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Stefan Eigel

"Freiarbeit" oder "freie Arbeit" im Sinne Montessoris

Siehe auch Verschiedene Formen der Freiarbeit

Freie Arbeit oder der in der Schulpraxis geläufigere Name Freiarbeit, besteht nach Montessori nicht nur aus methodischen Gesichtspunkten, sondern wird immer in Verbindung mit Lernen unter bestimmten Bedingungen gesehen. Montessori hat den Begriff Freiarbeit nie verwendet. Sie verstand darunter ein auf die gesamte Arbeitssituation der Kinder bezogenes Lernen in Freiheit. Eingeschlossen darin ist die Freiheit des Interesses, Freiheit der Kooperation und Freiheit der Zeit. Hinsichtlich der Freiheit des Interesses haben die Kinder die Möglichkeit ihre Aufgaben und Ziele selbst zu wählen. Montessori traut ihnen zu, daß sie die Aufgaben und Ziele als ihre eigenen erkennen und annehmen. Es wird erwartet, daß die gewählte Aufgabe bearbeitet und nicht unüberlegt, grundlos beendet wird. Durch die immanente Fehlerkontrolle der gelösten Aufgaben erhalten die Schüler die Möglichkeit der sofortigen Rückmeldung über ihren individuellen Lernerfolg. Andernfalls können Mitschüler oder der Lehrer als Berater eingeschaltet werden.

Pöppel stellt im Bezug auf die freie Zeiteinteilung fest: "Mit der Entscheidung über unterschiedliche Ziele wird er zugleich den Zeitraum einschätzen lernen, den er für seine Aufgabe braucht. Dabei wird die Zeiteinheit, die im Stundenplan für diese Unterrichtsform vorgesehen ist und in der Regel einen zweistündigen Block darstellen wird, einmal für ein Ziel, oder sogar mehrere ausreichen. Ein andermal wird der Schüler mehrere Zeiteinheiten benötigen." Die Zeiteinheit ist hauptsächlich von der Altersstufe und von der Art der gestellten Aufgabe abhängig. Mit dem Älterwerden nimmt auch die Zeitdauer der zu bearbeitenden Aufgabe zu. Dringend notwendig ist auch die Rückmeldung über Qualität und Quantität der gelösten Aufgabe beim Lehrer, damit er über die verrichtete Arbeit des Schülers informiert ist.

Während der Freiarbeit ist die Freiheit der Kooperation von entscheidender Bedeutung. Der Schüler kann entscheiden, ob er in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit die gestellte Aufgabe bearbeiten möchte. Pöppel machte sich über die notwendigen disziplinarischen und erzieherischen Grenzen Gedanken: "Die erste liegt darin, daß durch die Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Mitschülern weder die eigene Arbeitswilligkeit und -fähigkeit noch die anderer Schüler oder Schülergruppen leiden darf. Die zweite liegt darin, daß der Schüler in der Freiarbeit auch lernen muß, die Motive für die Wahl seiner Aufgaben und Ziele nicht nur auf sich zu beziehen, sondern auch seine Mitschüler in sie einzubeziehen". Ziel dieser Arbeitsform in der Schule ist die Mitverantwortung für den Mitschüler und die Klassengemeinschaft. "Gegenüber den Mitschülern zeigt die Haltung der Stille die Rücksicht auf deren freie Arbeit. [...] Gegenüber dem Lehrer zeigt die Haltung des Abwartens die Anerkennung der Entscheidung des Lehrers, daß ein anderer Schüler oder eine andere Schülergruppe ihn jetzt dringender beanspruchen darf."

Freiheit bedeutet nicht, Kinder sich selbst zu überlassen, sondern ihre spontane Selbsttätigkeit zu leiten! Ihnen Entscheidungsmöglichkeiten anzubieten, die ihrem natürlichen Bedürfnis sich zu begrenzen, das heißt eine Entscheidung treffen zu wollen, genügen. Erst das subjektive Empfinden, sich frei zwischen verschiedenen Alternativen entschieden zu haben, wird als Freiheit empfunden. Freiheit bedeutet folglich nicht, daß man tun kann was man will. Sie hat die Gemeinschaft als Grenze. Freiheit heißt, Grenzen zu akzeptieren und "Meister seiner selbst zu sein".!!

Weinhäupl klärt in diesem Zusammenhang ein mögliches Mißverständnis: "Eine Montessori-Schule gibt den Schülern nur sehr wenig inhaltliche Wahl. Die Schüler können nicht wählen, was sie lernen wollen. Es gibt ein Programm, und das ist genau vorgeschrieben. [...]. Die Idee, daß unsere Schüler lernen dürfen was sie wollen, ist ein grundlegendes Mißverständnis, ein Vorurteil, das man leider noch immer hört. Selbstverständlich geben wir unseren Schülern innerhalb des Rahmens der Kultur soviel Freiheit wie möglich, aber nur innerhalb dieses Rahmens. Das soll man gut verstehen. Viel mehr Wahlmöglichkeiten gibt die Form des Unterrichts. Wenn die Totalität der Aufträge einmal deutlich festliegt, dürfen die Schüler selbst wählen, wie sie arbeiten, wann und wo sie arbeiten, mit wem sie arbeiten und wen sie um Hilfe fragen".


Quelle: http://194.235.183.9/PRIVAT/SEIGEL/Freiarbeit.htm


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