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Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchule.html (YY-MM-DD)

dar. Damit soll den userInnen die Nachprüfbareit der Originalquellen ermöglicht werden, die im internet aufgrund der Dynamik des Entstehens und Vergehens von pages selten möglich ist. Das Original findet sich unter der jeweils angegebenen WWW-Adresse; eventuell vorhandene lokale links wurden entfernt. (WS)


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12. Portale zum Internet

Suchdienste (Suchmaschinen, Kataloge) sind kostenlos zu benutzen, da sie sich - wie viele andere Angebote im WWW - aus Werbeeinnahmen finanzieren. Da die Einnahmen aus den Werbebannern auf den Suchdienst-Seiten von der Anzahl der Besucher und deren Klicks abhängt, versuchen die Suchdienst-Betreiber, viele Interessenten anzulocken und sie zum längeren Verweilen zu verführen.

Ein Excite-Vizepräsident: "Suchmaschinen sind wie Bahnhöfe und Flughäfen - viele benutzen sie, halten sich aber dort nach Möglichkeit nicht lange auf. Excite will das für sich ändern und zu einem Online-Dienst werden."

Was sich auf diesem Sektor tut, beschrieb das Handelsblatt so: "Suchmaschinen, die nur suchen, sind passé. Zunehmend wandeln sich die unverzichtbaren Helfer zu prall gefüllten Infocentern, deren Register, Guides und Channels kaum noch Wünsche offen lassen: Sie begrüßen uns mit Namen, liefern zum Frühstück den aktuellen Wetterbericht für die Region, verfolgen die Aktienkurse und kennen unsere Hobbies. Ein aktueller News-Ticker gehört ebenso dazu wie der Schnäppchen-Führer. Wem bei dieser Fülle noch Zeit bleibt, der kann die ,Cool Sites of the Day` besuchen oder endlich seine Suche starten."

Die neueste Bezeichnung für eine solche massive Ansammlung von Internet-Angeboten ist "Internet-Portal".

Diese Pforten/Tore zum WWW und darüber hinaus in andere Bereiche des Internet offerieren damit nun fast alles, was auch ein traditioneller Online-Dienst wie America Online, Compuserve oder T-Online bietet. Der wichtige Unterschied: Die Angebote der neuen Portale sind kostenlos.

Aber nicht nur durch Erweiterung ihrer Angebote, sondern auch durch Kooperationen versuchen die Suchdienste, weitere Besucher anzulocken.

Yahoo, der von den Aufrufzahlen her (2 Mio. pro Tag) beliebteste Suchdienst weltweit, ist im März dieses Jahres eine Allianz mit der amerikanischen Telefongesellschaft MCI eingegangen: Jeder US-Kunde, der bei MCI einen Internetanschluß beantragt, erhält Yahoo als seine Startseite im Internet.

Eine ähnliche Allianz besteht seit kurzem zwischen dem Telefonriese AT&T und dem Suchmaschinenbetreiber Lycos.

Portale von Microsoft und Netscape: Start und Netcenter

Doch nicht nur Suchmaschinen-Betreiber drängen in den Online-Markt mit Portalen: Dabei sind z. B. auch die Entwickler der beiden führenden WWW-Browser, Microsoft und Netscape, die jeweils ihre Firmen-Homepage als Standard-Homepage in ihre Browser eingebaut haben und allein dadurch schon viele Besucher bekommen.

Microsoft ist mit seinem weltweiten Online-Dienst MSN wohl gescheitert. Der einst umfangreiche Service von MSN wurde auf wenige Grundangebote abgespeckt, die kostenlos auf der Microsoft-Homepage zu haben sind. Auf dieser Homepage - und nicht auf einer eigenen Seite - will MS auch seine schon vor langem angekündigte Suchmaschine anbieten. Derzeit gibt es bereits eine Beta-Version dieses Portals mit dem Namen "internetStart", allerdings noch mit der Suchmaschine Infoseek und noch nicht - wie zum Jahresende geplant - mit der MS-eigenen Suchmaschine, die vom Suchdienst Inktomi beliefert werden soll: http://home.microsoft.com

Netscape hat seine Homepage "Netcenter", die täglich 1 Mio. Besucher zählt, ebenfalls aufgerüstet. Als Suchmaschine wird hier zwei Jahre lang Excite auf exponiertem Platz angeboten, wofür Excite 70 Mio. DM zahlt: http://home.netscape.com

Ab der Version 4.5 können Sie Suchanfragen auch in der bisher nur URLs vorbehaltenen Navigator-Box "Location" bzw. "Adresse" eingeben. Auf die Suche geht dann Excite.

Kaufen, kaufen, kaufen ...

Während also die Suchdienste versuchen, immer mehr Besucher anzulocken, werden mit der Aussicht auf steigende Umsätze Börsianer und Medienunternehmungen angelockt.

Die Aktien von Yahoo, Lycos, Infoseek und Excite klettern und klettern. Allein der Börsenwert von Yahoo ist, lt. einer Meldung der Wirtschaftswoche, seit Anfang des Jahres um 78 % auf 5,4 Milliarden Dollar gestiegen. Damit ist die kleine Internetfirma mehr wert als die Firma Apple mit $ 4 Mrd. oder die US-Kaufhauskette Woolworth mit $ 2,9 Mrd. Und das bei einem Umsatz von Yahoo im letzten Geschäftsjahr von nur $ 67 Mio., etwa 1 % des Geschäftsvolumens von Apple oder Woolworth. Die Marktanalysten erwarten also eine blendende Zukunft für die Suchdienste-Firmen.

Die Medienkonzerne drängen zu den Suchmaschinen

Die Medienunternehmen wollen sich nicht damit zufriedengeben, auf den meistbesuchten Seiten Werbebanner zu schalten, sondern sie wollen Querverweise zwischen ihren (z. T. auch kostenpflichtigen) Angeboten installieren und die direkte Anbindung an Millionen von Kunden, einschließlich Rückkanal mit Möglichkeiten wie etwa Bestelltransaktionen realisieren, wozu ein möglichst exaktes Wissen um die Interessen der Besucher gehört. Deshalb steigen sie massiv ein, um Einfluß und Zugriff zu den User-Daten zu gewinnen.

"Wer die Suchmaschinen kontrolliert, kontrolliert das Internet", so der derzeitige Bertelsmann-Vorstand und designierte Chef, Thomas Middelhoff. Bertelsmann ist Betreiber des deutschen Lycos-Ablegers und - über die Tochter Gruner + Jahr - der eigenen Systeme Fireball und Paperball. Deshalb sind Firmen auch bereit, viel Geld für den Kauf bzw. die Beteiligung an einem Suchdienst auf den Tisch zu legen: Der kalifornische Unterhaltungskonzern Walt Disney hat Mitte 1998 für 43 % der Aktien der US-Suchmaschine Infoseek $ 900 Mio. bezahlt, nachdem er die Übernahme von Excite wegen überhöhter Forderungen fallengelassen hatte.

Ein Anteil von 19 % an dem erst wenige Monate alten Katalog Snap (http://www.snap.com/) des Konzerns c|net war dem Fernsehsender NBC, der zu General Electric gehört, 5,9 Mio. Dollar wert - mit der Option auf 100 % für 165 Mio. $.

Der größte Medienkonzern der Welt, Time Warner, der wohl als erster ein Portal anbot (http://www.pathfinder.com/), soll an der Übernahme von Excite interessiert sein.

Auch in Deutschland tut sich etwas: Noch in diesem Jahr soll eine Suchmaschine namens InfoSeek Deutschland starten. Eine entsprechende Gesellschaft wurde bereits gegründet. Mit jeweils 25 % sind beteiligt: Die Telekom mit T-Online, die Holtzbrinck-Gruppe (Handelsblatt, Die Zeit, Rowohlt, Schroedel), der Axel-Springer-Verlag und die amerikanische InfoSeek-Muttergesellschaft.

T-Online bietet bisher seinen 2 Mio. Abonnenten die Suchmaschine Fireball der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr an, wird aber nach Produktionsaufnahme die neue Suchmaschine InfoSeek Deutschland auf seiner Startseite präsentieren.

"Wenn Fischmehlproduzenten im Internet die Netze auswerfen"

Zum Thema Portale wußte die Frankfurter Rundschau unter der obigen Überschrift folgende Geschichte beizusteuern:

"Der Fischmehlproduzent Zapata aus Houston überraschte kürzlich sowohl Kutterkapitäne als auch die Computer-Branche. Unter dem auf Zap verkürzten Namen wolle sein Unternehmen aus den amerikanischen Häfen ins Internet segeln und die Suchmaschine Excite für knapp $ 1,7 Mrd. übernehmen, kündigte Avram Glazer an. Doch der Firmenchef hatte kein Anglerglück. Der Excite-Vorstand war überrascht, dann lachte er, das Zapata-Netz blieb leer.

Der angepeilte Branchenwechsel des Fischmehlherstellers war vielleicht der kurioseste Vorstoß in jüngster Zeit, doch er ist bezeichnend für den neuen Run aufs Internet. Diesmal geht es um ,Portals`, die Eingangstore ins World Wide Web."

Kritik aus der Wissenschaft

Massive Kritik an der Kommerzialisierung der Suchdienste übt Traugott Koch von der Universitätsbibliothek Lund/Schweden, langjähriger Beobachter der Suchdienste und Mitarbeiter im EU-Projekt DESIRE (Development of a European Service for Information on Research and Education), http://www.ub2.lu.se/desire/.

Wir zitieren aus einem Vortrag (http://www.ub2.lu.se/tk/demos/DGD97.html), den er schon 1997 hielt:

"Die Neuentwicklung von fortgeschrittenen Suchmöglichkeiten und Angeboten geschieht nicht mehr aus wissenschaftlich/experimentellen Gründen, sondern aus Konkurrenzgesichtspunkten auf dem kommerziellen Massenmarkt. Die Betreiber versuchen, Überschüsse durch Lizensierung, joint ventures und immer raffiniertere Reklamemethoden zu erzielen. Eine der Konsequenzen dieses Prozesses ist eine zunehmende Ähnlichkeit der Dienste und Funktionen, eine Betonung der Größe der Datenbank, des hohen Recalls beim Retrieval, der Unterhaltungsangebote und Anwendungsoberflächen für die Konsumenten des Massenmarkts. Man optimiert ganz einfach die Bedingungen für den Anzeigenverkauf.
...
Für Nutzergruppen wie z. B. den europäischen akademischen Sektor bringen die großen kommerziellen Dienste auch in der näheren Zukunft eine Reihe von Nachteilen mit sich, die alternative Lösungen (wie u. a. in unserem EU Projekt DESIRE versucht) rechtfertigen:

Die kommerzielle Orientierung am internationalen Massenmarkt und die Konkurrenz um Reklamegelder machen diese Dienste für den Forschungs- und Ausbildungsbereich weniger geeignet. Eine Stabilität über einen längeren Zeitraum hinweg ist keinesfalls garantiert oder auch nur wahrscheinlich. Objektivität und Vertrauenswürdigkeit werden von gewinnerhöhenden Maßnahmen zunehmend untergraben (vgl. den Verkauf von Rangplätzen in Suchergebnissen durch Open Text oder die umsichgreifende Verknüpfung von gezielter Reklame mit Suchfragen). Wer kann unter diesen Umständen den Reviews, Ratings oder gar Qualitätsauswahlpraktiken solcher Dienste trauen?

Die Dienste sind nicht an Nutzergruppen wie den akademischen Sektor angepaßt, für dessen Bedürfnisse bestimmte Dokumententypen im Netz prioritiert werden und verbesserte Retrievalmöglichkeiten für sowohl ausschöpfende als auch präzise Suche angeboten werden müßten.
....
Aus wahrscheinlich kommerziellen Gründen liegt die Betonung bei allen Systemen auf hohem Recall. Für den akademischen Bereich sind bei großen Datenbanken aber in weit größerem Ausmaß Precision erhöhende Funktionen nötig."

Quellen: Handelsblatt, Frankfurter Rundschau, Internet World, Die Welt, Wirtschaftswoche, Search Engine Watch.

Dieser Artikel ist bei der Aktualisierung unserer Schrift "Suchen & Finden im Internet" entstanden, die wir jetzt in der dritten Auflage vorlegen (siehe Artikel in dieser BI).


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