COMPED
Computers in Education StudyWB01664_.gif (1442 Byte)
Computerkompetenz der Lehrer/innen (Sekundarstufe)

Das Wissen und Können der Lehrerinnen und Lehrer ist ein entscheidender Faktor dafür, ob, in welchem Ausmaß und mit welchem Erfolg Computer im Unterricht eingesetzt werden. Nur ein sehr geringer Prozentsatz aller derzeit im Dienst stehenden österreichischen Lehrer hat an der Universität oder in der Pädagogischen Akademie eine systematische Grundausbildung im Bereich der Informationstechnologie erhalten - mehr als 90% des Wissens der Lehrer über Computer stammt daher aus der Fortbildung am Pädagogischen Institut oder an der eigenen Schule, dem Selbststudium oder aus privat finanzierten Kursen. Rund 9% der Lehrer an HS/AHS haben bis 1992 eine formale Qualifikation (Zusatz-Lehramt) für das Fach Informatik erworben, rund 70% des Informatikunterrichts wurde zum Zeitpunkt der Untersuchung von geprüften Informatiklehrern erteilt. Im Schnitt verfügte jede HS/AHS in Österreich über zwei geprüfte Informatiklehrer (wobei 81% von ihnen männlich waren).

Im Rahmen der internationalen Studie "Computers in Education" (COMPED) wurde 1989/90 und 1992 die Praxis der Computeranwendung in mehr als 20 Staaten, unter anderem in Österreich, vergleichend untersucht. Die Angaben über die Computerkompetenz der Lehrer/innen in Österreich beruhen auf der Befragung von rund 4500 Lehrern aus der Unter- und Oberstufe.

Mithilfe einer insgesamt 32 Fragen umfassenden Selbsteinschätzungsskala wurde in COMPED das Wissen und Können der Lehrer/innen in der Hauptschule und in den Höheren Schulen untersucht. Die Informatiklehrer erhielten alle Fragen, die Lehrer aus den Fächern D-M-E-GZ und den Realien einen eingeschränkten, 14 - 22 Fragen umfassenden Teil der Skala.

Grafik V.10/1 zeigt einige ausgewählte Ergebnisse dieser Selbsteinschätzung. Zwischen den gut ausgebildeten Informatiklehrern und den anderen Lehrern besteht ein enormer Wissensunterschied. Bemerkenswert ist, daß nicht einmal die Hälfte der Trägerfachlehrer/innen in den HS/AHS nach ihren eigenen Angaben (!) über einfachste Grundkenntnisse (z.B. eine Textverarbeitung benutzen) verfügten. Daher konnten viele dieser Lehrer/innen 1992 nicht die - vom Lehrplan geforderte - Integration des Computers in ihren Unterricht durchführen (siehe Indikator VI.10 "Computereinsatz in der Pflichtschule").

Die Selbsteinschätzungsfragen wurden in der Population 2 (Pflichtschule/AHS-Unterstufe) für jede Lehrerperson zu einem Gesamtwert summiert, der als Computer Competence Index (CCI) bezeichnet wird. Der CCI erreicht 100, wenn eine Lehrperson angab, daß sie über alle gefragten Fähigkeiten verfügte - der Index ist 0, wenn keine der Fähigkeiten vorhanden war.

Gleichzeitig wurde erhoben, wie viele Fortbildungsveranstaltungen diese Lehrer/innen zum Thema Computeranwendung bis dahin bereits besucht hatten. Daraus wurden vier Gruppen - je nach Umfang der absolvierten Seminare - gebildet. Wie aus Grafik V.10/2 deutlich wird, schneiden geprüfte Informatiklehrer mit regelmäßiger oder viel Fortbildung (das sind ca. 2/3 der Informatiker-Stichprobe) außergewöhnlich gut ab, wobei die männlichen Lehrer (CCI im Mittel zwischen 81 und 87%) ihre weiblichen Kollegen (CCI 62 - 80%) noch etwas übertreffen.

Leider hat etwa ein Drittel aller Lehrer/innen bis 1992 weder eine Ausbildung noch eine einschlägige Fortbildung besucht - da es sich bei den Befragten ausnahmslos um Trägerfachlehrer/innen handelte, bedeutet dies, daß jede dritte Lehrperson drei Jahre nach verpflichtender Einführung des Unterrichtsprinzips über keinerlei Kompetenz in diesem Bereich verfügte. Bemerkenswert ist der hohe Anteil weiblicher Lehrer in den Gruppen mit der geringsten Aus- und Fortbildung und die daraus resultierende signifikant niedrigere Kompetenz der Lehrerinnen.


Grafik V.10/1: Computerkompetenz und Aus- und Fortbildung der Lehrer/innen - Selbsteinschätzung des Wissens und Könnens - Index von 0% - 100% (COMPED 1992)


Grafik V.10/2: Computerkompetenz von Lehrerinnen und Lehrern (Beispiele zur Computerkompetenz
aus einer insgesamt 32 Fragen umfassenden Selbsteinschätzungsskala)

WB01664_.gif (1442 Byte)

   Literatur

Haider Günter (Hrsg.): Indikatoren zum Bildungssystem. Fakten zum österreichischen Bildungswesen und ihre Bewertung aus Expertensicht. Kommentierte Daten aus österreichischen Bildungsforschungsstudien bis 1995 und Bildungsstatistiken bis 1994/95.
In: Krumm, Volker und Haider, Günter (Hrsg.): Beiträge zur
                                    Vergleichenden Schulforschung. Band 2. Innsbruck, Wien 1997.
                                    ISBN 3-7065-1198-3 (Österreichischer StudienVerlag)

WB01664_.gif (1442 Byte)