Lehrevaluation im Fachgebiet "Humanmedizin"

Medizinische Fakultät startet Projekt

Die Medizinische Fakultät der Universität Regensburg hat mit Aufnahme der klinischen Lehre im Fachgebiet Humanmedizin im Sommersemester 1996 auch mit einer "Lehrevaluation" begonnen. Die regelmäßige Bewertung der Lehre soll zu einem auf Dauer hochstehenden Niveau des Unterrichts beitragen.

Kommission "Lehrevaluation"

Zur Durchführung wurde in der Fakultät eine Kommission "Lehrevaluation" etabliert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Rüschoff (Pathologie), gleichzeitig neu gewählter Studiendekan der Fakultät, und mit Unterstützung des Dekans und der Fakultätsverwaltung hat die aus Professoren, Mittelbauvertretern und Studenten bestehende Kommission eine Konzeption zur Bewertung der Lehre erarbeitet. Man kam überein, eine Evaluation zunächst auf "interner" Ebene durchzuführen, wobei Fragebögen für die Studenten das Mittel zur Beschreibung der Ist-Situation darstellen sollten. Eine Evaluation durch hausinterne Gutachter oder externe "Evaluatoren" mit Begehung einzelner Lehrveranstaltungen (sogenanntes "Holländisches Modell") wurde vorerst zurückgestellt.

Erhebung durch Frägebögen

Es wurde ein Fragebogen zur Qualität der Ausbildung erarbeitet. Anhand des Fragebogens konnten die Studierenden eine separate Bewertung für jede einzelne Lehrveranstaltung vornehmen sowie allgemeine Bemerkungen anbringen. Zu den Lehrveranstaltungen waren die Kategorien "Veranstaltung" (Regelmäßigkeit, Verständlichkeit, Stoffumfang), "Dozent" (Vorbereitung, Engagement, Persönlichkeit), "Klausuren" (Organisation, Veranstaltungsbezug) und "Lerneffekt" zu beurteilen. Außerdem war jede Lehrveranstaltung mit einem Fazit als "insgesamt positiv" bzw. "insgesamt negativ" einzustufen.

Jede einzelne Kategorie konnte mit einer Note nach der Skala von 1 (ausgezeichnet - völlig mängelfrei) über 2 (gut - ohne wesentliche Mängel), 3 (akzeptabel - aber verbesserungswürdig) und 4 (mangelhaft - stark verbesserungswürdig) bis zu 5 (unzureichend - inakzeptabel) bewerten werden. Der Rücklauf betrug 100 %! Die Aktion war selbstverständlich anonym.

Interessante Ergebnisse

Die Evaluation brachte bereits nach dem Sommersemester 1996 zwei grundlegende, interessante Aussagen. Zum einen konnte das Ergebnis der Lehrevaluation insgesamt als positives Zeichen für die Qualität der Lehre an der Medizinischen Fakultät der Universität Regensburg gesehen werden, zum anderen wurde festgestellt, daß Kurse und Praktika prinzipiell besser bewertet wurden als Vorlesungen. Für die 13 Vorlesungen ergab sich als absoluter Durchschnittswert die Note 2,32, also noch "gut - ohne wesentliche Mängel". Für die 18 praktischen Lehrabschnitte wurde als totale Durchschnittsnote 1,76 errechnet.

Reaktion der Fakultät

Die Ergebnisse wurden den einzelnen Lehrstühlen für ihren jeweiligen Bereich detailliert vorgelegt. Es wurden den Dozenten die Notenwerte je Kategorie für ihre Lehrveranstaltungen im Vergleich zu den Mittelwerten aus allen Veranstaltungen aufgeteilt nach Vorlesungen und Kursen bekanntgegeben. Beigefügt wurde auch ein Kurzbericht. Schließlich wurden die von den Studierenden frei formulierten Bemerkungen zu den einzelnen Lehrveranstaltungen exzerpiert und übermittelt. In Begleitbriefen wurde auf spezifische Dinge hingewiesen. In einzelnen Fällen wurden Ergebnisse auch mit den Dozenten persönlich besprochen.

Bestätigung im 2. Semester

Im Wintersemester 1996/97 wurden die Lehrveranstaltungen vom nachfolgenden Semester mit leicht erweiterten Fragebögen erneut beurteilt. Dabei zeigte sich letztlich eine Bestätigung der Bewertungen des vorangegangenen Jahrgangs, wenngleich die Evaluation bezogen auf die Vorlesungen etwas besser ausfiel. Der Durchschnittswert verbesserte sich hier von 2,32 auf 1,99. Dabei blieben lediglich zwei Vorlesungen unter dem Wert von 2,5, den sich die Fakultät als notwendige Mindestzahl für jede einzelne Veranstaltung gesetzt hat.

Die Bewertung der Kurse blieb mit einer Durchschnittsnote von 1,73 im Vergleich zum Vorsemester (1,76) nahzu völlig identisch. Wie im Sommersemester 1996 so wurde auch für das Wintersemester 1996/97 keine praktische Lehrveranstaltung schlechter als 2,5 eingestuft und das Ziel der Fakultät erreicht. Während bei den Vorlesungen sich nur eine Veranstaltung im Vergleich zum Vorsemester verschlechterte und die übrigen leicht und in einem Fall erheblich (0,74 Notenpunkte) steigerten, gab es bei den praktischen Lehrveranstaltungen im Regelfall nur geringfügige Abweichungen nach oben oder unten.

Konzeptionelle Änderungen

Da im Wintersemester 1996/97 auch erstmals das 2. Fachsemester von der Studentenschaft beurteilt wurde, konnte die Fakultät im März dieses Jahres den Studienplan und die Effizienz der Lehre im ersten klinischen Studienabschnitt (1. und 2. klinisches Fachsemester) auch unter Zuhilfenahme der Ergebnisse der Evaluation erörtern. Zusammen mit Studentenvertretern wurde eine Bestandsaufnahme durchgeführt und wurden strukturelle Verbesserungen diskutiert. Ergebnis dieser Diskussionen ist z.B., daß durch Tausch von Lehrveranstaltungen für die Zukunft eine ausgeglichenere Verteilung von Lehrveranstaltungen mit Patientenkontakt erreicht werden soll. Die Effizienz der Lehre an der Medizinischen Fakultät wurde nicht zuletzt nun auch dadurch bestätigt, daß die Durchfallquote beim ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, der nach den beiden ersten klinischen Semestern als staatliche Prüfung zu absolvieren ist, unter 5 % Prozent liegt.