Natürlich wird man die Neuauflage aus Österreich in die Hand nehmen, drin rumblättern, eine Reihe von déjà-vu-Erlebnissen haben und vielleicht wird einem auch die eine oder die andere neue Erkenntnis zuwachsen. Die Gefahr, daß ich mich langweile ist allerdings groß.

Nun evaluieren wir die FU Berlin und andere Universitäten seit Jahr und Tag (genau: seit 1991). Wir haben mittlerweile ca. 100.000 Studenten befragt, dabei 12 Fachbereiche genauer unter die Lupe genommen, einen Fragebogen zur individuellen Rückmeldung erfolgreich in unserer Universität eingeführt und anderen Universitäten die Kärnerarbeit der Evaluation gegen Zahlung von Gebühren abgenommen. Auf den ersten Blick ist unsere Bilanz erfolgreich.

Im Moment läuft gerade zum dritten mal unser allseits beliebtes Studienbarometer: in 35 Fachbereichen und Instituten werden Stichproben von jeweils 100 Studenten nach ihrer Einschätzung der Studienbedingungen befragt. Die Befragung ist trotz des Streiks abgeschlossen, die ersten Ergebnisse liegen vor. Und wieder werden wir Betroffenheit produzieren, wenn wir nachweisen, daß sich 20% bis 40% der Studenten in den Geisteswissenschaften intellektuell unterfordert fühlen, daß das klassische Referate-Seminar eigentlich ein Skandal ist und daß die Studenten den Praxisbezug in den meisten Fächern - mit Ausnahme der Zahnmedizin - hundsmiserabel finden.

Ja und dann?

Nix dann!

Die Ergebnisse versickern im Morast der Gremien und Kommissionen. Der eine oder der andere Fachbereich verändert vielleicht mal die eine oder die andere Kleinigkeit, vergattert auch mal die Prüfungssekretärin, weil die Studenten die Hilfsbereitschaft der Verwaltung beklagenswert fanden. Das war's dann aber auch.

Auch nach einer Evaluation, egal ob mit Fragebögen oder mit peers, mit Gruppendiskussionen oder exotischen Verfahren: anschließend gibt es in den Fachbereichen im wesentlichen nur business as usual. Nicht daß es nicht allerorten eine große Bereitschaft zum Besseren gibt - wer wollte nicht das Gute und das Schöne? - nein, die meisten wissen einfach nicht, wie sie es machen sollen. Schlimmer noch, die meisten wissen nicht einmal, daß es etwas zu wissen gibt, daß es Alternativen gibt. Da helfen Evaluationen, Rückmeldungen und Gutachten überhaupt nichts. Verfahren dieser Art bleiben beschreibend, rückwärtsgewandt und setzen Kreativität bei den Betroffenen nur beim Finden von Argumenten gegen die Evaluationen frei. Ein deutscher Professor wird auch auf dem Sterbebett dem Tod noch methodische Unzulänglichkeit vorwerfen.

Solange Evaluationen nicht mit Strategien zur Veränderung gekoppelt werden, sind sie weitgehend Zeit-, Geld- und Energievergeudung.

Meine Frage also: gibt es irgendwo in unserer braven universitären Welt plausible Ansätze einer vernünftigen Organisationsentwicklung? Hat irgend jemand etwas wirksames aus der Wirtschaft übernommen? Gibt es erfolgreiche Quality Circle oder kaizen-Gruppen in denen auch Innovatives eine Chance hat? Wird irgendwo mit policy papers gearbeitet? Gibt es irgendwo Ansätze, in denen auch Inhalte berücksichtigt werden und nicht nur Kreuze bei der Frage gemacht werden, ob der Dozent stottert und die Folien blendfrei auflegt?

Evaluation hat die Universität bisher nur beschrieben - es kommt darauf an, sie zu verändern.

Es wäre schön, wenn es Antworten gäbe. Und wenn dieser Versuch ertragreich ist, würde ich gerne in der zweiten Jahreshälfte 1998 zu einem Expertengespräch nach Berlin einladen. Es wird sich sicherlich jemand finden lassen, der dies fördert.

Mit besten Grüßen aus Berlin

Heinz Gralki

PROJEKT PRO LEHRE

From:

"Dr. Heinz O. Gralki" <pplfu@zedat.fu-berlin.de>

Mon 3:57 Uhr

Subject:

Re: hochschulevaluation

To:

forum-evaluation@uni-koeln.de

> Lieber Kollege Gralki,

> ich kenne noch viel schlimmere Erfahrungen mit Hochschulevaluation:

> monatelang geheime Abschlussberichte; eine auf 10 Minuten begrenzte

> Abschlusspraesenation des externen Gutachters nach Schluss der offiziellen

> Sitzung des Entscheidungsgremiums, fakultaetsweiter Auswertungstag zur

> Evaluation ohne interne Vorbereitung .....

Ja,ja, so haben wir alle unsere ähnlichen Erfahrungen. Allerdings liegt das an der FU schon etwas länger zurück. Im Prinzip wird unsere Arbeit akzeptiert und in den alljährlichen Lehrberichten werden wir gerne zitiert (natürlich nur die positiven Aspekte)

> Also: Seien Sie zunaecht einmal stolz, die g e s e t z t e Aufgabe so

> gut zu erfuellen.

Nö, weil ich grundsätzliche Zweifel habe!

> Dann koennte man ja mal an einen Mustervertrag denken, den eine

> universitaetsinterne Evaluationseinheit mit der Universitaetsspitze und

> den Auftraggbern an den Fakultaeten schliesst.

Haben wir (besser: hatten wir): mit Personalrat, Frauenbeauftragte usw. Letzlich zählt aber nur Artikel 5 Abs. 2 GG und die Zahl der erhobenen Hände in der Fachbereichsratssitzung. Alles andere ist Blendwerk.

Und an Standards der Hoschulevaluation, vielleicht angelehnt an die Program Evaluation Standards.

Eher nicht: weil es sich dabei weitgehend um eine Ansammlung von Allgemeinplätzen handelt,die man nur schmunzelnd zur Kenntnis nehmen kann, wenn man bis zu den Hüften im alltäglichen Evaluationsgeschäft steht.

Wieso nicht einen kleinen Katalog von professionellen Standards

von Hoschulevaluatorinnen erarbeiten? Darin stellt Einfuerhung in die

Organisation und Vertragsschliessung, Rechte und Pflichten von

Evaluatroinnen und Auftraggbern einen zentralen Punkt dar.

Viel wichtiger wäre eine Klärung der Ziele: die einen wollen Forschung, die anderen Transparenz, einzelne Lehrende Rückmeldung und die Verwaltung Hilfe bei der Mittelsteuerung. Das habe ich ja schon einmal in dem Bändchen Grühn, Beywil dargestellt. Es gilt immer noch.

Und dann mit Prorektoren, Professoren ... diskutieren.

Ja natürlich, anders geht es ja nicht. Im Januar haben wir wieder unsere Runden mit 35 Fachbereichen und Instituten. Das ist immer sehr spannend, interessant und folgenlos!

Und dann Endfassung erstellen, und dann im Hoschschulwesen veröffentlichen als gemeinsam getragen von .....

Bloß nicht! Da schaut kein Archäologe, Jurist oder Zahnmediziner rein und an meiner Karriere muß ich nicht mehr basteln.

Oder hat das Centrum fuer Hoschulentwicklung bereits so etwas erarbeitet?

Weiß ich nicht!

Meine These: Ohne Standards keine guten Evaluationen - ohne diese kein

Evaluationsnutzen - ohne diesen keine Veränderung

Ja, und da unterschieden wir uns: die Evaluation kann noch so gut sein, die Standards noch so hoch - die Veränderung stellt sich nicht ein. Es ist das Mißverständnis der Aufklärung, daß Vernunft und Rationalität die Veränderung bewirkt. Der Hebel muß woanders liegen und wo immer er auch liegt: eine diskussionsstimulierende Evaluation (DSE) hat hier ihren Platz - aber keinen zentralen.

Eigentlich hatte ich nicht die Absicht mich heute noch diesem Medium hinzugeben. Nun ist es doch geschehen!

Neulich war ich wieder in Bern und habe dort erfahren, daß Ihr Evaluationsseminar zum großen Bedauern der Verantwortlichen nicht stattfinden konnte. Ich finde es auch schade, da ich Ihren Ansatz dort in höchsten Tönen gelobt hatte. Aber es zeigt wieder einmal: das Interesse ist nicht so groß, wie wir es uns alle wünschen.

Mit besten Grüßen

Heinz Gralki

>---------------------------------------------------------

> --

From:

"Dr. Heinz O. Gralki" <pplfu@zedat.fu-berlin.de>

Mon 7:09 Uhr

Subject:

Re: Hochschulevaluation

To:

forum-evaluation@uni-koeln.de

Ich habe eben die Rueckmeldung von Heinz Gralki gelesen, als ich daran

sass, fuer unsere Institutsklausur das Evaluationsthema fuer das naechste

Studienjahr festzulegen. Ja, Buecher koennen zur Langweile anregen,

genauso auch Evaluationsergebnisse.

Lieber Herr Schratz, bitte nehmen Sie das nicht persönlich. Ich habe immer gerne auf Ihre Arbeit geschaut und mich über die Diskussion dieser Fragen in Österreich gefreut. Nicht ihre Arbeit langweilt mich (ich hab sie ja noch gar nicht gelesen) sondern eher der Eindruck, daß wir Evaluateure uns wie die Maus im Laufrad bewegen und darüber nachdenken, wie wir das Laufrad noch chicer machen können. Große Geschäftigkeit - aber wir kommen nicht von der Stelle.

Ich finde es dennoch enorm herausfordernd zu schauen, was wir eigentlich an unseren Anspruechen erreichen - in einer Zeit, in der niemand eigentlich nicht mehr so richtig definieren kann, was Bildung ist.

Konnte man das zu irgendeiner Zeit besser, präziser, verbindlicher?

Wieweit koennen wir Studierende noch bilden. Und das in Zeiten, wo das Ministerium eigentlich gar nicht an Bildung interessiert ist. Sowas kann nicht langweilig machen.

Ja, aber ist denn das der Gegenstand Ihrer Arbeit? Dann wüßte ich gerne mehr darüber und würde hellwach.

Ich sehe eher das problem darin, wenn eine Organisation fuer jemand anderen Evaluation machen soll. Das kann m.e.auch nicht funktionieren - oder zumindest sehr schwierig.

Teils, teils. Meine eigene Erfahrung: evaluiert man für andere Universitäten (natürlich mit gemeinsam entwickelten Startegien und Instrumenten) werden die Ergebnisse mit größerer Aufmerksamkeit zu Kenntnis genommen als in der eigenen Universität. Die Diskussionen sind auch lebhafter. Allerdings ändert sich genauso wenig wie in der Heimatuniversität. Aber wenn man für eine Sache bezahlt hat, ist man mehr an ihr interessiert.

Unser Ansatz ist der, dass Evaluation nur dann einen Sinn hat, wenn sie

entwicklungsrelevant und -foerdernd ist.

Ja, das versuchen wir auch seit 1991. Dummerweise haben unsere Juristen eine andere Vorstellungen von Entwicklung als unsere Mediziner, unser Präsident wiederum andere als unsere Studenten. Aber vielleicht sieht das in einer Universität, die bis vor kurzem noch 65.000 Studenten hatte und nun auf 30.000 geschrumpft wird etwas anders aus als in kleineren Universitäten.

Sonst koennen und sollen wir

sie besser vergessen. Daher ein Buchtip, den ich als Alternative

anbiete: Fritz Simon: Die Kunst nicht zu lernen (Auer-Verlag).

Werde ich lesen

Nichts für ungut

Heinz Gralki

> ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

> Michael Schratz

> Department of Education, University of Innsbruck

> Liebeneggstr. 8, A-6020 Innsbruck, Austria

> Tel. +43-512-507-4050, Fax +43-512-507-2880

From:

"Dr. Heinz O. Gralki" <pplfu@zedat.fu-berlin.de>

Mon 7:26 Uhr

Subject:

Re: AW: Hochschulevaluation

To:

forum-evaluation@uni-koeln.de

Eine Erkenntnis unseres Evaluationsprozesses war, dass wir ein sehr grosses Augenmerk auf die ablaufenden Prozesse innerhalb der Hochschule richten muessen: ziehen die meisten mit, ist Veraenderung wirklich erwuenscht, wie sehen die Rahmenbedingungen aus unter denen Veraenderungen moeglich sind. Ganz zentral ist es im Vorfeld der Evaluation abzuklaeren wie gross der

Spielraum (vor allem Finanzmittel) fuer wichtige Veraenderungen nach der

Evaluation ist.

Dann könnten wir in Berlin sofort aufhören, denn der finanzielle Spielraum ist gleich Null. Schlimmer noch, bei uns geht es nur noch darum, die tatsächlichen dramatischen Kürzungen nicht ganz schmerzhaft werden zu lassen.

Die Frage nach Beispielen aus der Wirtschaft ist m.E.

zweischneidig, einerseits ist es begruessenswert gemachte positive

Erfahrungen aus dem Qualitaetsmanagement zu uebernehmen.

Nein, nicht übernehmen (ginge auch gar nicht) sondern Anregungen holen

Auf der anderen Seite sollten Ansaetze an den Hochschulen durchaus auf einen Konsens der Veraenderung basieren

das ist ja gerade meine Frage: wie kriegen wir den Konsens hin. Sicherlich nicht durch die Mitteilung von Mittelwerten und Häufigkeitsverteilungen.

und nicht alleine auf dem Diktat der finanziellen Notwendigkeiten (wie haeufig in der Wirtschaft).

Die Bereitschaft zu experimentieren ist nach meiner Erfahrung in der Wirtschaft erheblich größer als in der vom kameralistischen Denken geprägten Universität.

Dann koennten wir gleich den ganzen Evaluationsaufwand vergessen und uns

Unternehmensberater in die Hochschulen holen.

Nein, nein, das wäre die schlechteste Alternative.

Ich denke, dass es ein schmaler Grad ist zwischen Akzeptanz und Willen zur Veraenderung einerseits und dem notwendigen Druck zur Umsetzung andererseits.

Genau das sehe ich auch. Deswegen meine Suche nach Strategien der Organisationsentwickelung.

Bei der Konzeption der Peer-Evaluation an unserer Hochschule

sind die Peers (und vor allem der Vorsitzende der Peerkommission Prof.

Liebig, Ulm) sehr prozessorientiert vorgegangen. Im Vordergrund stand

der Prozess der Lehre und der Studiengestaltung. Ausgehend vom Modell

des Produktionsprozesses standen zunächst die Bereiche Nachfrage durch

Studierende, Werbung der Studierende, Einschreibung bis hin zu Nachsorge

für die Absolventen im Vordergrund.

Das interessiert mich sehr. Gibt es darüber erreichbare Texte? Es interessiert mich besonders, weil der Ansatz des Norddeutschen Evaluatiosverbundes, der ja auch auf peer-evaluation beruht so wenig ergiebige Aussagen zur Lehre macht (jedenfalls in den Berichten, die ch kenne)

Aus meiner Sicht als Evaluatierter muss ich sagen, dass ich diesen Ansatz sehr positiv erlebt habe.

Dieses Modell der Peer-Evaluation soll in den naechsten Monaten

ausgearbeitet werden und dem baden-wuerttembergischen

Wissenschaftsministerium als Modell fuer die Evaluation weiterer

Fachbereiche an Fachhochschulen vorgelegt werden.

Nun muß man ja sagen, daß die Entwicklung um die baden-württemnergischen Fachhochschulen ohnehin ein Highlight in der Szene sind. Ich habe große Hochachtung vor der dortigen Entwicklung.

Heinz Gralki

From:

Wolfgang Beywl <wolfgang.beywl@uni-koeln.de>

Mon 20:02 Uhr

Subject:

hochschulevaluation

To:

forum-evaluation@uni-koeln.de

Lieber Kollege Gralki,

ich kenne noch viel schlimmere Erfahrungen mit Hochschulevaluation:

monatelang geheime Abschlussberichte; eine auf 10 Minuten begrenzte

Abschlusspraesenation des externen Gutachters nach Schluss der offiziellen

Sitzung des Entscheidungsgremiums, fakultaetsweiter Auswertungstag zur

Evaluation ohne interne Vorbereitung .....

Also: Seien Sie zunaecht einmal stolz, die g e s e t z t e Aufgabe so

gut zu erfuellen.

Dann koennte man ja mal an einen Mustervertrag denken, den eine

universitaetsinterne Evaluationseinheit mit der Universitaetsspitze und den

Auftraggbern an den Fakultaeten schliesst. Und an Standards der

Hoschulevaluation, vielleicht angelehnt an die Program Evaluation

Standards. Wieso nicht einen kleinen Katalog von professionellen Standards

von Hoschulevaluatorinnen erarbeiten? Darin stellt Einfuerhung in die

Organisation und Vertragsschliessung, Rechte und Pflichten von

Evaluatroinnen und Auftraggbern einen zentralen Punkt dar. Und dann mit

Prorektoren, Professoren ... diskutieren. Un dann Endfassung erstellen, un

dann im Hoschschulwesen veröffentlichen als gemeinsam getragen von .....

Oder hat das Centrum fuer Hoschulentwicklung bereits so etwas erarbeitet?

Meine These: Ohne Standards keine guten Evaluationen - ohne diese kein

Evaluationsnutzen - ohne diesen keine Veränderung

W.B.

---------------------------------------------------------------------------

Wolfgang Beywl tel.:+49(0)2232/12489

Bonnstrasse 84 fax.:+49(0)2232/12489

D-50321 Bruehl

Germany

Arbeitsstelle fuer Evaluation

Universitaet Koeln +49(0)221/470-4726

Gronewaldstrasse 2 +49(0)221/470-5174

D-50931 Koeln

Germany

----------------------------------------------------------------------------

http://www.uni-koeln.de/ew-fak/Wiso/

----------------------------------------------------------------------------

From:

Fischer <Fischer@fh-kehl.de>

Mon 22:02 Uhr

Subject:

AW: Hochschulevaluation

To:

"'forum-evaluation@uni-koeln.de'" <forum-evaluation@uni-koeln.de>

Lieber Herr Gralki, liebe Liste,

wir haben gerade eine Peer-Evaluation an unserer Fachhochschule

(relativ klein ca. 750 Studierende, noch 45 Prof.-Stellen) hinter uns.

Ich denke auch, dass die Evaluation an ein Gesamtkonzept der

Organisationsentwicklung gekoppelt sein muss. Eine Erkenntnis unseres

Evaluationsprozesses war, dass wir ein sehr grosses Augenmerk auf die

ablaufenden Prozesse innerhalb der Hochschule richten muessen: ziehen

die meisten mit, ist Veraenderung wirklich erwuenscht, wie sehen die

Rahmenbedingungen aus unter denen Veraenderungen moeglich sind. Ganz

zentral ist es im Vorfeld der Evaluation abzuklaeren wie gross der

Spielraum (vor allem Finanzmittel) fuer wichtige Veraenderungen nach der

Evaluation ist.

Die Frage nach Beispielen aus der Wirtschaft ist m.E.

zweischneidig, einerseits ist es begruessenswert gemachte positive

Erfahrungen aus dem Qualitaetsmanagement zu uebernehmen. Auf der anderen

Seite sollten Ansaetze an den Hochschulen durchaus auf einen Konsens der

Veraenderung basieren und nicht alleine auf dem Diktat der finanziellen

Notwendigkeiten (wie haeufig in der Wirtschaft). Dann koennten wir

gleich den ganzen Evaluationsaufwand vergessen und uns

Unternehmensberater in die Hochschulen holen. Ich denke, dass es ein

schmaler Grad ist zwischen Akzeptanz und Willen zur Veraenderung

einerseits und dem notwendigen Druck zur Umsetzung andererseits.

Bei der Konzeption der Peer-Evaluation an unserer Hochschule

sind die Peers (und vor allem der Vorsitzende der Peerkommission Prof.

Liebig, Ulm) sehr prozessorientiert vorgegangen. Im Vordergrund stand

der Prozess der Lehre und der Studiengestaltung. Ausgehend vom Modell

des Produktionsprozesses standen zunächst die Bereiche Nachfrage durch

Studierende, Werbung der Studierende, Einschreibung bis hin zu Nachsorge

für die Absolventen im Vordergrund. Aus meiner Sicht als Evaluatierter

muss ich sagen, dass ich diesen Ansatz sehr positiv erlebt habe.

Dieses Modell der Peer-Evaluation soll in den naechsten Monaten

ausgearbeitet werden und dem baden-wuerttembergischen

Wissenschaftsministerium als Modell fuer die Evaluation weiterer

Fachbereiche an Fachhochschulen vorgelegt werden.

Juergen Fischer

Diplom-Psychologe

Zentrum fuer Hochschuldidaktik, Evaluation und Angewandte

Forschung

Fachhochschule Kehl, Hochschule fuer Oeffentliche Verwaltung

Kehl

From:

"Michael Schratz" <Michael.Schratz@uibk.ac.at>

Mon 22:53 Uhr

Subject:

inhalt

To:

forum-evaluation@uni-koeln.de

Es freut mich, dass meine Info ueber die Neuerscheinung unseres

Hochschul-evaluations-bands neugierig gemacht hat. Es gibt keinen

Homepage-Eintrag, dafuer schicke ich hier das Inhaltsverzeichnis fuer

diejenigen, die mehr darueber erfahren wollen:

****************

Inhaltsverzeichnis

Herbert Altrichter, Michael Schratz und Hans Pechar:

Hochschulen auf dem Pruefstand: Was bringt Evaluation fuer

die Entwicklung von Universitaeten und Fachhochschulen? 7

1 . Bildungspolitischer Hintergrund und

Evaluationsansaetze in Europa

Stephan Laske und Richard Hammer:

Zur Autonomiefaehigkeit der Universitaet -

Eine eher skeptische Nabelschau 27

Frans A. van Vught:

The Humboldtian University Under Pressure. New Forms of

Quality Review in Western European Higher Education 48

Detlef Mueller-Boeling:

Evaluationen zur Rechenschaftslegung oder Qualitaetsverbesserung?

Eine Bestandsaufnahme der Evaluation an deutschen Hochschulen 88

Roland Richter:

Qualitaetsevaluation an niederlaendischen Universitaeten

und Fachhochschulen 108

Lewis Elton:

Improving Teaching Quality: Academic Staff Development

as an Agent for Change 123

Marianne Bauer und Sigbrit Franke:

Higher Education and Evaluation in Sweden -

Changes, Characteristics and Challenges 134

Elsa Hackl, Ingrid Schwab-Matkovits, Markus Linhart

und Desiree Verdonk:

Evaluation im Fachhochschulbereich 144

2. Evaluationsmodelle in der Praxis

Hans Pechar:

Leistungstransparenz oder Wuenschelrute? UEber das Ranking

von Hochschulen in den USA und im deutschsprachigen Raum 157

Heiner Rindermann:

Lehrveranstaltungsbewertungen: Erfahrungen und ihre

Nutzung fuer die Fakultaetsentwicklung 179

Edgar Frackmann:

Leistungsindikatoren - Das Ende der Debatte 197

Robert G. Burgess:

The Peer Review of Teaching and Research

in the United Kingdom 223

Ulrich Teichler und Harald Schomburg:

Evaluation von Hochschulen auf der Basis von

Absolventenstudien - Erfahrungen und UEberlegungen aus

der Bundesrepublik Deutschland 236

Michael Schratz:

Hochschullehre unter der Lupe - auf dem Weg zur

professionellen Selbstevaluation 262

Ortrun Zuber-Skerritt:

Die Universitaet als lernende Organisation. Ein Projekt zur

Qualitaetsverbesserung in einer australischen Universitaet 290

Autorinnen und Autoren 307

********************

Ich hoffe, das hilft weiter. Danke fuer das Interesse und

herzliche Gruesse,

Michael Schratz

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Michael Schratz

Department of Education, University of Innsbruck

Liebeneggstr. 8, A-6020 Innsbruck, Austria

Tel. +43-512-507-4050, Fax +43-512-507-2880

From:

"Michael Schratz" <Michael.Schratz@uibk.ac.at>

Mon 23:07 Uhr

Subject:

Re: Hochschulevaluation

To:

forum-evaluation@uni-koeln.de

Ich habe eben die Rueckmeldung von Heinz Gralki gelesen, als ich daran

sass, fuer unsere Institutsklausur das Evaluationsthema fuer das naechste

Studienjahr festzulegen. Ja, Buecher koennen zur Langweile anregen,

genauso auch Evaluationsergebnisse. Ich finde es dennoch enorm

herausfordernd zu schauen, was wir eigentlich an unseren Anspruechen

erreichen - in einer Zeit, in der niemand eigentlich nicht mehr so

richtig definieren kann, was Bildung ist. Wieweit koennen wir

Studierende noch bilden. Und das in Zeiten, wo das Ministerium

eigentlich gar nicht an Bildung interessiert ist. Sowas kann nicht

langweilig machen. Ich sehe eher das problem darin, wenn eine

Organisation fuer jemand anderen Evaluation machen soll. Das kann m.e.

auchnicht funktionieren - oder zumindest sehr schwierig. Unser Ansatz

ist der, dass Evaluation nur dann einen Sinn hat, wenn sie

entwicklungsrelevant und -foerdernd ist. Sonst koennen und sollen wir

sie besser vergessen. Daher ein Buchtip, den ich als Alternative

anbiete: Fritz Simon: Die Kunst nicht zu lernen (Auer-Verlag).

Gute Nacht,

Michael Schratz

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Michael Schratz

Department of Education, University of Innsbruck

Liebeneggstr. 8, A-6020 Innsbruck, Austria

Tel. +43-512-507-4050, Fax +43-512-507-2880