Allgemeine Projektangebote


7.2.2.1 ,European Schools Project" (ESP)
Das ESP begann 1988 als wissenschaftliches Untersuchungs- und Förderungsprojekt am ,Centre for Innovation and Co-operative Technology" (CICT) und dem ,Centre of Educational Research" (SCO) der Universität Amsterdam. Das Projekt erfuhr großen Zuspruch durch europäische Schulen, so daß die Initiirenden zusammen mit weiteren Institutionen Ende 1989 beschlossen, auch direkte Netzwerk- und Projektentwicklung zwischen Schulen zu fördern. Heute nehmen über 400 Schulen aus siebzehn europäischen und zehn außereuropäischen Ländern an den Projekten des ESP teil, davon neun deutsche Schulen.

Das ESP versucht den Schulen nicht nur Kontakte auf telekommunikativer Basis zu vermitteln, sondern unterstützt sie auch mit organisatorischem, technologischem und pädagogischem Wis- sen. Neben nationalen und regionalen Koordinationsstellen gibt es eine internationale Koordination im ,Resources, Information and Support Centre" (RISC) an der Universität Amsterdam. Hier laufen Informationen über Projekte und teilnehmende oder neu interessierte Schulen zusammen und werden regelmäßig bzw. bei Anfrage gerne weitergeleitet. Interessierte Schulen erhalten Auskünfte über die Organisation des ESP und erste Projektbeschreibungen. Bei Interesse melden sie sich dann bei einer Mailingliste als teilnehmend an. Auf die Projektangebote kann auch separat an die jeweilige Projektleitung geantwortet werden. Der ,geringe technische Standard, [sic!] erlaubt die Mitarbeit aller interessierten Schulen, solange diese nur In- ternet-adressierbar sind."

Normaler Informationsaustausch zwischen Projektpartnern und Koordinierenden findet per E-Mail oder in der eigenen Bretthierarchie /SCHOOL statt. Die einzelnen Projekte benutzen verschiedene technische Kommunikationswege in unterschiedlichem Maße (reine E-Mail Nutzung, Telefax als Hilfsmittel, Datenverarbeitung in größerem Ausmaße).

Um die Kontakte zwischen den Teilnehmenden zu verbessern, finden regelmäßig Konferenzen statt. Hier lernen sich die Lehrkräfte kennen, bilden Projektgruppen und besprechen ihre Themen.

Falls Schulen keine Partner für ihre Projekte finden, werden deren Projektvorschläge in /SCHOOL/PROJECT/ESP als Liste veröffentlicht.

In das ESP sind auch Projekte integriert, die von öffentlicher Hand unterstützt werden, wie z.B. der Modellversuch ,FLACON" des Landes Rheinland-Pfalz oder das ,AquaNet"-Projekt des Landes Niedersachsen, welches Teil des umfassenderen ,BioNet-AquaData"- Projektes ist.

Das ESP nennt seine ,Lernprojekte über große Entfernungen mit Hilfe der Telekommunikationstechnik" `Teletripsï. Die Projektkonzepte wurden und werden von Lehrkräften aus den un- terschiedlichsten Ländern entwickelt. Die Themen sollen für alle Teilnehmenden lehrplanrelevant sein. In den letzten Jahren wurden Projekte zu Themen wie ,The Image of the Other", ,Every-day Statistics", ,Pollution", ,Tourism", ,Stories of World War II", ,Power Plants" und ,Water Quality" angeboten. Die Schülerinnen und Schüler stellen lokal Nachforschungen zu diesen Themen an und tauschen die Ergebnisse dann, mit Hilfe der Telekommunikation und meist unter Benutzung fremder Sprachen, mit den Partnern aus. Zum möglichen Einsatz der Projekte innerhalb der traditionellen Unterrichtsfächer siehe Abbildung 7.

Die erklärten Ziele des ESP sind:


Einige der derzeit laufenden ESP-Projekte:

Bei den Projekten ,Chatback", ,Introducing Friends", ,Victorian Lives and Letters", ,The View from my Window" and ,Memories of 1945" handelt es sich um E-Mail-Projekte, bei denen Nachrichten über Mailinglisten verteilt werden.

,Introducing Friends" versucht Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen, besonders solche mit Lernschwierigkeiten, miteinander und darüber hinaus mit Telekommunikation bekannt zu machen. In Partnerarbeit erstellen zwei Schülerinnen oder Schüler Beschreibungen voneinander, die dann gemeinsam veröffentlicht werden. Auf diese Weise entstehen Kontakte und der Umgang mit dem Medium Computer wird eingeführt.

Bei ,The View from My Window" dürfen die Schülerinnen und Schüler reale oder imaginierte Beschreibungen des Blickes aus ihrem Fenster wie auch Meinungen (,Ausblicke" im weiteren Sinne) einsenden.

Charles Dickens ,persönlich" beantwortet Fragen zu seiner Person und dem Viktorianischen Zeitalter beim ,Victorian Lives and Letters" Projekt.

Beim Projekt ,Memories of 1945" steht ein ,Rat der Alten" (,panel of elders") bereit, um die Fragen junger Leute zu beantworten. Schülerinnen und Schüler sollen durch die Antworten der neun Personen die Geschehnisse des Jahres 1945 aus verschiedenen Blickwinkeln kennenlernen.

Bei den beiden letztgenannten Projekten können auch sogenannte FAQ-Listen angefordert werden, um häufig gestellte Fragen zum Projekteinstieg bereits im voraus zu beantworten. Durch die Organisation per Mailingliste würden diese Fragen sonst allen, auch den schon länger teilnehmenden Schulen, zugesandt.

Zum Arbeiten mit dem ,Chatback"-Projekt schlägt der Initiator Tom Holloway die Bildung eines ,Chatback-Clubs" vor. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich dann jeweils einen Monat lang mit einem spezifischen Thema, wie z.B. ,Breakfast", ,A Different World", ,Remembering" und ,Answers to a Far Star" beschäftigen. ,Chatback" existiert seit 1987 und versucht Schülerinnen und Schüler von Sonderschulen an die Telekommunikation heranzuführen. Die Fortschritte von Schülerinnen und Schülern an 16 Schulen für Behinderte in Birmingham, weiteren vier in London und noch einmal 20 in den USA werden von einer Forschungsgruppe an der St. Johns University in New York beobachtet.

7.2.2.2 ,European Studies Project" (ESP)


Das European Studies Project besteht seit 1986. Es wird von den Kultusministerien in der Republik Irland und in Nordirland unterstützt. Anerkennung und Unterstützung erhält das Projekt auch von den Kultusministerien in Frankreich, Dänemark, Belgien, sowie von Regionalverwaltungen in Frankreich, Spanien, England und Schottland. Das Niedersächsische Kultusministerium unterstützt das European Studies Project seit 1992.

Derzeit nehmen mehr als 250 Schulen in 14 europäischen Ländern an diesem Projekt teil, bei dem die Telekommunikation nur einen Teilaspekt darstellt, da auch Telefon, Fax, Video-Konferenzen und ,normale" Post zur Projektkommunikation benutzt werden.

Die Projekte des ESP laufen über ein volles Schuljahr. Es gibt unterschiedliche Programmangebote für ,Juniors" (11-14 Jahre) und ,Seniors" (15-20+ Jahre). Bisher nimmt nur eine deutsche Schule an einem ,Junior"-Programm teil, bei den ,Senior"-Programmen ist die deutsche Beteiligung größer.

Den ,Juniors" stehen Projekte zu Geschichte und Geographie und ein Sprachenprojekt zur Verfügung. Die Programme für ,Seniors" variieren thematisch in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Technik, Soziologie und Umweltkunde.

Zehn Schulen aus acht Ländern bilden ein Team; neuerdings gibt es in einem Team zwei Untergruppen. Die teilnehmenden Schulen kommen meist aus England und Schottland. Das Koordinationsbüro stellt die Teams zusammen. Neuzugänge bilden neue Gruppen oder ersetzen aus- scheidende Projektteilnehmende in schon zusammenarbeitenden Teams. Die längerfristige Gruppenzugehörigkeit ermöglicht bessere Koordination und Zusammenarbeit.

Die teilnehmenden Lehrkräfte treffen sich jedes Jahr im Frühjahr, um die Arbeit des kommenden Jahres zu besprechen. Die ,Seniors"- Gruppen einigen sich dabei auf ihre Themen, ,Juniors" besprechen festgelegte Themen. Es müssen mindestens drei Sprachen benutzt werden, die während des Treffens von den Lehrkräften festgelegt werden. Wenn Texte in einer Sprache ausgetauscht werden, die niemand unter den Schülerinnen und Schüler beherrscht, müssen diese jemanden finden, der die Texte übersetzen kann.

Die Projektarbeit beginnt immer mit einer Vorstellung der Gruppen durch Austausch von ,Profiles" oder Bild- und Filmmaterial und läuft immer bis nach Ostern.

In Deutschland werden die Projekte derzeit meist im Englischunterricht bearbeitet, in Großbritannien mehr im ,Social Studies"- und Geographieunterricht oder in dem dort vorhandenen Fach ,European Studies". Jegliche E-Mail-Kommunikation wurde bislang über ,CAMPUS 2000" in London abgewickelt. ,CAMPUS2000" war ein von der British Telecom und der ,Times" initiierter Anbieter für rein pädagogische Zwecke, der im Herbst 1995 in ,CAMPUS World" aufgegangen ist. Die Kommunikation des ESP soll nun über das NSN abgewickelt werden.

Vorteile des ,European Studies Projekts" sind die vorhandenen Projektplan- und Unterrichts-materialien sowie die jährlichen Treffen der teilnehmenden Lehrkräfte. Diese persönlichen Kontakte sind für die Planung und Durchführung erfolgreicher Projekte sehr wertvoll.

Das ESP arbeitet ausdrücklich für die inner-europäische Verständigung, ,mit dem Ziel, gemeinsames Verständnis, Bewußtsein und Toleranz der Jugend im heutigen Europa zu fördern" . Die Projekte ,sollen das Wissen und Verständnis der Schüler für ihr eigenes Land sowie ihre Beziehung zu anderen im heutigen Europa verbessern" .

7.2.2.3 K12


K12Net ist eine dezentrales Netzwerk von Mailboxen, die die Nachrichtenbretter /K12 verwalten und weiterleiten. Das Netzwerk existiert seit 1990 und vergrößert sich seitdem ständig. An der Universität von Massachussetts in Amherst existiert seit 1993 ein zentrales Rechnersystem, welches außerdem Dienste wie telnet, gopher und WWW anbietet. Dieses ,UmassK12" ist eine Initiative, die Schulen Massachussetts Internetzugang und Kommunikationsmöglichkeiten verschaffen soll. Aber auch internationalen K12Net-Teilnehmenden werden Informationen und Hilfen geboten. Für Benutzende, die sich direkt in die dortige Mailbox ein-loggen fällt seit Juli diesen Jahres eine Gebühr an , während die Benutzung der UseNet- und FIDO-Hierarchien kostenfrei bleibt.

Am Austausch der Nachrichten in diesen Brettern können Menschen in aller Welt teilneh-men. Trotz der verschiedenen Verbreitungsarten und technischen Standards sind die /K12-Bretter ein weitverbreitetes und gern benutztes Forum.

K12 bietet weiterhin auch die Benutzung von zwölf ,Channels" zur Bearbeitung von Projekten an. Die Teilnehmenden können sich so öffentlich und auf kostengünstige Weise über ihre Projekte austauschen. Die maximale Benutzungsdauer eines Kanals ist auf zwei Monate begrenzt, daher wird genaueste Vorplanung empfohlen.

Die oder der Initiierende sollte ihre oder seine Projektidee in /K12/PROJECTS vorstellen und auf diesem Wege weitere Interessierte suchen. Mit einer Liste der Interessierten und einer detaillierten Beschreibung des Projektes kann dann ein Kanal bei der ,Kanal- Koordinatorin" Helen Sternheim angefordert werden. Frau Sternheim steht dann auch weiterhin beratend zur Seite, die Verantwortung für das Projekt liegt aber allein bei der Initiatorin oder dem Initiator.

Bedingt durch die in einigen Ländern längeren Sommerferien, werden derzeit (Stand: September 1995) nur die Projekte ,Australia Remembers" und ,Global Village News" durchgeführt.

7.2.2.4 I*EARN


I*EARN, das ,International Education and Resource Network", ist eine eigenständige nichtkommerzielle Organisation, die sich die globale Verständigung zum Ziel gemacht hat: ,Die Jugend ändert die Welt, als Teil der pädagogischen Erfahrung" . I*EARN wird vom Copen Family Fund unterstützt. Über 500 Schulen in über 20 Ländern sind durch diese seit 1990 bestehende Organisation verbunden.

I*EARN benutzt zur weltweiten Kommunikation die Strukturen der ,Association for Progressive Communication" (APC), die sich gesellschaftlichen und ökologischen Themen verschrieben hat. I*EARN versucht grundsätzlich eng mit bestehenden Strukturen und Organisationen zusammenzuarbeiten und viele schon existierende Kontakte durch Telekommunikation zu verbessern. So arbeitet I*EARN mit anderen internationalen Nicht-Regierungs-Organisationen und Austauschorganisationen , dem ,European Schools Project" und dem ,Global Rivers Environmental Education Network" (GREEN) zusammen. Die Mitarbeitenden der AT ,Learning Circles" arbeiten nun in dieser Organisation weiter.

I*EARN bietet teilnehmenden Schulen die Vermittlung von Schulpartnerschaften und die Benutzung der allgemeinen Kommunikations- und Projektstrukturen an. Neben direkten E-Mail Kontakten sind auch Kommunikationsangebote in allgemeinen Nachrichtenbrettern und projektbezogenen Brettstrukturen möglich.

Diese Angebote sieht der Copen Family Fund nur als Teil eines sich entwickelnden Systems von Projekten. So wird im Jahresbericht von 1993 die Entwicklung der stiftungseigenen Projekte vom 1988 gestarteten ,New York State/Moscow Schools Telecommunications Project" mit 24 teilnehmenden Schulen über das seit 1990 bestehende I*EARN beschrieben. Dieses Netzwerk ist seit 1992 Teil des ,PLANET" (People Linking Across Networks) Projektes und beide sind seit 1993 über das ,GLOBE" (Global Linking Over a Better Earth) Projekt mit anderen Organisationen verbunden. Alle Projekte werden durch ein internationales Sekretariat in den USA, Nationale Direktorien und ein internationales Direktorengremium verwaltet.

7.2.2.5 ,Global SchoolNet" (GSN)


Die Global SchoolNet Foundation ist eine professionelle ,non- profit" Organisation, die aus dem Projekt FrEdMail hervorgegangen ist. Sie existiert seit 1985 und bietet derzeit 76 Nach- richtenbretter an, in denen Projekte angeboten werden und Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler diskutieren und Informationen austauschen können.

Die Nachrichtenbretter umfassen:


Außerdem werden aus dem Internet und auch von Mailinglisten viele anderweitige Informationen zu Projekten in Nachrichtenbretter weitergeleitet :


sowie weitere Informations-Mailinglisten für Lehrkräfte.

GSN bietet Raum für neue Projekte, unterstützt laufende Projekte und stellt auch fremden Projekten Platz in Nachrichtenbrettern zur Verfügung. Die früheren FrEdMail-Projekte werden weitergeführt, so daß in diesem Bereich auf eine über zehnjährige Erfahrung gebaut werden kann. Beim GSN werden dabei sowohl reine Mailprojekte als auch Projekte mit neuesten Hilfs-mitteln, wie z.B. Videokonferenzen, betreut.

7.2.3 Naturwissenschaftliche Projektangebote


7.2.3.1 ,Science Across Europe"


Innerhalb der europäischen ,Association for Science Education" fand sich 1990 eine Gruppe von Lehrkräften aus zehn europäischen Staaten zusammen, die unter dem Projektnamen ,Science Across Europe" Materialien zu themenbezogenen Mailprojekten zusammenstellten.

Das Projekt `Science across Europeï ist bestrebt:


Derzeit wirken einige hundert Schulklassen aus über zwanzig europäischen Staaten an Projekten für 14-19-jährige Schülerinnen und Schüler mit, die sich mit den Themen ,Saurer Re- gen", ,Energieverbrauch zu Hause", ,Regenerative Energiequellen in Europa", ,Trinkwasser in Europa", ,Globale Erwärmung", ,Haus- und Sondermüll" und ,Ernährung" beschäftigen . Zu diesen Themen können die Teilnehmenden Informationsbücher mit Unter- richtsmaterialien und Anleitungen bestellen. Mit dieser Bestellung werden sie dann automatisch als Teilnehmende registriert, bekommen Zugang zur assoziierten Datenbank und erhalten regelmäßig die Zeitschrift ,News".

Die Projekte erfordern die Sammlung von Daten, die dann an andere Schulen und die Datenbank weitergegeben werden. Der zeitliche Rahmen wird pro Projekt mit etwa drei Unterrichtsstunden angegeben, möglicherweise inklusive einer vorbereitenden Hausaufgabe. Dabei sind zwei Stunden für die Datensammlung vorgesehen und eine weitere Unterrichtsstunde für die Auswertung eingegangener Informationen. Die Projektanleitungen sind in zehn Sprachen erhältlich, so daß die Projekte auch in der Muttersprache durchgeführt werden können.

7.2.3.2 ,Global Rivers Environmental Education Network" (GREEN)


Das GREEN entstand 1985 in Chicago und wird seit seiner deutschen Erprobungsphase 1990-91 in der Region Mittlerer Neckar bundesweit von der ,Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung" und dem Chemischen Institut Dr. Flad in Stuttgart koordiniert. Es handelt sich hauptsächlich um Fließgewässeruntersuchungen durch Schulen, Jugendgruppen, Behörden, Hochschulen und anderen Gruppen, die ihre gesammelten Daten untereinander austauschen. Die Kommunikation wird über eine von der Deutschen Telekom unterstützten Mailbox abgewickelt.

7.2.3.3 ,BioNet e.V."



Der deutsche BioNet e.V. ist aus einer Initiative des Verbandes Deutscher Biologen entstanden. Erste Aktionen (,BioNet") fanden im Jahre 1990 statt, der Verein ,BioNet e.V." wurde 1995 gegründet. Der ,BioNet e.V." fördert derzeit drei Projekte: ,AquaData", ,TerraData" und ,AeroData" (in Planung), die sich mit der Sammlung und Auswertung von Wasser-, Erd- und Luftdaten beschäftigen.

Die von den Schulen gesammelten Daten werden in den Nachrichtenbrettern des Offenen Deutschen Schulnetzes (/SCHULE/UMWELT/AQUADATA und /SCHULE/UMWELT/TERRA-DATA) veröffentlicht.

7.2.3.4 ,Global Learning and Observations to Benefit the Environment" (GLOBE)


GLOBE ist ein vom US-Vize-Präsidenten Al Gore initiiertes Projekt. Die deutsche Koordination obliegt nach Beschluß der Kultusministerkonferenz dem chemischen Institut Dr. Flad, welches die Teilnahme dreißig deutscher Schulen seit dem Frühjahr 1995 koordiniert. In Zusammenarbeit mit der NASA , UCAR und der DLR sollen Schülerinnen und Schüler von der Beobachtung und Beschreibung ihrer direkten Umwelt (Wasser, Klima, Luft, Boden) unter Miteinbeziehung wissenschaftlicher Daten zu einem globaleren Verständnis der ökologischen Zusammenhänge gelangen. Die Teilnahme am Projekt erstreckt sich über drei Jahre.

Beim GLOBE-Projekt hoffen die Initiatoren, auf die Erfahrungen und Materialien der BioNet-und GREEN-Projekte zurückgreifen zu können.


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