Evaluation zur Situation der Lehre im FB Produktionstechnik



Evaluation der Lehre


Im Sommersemester 1993 haben die Studierenden erstmals die Lehrveranstaltungen im Fachbereich Produktionstechnik der Universität Bremen bewertet. Im Sommersemester 1996 fand eine erneute Bewertung der Veranstaltungen statt.
Es sollte ermittelt werden, ob sich die Lehre nach der Einschätzung der Studierenen verbessert hat. Zu diesem Zweck wurden in der letzten Veranstaltungswoche des Sommersemesters Fragebögen an alle Studierenden im Studiengang Produktionstechnik verschickt.


1. Rahmenbedingungen und Untersuchungsziel

Im Sommersemester 1993 wurde im Fachbereich Produktionstechnik eine erste Befragung der Studierenden durchgeführt. Bewertet wurden die Organisation und Rahmenbedingungen des Studiums und der Prüfungsorganisation, das subjektive Beanspruchungserleben der Studierenden und die Lehrveranstaltungen des Pflicht- und Wahlpflichtbereiches. Eine institutionelle Umsetzung der Erkenntisse aus dieser Befragungsaktion in Kooperation mit den Studierenden hat nicht stattgefunden. Auf der Ebene der Dozentenschaft hat sich die Präsentation der Lehrveranstaltungsbewertungen positiv ausgewirkt. Insofern wurde auf eine wiederholte Erhebung von Daten zur allgemeinen Studiensituation verzichtet und ausschließlich die Bewertung von Lehrveranstaltungen als Untersuchungsziel formuliert. Auf Vorschlag des STUGA sollte die Bewertung der Lehrveranstaltungen durch die Studierenden mit einer Selbstbewertung der Veranstaltung durch den Dozenten ergänzt werden. Über die Selbstbewertung sollte eine vertiefte Reflexion der Dozentenschaft mit den Bewertungen der Studierenden erreicht werden.


2. Methode

Erhebungsinstrument:

Der 1993 eingesetzte Fragebogen hatte sich hinsichtlich Aufbau und Umfang bei der Befragung 1993 bewährt. Eine Überarbeitung war hinsichtlich einer klaren Trennung von Vorlesung und Übung notwendig. Desweiteren wurden auf Vorschlag der Dozentenschaft kleinere Modifikationen vorgenommen.

Durchführung:

Der Fragebogen wurde zum Ende des Sommersemesters per Post an die Studierenden versandt. Die Anschriftetiketten wurden vom Studentensekretariat zur Verfügung gestellt. Die Rückantwort war möglich mittels eines beiliegenden Freiumschlages (frankiert und adressiert) oder über ein eigens hierfür eingerichtetes Postfach im Eingang des FB-Gebäudes. Bewertet werden sollten die in einer Veranstaltungsliste aufgeführten Veranstaltungen. Die Dozentenschaft wurde ebenfalls persönlich angeschrieben. Dabei wurde eine doppelte Kodierung der Lehrveranstaltungen vorgenommen, um so selbst bei der Datenaufnahme die Anonymität der Daten sicherzustellen. Angeschrieben wurden 433 Studierende. Drei Briefe kamen von der Post als nicht zustellbar zurück. Rückantworten liegen vor von 73 Studierenden mit insgesamt 267 Bewertungsbögen. Die Verteilungen über die Fachsemester sind in Tabelle 1 dargestellt.

Semester angeschrieben Rücklauf Beteiligung
(in Prozent)
Fragebögen Anteil
(in Prozent)
2 60 15 25.00 72 26.97
4 48 15 31.25 49 18.35
6 39 9 23.08 42 15.73
8 54 14 25.93 47 17.60
10 82 13 15.85 37 13.86
10+ 150 7 4.67 20 7.49
Gesamt 433 73 16.86 267 100.00

Tabelle 1: Beteiligung der Studierenden und Fragebogen-Rücklauf nach Fachsemester


Von der Dozentenschaft wurden 32 Dozenten mit insgesamt 50 Lehrveranstaltungen angeschrieben. Rückantworten liegen von 19 Dozenten mit einer Selbsteinschätzung für 30 Lehrveranstaltungen vor.

Auswertung:

Die Datenaufnahme erfolgte von zwei Personen mittels Excel. Die Dateneingaben einer Person wurden jeweils von der anderen Person wechselseitig vollständig überprüft. Angesichts des Entwicklungsstandes des Fragebogens als Erhebungsinstrument erfolgte die Auswertung in deskriptiver Form mittels grafischer Darstellungen. Hierbei wurden sowohl Lageparameter der Verteilungen gegenübergestellt als auch die einzelnen Verteilungen nach Kategorien abgebildet. So ist es dem einzelnen Dozenten möglich, jede einzelne Stufung pro Item nachzuvollziehen. Aus Gründen der Arbeitsökonomie und Gleichartigkeit der Darstellung wurde auch bei den Veranstaltungen Lageparameter ausgewiesen, bei denen die Beteiligung nur bei wenigen Personen lag.


3. Ergebnisse

Für die einzelnen Lehrveranstaltungen wurden Bewertungsprofile erstellt. Die Lehrveranstaltungskennziffern sind nicht aufgenommen worden, so daß ein Rückschluß auf die konkrete Veranstaltung und damit auf den Dozenten nicht möglich ist. Die Mittelwerte der einzelnen Veranstaltung sind den Mittelwerten aller Bewertungen im Fachbereich gegenübergestellt. Eine Differenzierung nach Grund- und Hauptstudium erwies sich als nicht sinnvoll, da eine signifikant unterschiedliche Bewertung der Studierenden im Grund- und Hauptstudium nicht vorliegt. Die von den Dozenten vorgenommene Selbsteinschätzung wurde als Profil den Mittelwerten der Studierenden-Bewertung gegenübergestellt, so daß eine Differenzbetrachtung der unterschiedlichen Bewertungen möglich ist. Jedem Dozenten wurden die Bewertungsprofile und die Verteilungen über die Bewertungsstufen für seine Veranstaltung zugeschickt. Desweiteren wurden die Kommentare in zusammengefaßter Form dokumentiert und ebenfalls den Dozenten zur persönliche (Aus)Bewertung zur Kenntnis gegeben.


4. Diskussion

Verfahren und Methode:

Das postalische Verfahren wurde unter anderem gewählt, um so auch die Studierenden zu erreichen, die nur wenige Veranstaltungstermine wahrnehmen. Dieses Ziel konnte nicht erreicht werden. Lediglich 6.4 % der Bewertungen entfallen auf Studierende, die mehr als ein Drittel der Lehrveranstaltungstermine nicht besucht haben. Die Beteiligung der Studierenden an der Befragung mit ca. 17% der eingeschriebenen Studierenden ist für einen kleinen und überschaubaren Bereich wie die Produktionstechnik sehr gering. Gründe hierfür können sein eine allgemeine Fragebogenmüdigkeit, die nicht stattgefundene Aufarbeitung der Ergebnisse aus der Befragung 1993 oder auch das Fehlen eines von der Institution vorgegebenen Aktionsrahmens bezüglich Umsetzung/Verwendung der Ergebnisse.

Ergebnisse:

Den Dozenten liegen die sie betreffenden Ergebnisse in aufbereiteter Form vor. Ihre Reflexion ist nicht Aufgabe der Berichterstatter sondern die der Dozenten. Adressat dieses Berichtes sind die Mitglieder des Fachbereichsrates. Einer Diskussion der Ergebnisse im Hinblick auf die institutionelle Interessenlage des Fachbereiches sollte hier nicht vorgegriffen werden.


5. Zusammenfassung

Adressat von Lehrveranstaltungsbewertungen durch die Studierenden ist primär der Dozent. Er sollte sich mit den Bewertungen auseinandersetzen. Dies nicht im Sinne einer Beurteilung der Qualität seiner Veranstaltung sondern als Ausdruck studentischer Sichtweise und Interessenlage. Beide Aspekte gilt es beim Aufbau und der Durchführung von Lehrveranstaltungen zu berücksichtigen, wenn man die Qualität einer Lehrveranstaltung auch an ihrem Ergebnis, dem Qualifizierungsprozeß des einzelnen Studierenden, festmachen will.