Erfahrungsbericht Wolfgang Currlin


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From:  Wolfgang.Currlin@P4.GHWRS-Bitz.bwsn.bw.schule.de (Wolfgang Currlin)
Newsgroups:  schule.allgemein
Subject:  Einfuehrung der DFUE an der Schule: Erfahrungsbericht
Date:  10 Sep 95 13:53:23 +0100
Organization: Grund-Haupt-Werkrealschule Bitz, Baden-Wuerttemb. Schulnetz
Message-ID: <368d83aa@GHWRS-Bitz.bwsn.bw.schule.de>
 


Im letzten Schuljahr unternahm ich einen grossangelegten Schulversuch zur Einfuehrung der DFUE im Unterricht. Auch wenn an anderen Schulen andere Bedingungen herrschen, gibt es doch einige Erfahrungen, die auch fuer andere interessant sein koennten. Hier der Bericht:

1 AUFGABENSTELLUNG

Das Projekt sah vor,

Das bedeutete:

2 TECHNISCHE DATEN DES KLASSENCOMPUTERS / HARDWARE

3 VORAUSSETZUNGEN FÜR DEN UNTERRICHTSVERSUCH

Die Schulleitung war mit dem Projekt einverstanden, der stellvertretende Schulleiter unterstuetzte das Projekt tatkraeftig mit der Anschaffung von Hard- und Software.

Die Stadt Friedrichshafen als Schultraeger war bereit, tief in das staedtische Geldsaeckel zu greifen, erwartete aber auch greifbare Erfolge.

Ich selbst als Projektleiter arbeitete bis ins Fruehjahr 1992 lediglich mit einem voellig unbekannten und veralteten Textverarbeitungsprogramm, wurde aber dann von einem ehemaligen Schueler, Rainer Kruschwitz, mit Winword 6.0 bekanntgemacht. Mit der Datenfernuebertragung kam ich erst im Herbst 1993 in Beruehrung. Meine Fachrichtungen sind Geschichte und Deutsch.

Ohne technische Hilfe und Beratung von dritter Seite war das Projekt daher nicht durchfuehrbar. Diese Hilfe wurde mir aber zuteil, und zwar in erster Linie von

4 VERLAUF DES UNTERRICHTSVERSUCHS IM ERSTEN SCHULHALBJAHR

4.1 Die Wahl einer 11. Klasse als Versuchsklasse

Die Klasse bestand aus 26 Schuelern, davon 11 Maedchen. Die Wahl der 11c als Versuchsklasse lag aus mehreren Gruenden nahe:

Ich hatte die Klasse bereits 2 Jahre unterrichtet, kam gut mit ihr zurecht und hatte bereits seit einem Jahr Projektunterricht mit den entsprechenden Arbeitsformen (Gruppenarbeit) und Arbeitstechniken eingeuebt, und zwar als Normalform des Unterrichts waehrend des Schuljahrs. Dies schien eine gute Voraussetzung fuer die Nutzung des Einzelcomputers waehrend des Unterrichts zu sein.

Die Klasse schien offen und bereit fuer neue Erfahrungen. Das, so die Hoffnung, konnte den Nachteil aufwiegen, dass sie noch nie Informatik- unterricht genossen hatte.

Eine Klasse mit Erfahrungen in Informatik konnte ich im Schuljahr 94/95 nicht fortfuehren.

Wie sich herausstellte, beruhten diese Erwartungen auf Fehleinschaetzungen. Als die Klasse aus den Ferien zurueckkam, hatte sich die Arbeitshaltung voellig gewandelt. Im Vordergrund des Interesses standen die persoenlichen Hobbies wie Sport und Aehnliches, der Gelderwerb zur Aufbesserung des Taschengeldes fuer den gehobenen Bedarf an Konsumguetern und die Pflege von Freundschaften. Die Schule dagegen spielte eingestandenermassen eine Nebenrolle. Diese altersspezifische Problematik macht meiner Meinung nach die Klassenstufe 11 aus meiner heutigen Sicht fuer die Einfuehrung der Informationstechnik generell wenig geeignet. In Klassenstufe 12 und 13 sind Experimente m.E. ohnehin nicht mehr durchfuehrbar, weil sich alles nur noch um die guten Noten fuer das Abitur dreht.

Hinzu kam, dass der Widerstand gegen die Einfuehrung der neuen Technik entgegen meinen Erwartungen erheblich war, nicht nur aus prinzipiellen Gruenden der Technikfeindlichkeit bei einem Teil der Schueler, sondern vor allem wegen des damit verbundenen zusaetzlichen Arbeits- und Zeitaufwands, den viele Schueler aus oben dargelegten Gruenden nicht erbringen wollten.

So kam es dazu, dass man den Hund zum Jagen tragen musste. Die Klasse setzte sich ohne mein Beisein und Wissen zusammen und liess mir durch die Klassensprecher mitteilen, dass sie zwar bereit sei, die Textverarbeitung zu erlernen, nicht aber die Datenfernuebertragung. Damit war der wesentliche Teil der Zielstellung des Projektes mit den Elfern nicht mehr zu verwirklichen, weshalb ich den Unterrichtsversuch auf meine Unter- und Mittelstufenstufenklassen ausdehnte (siehe unten).

Das Ergebnis des Unterrichtsversuchs fuer die elfte Klasse im Schuljahr 94/95 sah daher so aus:

Die Klasse insgesamt erlernte den Umgang mit dem Textverarbeitungsprogramm Winword 6.0. Sie erstellte im Zusammenhang mit einer Studienfahrt nach Berlin eine computergefertigte Klassenzeitung (siehe unten) und wurde dabei grundsaetzlich in die Arbeit mit dem Computer eingefuehrt. Das ist immerhin mehr, als die meisten Klassen dieses Jahrgangs in Baden-Wuerttemberg aufweisen koennen und stellt einen Beitrag zur Studierfaehigkeit dieser Schueler dar.

Fuenf Schueler beschaeftigten sich mehr oder minder regelmaessig auch mit der Datenfernuebertragung, lasen die abonnierten Bretter, schrieben mehr oder minder qualitaetvolle Beitraege und verfassten auch private Post an andere Netzteilnehmer. Bei 26 Schuelern sind das fast 20% (:-)).

Ein Schueler baute systematisch Brieffreundschaften auf und pflegte sie.

4.2 Die Arbeit mit dem Einzelcomputer im Klassenzimmer

Als die Schueler in das Textverarbeitungsprogramm Winword 6.0 eingearbeitet werden sollten, waren die uebrigen Computer der Schule mit diesem Programm noch nicht ausgestattet. Das geschah erst etwa um Weihnachten. Aus diesem Grunde unternahm ich einen Versuch, Schueler in Gruppenarbeit am Einzelcomputer im Klassenzimmer anzulernen. Dieses Experiment schlug fehl, v.a. weil die Uebungsmoeglichkeiten zu gering waren, so dass die Klasse zweimal in die Volkshochschule ausweichen musste, um dort zu lernen und zu ueben. Danach fehlte wieder die Moeglichkeit zu ueben, und die Kenntnisse gerieten gerade bei dem Teil der Schueler teilweise in Vergessenheit, der es am noetigsten gehabt haette.

Wie sich herausgestellt hat, ist ein einzelner Computer im Klassenzimmer nur dann sinnvoll, wenn

Weiterhin ist es von Vorteil, wenn bei den Schuelern zu Hause ein Geraet steht, auf dem wenigstens einfache Programme wie YUPPIE! und Netscape (siehe unten) laufen. Eltern und Schueler muessen ermuntert werden, die Programme bei sich zu installieren und zu benutzen (siehe unten).

4.3 Geplanter und tatsächlicher Zeitrahmen / Bereitstellung der Technik

Geplant war, den Computer bis zum Schuljahresbeginn nach den Sommerferien betriebsfertig mit allen Programmen im Klassenzimmer stehen zu haben. Herausgestellt hat sich hingegen, dass nichts auf Anhieb ging, wie es sollte.

Die Lieferung des Computers war bis zum Beginn der Grossen Ferien zugesagt. Geliefert wurde in der letzten Ferienwoche. Ergebnis: Eine Woche Arbeit waehrend der Ferien, um die Maschine zum Arbeiten zu bringen. Dies gelang nur zum Teil.

Das Betriebssystem Windows NT erwies sich als fehlerbehaftet. Die Benutzerverwaltung funktioniert nicht ganz einwandfrei, uebrigens auch in der neuesten Version, das Starten von Winword 6.0 von den Schuelern aus erwies sich als nicht ganz problemlos. Ergebnis: Nachmittage an Arbeit, bis die Fehler gefunden und behoben waren.

Fuer das Videoprogramm existiert bis heute (Stand: Ende August 95) kein Treiber fuer Windows NT. Die Firmen halten sich zurueck, bis feststeht, welches Betriebssystem das Rennen macht. Ein Teil der Festplatte musste deshalb in diesem Fruehsommer fuer DOS reserviert werden. Jetzt erst geht die Sache.

Die Datenfernuebertragung erforderte in der Praxis ein anderes Programm als das von mir anfangs gewaehlte. Ich verwendete fuer meinen privaten Computer zunaechst Blue Wave. Da dieses Programm aber nicht multiuserfaehig ist, also auf einen Benutzer zugeschnitten ist, musste ich auf das Programm YUPPIE! umsteigen: wieder Zeitverlust!

Als YUPPIE! funktionierte und ich das Versenden von E-Mail ins Internet gelernt hatte, stellte sich heraus, dass die Mailbox falsch eingestellt war. Runde 2 Monate ging wichtige private Post nicht ins Internet, sondern blieb unbemerkt in der Mailbox liegen. Ergebnis: Ein bereits angebahnter Kontakt mit einer Schule in Minnesota ging in die Brueche, obwohl er mit grossem Aufwand und persoenlichem Einsatz auch der amerikanischen Seite vorbereitet worden war.

Folgen:

Die zeitlichen Verzoegerungen und Pannen riefen bei der Klasse den Eindruck hervor, dass der Computer ein Instrument sei, das nicht funktioniere. Es werde viel versprochen, was das Geraet nicht leisten koenne. Wenn man sich darauf einliesse, habe man nichts als Arbeit und Aerger. Die positiven Seiten des Geraets koennten die negativen nicht aufwiegen. Dies war nicht dazu angetan, die Motivation der Schueler zu verstaerken.

Ich selbst war nahe daran, aufzugeben. Nur der Zwang zum Erfolg und der Zuspruch von aussen half, die Frustration zu ueberwinden.

Die eigentliche inhaltliche Arbeit konnte erst im zweiten Schulhalbjahr beginnen.

5 DIE INHALTLICHE ARBEIT IM ZWEITEN SCHULHALBJAHR

Im wesentlichen wurden folgende Projekte durchgefuehrt:

5.1 Das Projekt "Zeppelinstadt Friedrichshafen" im Rahmen der elektronischen Zeitung "Global Village News"

Aus der Schulbroschuere des Graf-Zeppelin-Gymnasiums, erschienen zum Ende des Schuljahrs 1994/95:

"Die Klasse 9c stellte Friedrichshafen im Internet vor. Das geschah im Rahmen des offenen Projektes GLOBAL VILLAGE NEWS. Dabei handelt es sich um eine internationale elektronische Zeitung, die sich die Aufgabe gestellt hat, ueber aktuelle Ereignisse, ueber Leben und Leute in der Stadt oder Region zu berichten, soweit sie von ueberregionalem Interesse sind.

Die 9c bildete Reporterteams, die teils die Geschichte der Zeppelinluftschifffahrt und die Industriegeschichte aufarbeitete, teils sich vor Ort umsah und umhoerte. So schrieben die Reportergruppen nicht nur Artikel ueber den Grafen und Fahrten beruehmter Luftschiffe, sondern stellten auch das Zeppelindorf und das Zeppelinmuseum vor, recherchierten die sozialen Leistungen der Zeppelinstiftung. Einen besonderer Schwerpunkt legten die Schueler darauf, nicht nur die Technik der alten Zeppeline, sondern vor allem moderne Produkte und Projekte aus den Friedrichshafener Firmen vorzustellen. So berichtete eine Schuelerin ueber einen Versuch im Spaceshuttle, an dem hiesige Techniker beteiligt waren, eine andere schrieb eine Story ueber eine Wettfahrt mit MTU-Motoren, und eine Schuelergruppe stellte die Satelliten ERS-1 und ERS-2 vor.

Ein Hoehepunkt war sicherlich, dass wir live im europaeischen Raumfahrtkontrollzentrum in Darmstadt dabei waren, als ERS-2 mit einer Ariane-Rakete in die Umlaufbahn geschossen wurde. Unser Bericht darueber war frueher im Internet als die Berichte der Tagespresse gedruckt wurden und wurde der Anlass, dass Frau Kopsch die Arbeit der 9c in der Seewoche vorstellte.

Was den Schuelern am meisten gefiel, war die bereitwillige und tatkraeftige Unterstuetzung der vielen Helfer, die ihnen Auskunft gaben, sie durchs Zeppelindorf fuehrten, ihnen Vortraege hielten und Termine vermittelten und gewaehrten. Ihnen allen sei an dieser Stelle nochmals herzlich fuer ihr Engagement und ihren Zeitaufwand gedankt.

Was hat das Projekt sonst noch gebracht?

Kontakt mit Potsdam
Besonderen Spass machte es den Schuelern, Faehnchen in die Weltkarte zu stecken mit den Orten, aus denen Reaktionen kamen. Die meisten Antworten, Fragen und Beitraege kamen aus Deutschland und den USA. Alle wurden beantwortet, weil die Reporter sich auch ernstgenommen sahen. Groesster Erfolg: In Potsdam meldete sich eine Schule, die auf dem dortigen Zeppelinfeld steht. Sie bildet eine Arbeitsgruppe, die im kommenden Schuljahr zum Thema Zeppelin mit einer entsprechenden Gruppe der 9c zusammenarbeiten wird.

Im Trend der Schulpolitik
Das Projekt Global Village lag aber nicht nur wegen der Anwendung moderner Technik im Trend, sondern auch deshalb, weil es mit neuen Unterrichtsformen und faecheruebergreifendem Unterricht verbunden war. Beteiligt waren die Faecher Geschichte, Deutsch und Englisch. In Geschichte ging es um das Thema Industrialisierung an einem lokalen Beispiel, in Deutsch um korrekte Sprache und Rechtschreibung, um die Anwendung journalistischer Formen wie Bericht, Interview und Reportage sowie um die Veraenderung journalistischer Gattungen durch das neue Medien Computer. In Englisch ging es um korrekte Uebersetzung und aktive Anwendung sprachlicher Faehigkeiten. Betreuende Lehrer waren Herr Currlin und Frau Weyler."

Soweit der Artikel aus der Schulbroschuere. Hier muessen noch einige Anmerkungen gemacht werden:

Fächerübergreifender Unterricht

Dieser ist ein zentrales Anliegen des neuen Lehrplans in Baden-Wuerttemberg. Die Tatsache, dass die Sprache des Internet das Englische ist, macht es fuer Schueler unmittelbar einsichtig, ja zwingend, sich der englischen Sprache zu bedienen. Daraus folgt ein ganz erheblicher Sachzwang zur Zusammenarbeit zwischen den Faechern, an dem kein Kollege ohne weiteres vorbeikommt.

Der Computer, als Kommunikationsmedium im Internet benutzt, erweist sich als wirksamer Hebel, dieses Lehrplananliegen umzusetzen. Schon aus diesem Grunde allein muesste diese Art des Computereinsatzes von der Behoerde gefoerdert werden. Uebrigens hat sich Frau Weyler, die betreuende Englischlehrerin, in der Zwischenzeit einen Computer zugelegt, obwohl sie dieser Maschine bisher skeptisch gegenueberstand und noch steht.

Neue Unterrichtsformen

Auch dies ist ein wichtiges Anliegen der Schulpolitik. Im normalen Schulalltag wird Projektarbeit normalerweise auf eine Projektwoche beschraenkt, womoeglich - mit Verlaub - zum Ausklang des Unterichts am Ende des Schuljahrs. Selbstbestimmtes Lernen in der Gruppe unter Anwendung einer Vielzahl von Arbeitstechniken bleibt nach meinem Eindruck die Ausnahme. Die Schueler verlassen das Schulgebaeude hauptsaechlich im Rahmen von Lehrfahrten, Studienfahrten oder Ausfluegen.

Global Village News dagegen war ein Projekt, das unterrichtsbegleitend durchgefuehrt wurde, das ein hohes Mass an selbstbestimmtem Lernen mit sich brachte und geradezu zwangslaeufig dazu fuehrte, die Schule zu verlassen und sich vor Ort umzusehen. Deshalb und weil die Schueler sich mit der Realitaet auseinandersetzen durften, investierten sie oft mehr als vier Nachmittage an Arbeitszeit und wollen dieses Projekt im naechsten Jahr freiwillig fortsetzen. Wir werden ueber Hauptereignisse in der Stadt berichten, die Arbeit der Schueler wird noch staerker in den Unterricht einbezogen.

Der Computer - richtig eingesetzt - laesst sich zwanglos mit neuen Unterrichtsformen verbinden. Im Frontalunterricht waeren diese Ergebnisse nicht zustandegekommen. Ohne Computer haette v.a. auch das deutsche und internationale Publikum mit seinen Rueckmeldungen gefehlt, die fuer die Schueler in vielerlei Hinsicht ein Ansporn waren.

Lerneffekte in den Fächern

Eine Umfrage unter den beteiligten Schuelern ergab, dass sie es als lehrreich empfanden, die teilweise schwierigen Texte zu uebersetzen. Sie schlugen bereitwillig im Lexikon nach und mussten sich selbstaendig auszudruecken versuchen. Der Computer schafft einen Anreiz fuer die Schueler, ihre sprachlichen Fertigkeiten anzuwenden und zu verbessern, den kein kuenstlicher Lehrbuchunterricht zu erzeugen vermag.

In Geschichte liess sich ein am lokalen Beispiel orientierter Unterricht durchfuehren, in Deutsch wurde die Frage nach dem Adressaten eines Textes und die Frage nach dem Zusammenhang von Textform und Adressat wie von selbst gestellt. Die Unterrichtseinheit "Zeitung" aus Klassenstufe 10 musste geradezu vorgezogen werden und stiess auf lebhaftes Interesse.

Einarbeitung in Winword 6.0

Wegen des Problems des Layout und auch, weil wir jedem Helfer ein Exemplar unserer Arbeit anbieten und diese am Schuljahresende auf dem Schulfest ausstellen wollten, bot es sich an, unsere ASCII-Texte unter YUPPIE! nach Winword 6.0 zu konvertieren und ein Zeitungslayout fuer unsere Texte zu erstellen. Damit wurde zugleich die Voraussetzung fuer eine sinnvolle Nutzung des Einzelcomputers im Klassenzimmer im naechsten Jahr geschaffen (vgl. oben). Die Motivation der Schueler, sich wieder ein Stueck moderner Technik anzueignen, war hoch.

Öffentlichkeitsarbeit der Schule

Das Projekt war thematisch bewusst so angelegt, dass sich ein Werbeeffekt fuer die Schule ergab. Zunaechst ging es darum, dem Schultraeger zu zeigen, dass die Schule etwas Sinnvolles mit den neuen Computern anfaengt. Das GZG bekam ja nicht nur den Klassenzimmercomputer, sondern der gesamte Computerbestand im Computerraum wurde neu und besser ausgeruestet. Friedrichshafen, sein neues Museum und seine Industrie waren im Netz praesent: ein durchaus positiver Aspekt in den Augen der Stadt.

Auch die Industrie zeigte sich erfreut, dass eine Schule sich fuer sie interessierte. Das war nicht selbstverstaendlich.

Die Eltern der Schueler, haeufig selbst Techniker bei den hiesigen Grossbetrieben, standen hinter dem Projekt, und schliesslich erschien ein Artikel in der Zeitung, der dem Schulimage bestimt nicht schadete (vgl. Dokumentation).

5.2 Das Projekt Berlin-Zeitung der elften Klasse

Die Zeitung war als Teil der Vorbereitung auf eine Studienfahrt nach Berlin geplant. Diese fand 14 Tage nach dem Ende der Pfingstferien statt. Es erwies sich als notwendig, nochmals in Winword 6.0 einzufuehren, nachdem nun der Computerraum mit den neuen Computern und Programmen ausgeruestet und besserer Lern- und Uebungsvoraussetzungen vorhanden waren. Der Zeitraum zwischen Oster- und Pfingstferien wurde fuer diese Arbeit sowie fuer die Erstellung der Zeitung vorgesehen. Thematisch konnten sich die Schueler schon ab Weihnachten vorbereiten.

Lehrplandeckung (Fach Deutsch)

Informieren - Studiertechniken: Benuetzen von Nachschlagewerken, Fachbuechern; Exzerpt, Auswertung von Tabellen, Grafiken, Bildern - Zusammenarbeit mit Geschichte und Gemeinschaftskunde - Diskussion und Aussprache - Erfassen und Wiedergeben des Textinhalts - Erfassen, Darstellen und Deuten des Zusammenhangs zwischen Inhalt und Form eines Textes - Stellungnahme zu Inhalt und Darstellungsweise eines Textes - Eigene Gestaltungsversuche nach vorgegebenen Mustern (mit dem Computer moeglich).

Verlauf

Die Schueler erwiesen sich in der Mehrzahl zunehmend motivierter, als am Anfang vorauszusehen war. Die gestalterischen Moeglichkeiten des Programmes, die Freude am selbst ausgesuchten Thema und der Wille, ein Andenken an die Fahrt zu erhalten, wirkten zusammen. Allerdings stellte sich heraus, dass der Zeitrahmen zu knapp bemessen war, weshalb die 14 Tage bis zum Antritt der Fahrt fuer die Zeitung mitverwendet werden musste. Zu diesem Zeitpunkt war ich allerdings durch das Roemerprojekt, das sich in der Endphase befand, bereits so sehr in Anspruch genommen, dass ich die abgegebenen Arbeiten einfach sofort ausdrucken liess. Daher erklaeren sich sprachliche und orthographische Maengel. Ein Zeitungsteil mit Bildern und Kurzvorstellung der Schueler soll im neuen Schuljahr noch nachgeliefert werden.

5.3 Projekt "Römerzeitung" (Kaiseraugst) der Klassen 7a und 7b

Aus der Schulbroschuere des GZG:

"Es handelt sich um ein Novum in Deutschland. Zum ersten Mal arbeiteten in ganz Deutschland Schulen verschiedener Schularten und Klassen verschiedener Altersstufen ueber Computer per Datenfernuebertragung an einem gemeinsamen Projekt zusammen. Es waren beteiligt:

Jede der beteiligten Schulen schrieb einen oder mehrere Artikel ueber ein Objekt aus der Roemerzeit in ihrer Naehe, z.B. ueber Sumelocenna (Rottenburg), ueber die villa rustica (roemischer Gutshof) bei Stein / Hechingen, ueber den archaeologischen Park in Xanten / Niederrhein oder ueber Objekte im Berliner Antikenmuseum bzw. im Aegyptischen Museum in Charlottenburg. Die Partner verbanden die Sache teilweise nicht nur mit Ausfluegen, sondern mit einer Projektwoche. In vielen Faellen wurde faecheruebergreifend gearbeitet.

Der Anteil der 7a und 7b

Die Klassen 7a und 7b stellten nach einer gemeinsamen Lehrfahrt die roemische Veteranenkolonie Kaiseraugst (Colonia Raurica) bei Basel in der Schweiz vor. Die 7b uebernahm dabei die Kaiserzeit, die 7a die Spaetantike, Frau Mulot machte Photos. Im Rahmen des Projektunterrichts, der waehrend der normalen Schulstunden durchgefuehrt wurde, uebernahmen einzelne Gruppen bestimmte Unterthemen und bereiteten sie fuer die Zeitung und die Praesentation im Klassenzimmer auf. Eine bestimmte Textlaenge durfte nicht ueberschritten werden. Ausserdem fertigten die Gruppen Zeichnungen fuer die Bebilderung der Wand und der Zeitung an. Eine besondere Ecke im Klassenzimmer blieb der Post der Projektpartner vorbehalten, die Karten und Bilder schickten.

Mitschueler, die schon ueber Erfahrung im Umgang mit dem Computer besassen, tippten die Texte auf Diskette und gaben sie dem betreuenden Lehrer, Herrn Currlin, zur Korrektur. Die Endfassung wurde im Deutschen Schulnetz DSN veroeffentlicht. Herr Hartter von der GHWRS Nehren erklaerte sich bereit, eine gedruckte Gesamtausgabe mit Bildern und Beitraegen aller Teilnehmer zu erstellen, die die Schueler als Projektergebnis in Haenden halten. Ein Kurztest beschloss das Projekt."

Auch hierzu einige Anmerkungen:

Computereinsatz in Klasse 7

ist vom Lehrplan her in Baden-Wuerttemberg gar nicht vorgesehen. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass ungefaehr ein Drittel der Schueler bereits Erfahrungen mit dem Geraet besitzt. Es lag nahe, an diese Erfahrungen anzuknuepfen und sich die Gruppenergebnisse in getippter Form als ASCII-Text vorlegen zu lassen, um diesen dann selbst in YUPPIE! einzulesen und im BWSN bzw. im Deutschen Schulnetz DSN zu veroeffentlichen. Auf diese Weise war eine Zusammenarbeit mit anderen Schulen moeglich und zugleich fuer die Schueler ein plausibler Anreiz gegeben, ausfuehrliches Textmaterial auf Artikellaenge zu bringen, und zwar ohne sich zu blamieren, und so, dass andere den Text verstehen konnten. Zugleich wurde das Exzerpieren als grundlegende Arbeitstechnik und damit das Verstehen von Texten geuebt. Mit einer ausgedruckten Zeitung in ASCII und einigen Bildern waren zugleich die Arbeitsergebnisse gesichert. Der Computer als Kommunikatonsmedium macht den Einsatz also schon in Klasse 7 und frueher sinnvoll.

Ausweitung des Projektes auf HTML

Ingo Kueper, der die Schuelerzeitung "Die Fuechslein" in NRW betreut, brachte mich auf die Idee, die Zeitung nicht nur im DSN, sondern im Internet unter HTML, der Sprache des WWW, zu veroeffentlichen. HTML bedeutet Hypertext Markup Language und ermoeglicht es, Text, Bild, Videosequenzen und Ton auf der Basis von ASCII zu integrieren und zu versenden und in der Art der "Word"-Hilfe Begriffe miteinander zu verknuepfen: Ein Begriff ist blau markiert und unterstrichen, man klickt ihn an, und es erscheint z.B. eine Begriffserklaerung, ein zugehoeriges Bild, usw.

Mit anderen Worten: HTML, das auf fast allen, auch langsamen und alten Computern laeuft,

Diese Moeglichkeiten und v.a. die tatkraeftige Unterstuetzung von Ingo Kueper, der mir die Programme, Bedienungsanleitung und Beispieldateien sandte und bei der Einbindung der Bilder half, veranlassten mich, in HTML einzusteigen, meinen eigenen vollen Internetzugang zu erlangen und eine HTML-Fassung des GZG-Teils der Roemerzeitung zu erstellen, der interessierten Schuelern, Eltern und Kollegen und den Netzteilnehmern zur Verfuegung gestellt wird. (Diskette liegt bei). Klar ist, dass dadurch der Arbeitsaufwand weiter erhoeht wurde. Mein Provider verlangt uebrigens pauschal 45.-DM pro Monat, dazu kommen noch die Telefongebuehren im Ortstarif. Ich empfehle ihn meinen Schuelern.

Arbeitsaufwand

Je mehr Teilnehmer, desto hoeher der Arbeitsaufwand fuer den Koordinator. Aus heutiger Sicht wuerde ich wahrscheinlich nicht mehr als 3 Teilnehmer kordinieren wollen, eher nur mit einem einzigen Partner zusammenarbeiten, auch wegen der unterschiedlichen Netztechnik in den einzelnen Bundeslaendern (DSN und ODS). Seit dem Fruehjahr verbrachte ich fast jedes Wochenende damit, Korrespondenz zu erledigen.

Und die Schueler? Diese waren am Schluss selbst platt, als sie die Roemerzeitung in Haenden hielten. Einige Exemplare der Zeitung wurden bei der Ausstellung auf dem Schulfest am Schuljahresende nachbestellt, in Reutlingen und Friedrichshafen erschienen Artikel in der Lokalpresse (vgl. Dokumentation). Die Nehrener werden den Friedrichshafener Teil im kommenden Schuljahr zur Grundlage einer entsprechenden Unterrichtseinheit machen.

5.4 Perspektiven für das Schuljahr 1995/96

Klasse 10c (ehemals 9c):

Im naechsten Schuljahr wird die 10c Teams bilden. Eines wird Kontakt zu Klassen in England, USA und Australien suchen und wird dabei mit einem Schueler des GZG zusammenarbeiten, der im Schuljahr 95/96 als Austauschschueler nach San Francisco reist. Ein anderes Team wird in Global Village weiterschreiben und nach Moeglichkeit zu den Firmen Kontakt halten. Ein drittes betreut die Zeppelin-AG aus Potsdam.

Im Klassenzimmer der 10c wird der Klassencomputer stehen. Dieser soll diesmal, bei besseren Voraussetzungen (siehe oben), wirklich ganz selbstverstaendlicher Bestandtteil des Schulalltags und Normalunterrichts werden, nicht nur ueber das Schulnetz usw., sondern auch ueber CD-ROM (Einsatz von Lexika, usw.). In einer Reihe von Klassen sind weitere Projekte mit Computereinsatz geplant.

Dreh- und Angelpunkt der naechsten Jahre wird das GZG-Lexikon.

5.5 Das multimediale GZG-Lexikon

Hierzu noch einmal die Schulbroschuere:

"Vom Schuljahr 1995/96 an wird das Graf-Zeppelin-Gymnasium das GZG-Lexikon aufbauen. Dies wird ein multimediales Lexikon mit Text, Bildern, Video- und Tonsequenzen sein. Technische Basis ist HTML (Hypertext MARKUP LANGUAGE), die Spreche des Internetdienstes WWW (World Wide Web). (...) Einzelne Seiten des Lexikons koennen auch ins WWW, also ins Internet gegeben werden und umgekehrt. Das Lexikon wird staendig aktualisiert und erweitert.

Arbeit geht nicht mehr verloren

Die Roemerzeitung bildet den ersten Beitrag zum Lexikon. Nach und nach werden weitere geschichtliche Bereiche abgedeckt. Aber es soll ein Lexikon fuer alle Faecher werden. Es wird so strukturiert, dass fuer jedes Fach Beitraege geschrieben werden koennen. Referate, Jahresarbeiten, Projekt- und regulaere Unterrichtsergebnisse muessen nicht mehr verloren gehen, sondern bleiben spaeteren Schuelergenerationen erhalten. Auf der Basis des Lexikons, das naturgemaess in schuelernaher Sprache geschrieben ist, koennen dann Kurzreferate erarbeitet werden, usw."

Anmerkungen:

Mitarbeit von Kollegen und ehemaligen Schülern

Bisher haben sich bereits mehrere Kollegen bereit erklaert, am Lexikon mitzuarbeiten. Einer davon wird Texte und Karten zu oberdeutschen Staedten beisteuern, ein anderer laesst die Jahresarbeiten seiner Schueler kuenftig in HTML abfassen. Die Arbeit mit den entsprechenden Programmen wird uebrigens im Informatikunterricht der Klassenstufe 8 eingefuehrt. Auch ehemalige Schueler wollen Beitraege leisten, ein nicht zu unterschaetzendes Potential.

Prüfungsfragen; und Antworten

Das Lexikon wird mit Pruefungsfragen und Antworten versehen, die es den Schuelern erlauben, sich effektiv auf Tests vorzubereiten. Im Fach Geschichte z.B. wird im Laufe der Zeit eine Sammlung von Fachbegriffen entstehen, die zu einem Glossar zusammengefasst werden. Die Fragen koennen auch ueber ein Lernspielprogramm in der Art von "Barricade" abgefragt werden, das zum kommenden Schuljahr installiert und propagiert wird.

Inspiration von Eltern

Falls Schueler das Lexikon zu Hause installieren, koennen auch Eltern sich einarbeiten, u.U. ihre Kinder abfragen oder mit ihnen einen Sonntagsausflug z.B. in ein Museum unternehmen. Nach demselben System koennen sie ihre eigenen Reisen bearbeiten, usw.

6 DIE AKZEPTANZ DES NEUEN MEDIUMS IM KOLLEGIUM

Soll der Computer selbstverstaendliches Arbeitsmittel (Schreibgeraet, Mittel zur Informationsbeschaffung, ueberhaupt Kommunikationsmittel) werden, setzt dies zunaechst die Akzeptanz dieses Geraets im Kollegium voraus.

Dort sind die Meinungen geteilt: Ein Teil lehnt den Computer grundsaetzlich ab, ein Teil steht ihm mit mehr oder weniger grossen Vorbehalten gegenueber, ein Teil besitzt bereits privat ein Geraet und nutzt es meist als bessere Schreibmaschine. Wenige Kollegen sind Point im BWSN, einer ausser mir nutzt es bisher aktiv. Viele wissen nicht, welche technischen und paedagogischen Moeglichkeiten der Computer besitzt, wie man das Schulnetz sinnvoll einsetzen kann, oder sie trauen sich technisch nicht zu, damit zu arbeiten. Es gibt bei Anfaengern eine beachtliche Hemmschwelle und eine grosse Angst, man koenne etwas falsch machen und unwiderruflich zerstoeren.

Auf der anderen Seite waechst die Neugier spuerbar, teils weil heute in jeder Zeitung etwas ueber das Internet steht, teils weil sich herumspricht, welche Moeglichkeiten es an der Schule bereits gibt.

6.1 Einführung auf dem Pädagogischen Tag

Zum Ende des Schuljahres 1994/95 veranstaltete das GZG einen Paedagogischen Tag. Dort fuehrte ich einer Gruppe von Kollegen auf meinem privaten Computer vor, was im Schulnetz machbar ist und was mit Scanner und CD-ROM gemacht werden kann. Die anwesenden Kollegen machten weitere darauf aufmerksam, was technisch alles moeglich ist.

6.2 Kleine Vorführung auf einer Gesamtlehrerkonferenz

Auf der vorletzten Gesamtlehrerkonferenz informierte ich die Kollegen ueber den aktuellen Stand der Dinge betreffs Computereinsatz im Unterricht im Zusammenhang mit der Datenfernuebertragung.

6.3 Der Bibliothekscomputer als Hebel

Mit Worten oder buerokratischen Vorschriften wird man nicht weit kommen, aber mit dem Nachweis praktischer Moeglichkeiten und Vorteile. In diesem Zusammenhang gewinnt der neue Bibliothekscomputer des GZG Bedeutung.

Er ist im wesentlichen identisch mit dem Klassencomputer und wird auch von mir verwaltet. Ein moderner Farbscanner ist angeschlossen. Die Maschine wird im kommenden Schulhalbjahr mit den Computern des Computerraumes vernetzt. Ausserdem wird sie nicht nur ans BWSN angekoppelt, sondern erhaelt auch - vermutlich bis zum Herbst - einen Vollzugang zum Internet.

Es geht darum:

Wer will, kann den Bibliothekscomputer nach seinem Interesse verwenden. Auch die Installation gewuenschter zusaetzlicher Programme duerfte keine Schwierigkeiten bereiten. Wer selbst einen Beitrag zum GZG-Lexikon geleistet hat, darf auch voll darauf zugreifen.

7 ALLGEMEINE VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE EINFÜHRUNG DES NEUEN MEDIUMS IN DEN SCHULEN

Es gibt eine Reihe von Voraussetzungen, die erfuellt werden muessen, wenn das Hightech-Land Baden-Wuerttemberg den gewaltigen Rueckstand bei der Verwendung moderner Informationstechniken aufholen will, den es gegenueber den USA und z.B. Grossbritannien hat. Diese sind meiner Meinung nach und nach den Erfahrungen des letzten Schuljahres:

Werden diese Voraussetzungen nicht geschaffen, kommt der Computer als Kommunikationsmittel trotzdem, aber eben viel, viel langsamer. Der Abstand zu anderen Industriestaaten auf diesem Gebiet wird sich vergroessern. Wenn sich die Behoerde damit zufrieden gibt, muss sie weitermachen wie bisher. Wenn sie es gerne ein klein wenig schneller haette, sollte sie wenigstens Deputatsnachlaesse gewaehren. Reine Lehrplanmassnahmen fuehren zu papierenen Vollzugsmeldungen von unten.

Wolfgang Currlin (Text etwas umformatiert und mit HTML verziert von W. Alex, Karlsruhe)


Hier noch ein Posting von W. Currlin:

From: Wolfgang.Currlin@P4.GHWRS-Bitz.bwsn.bw.schule.de (Wolfgang Currlin)
Newsgroups: schule.allgemein
Subject: Re: Moeglichkeiten mit PC in der Schule?
Date: 15 Nov 95  16:27:06 +0100
Organization: Grund-Haupt-Werkrealschule Bitz, Baden-Wuerttemb. Schulnetz
 

Am Graf-Zeppelin-Gymnasium in Friedrichshafen sieht es so aus:

Im letzten Schuljahr wurden 16 neue Computerarbeitsplaetze im Computerraum geschaffen. Wir arbeiten nicht nur unter DOS, sondern auch unter Windows, neben einer Reihe von Programmen verfuegen wir ueber Winword 6.0. Im Computerraum laeuft das meiste noch im Rahmen des Informatikunterrichts, aber ich fuehre auch interessierte Schueler zweier 8er-Klassen im Rahmen des Geschichtsunterrichts (ich unterrichte in Geschichte und Deutsch) in HTML ein, weil wir auf dieser Basis ein Schullexikon aufbauen. Projektergebnisse (der Projektunterricht laeuft waehrend der regulaeren Unterrichtszeit) werden z.B. im Schullexikon gesichert, auch Referate und Jahresarbeiten. Eine Reihe von Kollegen laesst sich im Rahmen einer schulinternen Fortbildung gerade in HTML einweisen.

Eine Besonderheit an unserer Schule macht mich recht gluecklich: In einer 10. Klasse stehen fuenf Computer, die miteinander vernetzt sind und zu Testzwecken nur dieser Klasse zur Verfuegung stehen. Der Server laeuft unter WindowsNT, die anderen unter Windows fuer Workgroups. Das Netz funktioniert zwar noch nicht so, wie ich es will, aber man kann schon damit arbeiten. Der Server haengt auch am Schulnetz, YUPPIE ist aber noch nicht vernetzt. Ich muss mich in alles erst einarbeiten und das nebenher.

Mit diesem Klassenzimmernetzwerk versuche ich den Unterricht in den Schulalltag einzubinden. Die Ergebnisse von Gruppenarbeiten usw. werden auf Winword 6.0 geschrieben. Ich arbeite moeglichst oft in Gruppen, damit die Geraete optimal genuetzt werden koennen. Kuerzere Texte werde ich in Zukunft nicht mehr kopieren, sondern - wenn sinnvoll - gleich auf die Computer spielen und dort untersuchen bzw. bearbeiten lassen.

Im Augenblick arbeiten wir an einer Partnerschaft mit einer amerikanischen Klasse, wissen aber noch nicht, ob es klappt. Ein Schueler von uns, der auf Austausch in Los Angeles ist, will Kontakte knuepfen. Auf jeden Fall arbeiten wir daran, unsere Schule und unsere Klasse vorzustellen, das braucht man ja immer. Dabei wurden die Schueler in Yuppie eingefuehrt, die Kenntnisse werden sich aber noch festigen muessen. Ausserdem arbeiten wir auch da mit HTML. Unsere Reporterteams arbeiten selbstaendig. Ausserdem arbeiten wir mit der Schuelerzeitung zusammen. Weitere Projekte sind in Planung.

Vier Schuelergruppen sind jeweils fuer eine Kiste verantwortlich und haben vollen Zugriff auf ihre Festplatte (500MB). Wer Scheiss baut, muss ihn selbst ausbaden. Sharewareprogramme liegen zur Verteilung bereit einschliesslich Installationsanweisungen, ich habe auch nichts dagegen, wenn im CD-Rom-Laufwerk eine Audio-CD liegt. Jede Gruppe kann sich Desktop und Bildschirmschoner waehlen, usw. usf. In der grossen Pause bleiben die Schueler im Klassenzimmer. Die Geraete werden fast pausenlos genuetzt, ich selbst lerne eine ganze Menge dazu (meine Kenntnisse stammen uebrigens zu einem erheblichen Teil von Schuelern), die Neulinge werden von den Geuebteren automatisch mitgezogen.

Unsere Schule wird einen Vollzugang zum Internet bekommen, vielleicht noch vor Weihnachten und zunaechst fuer ein Lehrergeraet (Akzeptanz im Kollegium). In der Perspektive (hoffentlich bis zu den Sommerferien) werden auch die Schueler einen kontrollierten (Kostenfrage) Zugang erhalten. Ich arbeite daran, eine gute Bookmarkliste zu erstellen mit vielen Ausgangspunkten, und denke an gezielte Recherchen, aber auch an Verweise zu Servern mit brauchbarem Material fuer den Unterricht. Nach den Weihnachtsferien werden die Schueler lernen, wie man vom Klassenzimmer aus im Computer der Uni Konstanz nach Titeln, usw. sucht.

Am Ende des Schuljahr mache ich einen Bericht, den ich dann poste.

Die Schulleitung ist sehr aufgeschlossen, die Stadt trotz Sparzwaengen ebenso. Diese Konstellation duerfte selten sein, deshalb glaube ich nicht, dass unsere Moeglichkeiten typisch sind.

Tschuess, W.Currlin


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Jüngste Änderung 16. Nov. 1995 webmaster@ciw.uni-karlsruhe.de