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Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchule.html (YY-MM-DD)

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Schwerpunkte im Bereich Zukunft:

Bildung macht Schule:
Zeitsignaturen und Entwicklungshorizonte im Bildungswesen
(Eröffnungsrede Bundesministerin Elisabeth Gehrer, Forum Alpbach 1997, gekürzte Fassung)

Demografie
Gesellschaftliche Veränderungen
Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitswelt
Zunehmende Bedeutung von Wissen
Deregulierung und Eigenverantwortung
Neue Medien, Technologien und Internationalisierung

Eine chinesische Weisheit sagt: "Wenn der Wind stärker weht, dann bauen die einen Mauern, die anderen Segelschiffe." Diese chinesische Weisheit trifft sehr gut auf die derzeitige Situation in unserer Gesellschaft, aber auch in unserem Bildungssystem zu. Der Wind der Veränderungen weht jetzt besonders heftig. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, ist es aber sicher nicht zielführend, hohe Mauern zu bauen und sich dahinter zu verstecken. Um bei der Bildsprache zu bleiben: Es ist sicher zielführender, genau zu prüfen, woher der Wind weht und dann Segelschiffe zu bauen, um neue Ufer zu erreichen.

Um Richtungen und Entwicklungen im Bildungsbereich erkennen zu können, wurde im Ministerium die Arbeitsgruppe "2021 - 20 Leute denken für das 21. Jahrhundert" gegründet.

Dabei ging es darum, Entwicklungen aufzuzeigen, ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf die Schule darzustellen und die Konsequenzen für die Schule und den Unterricht festzuhalten.

 

Demografie

Eine Analyse der Altersstruktur der Bevölkerung zeigt, dass es einen langfristigen Rückgang der unter 35-jährigen geben wird, gleichzeitig eine langfristige Steigerung der 35- bis 60-jährigen sowie der über 60-jährigen. Der Rückgang der jüngeren Jahrgänge bedeutet, dass der Qualifikationsbedarf durch neue, junge Mitarbeiter immer weniger gedeckt wird. Insbesondere die Gruppe der 25- bis 35-jährigen wird bereits bis zum Jahr 2010 um 30 % zurückgehen. Das bedeutet, dass für Berufstätige eine ständige Weiterqualifikation notwendig ist.

Mögliche Konsequenzen:
Alle Einrichtungen der Erwachsenenbildung werden enorm an Bedeutung gewinnen. Die Schulen brauchen künftig die Möglichkeit, ihr Know-how für Erwachsenenbildung nutzbar zu machen und Weiterbildungskurse gegen eine Gebühr anzubieten. Die Frage der gesamten Bildungsfinanzierung erscheint in diesem Zusammenhang auch wesentlich. Derzeit sind Schule und Bildung bis zum Universitätsabschluss ja nicht kostenlos, sondern nur unentgeltlich. Die gesamten Kosten werden vom Steuerzahler übernommen. Der Staat hat sicherlich die Aufgabe, die Grundausbildung der Jugendlichen zu finanzieren. Ob aber jede höhere Bildung und auch viele Weiterbildungsangebote unentgeltlich sein müssen, das möchte ich zur Diskussion stellen.

 

Gesellschaftliche Veränderungen

Es gibt kaum Zweifel darüber, dass ein Prozess der Individualisierung in unserer Gesellschaft stattfindet. Der Einfluss von politischen Gruppierungen, Kirchen, Gewerkschaften hat abgenommen, sie sind immer weniger in der Lage, die Vielfalt gesellschaftlicher Einflussfaktoren unter Kontrolle zu halten. Arbeitsteilung und technologische Entwicklung haben zudem die gegenseitige Abhängigkeit der Menschen in hohem Maße verstärkt. Diese Abhängigkeit kann als eine der wichtigsten Ursachen des Individualisierungsprozesses gesehen werden.

Auch die Veränderungen im Familienbereich haben zum Individualisierungsprozess beigetragen. Die Kinderzahl pro Familie ist dramatisch zurückgegangen und das einzelne Kind hat gleichzeitig an "psychologischem Wert" gewonnen. Mit der Intensität der emotionalen Beziehung hat auch die Intensität der Konflikte zugenommen. Der Erfolg des Kindes ist zu einem Kriterium für den Erfolg der Eltern geworden.

Mögliche Konsequenzen:

  • Wenn Verbindlichkeiten und Verantwortungsstrukturen außerhalb der Schule weniger erfahrbar werden, gewinnt die Fähigkeit zur aktiven Konstruktion sozialer Beziehungen erheblich an Bedeutung. Dazu sind Erfahrungen mit kooperativem Lernen und mit den Konsequenzen nichtkooperativen Verhaltens wesent-liche Voraussetzung.
  • Die Schule gewinnt an Bedeutung als geschützter Bereich kontinuierlicher sozialer Beziehungen. Sie wird zunehmend als Lebensraum verstanden, in dem Lebenssituation und Perspektiven der Jugendlichen thematisiert werden. Bei Vorschul- und Schulkindern wird die Schule auch eine Quelle emotionaler Zuwendung. Das soziale Klima, das dazu erforderlich ist, dürfte zu einem wichtigen Qualitätskriterium von Schule werden. Von der Schule wird in zunehmendem Maße erwartet, dass sie auch ein Lernfeld für Partizipation ist!
  • Kinder und Jugendliche sind früher eigenständig, aber auch "schwieriger" geworden. Anordnungen vonseiten Erwachsener werden immer weniger fraglos akzeptiert. Der Zusammenprall zweier "Kulturen" findet statt: einer Aushand-lungskultur in den Familien und einer teilweise immer noch bestehenden Anordnungskultur in der Schule.
  • Die Ansprüche an Wahlmöglichkeiten, an Beratung und an Begründungen für schulische Vorgaben steigen. Dabei kann es zu einer Polarisierung zwischen hoch und niedrig motivierten Schülern kommen.
  • Der Sinn schulischen Lernens, sein Zusammenhang mit persönlicher Lebenssituation und vor allem mit den Zukunftsperspektiven muss stärker reflektiert werden.
  • Die Jugendlichen brauchen in den Schulen die Möglichkeit, die Arbeitssituation des Lernens selbst mitzugestalten und dafür Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen sich selbst als Personen erleben, die in ihrem Umfeld auf konstruktive Weise wirksam werden.

Aus der Erkenntnis heraus, dass Jugendliche neben dem grundlegenden Fachwissen auch so genannte Schlüsselqualifikationen ("Soft skills") erwerben müssen, wurden bereits Maßnahmen eingeleitet.

 

Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitswelt

Alwin Toffler beschreibt in seinem Buch "Machtbeben" die derzeit in der Wirtschaft stattfindende Veränderung. Alte Strukturen werden zugunsten von flexiblen projektorientiert arbeitenden Teams aufgelöst, die alten Hierarchien verschwinden, und dazu bedarf es neuer Qualifikationen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Die Technologien sind komplizierter und veraltern schneller. Die Wissenslast - und wichtiger noch die Entscheidungslast - wird umverteilt. In einem endlosen Kreislauf des Lernens, Umlernens und Neulernens müssen sich die Mitarbeiter neue Techniken aneignen, sich neuen Organisationsformen anpassen, neue Ideen entwickeln. In einer Untersuchung der Firma Sony wurde festgestellt: "Die unterwürfigen Scheuklappen-Regelbefolger werden in Zukunft keine guten Arbeiter mehr sein."

Mögliche Konsequenzen:
Für die Schule heißt das, dass der junge Mensch neben einem guten Fachwissen auch Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Selbstkompetenz erwerben muss; dazu zählen Teamarbeit, Gesprächsführung, Konfliktlösung, Kommunikation, Flexibilität, kreatives Denken, soziales Verständnis, Bereitschaft zur Weiterbildung, Motivation zum Umlernen!

In dem Projekt "Lehrplan 99" wird die verpflichtende Vermittlung dieser Kompetenzen verankert. Die bestehenden Lehrpläne werden verdichtet und in Kernbereiche und Erweiterungsbereiche eingeteilt. In einem breiten Diskussionsprozess und durch Weiterbildung wird unter den Lehrerinnen und Lehrern das Bewusstsein dafür geschaffen. 85 Pilotschulen arbeiten bereits im Schuljahr 1997/98 mit den neuen Lehrplanentwürfen. Im Schuljahr 1999/2000 werden diese Lehrpläne verpflichtend eingeführt.

Wie wir in den letzten beiden Jahren erlebt haben, hat es jedoch auch im Lehrlingsbereich gravierende Veränderungen gegeben. Sollte das System der Lehrlingsausbildung tatsächlich mittelfristig entscheidend weiter schrumpfen, so ist zu erwarten, dass sein dämpfender Effekt auf die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit ebenfalls nachlässt.

Mögliche Konsequenzen:
Durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen, wie sie bereits beschlossen wurden, soll gesichert sein, dass in Zukunft die Lehrlingsausbildung von der Wirtschaft weiter wahrgenommen wird; an ihrem gesellschaftlichen Ansehen muss weiter gearbeitet werden. Durch die vom Parlament im Mai beschlossene Berufsreifeprüfung ist gewährleistet, dass eine Entscheidung für eine Lehre keine Einbahn ist. Dadurch ist die Durchlässigkeit von der Lehre zur weiterführenden Bildung gegeben.

Für bereits gut ausgebildete Jugendliche sollte die Möglichkeit von Startjobs geschaffen werden, wo berufliche Erfahrung gewonnen werden kann. Die derzeitige Situation am Lehrstellenmarkt erfordert vom berufsbildenden Schulwesen mehr Schüler aufzunehmen.

 

Zunehmende Bedeutung von Wissen und wachsende Mehrdeutigkeit von Wissensangeboten

Das Wissensmonopol der Schule nimmt ab, durch Massenmedien, Computer und Internet verfügen immer mehr Menschen über neue Zugänge zu Bildungsressourcen und sind dadurch in der Lage, die schulische Informationsvermittlung zu ersetzen.

Mögliche Konsequenzen:
Die Schule steht vor der weitgehend neuen und vordergründig paradox anmutenden Situation, in der Erwerben von substantiellem Wissen ebenso wichtig wird, wie der Erwerb einer kritisch prüfenden Haltung gegenüber allem, was als Wissen angeboten wird. Der konstruktive Umgang mit Widersprüchen könnte damit zu einem wichtigen Aufgabenbereich der Schule werden. Erfahrungserwerb unter Einbeziehung außerschulischer Ressourcen gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Eine intensivere Zusammenarbeit mit dem gesellschaftlichen Umfeld der Schule kann einen wesentlichen Beitrag leisten, um den Reichtum an Kompetenzen und Informationen zu nutzen, die außerhalb der Schule in kulturellen Einrichtungen, wirtschaftlichen Unternehmungen etc. vorhanden sind.

 

Deregulierung und Eigenverantwortung

Einer der markantesten Trends ist die Rücknahme direkter staatlicher Einflussnahme sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich. Die Folge ist ein Abbau öffentlicher Verwaltung und eine Zunahme eigenständiger Entscheidungskompetenz. Dieser Trend ist auch im Bildungswesen deutlich feststellbar. Deregulierungsmaßnahmen erweitern die Spielräume der Schule für selbständige, pädagogische, finanzielle, organisatorische und personelle Entscheidungen.

Mögliche Konsequenzen:

  • Die Verlagerung von Entscheidungskompetenzen an die Schulen erleichtert diesen die Suche nach eigenständigen Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen.
  • Von der Verlagerung finanzieller Entscheidungen an die Schulen ist ein ökonomischer Einsatz der verfügbaren Mittel zu erwarten.
  • Die Schulen werden in zunehmendem Maße selbst für die Qualität des Lehrens und Lernens und des Lebensraumes Schule verantwortlich. Das Verständnis der Schule als "lernende Organisation" und die Verantwortung der einzelnen Schule für die Durchführung von Innovationen dürfte erheblich an Bedeutung gewinnen.
  • Schulen übernehmen mit der erweiterten Eigenständigkeit die Verpflichtung, den Einsatz personeller und materieller Ressourcen gegenüber der Öffentlichkeit auf glaubwürdige Weise zu rechtfertigen. Dies wird eine verstärkte Nachfrage nach und Bemühungen um Qualitätsevaluation auslösen.

Mehr Autonomie, mehr Selbstentscheidung für die Schulen werden durch das Projekt "Schule in Bewegung" erreicht. Modellschulen erproben neue Organisationsformen, neue Entscheidungsabläufe, Übernahme von finanzieller Kompetenz, Erarbeitung von Schulprogrammen und Methoden zur Qualitätsentwicklung.

 

Neue Medien, Technologien und Internationalisierung

Der Umgang mit neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ist Grundvoraussetzung dafür, in der Arbeitswelt der Zukunft bestehen zu können. Die Aufbereitung von Daten zu Informationen und die Nutzung dieser Informationen zur Problemlösung ist die vierte Kulturtechnik, die jeder Mensch in Zukunft beherrschen muss.

Mögliche Konsequenzen:
Die Lehrenden müssen in kürzester Zeit entsprechend kompetent gemacht werden, um die neuen Medien technologisch zu beherrschen und sowohl didaktisch wie auch methodisch anzuwenden. Die Schulbibliotheken sollen zu Medien- und Lernzentren weiterentwickelt werden.

Österreich kann sich europaweit mit der technischen Ausstattung seiner Schulen sehr wohl sehen lassen; wir liegen an der Spitze. Jede dritte Schule publiziert eigene Informationen (Schulprofil etc.) im Internet.

Zur Internationalisierung gehören das Erfassen von internationalen Zusammenhängen in allen Lebensbereichen sowie die Fremdsprachenoffensive. Gerade österreichische Schulen nehmen im hohen Ausmaß an internationalen Bildungsprogrammen teil. Von besonderer Wichtigkeit wird es sein, dass Schüler durch bilingualen Unterricht die Fremdsprache als Unterrichtssprache erleben und dadurch die Sprechkompetenz bedeutend erhöht wird.

In der Bildungspolitik ist es notwendig, neue Entwicklungen unter breiter Einbin-dung aller Betroffenen, durch intensive Diskussionsprozesse und unter größtmöglichem Konsens herbeizuführen. Die Aufgabe des Unterrichtsministeriums ist es, Zielvorgaben zu machen, Rahmenbedingungen zu schaffen und die verantwortliche Steuerung und Überprüfung der Neuerungsprozesse zu übernehmen. Geeignete Service- und Dienstleistungsangebote runden dieses Bild ab. Eine neue Rolle der Verantwortungsübernahmen, aber auch eine Erweiterung der autonomen Handlungsspielräume liegen auch bei den Landesschulräten und den Schulen selbst.

Aus dem Ergebnis der Arbeitsgruppe 2021 und aus vielen anderen wissenschaftlichen Arbeiten ergibt sich ganz klar, dass die Veränderungen immer rascher vor sich gehen, dass wir vor großen neuen Herausforderungen stehen. Um diese Zukunft bewältigen zu können, brauchen wir aber nicht nur mehr Wissen und Können, mehr Fertigkeit und Fähigkeiten, sondern wir brauchen eine aktive Grundhaltung und positives Denken. Es muss Schluss sein mit dem Zeitgeist der Weinerlichkeit, es muss Schluss sein damit, dass man sich vor allen Herausforde-rungen zuerst einmal prophylaktisch fürchtet. Wir brauchen Zukunftsstreben und Zukunftsmut. Wir müssen unsere Denk- und Verhaltensweisen umkehren.

Wir brauchen

  • mehr Leistungs- als Verteilungsdenken,
  • mehr Pioniergeist als Vermeidungs- und Verhinderungsstrategien,
  • mehr Kreativität, Initiative und Mut zum Neuen als Ausruhen auf dem Erreichten,
  • mehr Eigenvorsorge und Eigenverantwortung als Anspruchs- und Forderungsmentalität.

John Steinbeck hat einmal gesagt: "Die Zukunft ist meist schon da, bevor wir ihr gewachsen sind." Damit hat er die Herausforderung und Problematik der Zukunftsbewältigung beschrieben. Gesamthafte Persönlichkeitsentwicklung und Bildung sind die einzige Möglichkeit, sich auf die Zukunft vorzubereiten. Sie ermöglichen es, nicht nur die Zukunft unbeschadet zu erleben, sondern auch diese aktiv zu gestalten. Um bei dem eingangs erwähnten Bild zu bleiben: Mit Bildung kann ich Segel setzen und zu neuen Ufern aufbrechen. Ohne Bildung laufe ich Gefahr, vom Wind der Veränderungen steuerlos an raue Klippen geschlagen zu werden. Damit ergibt sich für mich ganz klar:

Zukunft braucht Bildung - Bildung schafft Zukunft!
Bildung macht Schule - Bildung ist in!

 

 
Quelle: http://www.bmuvie.gv.at/pminist/szukunft.htm (97-12-24)