Copyrightvorbehalt

Die Seite, die Sie soeben lesen, enthält nicht das Original der Arbeit, sondern stellt einen mirror/download zu Dokumentationszwecken im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchung

Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchule.html (YY-MM-DD)

dar. Damit soll den userInnen die Nachprüfbareit der Originalquellen ermöglicht werden, die im internet aufgrund der Dynamik des Entstehens und Vergehens von pages selten möglich ist. Das Original findet sich unter der jeweils angegebenen WWW-Adresse; eventuell vorhandene lokale links wurden entfernt. (WS)


Reiter's Pages

Informatik1

Informatik2

Informatik3

Informatik4

Informatik5

Informatik6

Informatik7

2. Rückblick: Informationstechnische Bildung

Der Schule kommt bei der Entwicklung, der Einführung und dem Einsatz der neuen Techniken eine zentrale Bedeutung zu. Sie hat die Voraussetzungen zu schaffen, daß die neuen Informations- und Kommunikationstechniken als Chancen sinnvoll genutzt werden. Sie sollte aber auch verhindern, daß durch Unkenntnis der Möglichkeiten und Grenzen der neuen Techniken unnötige Ängste, Scheu oder aber unkritische Technikgläubigkeit ausgelöst werden. In einem umfassenden bildungspolitischen Konzept ist daher für die Schule die ständige Reflexion traditioneller Bildungsgüter nötig.

2.1 Schulwesen und neue Techniken

Reflexion traditioneller Bildungsgüter ist notwendig. Beherrschung von Informationstechniken. Die Bedeutung der informationstechnischen Grundbildung.

Angesichts der hohen Geschwindigkeit, mit der die Entwicklung und Einführung der auf der Mikroelektronik basierenden Informations- und Kommunikationstechniken voranschreitet, ist die Bildungspolitik permanent aufgefordert, nicht nur Maßstäbe für die Bewertung von Technik und Technikfolgen zu setzen, sondern sie auch umfassend bei der Bestimmung von Zielperspektiven zu berücksichtigen. Die Fähigkeit, mit den Informationstechniken umgehen zu können, ist im sogenannten Informationszeitalter die Grundvoraussetzung für die tagtägliche Lebensbewältigung. Die neuen Angebote müssen mit den bisherigen Aufgaben und Inhalten von Schule und Ausbildung in Einklang gebracht werden. Zur sozial und gesellschaftlich verträglichen Einführung der neuen Informations- und Kommunikationstechniken müssen umfassendes Wissen und die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen Technik und Gesellschaft bereitgestellt, sowie die Fähigkeit zur verantwortlichen Einflußnahme auf Ziel und Ablauf des technischen und sozialen Wandels geschaffen werden. Dabei wird es wesentlich darauf ankommen, Rückwirkungen auf individuelle Lebens- und Entscheidungsräume zu kennen und durch politisches Handeln einen Ausgleich zwischen den technologischen und individuellen Zielsetzungen herzustellen.

Das Grundwissen über den Umgang mit dem Computer ist unentbehrlich.

Die Schülerinnen und Schüler von heute werden in ihrem späteren Privat- wie Berufsleben mit technologischen Gegebenheiten verstärkt konfrontiert sein, was bedeutet, daß die Schule allen Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Allgemeinbildung ein erstes Grundverständnis für die Auswirkungen dieser Entwicklung auf ihr berufliches und privates Leben vermitteln muß. Die Forderung nach einer informationstechnischen Grundbildung für alle wird damit eindringlich unterstrichen.

Bildung in der Informationsgesellschaft erfordert nicht vertieftes Sachwissen in Mikroelektronik oder Informatik, sondern die Vermittlung eines Grundverständnisses dafür, wie die Informations- und Kommunikationstechniken funktionieren, wozu sie benutzt werden können und wozu sie nicht verwendet werden sollten. Deshalb wurde schon seit 1985 eine informations- und kommunikationstechnische Grundbildung als obligatorischer Bestandteil in der Allgemeinbildung verankert.

2.2 Struktur und Inhaltsbereiche der informationstechnischen Bildung

Die informationstechnische Bildung ist grundsätzlich differenziert zu vermitteln und gliedert sich in

  1.  
  2. eine informations- und kommunikationstechnische Grundbildung (ITG) für alle Schüler/innen
  3. eine vertiefende informationstechnische Bildung etwa in Form der EDV/Informatik
  4. eine berufsbezogene informationstechnische Bildung

wie nachfolgende Abbildung verdeutlicht:

Abb. 1 (Reiter)

Die GrundbildungIm Zuge des Überdenkens der Struktur und des Inhaltes von Allgemein-bildung lassen sich für eine breite Einführung der informationstechnischen Grundbildung für alle Schüler/innen gesellschaftliche, didaktische und auch lernpsychologische Begründungen angeben:

In gesellschaftlicher Hinsicht muß zunächst auf die Tatsache hingewiesen werden, daß die neuen Techniken unser gesamtes individuelles und gemeinschaftliches Leben revolutionieren, daß also ein Grundwissen über den Umgang mit dem Computer für die jungen Menschen unentbehrlich geworden ist. Neben Qualifikationserfordernissen für die Zukunft wird damit auch eine Lebensgrundlage geschaffen, die es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, flexible Wissens- und Haltungsstrukturen aufzubauen.

Aus didaktischer Sicht spricht für die Einführung einer informations- und kommunikationstechnischen Grundbildung (in Österreich ab dem Schuljahr 1990/91 in der gesamten 7. bzw. aufsteigend in der 8. Schulstufe), daß die Schüler/innen mit Hilfe des Computers lernen können und sollen. Der Computer, der ja ein besonderes Anwendungsgebiet der Mikroelektronik ist, kann unter anderem auch als technisches Hilfsmittel im Unterricht Verwendung finden. Der Einsatz von entsprechenden Programmen (zum Beispiel interaktiven Lernprogrammen) schafft zahlreiche neue Lernmöglichkeiten.

Schließlich soll - Untersuchungen zufolge - die informationstechnische Grundbildung auch für die Denkentwicklung der Schüler/innen förderlich sein, wobei in erster Linie lern- und gedächtnispsychologische Aspekte positiv zur Geltung kommen.

Eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Informations- und Kommunikationstechniken im Rahmen einer informationstechnischen Grundbildung ergibt folgende Ziele und Inhalte:

Neue Lernprogramme für neue Lernmöglichkeiten. Die wichtigsten Ziele in Kürze. Integration der informationstechnischen Grundbildung.

  • Die Schüler/innen sollen eigene Erfahrungen mit den neuen Techniken im allgemeinen und mit dem Computer im speziellen machen und dabei grundlegende Fertigkeiten und Fähigkeiten erwerben.
  • Die bisher erworbenen Erfahrungen sollen kritisch reflektiert und auch in einen größeren Zusammenhang gestellt werden können.
  • Die neu gewonnenen Kenntnisse über die Informations- und Kommunikationstechniken sollen in erster Linie allgemeiner Natur sein, Spezialkenntnisse werden nicht angestrebt.
  • Als wesentlicher Bestandteil der ITG wird gefordert, auf Möglichkeiten und Grenzen der neuen Techniken, auf deren Wirkungen auf den einzelnen Menschen sowie auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung Bedacht zu nehmen.

Der österreichische Weg zur Verankerung der informations- und kommunikationstechnischen Grundbildung in die Allgemeinbildung versteht sich als sogenannte "Integrationslösung", wobei in bestehenden Unterrichtsfächern derartige Bildungselemente vermittelt werden sollen. Dieses Konzept wird im übrigen auch in vielen OECD-Ländern praktiziert und sollte früher oder später alle Unterrichtsfächer einbeziehen, um gemeinsam an der Vermittlung der informations- und kommunikationstechnischen Grundbildung mitzuwirken. Die Schule ist in ihrer Gesamtheit aufgefordert, dies zu realisieren.

Die vertiefende Bildung

Bei einer vertiefenden informationstechnischen Bildung, etwa in Form des Unterrichtsfaches "Elektronische Datenverarbeitung" (EDV) oder "Informatik", sind schulartspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen, die auch schon historisch zur unterschiedlichen Akzentuierungen in den Lehrplänen der betroffenen Schularten (Unterschiede im allgemein- und berufsbildenden Schulwesen) geführt haben. Ein weiter Bereich des berufsbildenden Schulwesens hält in den Lehrplänen an der Elektronischen Datenverarbeitung nominell und inhaltlich fest (Eine Ausnahme bildet der Pflichtgegenstand "Wirtschaftsinformatik" im kaufmännischen und humanberuflichen Schulbereich), während auf der anderen Seite im allgemeinbildenden Schulwesen seit dem Schuljahr 1985/86 der Unterrichtsgegenstand "Informatik" verankert ist. Eine genaue Grenzziehung zwischen "EDV" und "Informatik" ist zwar begriffstheoretisch leistbar, würde aber aufzeigen, daß Inhalt und Umfang der beiden Begriffe Redundanzen bzw. Gemeinsamkeiten aufweisen. In den nachfolgenden Kapiteln werden die entsprechenden Bezugspunkte sowie die Besonderheiten behandelt.

Die berufsbezogene Bildung

Berücksichtigung von schulspezifischen Besonderheiten. Informatik als Gesamtbegriff. gewerblich-technisch kaufmännisch verwaltend und in der Haus- und Landwirtschaft. Vermittlung von fachlichen Qualifikationen.

Die berufsbezogene informationstechnische Bildung, die häufig in der Aus-, Fort- und Weiterbildung auch auf betrieblicher Ebene erfolgt, versteht sich als dritter Aspekt der umfassend gesehenen informationstechnischen Bildung. Anwendungsbeispiele sind etwa:

  • im gewerblich-technischen Bereich Meß-, Steuerungs- und Regel-technik, computerunterstütztes technisches Zeichnen, Entwerfen und Konstruieren (CAD), Programmieren von Maschinen und Produktionsabläufen, die Simulation technischer Verfahren, die industrielle Automation u.a.m.
  • im kaufmännisch verwalteten Bereich etwa Textverarbeitung, Dateiverwaltung, Bürokommunikation und Büroorganisation u.a.m.
  • im haus- und landwirtschaftlichen Bereich zum Beispiel die computerunterstützte Organisations- und Lagerverwaltung.

Berufsbildende Schulen haben neben der Vorbereitung auf die Berufswelt auch einen allgemeinen Bildungsauftrag zu erfüllen. Die Gewichtung dieser Aufgaben muß daher im Rahmen der informationstechnischen Bildung sorgfältig bedacht werden. Unter Berücksichtigung der rasanten technischen Entwicklung fällt den berufsbildenden Schulen mehr als den allgemeinbildenden Schulen die Aufgabe zu, in erster Linie fachliche Qualifikationen (Spezialkenntnisse und Fertigkeiten) zu vermitteln, während Orientierungs- und Strukturwissen eher an den allgemeinbildenden Schulen erworben werden kann. Als Fernziel darf gelten, daß informationstechnische Bildungselemente in die Lehrpläne möglichst aller Unterrichtsfächer des allgemein- und berufsbildenden Schulwesens eingebunden werden, daß also einerseits im Fachunterricht computerunterstützt gearbeitet wird, andererseits sich alle Fächer mit den Möglichkeiten und der Problematik der neuen Techniken auseinandersetzen (Integrationsprinzip).

2.3 Leitsätze des Informationszeitalters

Der vernetzte, multimediale PC als Arbeitsinstrument

Seit der Verankerung der Informatik im allgemeinbildenden Schulbereich Mitte der 80er Jahre hat die Computerrevolution schon längst das private, öffentliche und gesellschaftliche Leben durchdrungen. Die Verbreitungsgeschwindigkeit des Personal Computers (PCs) ist eng mit der Entwicklung der Softwaretechnik und einer Verbesserung der Benutzerschnittstellen verbunden. Der stattfindende Paradigmenwechsel in der Informatik vollzieht sich im Übergang vom individuellen Arbeitsplatzrechner (auch in den Bildungsinstitutionen) zum vernetzten multimedialen PC. Die grundlegenden Innovationstendenzen der Informationsgesellschaft sind Digitalisierung, Miniaturisierung und Integration. Dabei sorgt Multimedia durch die Integration mit anderen Techniken wie insbesondere Telekommunikation auf digitaler Basis für einen neuen Schub von Entwicklungen und Anwendungen, seien es digitale Speichermedien wie die CD-ROM oder multimediale Trends zur globalen Vernetzung. Das österreichische Schulwesen ist jedenfalls aufgefordert, die neuen Technologien der Information und Kommunikation in die Aus-, Fort- und Weiterbildung zu integrieren, wie dies in den nachfolgenden Leitsätzen gefordert wird.

  1.  
  2. Die neuen Technologien dringen unaufhaltsam in nahezu alle Arbeits- und Lebensbereiche vor. Besonders Multimedia und Telekommunikation sind zu Bestimmungsfaktoren für die Informationsgesellschaft geworden, in der infolge des raschen technologischen Wandels zusehends neue berufliche Qualifikationen erforderlich werden.
  3. Angesichts einer kaum mehr überschaubaren Wissensexplosion wird lebensbegleitendes Lernen zu einem unabdingbaren Muß für alle Formen der Aus- und Weiterbildung in der Informationsgesellschaft. Der Zugang zu telematisch vermittelten Bildungsangeboten für alle sollte vom staatlichen Bildungswesen als vorrangige Aufgabe gesehen werden.
  4. Neben der Bereitstellung von Wissen resp. der erforderlichen Zugänge dazu, ist eine entsprechende Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz, d.h. ein Mindestmaß an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit den neuen Technologien, erforderlich.
  5. Elektronische Kommunikation über Datennetze ermöglicht im Bildungsbereich neue Organisationsformen des Unterrichts sowie neue Lehr- und Lernmethoden und umfaßt einen Teil der neuen edukativen Infrastruktur unter Einsatz der neuen Medien.
  6. Der Einsatz der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien im schulischen Unterricht soll herkömmliche Unterrichtsformen nicht ersetzen, sondern effizienzsteigernde Alternativen bieten.
  7. Innovative Technologien der Information und Kommunikation sind zur Erreichung eines qualitativ hohen Bildungsanspruches integrativ in alle Formen der Aus- und Weiterbildung einzubinden, um die Effizienz von Lehren und Lernen zu erhöhen.
  8. Die Qualität des Unterrichts wird nicht von vornherein durch die Bereitstellung von Multimediasystemen und Netzanschlüssen in Schulen und Bildungsinstitutionen verbessert, sondern dazu bedarf es qualitativ hochwertiger Lernsoftware und geeigneter didaktischer Konzepte für den Unterricht.
  9. Die Einbeziehung neuer Medien sollte in alle Schularten bzw.- stufen erfolgen und möglichst früh beginnen, da Kinder weitaus weniger Berührungsängste mit den neuen Technologien haben und sich dadurch rechtzeitig die geforderten Qualifikationen für das spätere Berufsleben verfestigen können.
  10. Wichtig für die Anwendung neuer Technologien im Unterricht und deren Akzeptanz ist die Aus- und Weiterbildung der Lehrer. Neben einer umfassenden Ausbildung für die Handhabung der neuen Medien ist besonders der Anwendungsaspekt bzw. der didaktische Einsatz/Nutzen herauszuarbeiten.
  11. Da sich durchaus ein Teil der Instruktionsfunktion als wichtige Aufgabe der Lehrer mit multimedialen und telekommunikativen Hilfsmitteln rationalisieren läßt, werden zukünftig andere Qualifikationen (Erziehen, Beraten, Betreuen) neben dem nach wie vor notwendigen Unterrichten an Bedeutung gewinnen.
  12. Neue interaktive Medien im Unterricht verändern die traditionelle Rolle des Lehrers, das Berufsprofil des traditionellen Wissensvermittlers wandelt sich zum Lern-Moderator und Coach.
  13. Die Integration neuer Technologien in den Unterricht schafft neue Lernumgebungen (Tele-Learning im weitesten Sinne), die das Lernen effizient, anforderungsgerecht und ubiquitär (ortsunabhängig) machen. Die neuen medialen Möglichkeiten eröffnen die Chance, neue Inhalte lernbar zu machen oder bekannte Inhalte auf eine lerngerechte Weise zu präsentieren.
  14. Die Informations- und Kommunkationstechnologien bieten die Möglichkeiten zu größerer Orientierung an den Interessen und Fähigkeiten der Lernenden, das assoziative Verfolgen von Bezügen unter Ausnutzung neuer Lernsysteme (Hypertexte, Hypermedia) wirkt motivierend und verhilft zu neuen Einsichten.
  15. Es ist wichtig, schon Schüler auf den verantwortlichen Umgang mit den neuen Technologien vorzubereiten (Medienmündigkeit), um mögliche negative Folgen wie bspw. beim unkontrollierten Fernsehkonsum, hintanzuhalten.
  16. Wenn ubiquitäres Lernen mittels telematischer Dienste und Netze ermöglicht werden soll, müssen als Basis dafür auch die notwendigen technischen Komponenten vorhanden sein. Das Bildungswesen kann die Herausforderungen, die durch die neuen Medien entstehen, allerdings nicht alleine bewältigen, es bedarf der Unterstützung der Wirtschaft, Politik und Elternschaft.

Vorige Ebene
Voriges Kapitel
Nächstes Kapitel





?





Dokument Nr.:

2.3.2.11.2

Copyright:

©

Bearbeitet:

26.06.97

Update:

24.01.98 17:52:05

Rückmeldungen:

PCNEWS-Redaktion

Gestaltung:

PCNEWS-Webmaster