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Internet an
den Schulen: Ernüchterung kehrt ein
«Schulen ans Netz» lautete vor einem
halben Jahr die Devise. Im ganzen Land herrschte
Aufbruchstimmung und Begeisterung für das Internet.
Der Höhepunkt war erreicht, als Microsoft-Chef Bill
Gates den Schulen Software für das Internet stiftete
und der Bund gleich 2500 alte Computer dazu
spendete.
(sda) Ein halbes Jahr später hat sich
Ernüchterung breit gemacht. Die von Bill Gates bei
einem Besuch in der Schweiz gespendeten 5000
Betriebssysteme nützen den oft mit Apple-Rechnern
ausgestatteten Schulen wenig. Die Altrechner aus der
Bundesverwaltung sind bisher nicht gesichtet worden.
«Die haben wahrscheinlich erst hinterher gemerkt,
dass sie nicht nur verschenkt, sondern auch noch abgebaut
und geputzt werden müssen», meint Christina von
Waldkirch, Vorsteherin des Amtes für
Bildungsforschung in der Berner
Erziehungsdirektion.
Als der Zürcher Erziehungsdirektor ernst machen
wollte mit dem Internet in der Volksschule, brandete ihm
gar kalte Ablehnung entgegen. Buschor betonte
während der Debatte im Kantonsrat zwar, der Computer
sei nicht Schulfach, sondern werde spielerisch als
Hilfsmittel eingesetzt. Gleichwohl verwiesen einige
Kantonsräte darauf, dass das
«Gemüthafte» beim Unterrichten von
Siebenjährigen im Vordergrund stehen sollte und
warnten vor einer «Überfütterung» der
Kinder.
Mangelndes Interesse der Lehrer
Nach wie vor sträuben sich viele Lehrer dagegen,
das Internet in den Unterricht zu integrieren. Ein
Hauptproblem orten die kantonalen Verantwortlichen beim
mangelnden Interesse der Lehrer - und bei der Furcht der
Lehrpersonen, von ihren Schülern
überflügelt zu werden.
Wissenschaftler der Salzburger Fachhochschule für
Telekommunikation und Multimedia haben im Rahmen einer
Studie die Reaktionen von Schülern und Lehrern auf
Computer und Internet untersucht. Das Resultat: Die
Schüler kamen im Durchschnitt mit den Geräten
besser zurecht als die Lehrer. Mit den gewitzten
Schülern gingen die Lehrer sehr unterschiedlich um.
Einige setzten die Könner in der Klasse als Tutoren
ein - andere verweigerten ihnen den Computer, weil sie
befürchteten, die Kontrolle zu verlieren.
Mangelnde Infrastruktur
Auch 1998 verfügen viele Schweizer
Schulhäuser über nur sehr mangelhafte
Computerausstattung. «Wenn der schnellste Computer
im Schulhaus ein 386er Rechner ist, nicht über ein
Modem verfügt und im Lehrerzimmer steht, dann
können Sie das Internet im Unterricht glatt
vergessen», klagt ein Ostschweizer Lehrer. Die
Investitionsfreude der zuständigen Behörden
hält sich offenbar in Grenzen.
Ganz im Gegensatz etwa zu Deutschland: Im Januar haben
der deutsche Bildungsminister Jürgen Rüttgers
und die Telekom beschlossen, die Initiative «Schulen
ans Netz» mit weiteren 100 Millionen Mark zu
unterstützen. Das Geld soll ab 1999 dafür
eingesetzt werden, dass alle 44 000 Schulen in
Deutschland ans Internet angeschlossen werden.
Mangelnde Ausbildung
Mit einer guten Ausstattung ist es nicht getan. Im
Kanton Obwalden sorgt gerade die gute Vernetzung der
Schulen für Probleme: Jedes Oberstufenschulhaus
verfügt über einen superschnellen Anschluss ans
Internet, die Computer in den Arbeitsräumen stehen
bereit. Nur sind die Lehrkräfte ratlos. Weil sie
nicht über die nötige Ausbildung verfügen,
können sie (im Gegensatz zu ihren Schülern) die
Infrastruktur nicht nutzen.
Die Schüler scheren sich nicht um die Probleme
ihrer Lehrer. Sie surfen munter drauflos im weltweiten
Datennetz, holen sich die Informationen für
Schularbeiten aus dem Internet statt aus der Bibliothek
und kommunizieren in Umgangsenglisch mit Gleichgesinnten.
Ein Ausdruck der Aufgeschlossenheit sind die vielen
Schülerzeitungen, die bereits im Netz aufgeschaltet
sind.
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