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Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
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6. Geschlechtsspezifische Aspekte der Computernutzung

In unserer technologisch formierten Welt sind die Aneignung von Fertigkeiten im Umgang mit dem Computer sowie von Wissen über Computer und Computerisierung immer mehr gefragt. Der Grund liegt vor allem darin, daß heute eine solche (Aus)bildung in vielen Berufssparten eine Grundbedingung für eine qualifizierte Erwerbsarbeit ist. Darüber hinaus ist eine gewisse Mindestkompetenz in Computer-belangen auch eine wichtige Voraussetzung für eine aktive Teilnahme an der öffentlich-politischen Diskussion über die zukünftige Gestaltung weiter Bereiche der Gesellschaft. Wie verschiedene Studien zeigen, stehen Mädchen nicht nur Mathematik, Naturwissenschaften und Technik im allgemeinen distanzierter gegenüber als Buben, auch das Verhältnis zum Computer weist solche geschlechtsspezifische Unter-schiede auf. Mädchen haben im Schnitt eine weniger positive Einstellung zum Computer und betrachten insbesondere den gesellschaftlichen Nutzen der technologischen Entwicklung skeptischer als Buben.

Mädchen nutzen Computer noch immer weniger als Buben. Mangel an Vorbildern.

Diese Einstellungsdifferenz ist u.a. auch im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der Computernutzung zu sehen. Mädchen haben zu Hause seltener Zugang zu einem eigenen Gerät und verbringen u.a. deswegen weniger Freizeit am Computer. Zu berücksichtigen ist dabei, daß viele Computerspiele - die hauptsächliche außerschulische Beschäftigung mit dem Computer ist Spielen - von der Rahmenhandlung und dem Aufbau her mehr auf männliche Benutzer zugeschnitten sind als auf weibliche.

Die internationale Vergleichsstudie "Computer im Bildungswesen" (COMPED), die auf einer Datensammlung an mehr als 1000 Schulen, Testung von ca. 10.000 Schülerinnen und Schülern sowie auf einer Befragung von 5000 Lehrkräften beruht, ergab für Österreich folgendes Bild:

  • Mädchen haben deutlich weniger Spaß und Interesse an Computern (69% der Knaben, aber nur 41% der Mädchen macht das Arbeiten mit Computern Freude, bei 18jährigen Mädchen sinkt die Rate auf 27%).
  • Mädchen verwenden auch deutlich seltener Computer und meiden eher den Freigegenstand Informatik.
  • Es fehlen weibliche Vorbilder in der Schule: Nur 13% der Computerkoordinatoren und 19% der Informatiklehrkräfte sind weiblich, bei einem Anteil von 69% Lehrerinnen in allgemein-bildenden Schulen.
  • 90% der Nichtanwender-Lehrkräfte geben zu, sie verfügen nicht über das notwendige Wissen für den Computereinsatz, und etwa ein Drittel aller Lehrpersonen hat bisher nicht einen einzigen Computerkurs absolviert, davon sind drei Viertel Frauen.

Wesentlich an diesen Ergebnissen ist, daß Mädchen mit anderen Voraussetzungen den schulischen Computerunterricht beginnen als Buben. Da es die unverzichtbare Aufgabe der Schule ist, beide Geschlechter zum gleichen (Aus)bildungsniveau zu führen, ist sie bei der Durchführung der informationstechnischen Grundbildung sowie der anderen Angebote im Bereich Informatik/EDV in besonderer Weise gefordert. Inhaltliche wie methodisch-didaktische Überlegungen zur Gestaltung des Unterrichts müssen die unterschiedlichen Eingangsvoraussetzungen entsprechend berücksichtigen.

Es sei betont, daß damit nicht einem Modell "Nachhilfeunterricht für die schwächeren Mädchen" das Wort geredet wird. Einstellungen und Verhaltensweisen von Mädchen - Untersuchungen weisen beispielsweise auf, daß Mädchen am Computer einen eher "planerischen" Problemlösungsstil bevorzugen - sind nicht grundsätzlich als defizitär zu werten; oder umgekehrt formuliert: Die Buben sind nicht die Norm, an die es die Mädchen anzugleichen gilt. Aufgabe des Unterrichts in diesem Bereich ist es vielmehr, vielfältige Zu- und Vorgangsweisen zu akzeptieren und ein Lernen der Geschlechter voneinander zu ermöglichen.

Dabei ist es wichtig, Stereotypisierungen wie "Computer sind nichts für Mädchen" oder "Mädchen sind für das Programmieren weniger begabt als Buben" o.ä. aufzubrechen. In der Diskussion über mädchenfördernde Maßnahmen wird auch die Einrichtung reiner Mädchengruppen in Informatik/EDV erörtert. Die Erfahrungen damit an deutschen Schulen sind allerdings nicht so positiv, daß darin ein empfehlenswerter Ansatz gesehen werden könnte.

Es fehlen mädchenspezifische Angebote. Stereotype sollten abgebaut werden. Benachteiligung der Mädchen. Arbeitsgruppe für "Mädchen und Technik".

Es besteht die Gefahr der Abwertung der Mädchengruppen. Eine österreichische Untersuchung (Nr. 7 in der Aufstellung am Ende dieses Beitrags) - die zu einer anderen Fragestellung durchgeführt wurde -, läßt ebenfalls diesen Schluß zu, da dort Absolventinnen von reinen Mädchenklassen an koedukativen Schulen über signifikant schlechtere Schulerfahrungen (zum Beispiel weniger Engagement seitens der Lehrkräfte) berichteten als ihre Kolleginnen aus koedukativen Klassen und aus Mädchenschulen.

Im BMUK wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Erarbeitung von Vorschlägen für einen mädchengerechten Unterricht, mit der Sammlung und Aufarbeitung einschlägiger in- und ausländischer Forschungsarbeiten sowie mit der Erstellung von Vorschlägen für die Fortbildung der Lehrkräfte auf diesem Gebiet befaßte. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden in der Broschüre "MUT" ( = Mädchen und Technik) publiziert, die in der Abteilung Präs.3 kostenlos erhältlich ist.

Zudem haben die ausländischen Studien das BMUK veranlaßt, einschlägige Forschungen in Österreich in Auftrag zu geben. Das Ergebnis der unmittelbar auf den Informatikunterricht und die informationstechnische Grundbildung bezogenen Arbeiten (Nr. 5 und Nr. 6 in der Auflistung unten) wird im folgenden vorgestellt.

Es zeigte sich, daß auch in Österreich Mädchen aufgrund der beschränkteren häuslichen Möglichkeiten bei ihren computerbezogenen Aktivitäten in viel größerem Maß als Buben auf den Schulcomputer angewiesen sind. Im Interessenspektrum sind verglichen mit aus-ländischen Untersuchungen weniger geschlechtsmäßige Unterschiede vorhanden. Dies bedeutet insbesondere, daß Mädchen nicht deutlich weniger an Programmiersprachen und Betriebssystemen interessiert sind, aber auch nicht soviel mehr an der Thematisierung von Einsatz-möglichkeiten und sozialen Auswirkungen der Computertechnologie.

In den Antworten auf diesen Fragenkomplex kamen (wiederum) die unterschiedlichen Vorerfahrungen der beiden Geschlechter zum Ausdruck: Mädchen gaben ganz allgemein an, den "Umgang mit dem Computer" oder etwas über "die Funktionsweise" lernen zu wollen, während Buben diesbezüglich bereits viel detailliertere Angaben machten. Bestätigt wurde auch das größere Unbehagen der Mädchen und Frauen mit der technologischen Entwicklung.

Mädchen sind eher auf den Schulcomputer angewiesen. Unterschiedliches Sozialverhalten bei der Computernutzung von Mädchen und Buben.

Unterschiede zeigten sich zudem im Sozialverhalten bei der Computernutzung - Mädchen bevorzugten stärker die Teamarbeit - sowie in der Art der Problemlösung am Computer. Die Mädchen versuchten eher, wenn der Unterricht den Schülerinnen und Schülern genügend Raum für eigenständiges Arbeiten ließ, vor dem Tätigen der Eingaben in den Computer ein Gesamtkonzept für die Lösung zu entwerfen, anstatt - wie es die Buben bevorzugten - beim Vorhanden-sein einer ersten Lösungsidee bereits mit den Eingaben zu beginnen und die Lösung dann über die ständige Veränderung der Teillösungen zu erreichen.

Aufweisbar war auch eine unterschiedliche Beteiligung von Mädchen und Buben am Unterricht. So verwendeten beispielsweise vor allem die Buben die Versuch und Irrtum-Strategie zur Beantwortung von Fragen der Lehrkraft; und es waren auch Buben, die die Vortragsphasen der Lehrkraft mit kommentierenden Bemerkungen begleiteten.

Geht man davon aus, daß die Unterrichtsbeteiligung wesentlich zu dem Eindruck beiträgt, den die Lehrkräfte von der fachlichen Kompetenz ihrer Schülerinnen und Schüler gewinnen (der sich dann auch in der Notengebung niederschlägt), so ist anzunehmen, daß die Mädchen durch ihr bedächtigeres Vorgehen und ihre größere Zurückhaltung im Klassengespräch als weniger interessiert und sachverständig erscheinen. Dies dürfte oft zu Unrecht der Fall sein, da mit gutem Grund angenommen werden kann, daß die beobachteten Unterschiede bloß außerschulisch erworbene, geschlechts-spezifische Problembearbeitungs-und Kommunikationsstile ausdrücken.

Diesbezügliche Unterschiede konnten auch schon im Mathematikunterricht festgestellt werden (vgl. Studie Nr 4) : Mädchen handelten anders, als es die Lehrkräfte erwarteten, ließen sich weniger von ihnen leiten, beispielsweise wenn es um die Korrektur eines Fehlers ging - kurz: Das im Mathematikunterricht übliche Fragen entwickelnde Unterrichtsgespräch verlief weniger glatt, wenn Mädchen mit der Lehrkraft interagierten. Dadurch wirkten die Mädchen auch weniger kompetent.

Mädchenfeindliche Unterrichtsstrukturen. Die MUT-Broschüre als Mut-Macher. Geschlechterdiskriminierung abschaffen. Eine Untersuchung zu geschlechtsspezifischen Unterschieden. Empirische Daten.

Es liegt nahe zu vermuten, daß sich bei Mädchen durch das Erleben einer Diskrepanz zwischen dem eigenen und dem geforderten Stil der Beteiligung bzw. Problembearbeitung eine Abneigung gegenüber dem mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich entwickeln kann oder diese, so sie schon aus anderen Gründen vorhanden ist, dadurch verstärkt wird. Umso wichtiger ist es also, den Unterricht in diesen Fächern so zu gestalten, daß er auch den Gewohnheiten und Bedürfnissen der Mädchen entgegenkommt.

Ganz allgemein heißt dies, persönliche Erfahrungen und die eigene Befindlichkeit im Umgang mit dem Thema nicht auszuklammern, sowie ausführlichen, viele Aspekte einbeziehenden Darstellungen und Erklärungen Raum zu geben - und zwar in einer Form, die es den Schülerinnen erlaubt, in Ruhe ihre Gedanken zu entwickeln. Konkrete Anregungen bietet die bereits erwähnte "MUT"Broschüre.

Die Überwindung der Aufteilung von Arbeits- und Zuständigkeitsbereichen nach Geschlecht ist eine Herausforderung für jede moderne Gesellschaft. Eine Möglichkeit der Auseinandersetzung mit der Geschlechtsrollenthematik bietet sich mit dem Medium Video- und Computerspiel. Video- und Computerspielen gehört zu den Freizeitaktivitäten vieler Kinder und Jugendlichen, ist also Teil ihrer Alltagserfahrung.

Hintergrund für die Erstellung einer Broschüre zum Thema "Computerspielen und Geschlechtsrollenbilder" (s. Literaturhinweise) war für das BMUK die Überlegung, daß auch das Video- und Computerspielen pädagogisch genutzt werden soll, um Kindern und Jugendlichen eine kritische Auseinandersetzung mit den Geschlechtsrollenvorstellungen zu ermöglichen. Sie sollen ihren eigenen Weg gehen lernen, egal, ob dieser nun gemessen an den heutigen Vorstellungen geschlechtstypisch ist oder nicht. Der Kontext Video- und Computerspielen bietet für solch eine Auseinandersetzung gute Anknüpfungspunkte, da dort in Spielen zum Beispiel Rollenklischees bereits präsent sind.

Im ersten Teil der Broschüre werden Unterschiede im Video- und Computerspielverhalten von Mädchen und Buben sowie im Verhältnis zum Computer generell aufgezeigt. Zu beachten ist, daß es sich dabei um Tendenzen handelt: Weder die Mädchen noch die Buben sind völlig einheitliche Gruppen, was den Umgang mit dem Spielen bzw. mit dem Computer insgesamt anbelangt.

Im zweiten Teil werden Erklärungsansätze für die Unterschiede im Spielverhalten vorgestellt.

Der dritte Teil befaßt sich mit der Bewertung des Video- und Computerspielverhaltens der Geschlechter. Die Quintessenz ist, daß eine Einschätzung seriöser Weise immer nur Fall bezogen erfolgen kann. Generell läßt sich sagen, daß ein Problem dann gegeben ist, wenn Mädchen oder Buben ihr Spielverhalten an (vermeintlichen) Normen für das Geschlechterverhalten orientieren.

Der vierte Teil der Broschüre beinhaltet Vorschläge für die praktische pädagogische Arbeit. Erstens werden Ideen vorgestellt, wie das Video- und Computerspielen zur Bewußtmachung von Rollenvorstellungen und zum Finden des eigenen Wegs eingesetzt werden kann. Zweitens werden Leitlinien für eine didaktische Nutzung von Computerspielen im Unterricht angeführt, die sowohl Mädchen als auch Buben entgegenkommt.

Vorschläge für die pädagogische Praxis.

Forschungsarbeiten im Auftrag des BMUK, die für die Thematik von Interesse sind:

  1.  
  2. Mathematik in der höheren Schule in geschlechtsspezifischer Analyse: Befragung von Maturantinnen und Maturanten allgemeinbildender und berufsbildender höherer Schulen; Teil 1
  3. Barrieren im Zugang zum Technikstudium in geschlechtsspezifischer Analyse: Befragung von Maturantinnen und Maturanten allgemeinbildender und berufsbildender höherer Schulen; Teil 2
  4. Geschlechtsunterschiede bei der Körper-/Raumwahrnehmungs- und Vorstellungsfähigkeit im Pflichtschulalter: Testergebnisse von Schülerinnen und Schülern an Volksschulen, Hauptschulen, AHS-Unterstufen
  5. Mädchen und Buben im Mathematikunterricht: Eine Studie über geschlechtsspezifische Modifikationen der Interaktionssstrukturen an allgemeinbildenden höheren Schulen
  6. Der Computer in der Betrachtungsweise von Mädchen und Burschen in der Schule: Unterrichtsbeobachtung und Befragung von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften an 5. Klassen allgemeinbildender höherer Schulen
  7. Computer und Geschlecht - Analyse von Denk- und Handlungsgewohnheiten bei der Nutzung des Computers im Unterricht an Hauptschulen, Polytechnischen Lehrgängen und allgemeinbildenden höheren Schulen
  8. Wahl einer mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Studienrichtung und schulische Herkunft bei Frauen - ein Beitrag zur Koedukationsdebatte (auch im Auftrag des BMWF).

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Dokument Nr.:

2.3.2.11.6

Copyright:

©

Bearbeitet:

26.06.97

Update:

24.01.98 17:52:08

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