UNIVERSITÄT ZU KÖLN

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Standards für Personalevaluationen

Kurzfassung

Übersetzung des englischsprachigen Originals

Joint Committee on Standards for Educational Evaluation:

The personnel evaluation standards: how to assess systems for evaluating educators

(Die Langfassung ist erschienen bei Sage Publications, Beverly Hills, CA 1988)


Korrektheitstandards

Die Korrektheitstandards fordern, daß Evaluationen auf legale Weise und ethisch vertretbar durchgeführt werden und daß das Wohl der evaluierten Personen und der Auftraggeber gebührend berücksichtigt wird.

K1 Dienstleistungsprinzip

Evaluationen von Bildungspersonal sollten solide pädagogische Grundsätze, die Erfüllung institutioneller Leitziele sowie die wirkungsvolle Ausübung der professionellen Verantwortung fördern, damit den Anforderungen und Bedürfnissen der Lernenden, der Kommune und Region sowie der Gesellschaft entsprochen wird.

K2 Formale Evaluationsrichtlinien

Die Richtlinien für Personalevaluationen sollten in Grundsatzerklärungen, ausgehandelten Vereinbarungen und/oder Handbüchern zur Personalevaluation aufgezeichnet werden, damit die Evaluationen in sich schlüssig und gerecht sind und nicht gegen gesetzliche oder ethische Normen verstoßen.

K3 Deklaration von Interessenkonflikten

Es sollte versucht werden, Interessenkonflikte zu erkennen und offen und ehrlich damit umzugehen, damit sie das System und die Ergebnisse der Personalevaluation nicht beeinträchtigen.

K4 Zugang zu Berichten über Personalevaluationen

Berichte über Personalevaluationen sollten nur den Personen zugänglich gemacht werden, die einen begründeten Anspruch auf Einsichtnahme und Benutzung der Berichte haben. Dadurch soll eine sachgerechte Nutzung der Informationen sichergestellt werden.

K5 Interaktionen mit evaluierten Personen

Die Evaluation sollte sich in professioneller, rücksichtsvoller und höflicher Weise an die zu evaluierenden Personen wenden, damit deren Selbstwertgefühl, deren Motivation, ihr berufliches Ansehen, ihre Leistung und ihre Haltung gegenüber Personalevaluationen positiv beeinflußt oder zumindest nicht unnötig geschädigt werden.
 

Nützlichkeitsstandards

Die Nützlichkeitsstandards sollen Evaluationen dahin lenken, daß sie informativ, zeitlich abgepaßt und einflußreich sind.

N1 Konstruktivitätsprinzip

Evaluationen sollten konstruktiv sein, so daß sie den Institutionen dabei helfen, ihre personellen Ressourcen zu entwickeln und die evaluierten Personen darin unterstützen, erstklassige Leistungen zu erbringen.

N2 Festlegung der Nutzung

Die vorgesehenen Nutzer und Nutzenbereiche von Personalevaluationen sollten festgelegt werden, damit die Evaluation auf die entsprechenden Fragestellungen eingehen kann.

N3 Glaubwürdigkeit des Evaluators

Das System der Personalevaluation sollte von Personen geleitet und durchgeführt werden, die über die notwendigen Qualifikationen, Fähigkeiten und Zuständigkeiten verfügen, und die Evaluatoren sollten professionell vorgehen, damit die Evaluationsberichte beachtet und genutzt werden.

N4 Sachdienliche Berichterstattung

Die Berichte sollten Anforderungen wie Deutlichkeit, Rechtzeitigkeit, Genauigkeit und Bedeutsamkeit erfüllen, damit sie einen praktischen Wert für die evaluierten Personen haben und für andere geeignete Zielgruppen von praktischem Nutzen sind.

N5 Weiterverfolgung und Wirkung

Evaluationen sollten auch nach der Veröffentlichung des Berichts weiterverfolgt werden, damit die Nutzer und die evaluierten Personen die Ergebnisse leichter verstehen und geeignete Handlungen vornehmen.
 

Durchführbarkeitsstandards

Die Durchführbarkeitsstandards verlangen nach Systemen der Personalevaluation, die möglichst einfach umzusetzen, effizient beim Zeit- und Ressourcenaufwand, angemessen finanziert und bezüglich weiterer Gesichtspunkte realisierbar sind.

D1 Praktische Verfahren

Die Verfahren bei Personalevaluationen sollten so geplant und durchgeführt werden, daß benötigte Informationen mit geringstmöglichen Störungen und Kosten gewonnen werden.

D2 Politische Überlebensfähigkeit

Das System der Personalevaluation sollte kooperativ entwickelt und überwacht werden, so daß alle betroffenen Parteien konstruktiv daran beteiligt werden, das System zum Funktionieren zu bringen.

D3 Finanzielle Durchführbarkeit

Für Personalevaluationen sollten in ausreichendem Maß Zeit und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, damit die Evaluationspläne wirkungsvoll und effizient umgesetzt werden können.
 

Genauigkeitsstandards

Die Genauigkeitsstandards verlangen, daß die gewonnenen Informationen fachlich genau sind und daß Schlußfolgerungen in einem logischen Zusammenhang mit den erhobenen Daten stehen.

G1 Rollenfestlegungen

Die Rolle, die Verantwortungen, die Leistungsziele und die benötigten Qualifikationen der zu evaluierenden Person sollten klar definiert werden, damit der Evaluator gültige Beurteilungsdaten bestimmen kann.

G2 Arbeitsumfeld

Es sollte festgestellt, beschrieben und aufgezeichnet werden, in welchem Arbeitsumfeld die zu evaluierenden Personen tätig sind, damit in der Evaluation umfeldbedingte Beeinflussungen oder Einschränkungen der Leistung berücksichtigt werden können.

G3 Dokumentation der Verfahren

Die tatsächlich verfolgten Evaluationsverfahren sollten schriftlich niedergelegt werden, damit die evaluierten Personen und andere Nutzer die realisierten Verfahren im Vergleich mit den eigentlich vorgesehenen beurteilen können.

G4 Valide Messungen

Die Meßverfahren sollten auf der Basis der beschriebenen Rolle und der vorgesehenen Nutzungen gewählt bzw. entwickelt und umgesetzt werden, damit die Schlußfolgerungen bezüglich der evaluierten Personen gültig und genau sind.

G5 Reliable Messungen

Die gewählten bzw. entwickelten Meßverfahren sollten Verläßlichkeit garantieren, damit die gewonnenen Informationen schlüssige Hinweise auf die Leistung der evaluierten Personen liefern.

G6 Systematische Datenkontrolle

Die in der Evaluation verwendeten Informationen sollten sicher aufbewahrt werden und die Bearbeitung und Verwaltung sollte sorgsam erfolgen, damit sichergestellt ist, daß die behandelten und analysierten Daten mit den erhobenen Daten identisch sind.

G7 Überprüfung von Verzerrungen

Der Evaluationsprozeß sollte gegen Verzerrungen abgesichert sein, damit die Qualifikationen oder die Leistungen der evaluierten Personen gerecht beurteilt werden.

G8 Überwachung von Evaluationssystemen

Das System der Personalevaluation sollte regelmäßig und systematisch überprüft werden, damit geeignete Überarbeitungen vorgenommen werden können.

Aufbereitet von:

Dr. Wolfgang Beywl
Universität zu Köln
Arbeitsstelle für Evaluation

Gronewaldstraße 2
D-50931 Köln
Tel. +49 (0) 221-470-4626
Fax. +49 (0) 0221-470-5174


 
 

Letzte Änderung: 18.09.1998