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Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
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Internet und Unterricht


1 Einleitung

1.1 Vorbemerkung

Fast möchte man meinen, wir näherten uns paradiesischen Zuständen: Computer sind in nahezu allen Schulen vorhanden, über das Offene Deutsche Schul-Netz ist ein extrem kostengünstiger Zugang zum Internet möglich, die Kultusministerien der meisten Bundesländer unterstützen vielfältige telekommunikative Aktivitäten. Was also wollen wir denn eigentlich noch?

Inwiefern die von Reinhard Donath geschilderten ,paradiesischen Zustände" überhaupt zutreffen und welche realistischen Chancen der Einsatz von Datenfernübertragung (DFÜ) heute im Unterricht hat, möchte ich mit dieser Arbeit untersuchen. Genauer werde ich mich mit den Möglichkeiten für die Einbindung von Electronic Mail (E- Mail) und Netnews (News) in den sozialkundlichen Unterricht an Gymnasien in Niedersachsen beschäftigen.

Nach einigen Grundüberlegungen zum Einsatz von Computern und Telekommunikation in der Schule werde ich einige Grundelemente der Datenfernübertragung erläutern, um anschließend den Stand der Schulvernetzung in der Bundesrepublik Deutschland darzustellen. Hierzu zeige ich die Entwicklung der bildungspolitischen Vorgaben zum Thema ,Einbindung der `Neuen Technologien in den Unterricht" anhand der niedersächsischen Modellversuche auf.

Weiterhin untersuche ich die direkten Vorgaben für den Unterricht: die Rahmenrichtlinien. In diesen wird der Eindruck vermittelt, als seien Telekommunikationsprojekte im Unterricht erwünscht und würden stark gefördert. Anhand der Beschreibung des Einsatzes von DFÜ an Göttinger Schulen wird deutlich, daß dies jedoch nicht der Fall ist.

Durch die dann folgenden theoretischen Erläuterungen zu E-Mail- Projekten soll gezeigt werden, wie wichtig und ergiebig der Einsatz dieser neuen methodischen Möglichkeit im Unterricht ist. Eine Auswahl aus der Vielzahl existierender Projektangebote soll darstellen, daß dieses Medium derzeit schon häufig genutzt wird und der Einstieg nicht schwer ist.

1.2 Computer in der Schule



Die eher kritischen Haltung gegenüber der Mikroelektronik in den siebziger Jahren weicht derzeit einer allgemeinen Euphorie. Die ,Beobachtungen oszillieren zwischen den beiden Extremen einer vorbehaltlosen Euphorie und einem hoffnungslosen Pessimismus" .

Nur selten wird die Zukunft als ,Horrorvision einer entkörperten Gesellschaft, einer glücklich bedröhnten Cybercommunity, deren zwischenmenschliche Kontakte nur mehr über das Computernetz funktionieren" gesehen und Computer als ,rätselhaftes Fabeltier" bezeichnet, die nur von Mitgliedern einer ,engprofilierten `Priesterkastei, der Programmierer" bedient werden können.

Des öfteren erscheinen Meldungen, die die Veränderungen durch die Verwendung der Mikroelektronik und besonders die neuen Möglichkeiten der Telekommunikation als ,Umbruch [bezeichnen], der wohl revolutionärer sein wird, als der von der Agrar- zur Industriegesellschaft" .

Anfänglich beachtete Probleme der Nutzung von Computern, wie z.B. das des Datenschutzes , die Angst vor dem ,gläsernen Menschen" oder vor der Verarmung zwischenmenschlicher Beziehungen werden nur noch selten erwähnt. Derzeit ist der neue telekommunikative und multimediale Aspekt der Computertechnik in aller Munde.

Diese Entwicklung hat sowohl positive als auch negative Seiten. Positiv ist zu bewerten, daß die derzeitigen Einschätzungen der Möglichkeiten der Mikroelektronik auf größerer Praxiserfahrung beruhen. Eine Studie des Landes Nordrhein-Westfalen wies schon 1981 nach, daß die Meinungen der Untersuchten in Bezug auf Computernutzung und -anwendung weniger polarisiert waren als zuvor. Die Entwicklung der Computer und ihre Nutzung wurden als Ergebnis vielschichtiger gesellschaftlicher Prozesse gesehen. Dieser ,erweiterte Technikbegriff" , der den Einsatz von Computern als von menschlichen Entscheidungen beeinflußbar oder sogar abhängig begreift, setzt sich zunehmend durch.

Dies mag zum Teil auch an der zunehmenden Verbreitung der Computeranwendung im öffentlichen Leben und im Privatbereich liegen. Im Jahre 1980 lag der Ausstattungsgrad der deutschen Privathaushalte mit PCs noch bei 0%, im Jahre 1988 dagegen schon bei 14,4%. Derzeit haben 30% aller Grundschulkinder einen PC im Kinderzimmer . Für das Jahr 2010 werden 29 Millionen Standard-PCs in deutschen Haushalten (80%) und 22 Millionen multimediafähige PCs (60%) prognostiziert.

Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Computer sind auch im privaten Bereich ein gerngesehenes Hilfsmittel, da sie komplizierte Rechenvorgänge in kürzester Zeit bewältigen können. Der ,Computer wird zum vertrauten Bestandteil der gewohnten Alltagsumgebung" . Er wird nicht mehr als übermächtiges, eigenständiges ,Fabelwesen" gesehen, sondern zunehmend als Mittel zum Zweck. Die ,Bildungsinitiative Informatik und Kommunikation" spricht davon, ,den vernetzten Computer als Werkzeug und Medium kulturell zu integrieren" .

Im negativen Sinne kann die zunehmende Gewöhnung an Computer einen unkritischen Umgang mit Daten hervorrufen. Es sollte daher darauf geachtet werden, daß sich die schon entwickelten und dem technischen Standard entsprechenden Vorgehensweisen der Datensicherheit und des persönlichen Datenschutzes etablieren und auch gesetzlich festgehalten werden.

Diesen gesellschaftlichen Entwicklungen sollte die Schule gerecht werden, damit die Schülerinnen und Schüler von heute und damit die Bürgerinnen und Bürger von morgen auf die veränderten Gegebenheiten vorbereitet werden, denn Medien nehmen heute eine zentrale Stellung in der privaten und beruflichen Lebenswelt sowie in der öffentlichen Meinungsbildung ein und beeinflussen, prägen und strukturieren nachhaltig die Erfahrungen eines jeden einzelnen - vor allem aber der Kinder und Jugendlichen.

Die Schule sollte den Schülerinnen und Schülern durch praktische Erfahrung die Möglichkeit des pädagogisch angeleiteten Kennenlernens der neuen Technologien bieten, da Medienverhalten [...] bereits im Kleinkindalter - gerade auch durch das Beispiel der Eltern - erlernt, strukturiert und verfestigt [wird]. Deshalb ist die rechtzeitige Einfluánahme auf den Umgang mit den Medien von besonderer Bedeutung. [...] Medienpädagogik in der Schule hat bereits deutlich ausgeprägte Wahrnehmungsgewohnheiten aufzuarbeiten.

Erste Erfahrungen mit Computern sollten unter Aufsicht und daher geordneter gesammelt werden. Jill Ellsworth fordert, ,Kindern sicheres `telekommunizieren; näherzubringen, bevor Tastatur und Modem in unbeaufsichtigter Umgebung zugänglich werden" .

Abgesehen von dieser erzieherischen Motivation zur Einführung der Computer in der Schule sprechen viele Menschen in diesem Zusammenhang vom Erlernen einer neuen ,Kulturtechnik" und warnen vor drohendem ,informellen Analphabetismus" . Der Begriff ,Kulturtechnik" wird hier analog zu den in der Schule bisher vermittelten Grundtechniken Rechnen, Lesen und Schreiben verwendet und meint die Notwendigkeit der Vermittlung von grundlegenden Arbeitstechniken mit dem Computer, da Menschen ohne solche Kenntnisse in Zukunft nicht mehr alle gesellschaftlichen Chancen offen sind. Hierher rührt auch der Ausdruck ,informeller Analphabetismus", da angenommen werden muß, daß Menschen ohne PC-Kenntnisse in der neuen ,Informationsgesellschaft" bei Beschaffung und Verarbeitung von Informationen stark benachteiligt sein werden.

In den Aufrufen zur Förderung der Entwicklung der Technikschulung verbinden sich individuelle Ängste um fehlende Zukunftschancen mit politischen Befürchtungen der Entwicklung einer neuen ,Zwei- Klassen-Gesellschaft" und der industriellen Furcht vor einer Bundesrepublik Deutschland ohne wirtschaftlich nutzbares Potential.

Aufgrund dieser Vermischung von Beweggründen sollte darauf geachtet werden, kulturelle Werte nicht nur über die Handhabung von Maschinen zu beurteilen. Auch durch übermäßige Euphorie sollte keine weitere gesellschaftliche Abwertung weiterhin wichtiger Fähigkeiten, wie z.B. handwerklicher Tätigkeiten, entstehen.

Anzustreben ist ein Heranführen an den Computer als Medium, welches in bestimmten Bereichen des Lebens von Vorteil und in anderen Lebensbereichen mittlerweile auch unumgänglich ist (z.B. elektronische Kassen im Supermarkt, elektronische Ausleihverfahren in Bibliotheken, etc.). Ohne Einführung in diese Techniken haben die Schülerinnen und Schüler von heute nicht die notwendigen Voraussetzungen zum gesellschaftlichen Erfolg. Die Schülerinnen und Schüler sollten lernen, mit den heutigen Informationsangeboten, und daher auch mit Computern sinnvoll umzugehen und sie für sich zu nutzen. Der Berliner Professor Peter Diepold spricht in diesem Zusammenhang von einem Durst nach Wissen, wobei der Wissenssuchende in Daten zu ertrinken droht. Die Schule sollte daher nicht nur an die Informationsquellen heranführen, sondern die Schülerinnen und Schüler auch befähigen, sie sinnvoll zu nutzen und zu bewerten.

Auch hier möchte ich vor überzogenen Erwartungen warnen. Ich bin nicht der Ansicht, daß durch den Einsatz von Computern im Unterricht die Lehrkräfte und die gesamte Institution Schule abgeschafft werden kann und stimme daher mit dem bekannten Computer-Kritiker Prof. Dr. Joseph Weizenbaum überein, der die Erwartungen an die Einsatzmöglichkeiten der neuen Technologien im Bildungsbereich in einem Interview als ,völlig überzogen" darstellt.

Computer und telekommunikative Anwendungen sollten bewußt als Medium im Unterricht eingesetzt werden und nicht als Unterrichtsersatz. Die Schule sollte dies akzeptieren und sich in Lehrplan und -angebot darauf einstellen.

1.3 Telekommunikation in der Schule



Telekommunikation oder Datenfernübertragung ist ein geeigneter Nutzungsbereich von Computern, um Schülerinnen und Schüler mit dem Computer vertraut zu machen. Im Gegensatz zur üblichen Nutzung eines PCs, die sich meist auf die Interaktion zwischen Mensch und Maschine beschränkt (z.B. in Lern- oder Textverarbeitungsprogrammen), steht bei der Telekommunikation der PC im Hintergrund. Kommunikationspartner ist ein menschliches ,Gegenüber". Der Computer fungiert nur als Übertragungsmedium für die stattfindende menschliche Kommunikation. Durch die Telekommunikation wird der Computer also gleich in seiner pädagogisch wünschenswerten Funktion als Hilfsmittel eingesetzt.

Die Telekommunikation bietet die Möglichkeit, Inhalte der informationstechnologischen Grundbildung (ITG), die seit längerer Zeit als Ziele für allgemeinbildende Schulen formuliert sind , praktischer handhabbar zu machen. Die Schülerinnen und Schüler haben nicht mehr das Gefühl, den Umgang mit dem PC nur um seiner selbst willen zu lernen, sondern sehen sofort neue und motivierende Ergebnisse, die sie ohne dieses Hilfsmittel nicht erreichen könnten.

Weiterhin kann Telekommunikation problemlos dem Entwicklungsgrad der Kinder und Jugendlichen entsprechend eingesetzt werden. Die Schülerinnen und Schüler können neben inhaltlichen Diskussionen auch den ihnen ihrer Entwicklung entsprechend wichtigen Aspekte der zwischenmenschlichen Kommunikation innerhalb dieser neuen Möglichkeiten austesten.

1.4 Telekommunikation im sozialkundlichen Unterricht



Neben der eingangs erwähnten Einschränkung der Berufschancen der Schülerinnen und Schüler hat eine fehlende Ausbildung im computertechnischen und besonders im telekommunikativen Bereich auch politische Implikationen.

Der Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Rüttgers, sagte dazu kürzlich in einem vom Herrn Kubicek aus den Bertelsmann Briefen zitierten Interview mit der Überschrift ,Es darf keine zwei Klassen in der Informationsgesellschaft geben":

Schon jetzt, aber in absehbarer Zeit noch viel stärker, wird es gegen relativ geringe Gebühren möglich sein, in internationalen Netzen auf Informationen aller Art zuzugreifen. Damit wären Lehrende und Lernende einer unendlichen, sich täglich ändernden Daten- und Informationsflut von sehr unterschiedlicher Güte ausgesetzt, die einer fachlichen Bewertung, einer didaktischen Auswahl und pädagogischer Verknüpfungen bedarf, um zum Beispiel im Unterricht eingesetzt werden zu können. Diese Situation der ungefilterten Datenflut wird auf uns alle zukommen. Ich appelliere deshalb an die Schulen: Übt die Kunst des Recherchierens in solchen Datenbanken, lehrt das Auswählen der geeigneten Materialien und deren Bewertung. Es ist aber bisher schon die klassische Aufgabe der Schulen, zumindest in der Oberstufe, auf das spätere wissenschaftliche Arbeiten vorzubereiten. Es darf zu keiner Zwei-Klassen- Gesellschaft kommen: solche, die alle Informationsmöglichkeiten nutzen können und solche, die in der Datenflut ertrinken.

Die Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) fordert in ihrer Erklärung zur Medienpädagogik in der Schule vom 31. Mai 1995, daß ,Medienpädagogik die Schülerinnen und Schüler zu einem sachgerechten, selbstbestimmten und sozial verantwortlichen Umgang mit den Medien befähigen muß" . Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, ,sich in der Medienwelt zurechtzufinden" . Weiterhin muß ihnen die Fähigkeit vermittelt werden, diese Vorgänge kritisch im gesellschaftlichen Zusammenhang zu beurteilen. Dies soll den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, als mündige Bürgerinnen und Bürger mit Medien produktiv und selbstbewußt auch zur Durchsetzung eigener Ziele umzugehen.

Schülerinnen und Schüler müssen, neben der praktischen Handhabung der Computer (,Kulturtechnik"), die politischen Implikationen der Technisierung der Gesellschaft erkennen lernen, um sich der Gefahr der Teilung der Gesellschaft in ,Informationsarme und -reiche" bewußt zu werden.

Die KMK fordert die Integration dieser Lernziele in Richtlinien und Lehrpläne, wobei zur Umsetzung in der Schule flexible Unterrichtsorganisation und projektorientiertes Arbeiten empfohlen werden. Von der Schule und den Lehrkräften wird eine ,grundsätzliche Offenheit gegenüber der Medienwelt" gefordert, insbesondere ,Fähigkeit zur Beobachtung von Mediengewohnheiten und Denk- und Wahrnehmungsformen der Schülerinnen und Schüler [und] praktisch-gestalterische Kompetenzen und eine entsprechende Methodenkenntnis" .

So soll eine ganzheitliche Bewertung der Möglichkeiten und Gefahren der Computernutzung ermöglicht werden. Bevor ich zu einer Darstellung der derzeitigen schulischen Gegebenheiten übergehe, sollen im Folgenden zuerst einige Grundlagen der Datenfernübertragung erklärt werden.


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