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Peter Haupt, Nina Kärst, Nadin Engelhardt, Sandra Kanngießer, Claus Veting, Nina Ockenga, Jens Huchthausen, Birgit Neite (1996):

Weitere Methoden im Ökonomieunterricht


7. Projektmethode

Zur Geschichte

  1. John Dewey (1859-1952), ein Vertreter des amerikanischen Pragmatismus, wird oft als "Vater" des Projektunterrichts bezeichnet. Im Pragmatismus wird die praktische Tätigkeit der Theorie und der Wissenschaft übergeordnet. Der Sinn im praktischen Tun entscheidet über gut und schlecht, nicht die theoretische Gültigkeit. Der John Dewey zugeschriebene Slogan "Learning by doing" stammt nicht von ihm, bringt aber seine Vorstellungen auf den Punkt. Weitere wichtige Vertreter sind W. H. Kilpatrick und Otto Haase (vgl. Frey, 1984 S. 33-35).

     

    Begriffliche Einordnung

    Kaiser/Kaminski verstehen unter der Projektmethode "eine Unterrichtsform (...) ,die getragen wird von einer Sichtweise des Unterrichts, bei der von einem zunehmend gleichberechtigten Rollenverständnis von Lehrenden und Lernenden ausgegangen wird und die Projektgruppe im Sinne einer gemeinsamen Zielsetzung ihre Lern- und Arbeitsschritte gemeinsam plant, durchführt und reflektiert."(Kaiser/Kaminski, 1990 S.267). Laut Jank/Meyer ist die Projektmethode dem didaktischen Prinzip der Handlungsorientierung zuzuordnen, entsprechende Unterrichtskonzepte sind Projektunterricht bzw. handlungsorientierter Unterricht (vgl. Jank/Meyer, 1994 S.294).

    Karl Frey hat in seinem Buch über die Projektmethode sicher recht, wenn er diese als eine "offene Lernform" bezeichnet, die sich "folglich auch nicht durch eine präzise Definition beschreiben" läßt (vgl. Frey, 1984 S.14).

      

    Merkmale

    In der Literatur zur Projektmethode bzw. zum Projektunterricht werden immer wieder bestimmte Merkmale genannt, von denen die wichtigsten an dieser Stelle erwähnt werden sollen:

     

     

    Zielsetzungen der Projektmethode

    Als generelle Lernziele sind zu nennen:

    1.  
    2. Der Schüler soll Themen und Aufgaben seinen Neigungen und Interessen entsprechend frei wählen können.

       

    3. Der Schüler soll seiner Altersstufe gemäß Arbeiten planen und ausführen können.

       

    4. Der Schüler soll Wege zur Erreichung seines Zieles finden, selbst entwickeln und auf andere Situationen übertragen können.

       

    5. Der Schüler soll einsehen, daß zur Lösung bestimmter Aufgaben kooperatives Handeln notwendig ist.

       

    6. Der Schüler soll Informationen einholen, sammeln, ordnen und auswerten und sie kritisch beurteilen können

       

    7. Der Schüler soll sich in sachlicher Diskussion üben und seine Anliegen vertreten und artikulieren können.

     

    Ziele im Hinblick auf die zukünftige berufliche Tätigkeit:

    1.  
    2. Im Rahmen der Projektarbeit sollen die Schüler insbesondere Fähigkeiten erwerben, die von ihnen als zukünftige Facharbeiter verlangt werden.

       

    3. Förderung von Fähigkeiten wie Problemlösefähigkeit, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit und Verantwortungsbewußtsein

       

    4. Aufbrechen von Routine im schulischen Lernen durch besondere Aufgabenstellungen; Einsatz von Kreativität, Phantasie und Eigeninitiative

     

     

    Verlaufsstruktur

    Als vier grobe Phasen, auf die sich aber alle in der Literatur vorgeschlagenen Ablaufmuster zurückführen lassen, sind zu nennen:

     

    Um etwas konkreter zu werden, hier der idealisierte Projektablauf von Frey (1984 S.54):

    1.  
    2. Projektinitiative

       

    3. Auseinandersetzung mit der Projektinitiative in einem vorher vereinbartem Rahmen (Ergebnis = Projektskizze); möglicher Abschluß

       

    4. Gemeinsame Entwicklung des Betätigungsgebietes (Ergebnis = Projektplan); möglicher Abschluß

       

    5. (Verstärkte) Aktivitäten im Betätigungsgebiet/Projektdurchführung (einzeln, in Untergruppen, in Gesamtgruppe)

       

    6. Beendigung durch bewußten Abschluß (1)
      oder durch Rückkoppeln zur Projektinitiative (2)
      oder durch Auslaufenlassen(3)

     

    In den Verlauf des Projekts werden immer wieder Fixpunkte und Metainteraktionen eingeschoben. Fixpunkte sind dabei so etwas wie organisatorische Schaltstellen und ein Mittel gegen blinde Betriebsamkeit, Orientierungslosigkeit und fehlende Abstimmung zwischen einzelnen und Teilgruppen. Sie werden je nach Bedarf eingeschoben. In der Metainteraktion beschäftigen sich die Projektteilnehmer mit dem Normalgeschehen. Sie legen eine Pause ein und setzen sich aus einer gewissen Distanz mit ihrem eigenen Tun auseinander. Die Metainteraktion trägt dazu bei, aus einfachem Tun bildendes Tun zu machen.

    Die Projektmethode kann bekanntermaßen unterschiedliche organisatorische Formen an- nehmen: Projektunterricht,wie er in den obigen Ausführungen auch eher im Vordergrund stehen soll oder die Projektwoche, welche oft nur als Motivationsvehikel oder Belohnungsinstrument eingesetzt wird und daher oft zweifelhaften didaktischen und fachlichen Charakter hat. Es ist jedenfalls zu beachten, daß die Projektmethode sich in das generelle Lernkonzept eines Faches einzufügen hat.