Werner Stangls
Tips zur Suche im internet

Die Definition von Begriffen mit dem internet

Ein Vergleich von traditionellen Quellen mit internet-Recherchen

In einer einführenden Lehrveranstaltung im Rahmen des wirtschaftspädagogischen Studium (UV "Statistische Forschungsmethoden der Erziehungswissenschaft"; WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at:4711/STATMETH/StatmethOrg.html) wurden von StudentInnen im Rahmen einer Übungsaufgabe 60 Begriffe aus den Bereichen Psychologie und Pädagogik bearbeitet, die mit Hilfe traditioneller Medien (Lexika, Fachwörterbücher, Handbücher etc.) und von online-Recherchen definiert bzw. näher bestimmt werden sollten. Die Ergebnisse bzw. der Vergleich der beiden Rechercheformen wurden dabei in Kurzprotokollen festgehalten.

Zahlreiche StudentInnen verwenden bei der Charakterisierung des Umgangs mit dem Medium eine starke emotionale Begrifflichkeit, etwa sympathisch", enttäuscht" oder verärgert". Das ist teilweise darauf zurückzuführen, daß die meisten StudentInnen zum ersten Mal mit dem Medium internet konfrontiert wurden.

Eine große Gruppe von Schwierigkeiten betraf technische Probleme:

Vor allem der zeitliche Aufwand schien vielen problematisch, obwohl eine gründliche traditionelle Recherche bei einer genauen Zeitanalyse wohl ähnliche Arbeitsbelastungen in Anspruch genommen hätte.

Generelle Kritik betraf vor allem die allgemeine Qualität der Belegstellen, wie "nicht sehr ertragreich", "Qualität weit hinter jener der guten, altbewährten Lexika".

Eine differenzierte Betrachtung der Kritikpunkte zeigt, daß die StudentInnen vor allem Probleme hatten, die Qualität der Quellen zu beurteilen. Im Gegensatz zu den traditionellen Quellen, die aufgrund Ihrer Lokalisierung in einem abgesteckt akademischen Rahmen wohl apriori höher eingeschätzt wurden, war es in vielen Fällen schwer, eine sichere Zuordnung hinsichtlich einer qualifizierten Autorenschaft zu treffen.

Eine Ausnahme bildete hier wohl nur das im Bereich psychologischer Grundbegriffe vom Zentrum für Deutsche Gebärdensprache herausgegebene "Fachgebärdenlexikon Psychologie" (WWW: http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/PsychLex.html). In diesem Lexikon wurden von Mitarbeitern des Zentrums für Deutsche Gebärdensprache über 900 Begriffe aufgenommen. Das in erster Linie für gehörlose Studierende und DolmetscherInnen gedachte Lexikon bietet mediengerechte knappe und präzise Definitionen psychologischer Fachbegriffe an.

Zwar finden sich immer zahlreicher auch Quellen von Instituten der verschiedensten Universitäten, allerdings geht das Angebot meist kaum über 1:1 Übertragungen von bereits publizierten Fachartikeln hinaus. Bei manchen Begriffen wurden ausschließlich Vorlesungsverzeichnisse oder Kurzbeschreibungen von Seminaren oder Vorlesungen gefunden, die in den wenigsten Fällen eine Begriffsbestimmung zuließen. Auch Inhalts- und Stichwortverzeichnisse bzw. Literaturhinweise und -register boten keine Möglichkeiten, die geforderten Begriffe näher zu bestimmen, auch wenn in vielen Fällen der Kontext hilfreich war, die weitere Suche einzugrenzen.

Interessanterweise wurden von den StudentInnen kaum die ebenfalls im net angebotenen Enzyklopädien und Nachschlagwerke benutzt. Das liegt teilweise daran, daß diese Texte häufig nicht in den Registern der Suchmaschinen liegen.

Fachliche Probleme, insbesondere die der Selektion

Bei allgemeinen Begriffen wie "Konflikt" oder "Entwicklung" tauchte neben dem Problem der Beurteilung der Qualität der Quellen auch das auf, "die Spreu vom Weizen zu trennen", also relevante Information von der irrelevanten zu trennen. Das hängt natürlich mit den Frequenzen der Rechercheergebnisse zusammen die in manchen Fällen fünfstellig waren.

Hier war es notwendig, die Suche durch Verknüpfungen mit einschränkenden Ordnungsbegriffen wie Pädagogik oder Psychologie zu begrenzen. Hier zeigte sich, daß die Nutzung der von den meisten Suchmaschinen angebotenen Optionen auch auf mangelnde logische Durchdringung der Materie zurückzuführen ist. Allerdings hoben manche Rechercheure auch die Qualität dieser Filter hervor:

Einen kleinen Bereich betreffen auch individuelle vermutete oder tatsächliche Kompetenzprobleme , etwa "wenn man die englische Übersetzung des Begriffes nicht kennt" oder "keine oder eine vage Ahnung von dem zu suchenden Begriff hat". Dieses bei "normalen" Recherchen wesentlich häufiger auftretende Problem ist hier deshalb vermutlich so gering, da der internet-Suche eine traditionelle vorausgegangen war, also gewisse Kompetenzen mit der Begrifflichkeit vorab gegeben waren.

Vor allem im Bereich der psychologischen Begriffe gibt es im net bereits eine Vielzahl qualitativ guter und vor allem aktueller Quellen. Zu Begriffen wie "Delinquenz" oder "Sucht" finden sich vor allem auf sites von einschlägigen Institutionen "mehrseitige und aktuelle und gute Zusammenfassungen".

Das führte zu einer positiven Bewertung des Netzes als mehr praxis-und gegenwartsbezogen , während die "Basisliteratur zum Teil vollkommen veraltet" ist bzw. ganz allgemein, daß "das net andere Informationen liefere als Fachliteratur".

Hervorgehoben wurde auch, daß das net als Ergänzung für zusätzliche, insbesondere aktuelle Informationen genutzt werden sollte. Insbesondere finde man Informationen "rund um" einen Begriff. Auch wurde darauf hingewiesen, daß man auf eher unerwartete Querverbindungen hingewiesen werde, die bei einer üblichen Suche nicht erkennbar wären.

Schließlich wiesen die Suchenden auch darauf hin, daß die Suche "relativ einfach und schnell" sei, daß also bei entsprechender Übung auch Zeit gespart werden könnte.

Schließlich fanden einige StudentInnen, daß oft weniger der Begriff das Faszinosum war, sondern die aufregende Reise durch die ganze Welt.

Versuch eines Fazits

Vermutlich liegt die nähere Zukunft des Mediums internet bei einer wissenschaftlichen Begriffsrecherche weniger im Auffinden exakter Definitionen als vielmehr bei einer Horizonterweiterung im Hinblick auf die sonst übliche fachliche Einengung. Es zeigte sich auch, daß nicht nur Medienkompetenz für die Qualität der Ergebnisse wichtig ist, vielmehr kommt auch einschlägiges fachspezifisches Vorwissen zum Tragen. Diese Erkenntnis deckt sich mit der allgemeinen Erfahrung, daß Tauben dort zufliegen ... Übrigens: der Autor der Arbeitsblätter hat ein Nachschlagewerk psychologischer und pädagogischer Begriffe aufgebaut und im Laufe der Jahre zu einer Art Enzyklopädie dieser Fächer weiterentwickelt!


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©opyright Werner Stangl, Linz 1997.
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