- 4. Februar 98 -

Die Unis brauchen wirksame Kontrolle, aber kein Spitzelwesen



Von Josef Bruckmoser



Kaum wo geht es so locker zu wie an Universitäten. Ist ein Professor einmal etabliert und pragmatisiert, muß er sich weder in Hinblick auf seine Anwesenheit noch auf seine Lehrtätigkeit oder Forschungsarbeit besonderen Streß antun.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Wir gehen davon aus, daß sich die große Mehrzahl der Professorinnen und Professoren, der Assistentinnen und Assistenten sehr wohl Streß antut. Schon aus eigenem Karriereinteresse wollen sich viele durch Forschung und Publikation einen Namen machen. Und die Lehrtätigkeit betrachten bei weitem nicht alle als lästigste Nebensache der Welt.

Trotzdem gilt auch und gerade an den Universitäten: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Daher gibt es seit Jahren eine schwerpunktmäßige Evaluation (Bewertung) der Forschungsleistungen. Daher gibt es seit 1993 die Studiendekane, die auf bessere Organisation des Studienbetriebes und hö-here Qualität der Lehre achten sollen. Daher gibt es seit Oktober 1997 eine Evaluierungsverordnung des Wissenschaftsministers, die die Unis verpflichtet, wenigstens jedes vierte Semester eine Beurteilung der Lehrveranstaltungen durch die Studierenden durchzuführen.

Alle diese Ansätze, Forschung und Lehre an den österreichischen Universitäten zu verbessern, sind freilich Ansätze. Denn der Studiendekan ist Professor unter Professoren, und wie der kühne, aber treffende Querverweis besagt, hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus. Die Evaluationsverordnung, die Minister Caspar Einem eigenhändig unterschrieben hat, wird seit ihrem Erscheinen völlig zu Recht als zahnlos kritisiert.

Wohl deshalb hat der Minister jetzt einen Zahn zugelegt. Es ist allerdings ein Giftzahn. Denn so sinnvoll es ist, die Universitäten durch professionelle Organisations- und Betriebsberater durchleuchten zu lassen, so fragwürdig ist die Methode, diese Experten geheim in die Hörsäle einzuschleusen. Es wäre doch zumindest ein Erfordernis des Anstandes zwischen Erwachsenen - wenn nicht sogar eine Frage der Grundrechte in diesem Land -, mit offenem Visier zu kämpfen.

Der Sinn der notwendigen Qualitätsoffensive an den Universitäten kann nicht sein, die Lehrenden gezielt in die Falle zu locken. Daher darf auf keinen Fall der geheimen Bespitzelung und Vernaderung Tür und Tor geöffnet werden. Viel besser - weil auf die gemeinsame Erreichung des Zieles angelegt - ist der Weg, der in den Schulen gegangen wird: dort sollen aus "Inspektoren", vor deren angekündigtem Erscheinen Lehrerin und Lehrer erzittern, "Berater" werden, die mit Fachkompetenz Wege zu einem besseren Unterricht weisen.

Längst reifen auch im Ministerium von Caspar Einem wohlüberlegte Szenarien, die Bewertung der Lehre durch eine österreichweite "Evaluierungsagentur" zu professionalisieren und zu objektivieren. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber es ist der seriöse Weg, gemeinsam mit den Lehrenden zu mehr Qualität zu kommen.

Die Universitäten brauchen dringend ein wirksames Qualitätsmanagement und eine durchschaubare Kontrolle - einschließlich spürbarer Konsequenzen. Denn ohne Druck gibt niemand Privilegien auf, schon gar nicht die Professorenlobby. Die hat bisher jeden Anlauf zu einer erfolgreichen, weil Folgenreichen, Qualitätskontrolle im Keim erstickt.

Aber ministerielle "Spitzel-Phantasien" mit dem Schielen auf große Schlagzeilen dienen der Sache nicht.

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