Ergebnisse zur Frage:
"Besteht Interesse an der Einrichtung einer mailing-list"


Da es im internet zahlreiche Möglichkeiten zum Meinungsaustausch innerhalb von größeren Personengruppen gibt (z.B. newsgroups, mailinglists, IRCs), galt eine Frage nach der Einrichtung einer mailinglist zur Besprechung pädagogischer Fragen im Zusammenhang mit der Nutzung des internet im Unterricht. Über 90 Prozent wünschten sich solche eine Einrichtung, wobei diese Wünsche häufig hinsichtlich ihrer Dringlichkeit unterstrichen wurden.

Viele Befragte äußerten explizit den Wunsch, mit anderen internet-LehrerInnen in gleichen Fächern bzw. im gleichen Stadium der Einbindung des internet in den Unterricht in Kontakt treten zu können. Manche wünschen sich sogar einen Ausbau der internationalen Kontakte zu LehrerInnen in anderen europäischen Schulen.

Wie ich aus der Vorbereitung zu dieser Untersuchung wußte, gibt es bei Black*Board - nach eigenen Aussagen Österreichs größtem Netzwerk für Schule und Bildung - eine Gratisplattform für eigene Kommunikationsforen, allerdings werden dort praktisch keine konkreten Unterrichtsfragen im Zusammenhang mit dem Einsatz des internet diskutiert.

Bestehende Listen

Wie oben erwähnt, existieren bereits einige lists. So etwa die ML lehrerforum@ccc.or.at und die ML agtk@ccc.or.at der Arbeitsgemeinschaft Telekommunikation, beide als moderierte Listen auf dem Listserver des CCC (Computer Communications Club - e-mail: ccc@ccc.or.at). Wie ich allerdings von früheren Kontakten mit LehrerInnen wußte, werden über solche Kanäle vor allem technische Probleme diskutiert. Die aktuelle Struktur einer mailinglist läßt sich gut am Aufbau des LEHRERFORUMs zeigen:

Das LEHRERFORUM ist ein automatisches Versendeprogramm fuer E-Mails, die
auf die Adresse lehrerforum@ccc.or.at gesendet wurden. Das Programm
laeuft derzeit noch unter DOS, an einer Umstellung auf das System
Majordomo wird gearbeitet. 
 
Der Rechner wird vom CCC (Computer Communications Club) in Wien
betrieben. Der CCC ist ein gemeinnuetziger Verein und hat die Foerderung
der elektronischen Kommunikation als Ziel. Der Verein ist unabhaengig,
ungefoerdert und finanziert seine Leistungen durch Mitgliedsbeitraege.
Eine wichtige, wenn nicht die groesste Mitgliedergruppe sind Lehrer,
daher wurde auch diese Diskussionsrunde LEHRERFORUM gegruendet. Der
Verein hat ca. 600 Mitglieder.*)
 
Der eigentliche Chef und Hueter des Rechners ist Werner Illsinger
(illsin@ccc.at), Absolvent der HTL Wien 20, Praesident des CCC.
 
Franz Fiala fertigt die Clubzeitschrift PCNEWS. Da Auflage fuer eine
Zeitschrift zu den wichtigen Kennwerten zaehlt, wird versucht, mit
anderen EDV-Vereinigungen mit vergleichbaren Zielen die PCNEWS gemeinsam
herauszugeben. Derzeit sind es 9 Vereinigungen, die die PCNEWS als
gemeinsame Clubzeitschrift bezeichnen (ADIM, CCC, CCR, HYPERBOX, ITC,
MCCA, OeCAC, PCC-S, PCC-TGM). Wir schaffen gemeinsam eine verkaufte
Auflage von 3500 Stueck und verbreiten insgesamt 5000 Stueck.
Probeexemplare senden wir gerne zu.
 
Wir bitten die Teilnehmer am LEHRERFORUM, diese Aktivitaeten durch eine
Mitgliedschaft zu unterstuetzen auch wenn vielleicht nur ein Teil des
Angebots fuer Sie von unmittelbaren Nutzen ist. 
 
Eine Basis-Mitgliedschaft kostet S 400,-/Jahr. 
Im Raum Wien werden auch Internet-Zugange angeboten.
Es gibt monatliche Treffen und Seminare. 
Es gibt kostenlosen Web-Space.
Es gibt jede Menge Content auf den diversen Servern des Clubs.
Ein Beispiel: 
Alle Schulen mit Adresse/Telefon/E-Mail/WWW unter 
http://pcnews.at/srv/sch/~sch.htm.
Jeder hat eine E-Mail-Adresse.
 
Alles kostenlos - aber zahlen muss es dennoch wer: 
derzeit die Clubmitglieder.

(Diese Beschreibung stammt aus einer mail der Liste pcnews <pcnews@pcnews.at> vom 11. Oktober 1998).

Während des Zeitraums der Erhebung habe ich daher die Aktivitäten dieser und anderer mailinglists mitverfolgt. Es wurden tatsächlich in diesen Listen keine genuin pädagogischen Themen besprochen, vielmehr dienten sie vorwiegend der Verteilung von Unterschriftenlisten und Aufrufen gegen das Sparpaket der Regierung. Insbesondere wurden die Einsparungen an den HTLs diskutiert, denen zahlreiche Dienstposten gestrichen wurden. Im Zusammenhang mit der Thematik dieser Untersuchung stand eine im net verbreitete parlamentarische Anfrage zur Kürzung der AssistentInnenplanstellen. Diese wurden in vielen Schulen als Betreuer von internet-Projekten eingesetzt und waren für die bestehenden Netzwerke verantwortlich. Es ist verständlich, daß es von vielen Mitgliedern der mailinglists als paradox empfunden wurde, daß gleichzeitig die österreichweite Vernetzung der Schulen mit großen Trara verkündet wurde, während andererseits die zur Betreuung der Netzwerke notwendigen Fachkräfte gestrichen wurden. Daß diese Inhalte auch zum Zeitpunkt der Aktualisierung dieser Arbeit (Version 1.4 im Oktober 1998) dominierten, ergab sich fast zwangsläufig aus den zu dieser Zeit laufenden Diskussionen über weitere Einsparungspläne des Ministeriums.

Interessant waren die postings zu aktuellen technischen Entwicklungen im EDV-Bereich, die jedoch nur für einen Kreis von Eingeweihten interessant sind. Manche in solchen Listen verbreiteten Informationen waren zumal in jenem oft abschreckend wirkenden Technik- und internet-Jargon verfaßt, daß über solche Listen kaum newbies für diese Technologie erwärmt werden können.

Es treffen daher weitgehend die Aussagen eines Lehrers zu, der mir schrieb: "Natuerlich bin ich - sind wir - in diesen Listen inskribiert. Doch haben Sie das Gefühl, dass man dort die Dinge beschreibt, die fuer den Unterricht in der Klasse wichtig sind? ... Ich suche wirklich nach einem Diskussionspartner, mit dem ich ueber die Bildungsproblematik im Netz reden koennte, den ich einmal zu einem Vortrag einladen koennte. Bildungsorientierte Diskussionen werden kaum in einer von Technikern dominierten mailinglist stattfinden."

An der HTL Hollabrunn (http://www.htl-hl.ac.at/) sind nach Auskunft von Hermann Dangl mehrere solcher Listen auf schuleigenen servern eingerichtet. Diese Schule zählt übrigens in ausstattungstechnischer Hinsicht zu den Spitzenreitern in Österreich.

Vermutlich eher kommerziell orientiert ist die digitale-schule mailing list, die vom Techno-Z FH Forschung und im Rahmen des Projekts "Vernetzte Bildung" angeboten wird. In der Begrüßungsmail der mail-Maschine wird der Diskussionsrahmen abgesteckt:

Herzlich willkommen beim Forum digitale-schule"!
Schulen sehen sich heute der Herausforderung und Verantwortung gegenüber,
die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien in den Unterricht
einzubeziehen. Viele Lehrer und Lehrerinnen verwenden diese Technologien
bereits.
Digitaler Unterricht ist von ersten Experimenten zu einem wichtigen Teil
ihrer schulischen Praxis geworden. Allerdings gibt es noch eine breite
Kluft zwischen den Klassen, wo dies zu kreativen Anwendungen und neuen
pädagogische Modellen geführt hat, und jenen Schulen und Lehrkräften, die
der Verwendung neuer Medien skeptisch gegenüberstehen.
Wir möchten Lehrern und Lehrerinnen ein Forum bieten, ihre Projekte und
Unterrichtsmodelle vorzustellen, über Erfahrungen mit digitalen Lehr- und
Lernmaterialien zu berichten, sowie Themen des vernetzten Unterrichts zur
Diskussion zu stellen.
Wir laden sie daher herzlich ein, an diesem Forum teilzunehmen und mit ihren
Beiträgen anderen zu helfen, die neuen Medien in der Schule gezielt einzusetzen!

Fazit

Aus den Ergebnissen zu dieser Frage läßt sich der Schluß ziehen, daß es zwar Informations- und Kommunikationskanäle gibt, daß diese aber nicht zum Austausch für jene Themen genutzt werden, für die nach Aussagen der Betroffenen Bedarf besteht.

Die geplante Einrichtung einer eigenen mailinglist auf dem universitätseigenen server für pädagogisch-didaktische Fragen aus dem Schulbereich wird daher modifiziert, da es wenig zweckmäßig erscheint, ein weiteres vermutlich mehr oder minder brachliegendes Forum einzurichten, noch dazu eines, das außerhalb des direkten Wirkungsbereiches der Betroffenen liegt. Ein solches sollte imho vielmehr von den derzeit so aktiven Providern oder einer der zentralen Bildungsinstitutionen - vielleicht in Kooperation ;-) - eingerichtet werden. Für den Erfolg ausschlaggebend ist dann vermutlich eher die Werbung dafür bzw. die Bereitschaft, auch aktiv mitzutun und mitzudiskutieren. Gefördert sollten auch die zahlreichen kommunikativen Einzelprojekte von LehrerInnen werden, insbesondere die Bemühungen einzelner FachbereichslehrerInnen. Hier ist die kleine Gruppe Gleichgesinnter sicherlich wirkungsvoller.

Um die zahlreichen expliziten Anfragen nach einem nicht ausschließlich technisch orientierten Forum doch befriedigend zu beantworten, wird die bereits bestehende mailinglist paedpsych (http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/PAEDPSYCHLISTE/paedpsychliste.html) als vorläufige Heimat für die anstehenden pädagogischen Fragen beim Einsatz des internet an Schulen angeboten.

Persönliche Anmerkung:
Es soll auch nicht verschwiegen werden, daß einigen LehrerInnen die Informationsfülle aus mailinglists schon zuviel wird, manche sprechen von einer "Überschwemmung mit Informationen". Aus eigener Erfahrung kann ich das zumindest teilweise bestätigen (der Autor ist in etwa 20 Listen subskribiert), allerdings lernt man mit geeigneten Filtern (soft- und hardwareseitiger) und bei entsprechender subject-Disziplin auch damit zu leben. Zahlreiche Informationen, die in dieser Arbeit wiedergegeben werden, stammen aus solchen lists.


Hinweis

Falls Sie vermittels einer Suchmaschine auf dieser page gelandet sind: diese ist Teil des e-zine Artikels

Stangl, Werner (1998). internet in der Schule - Eine Bestandsaufnahme über den Einsatz des internet im Unterricht an Österreichs Schulen. p@psych 3.
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchule.html


©opyright p@psych Linz 1998.
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