Evaluierung universitärer Leistungen

Entwurf für ein Positionspapier der BUKO

von Ulrike Felt

Die Diskussion um die Evaluierung universitärer Leistungen hat eine Eigendynamik abseits der hochschulpolitischen Diskussion um die neuen Organisationsstrukturen angenommen, wobei zunehmend unklarer wird, welches Gesamtkonzept hinter den meist nur implizit präsenten und sehr unterschiedlichen Qualitätsbegriffen steht. (1) Es scheint uns daher wesentlich, den Begriff Evaluation in Zukunft eine differenziertere und klarer bestimmte Form zu verleihen und ihm durch Nennung von jeweiligen Zielen, Methoden und Rahmenbedingungen die eigentlichen Bedeutung zuzuordnen.

Die Erarbeitung eines klareren Qualitätsbegriffes für universitäre Leistungen gestaltet sich schwierig, da die drei grundlegenden Aufgaben, Forschung, Lehre und Selbstverwaltung, immer von einer Person, Hochschullehrerin wahrgenommen werden.(2) Damit muß man sich nicht nur der Bewertung der Teilbereiche stellen, sondern auch eine Gewichtung der verschiedenen erbrachten Leistungen vornehmen. Aus dieser Perspektive und aufgrund der Tatsache, daß punktuelle von oben bzw. von außen angeordnete Evaluierungen sicherlich nicht ausreichende Lern- und Veränderungsmöglichkeiten bieten, scheinen uns regelmäßige Evaluierungen innerhalb der Universitäten ein sinnvolles Werkzeug. Es müssen Orte der Auseinandersetzung und des Aushandelns eines Qualitätsbegriffes geschaffen werden, denn nur auf diesem Wege ist es möglich, das von den Universitäten in letzter Zeit immer deutlicher geforderte klare Außenprofil zu entwickeln. Diskussion über Qualität bedeutet Diskussion über Aufgaben und Ziele, bedeutet Planung und bedeutet realistische Einschätzungen der Rahmenbedingungen und deren Einfluß auf die Umsetzbarkeit von Visionen.

Insbesondere ist hervorzuheben, daß Lehre, Forschung und die dafür bestehenden Rahmenbedingungen immer nur gemeinsam zu einer realistischen Einschätzung von universitären Leistungen herangezogen werden können, da sie in den bestehenden Strukturen zu eng miteinander verwoben sind. Trotzdem sind in Lehre und Forschung völlig verschiedene Prozesse am Werk, mit unterschiedlichen Zeitabläufen (3) und Anforderungen, und es müssen daher nicht nur andere Kriterien, sondern auch andere Evaluierungsprozesse vorgesehen werden. In beiden Bereichen sind die entsprechenden Rückkoppelungsmechanismen und Anreizsysteme 4 zu schaffen.
Schließlich scheint uns Evaluierung nur im Zusammenhang mit einer mittelfristigen Planung sinnhaft, da Ergebnisse nur im Rahmen dessen wirklich eingeordnet und bewertet werden können. Ausschließlich als Werkzeug im Krisenmanagement verliert Evaluierung weitgehend ihre Sinnhaftigkeit und kann langfristig somit auch nicht zielführend sein.

Evaluierung der Lehre

Ein wesentliches Problem des UOG 93 in Sachen Evaluierung der Lehre besteht darin, daß ausschließlich Pflichtlehrveranstaltungen bewertet werden¥ ein Begriff der im Lichte des neuen UniStG noch zu hinterfragen bleibt. Dies führt zu einem System mit "zwei Geschwindigkeiten": bewertete Lehrveranstaltungen versus unbewertete Lehrveranstaltungen. Dadurch entsteht ein "unbewerteter Bereich", in dem aber wesentliche Fähigkeiten und komplimitäres Wissen vermittelt werden, wobei gleichzeitig durch die Nichtevaluation implizit auch weniger Bedeutung zugemessen wird. Von dieser Teilung in bewertete und unbewertete Lehrveranstaltungen ist insbesondere der Mittelbau betroffen, unter anderem auch, weil die Lehre bei der Habilitation, nach UOG 93, eine wesentlichere Rolle spielen wird als bisher. Dem Studiendekan wird dadurch die Macht gegeben, punktuell zu entscheiden, wer evaluiert werden soll und wer nicht. Eine regelmäßige Bewertung aller Lehrveranstaltungen wäre daher anstrebenswert.

Die regelmäßige Evaluierung von größeren Teilen von Studien sollte klarer festgeschrieben werden. Im Detail bedeutet dies eine Festlegung der maximalen/minimalen Zeitabstände und insbesondere ein Miteinbeziehen von Absolventen und Experten bei der Beurteilung von Studienplänen. Dabei ist es wichtig, der Studienkommission ein Recht auf Stellungnahme vor Erstellung eines Evaluierungsendberichtes einzuräumen.

Wenn es um Evaluierung von Einzelveranstaltungen geht, ist das Recht auf Stellungnahme für den Lehrenden verpflichtend vorzusehen. Darüber hinaus sollten die Lehrenden gleichzeitig mit den Studierenden eine Bewertung ihrer Lehrveranstaltung vornehmen. Hierbei soll eine Einschätzung der eigenen Leistung, der infrasturkturellen Rahmenbedingungen und der Studierenden (5) vorgenommen werden. Daher muß nicht nur ein Fragebogen für Studierende entwickelt werden, sondern auch für Lehrende. Die Studienkommission scheint uns ein geeigneter Ort, um über die genaue Struktur und die beinhalteten Fragestellungen zu beraten.

Evaluierung der Forschung

Evaluierung und Planung sollte insbesondere im Bereich der Forschung als gekoppeltes System implementiert werden. Dabei scheint es uns wichtig, über das UOG 93 hinaus - welches Evaluierungen nur auf Anordnung vorsieht - diese in einer regelmäßigen Form zu etablieren. Evaluierung der Forschung soll im Rahmen von funktionalen Einheiten im Sinne der Forschung stattfinden. Die Abgrenzung dieser Einheiten soll aufgrund der fachlichen Unterschiedlichkeiten im Rahmen der jeweiligen Fakultätskollegien durchgeführt werden. Dafür ist ein Evaluierungsbeirat einzurichten, der spezifische Lösungsvorschläge für eine Strukturierung und regelmäßige Evaluierung erarbeitet. (6) Vorzusehen ist ein mehrstufiges Verfahren, beginnend mit einer (akkordierten) Planung. (7) Nach Ablauf des Planungszeitraumes (xx Jahre) findet eine Selbstevaluierung als erster Schritt statt, die dann gemeinsam mit anderen Unterlagen die Basis für eine externe Evaluierung durch Gutachter bildet. Zu den im Rahmen dieser externen Evaluierung abgegebenen Empfehlungen muß von der bewerteten Einheit Stellung genommen werden und diese sind in einer neuen Planung miteinzubeziehen.

Evaluierung der Rahmenbedingungen

Bei all diesen Evaluierungen sind die Rahmenbedingungen unbedingt auch zu erheben, wobei insbesondere die infrastrukturelle Situation, die finanziellen Ressourcen, die zur Verfügung stehenden Verwaltungsstrukturen, aber im weitesten Sinne auch die Dienstleistungseinrichtungen der Universität Wien, die einen wesentlichen Beitrag zum Funktionieren der Universität leisten, berücksichtigt werden müssen. Dabei sind wir der Auffassung, daß Controlling alleine hier nicht ausreicht, da zu einer laufenden Umgestaltung und Anpassung an neue Gegebenheiten auch Evaluierung im Sinne eines umfassenden Qualitätsmanagements notwendig ist.

Standardisierte Daten für das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst

Im UOG 93 ist vorgesehen, daß die Universitäten standardisierte Daten zu liefern haben (wird noch per Erlaß geregelt). Dabei wäre von Seiten der Universitäten darauf zu achten, daß nicht nur Input- und Outputindikatoren erhoben werden, sondern vor allem auch Prozeßindikatoren. (8) Darüber hinaus sollte man sich bei der Datenauswahl nicht von dem Grundsatz der momentanen leichten Verfügbarkeit bestimmter Daten leiten lassen, sondern klarer darüber nachdenken, welche Schlüsseldaten tatsächlich für ein Verständnis der Universität und ihrer Funktionsweise unabkömmlich sind.

Zum Abschluß: Bei jeglichen Maßnahmen zur Evaluierung ist unbedingt Sorge zu tragen und in der Budgetierung zu berücksichtigen, daß sowohl Strukturen als auch die notwendigen Ressourcen eingeplant werden müssen. Qualität wird zweifelsohne ihren Preis kosten.

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(1) Hier wurden in der Diskussion etwa die Evaluation der ÖH genannt, die ohne eine breitere und öffentliche Diskussion des dahinterstehenden Qualitätsbegriffes stattgefunden haben. Durch ihre langjährige Präsenz wird eine Faktizität von Methoden und daraus gezogenen Schlüssen geschaffen, die nur schwer wieder rückgängig gemacht werden kann, wenn nicht bald angemessene Alternativen erarbeitet werden.
(2) Es sollte auch nicht übersehen werden, daß in zahlreichen Bereichen der Universität bereits Qualitätskontrollmechanismen vorhanden sind, wobei diese aber unterschiedlich gut zu funktionieren scheinen. Es wäre daher sicherlich notwendig, sich stärker mit diesem NichtFunktionieren auseinanderzusetzen.
(3) Lehre muß sicherlich in manchen Bereichen kurzfristig reagieren; Forschung kann vielfach eher langfristiger abgeschätzt werden (bereichsabhängig).
(4) Hier könnte etwa an Freisemester, zeitliche Schwerpunkte in Forschung, Lehre oder Selbstverwaltung, etc. gedacht werden.
(5) Hier wurde etwa an die Kooperationsbereitschaft der Studenten, an das Vorwissen, das diese mitbringen, deren Arbeitseinsatz, etc. gedacht.
(6) Leistungsbewertungen von Einzelpersonen sollten nicht in diesem Rahmen vorgenommen werden - dafür wird das Dienstrecht Vorkehrungen treffen müssen.
(7) Eine Ist-Zustandserhebung für die Universitäten scheint uns als erster Schritt in Richtung Evaluierung unabdingbar.
(8) Dies sind etwa Betreuungsverhältnisse, Verhältnis wiss./nichtwiss. Personal, Seminar/Exkursionsstrukturen,...

Univ.-Ass. Dr. Ulrike Felt
(Institut für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung;
Universität Wien,
E-Mail: a6111dac@vm.univie.ac.at)