Der download dieses Textes und die Spiegelung auf dem server http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/ erfolgte ausschließlich zu Lehr- und Dokumentationszwecken bzw. zur Gewährleistung einer gewissen Stabilität der Informationen und berührt nicht das Copyright der jeweiligen AutorInnen! Damit soll den userInnen (StudentInnen, SchülerInnen) die Nachprüfbareit der Originalquellen ermöglicht werden, die im internet aufgrund der Dynamik des Entstehens und Vergehens von pages selten gegeben ist.
Falls sich AutorInnen durch diese Form der Dokumentation in ihrem Urheberrecht verletzt fühlen, bitte eine mail an den webmaster: jku@stangl.eu. Diese Seite gehört zu "Werner Stangls homepage der internetunterstützen Lehre": http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at:4711/default.html


Christa und Emil Zopfi

KAFKA-Stilkriterien*)

Die Anregungen könntest Du Dir auch für Texte auf dem Internet zu Herzen nehmen! Oder auch für Deine Fachtexte oder Deine journalistischen Arbeiten. Sie sind kurz, bündig aber ziemlich wirkungsvoll. Verständlich schreiben ist dabei das Ziel.

Franz Kafka schrieb einen einfachen und klaren Stil. «Sein deutscher Wortschatz ist fast karg, sein Satzbau konventionell», bemerkt Wolf Schneider.
Fünf Kriterien für bessere Verständlichkeit haben wir unter seinem Namen zusammengefaßt. KAFKA ist eine Abkürzung für: Konkret schreiben, Aktiv schreiben, Füllwörter und Floskeln meiden, Kurz schreiben, Adjektive sparsam verwenden.

KAFKA ist eine vereinfachte, einprägsame Stilhilfe, die den Anregungen bekannter Stilisten wie Ludwig Reiners oder Wolf Schneider folgt.

Konkret schreiben

Wenn uns das treffende Wort für eine Sache nicht einfällt, weichen wir gerne auf allgemeine Begriffe aus. Das ist beim Entwerfen eines Textes nicht tragisch. Beim Überarbeiten achten wir aber darauf, die Dinge genau zu benennen, Oberbegriffe möglichst zu vermeiden. Was für ein Vogel war es? Eine Meise, eine Amsel, ein Goldhähnchen? Auf was für einem Baum saß er? Auf einer Birke, einer Buche, einer Rottanne? Saß er nur dort, oder kauerte er, lauerte er, sang, zwischerte, pfiff oder tirilierte er?
Je allgemeiner die Begriffe, umso weniger anschaulich sind sie. Besonders abstrakte Hauptwörter erkennen wir an den Endungen Ð-ungð, Ð-heitð, Ð-keitð: Berücksichtigung, Besonderheit, Wünschbarkeit. Konkret schreiben heißt genau, bildhaft und anschaulich schreiben.

Aktiv schreiben

Das Passiv ist ein Lieblingskind der Bürokratie: «Sie werden dringend ersucht...» Wer ersucht hier? Niemand, denn der handelnde Mensch kommt in diesem Satz gar nicht vor. «Der Stadtpräsident ersucht die Bürger...» ist eine aktive Form. Man erkennt sie am konjugierten Verb. Beim Überarbeiten versuchen wir, möglichst aktiv zu schreiben und so genauer, interessanter zu formulieren. Die handelnden Personen wollen wir beim Namen nennen und nicht durch die passive Form verstecken. Für die Handlung suchen wir treffende Verben. «Der Stadtpräsident bittet die Bürger...»

Füllwörter streichen, Floskeln ersetzen

Füllwörter blähen einen Text auf, ohne etwas mitzuteilen: auch, doch, freilich, eigentlich, ausgerechnet... Man kann sie öfters streichen, als man denkt. Sparsam eingesetzt, können sie den Rhythmus der Sprache verstärken. Auch wenn sie einen Gegensatz kennzeichnen, sind sie notwendig: aber, dagegen, dennoch, hingegen, jedoch. Ebenso, wenn eine ursächliche Folge gemeint ist: Dadurch, daher, denn, deshalb, vielleicht, beinahe.

Goethe veröffentlichte 1817 eine Liste von Füllwörtern «welche der Schriftsteller vermeidet, sie jedoch dem Leser beliebig einzuschalten überläßt».

aber ohne Zweifel
beinahe sonst
damals ungefähr
einigermaßen unmaßgeblich
fast vielleicht
geradezu wahrscheinlich
gewissermaßen wenigstens
irgend zugegeben
kaum


Floskeln sind Sprachklischees, gestanzte Wendungen, die einem meist zuerst in den Sinn kommen: stinkfaul, splitternackt, bitterer Ernst, goldene Mitte, grünes Licht, die Spitze des Eisbergs, wie ein Murmeltier schlafen, Morgenluft wittern, der Zahn der Zeit nagt... Solche abgedroschenen Redewendungen vermeiden wir und suchen genaue, frische, eigenwillige Formulierungen.

Kurz schreiben

«Die alten Wörter sind die besten und die kurzen die allerbesten», schrieb Winston Churchill. Vor allem Wörter, die aus mehreren Teilen zusammengesetzt sind, sogenannte ÐSilbenschleppzügeð, sind unanschaulich, schwer verständlich und uninteressant. Solche Wörter sind wie Nüsse, die wir knacken, um den Kern der Aussage herauszuschälen.

Rücksichtnahme Rücksicht nehmen
Aufgabenstellung Eine Aufgabe stellen
Heilungsverlauf genesen
Motivationsstrukturen ermuntern, motivieren
Zielsetzung Ziel setzen
problematisieren ein Problem wälzen

Ebenso sind kurze Sätze meistens verständlicher und lesen sich angenehmer als lange Sätze. Wir vermeiden verschachtelte und überfrachtete Sätze. «Um kurze Sätze schreiben zu können, muß man erst gearbeitet haben. In langen Sätzen bleibt die Unwissenheit des Autors leichter verborgen - ihm selbst und dem Leser», schreibt Wolf Schneider. Den Schachtelsatz, der in der deutschen Sprache so beliebt ist, erklärt er zum Hauptfeind der Verständlichkeit.

Ludwig Reiners zählte die Wörter pro Satz und legte die Faustregel fest, ein Satz sei mit:

bis 13 Wörtern sehr leicht verständlich
14 bis 18 Wörtern leicht verständlich
19 bis 25 Wörtern verständlich
25 bis 30 Wörtern schwer verständlich
ab 31 Wörtern sehr schwer verständlich

Adjektive sparsam verwenden

In der Schule lernten wir blumig schreiben, also vor jedes Hauptwort mindestens ein Eigenschaftswort setzen, besser zwei. Eigenschaftswörter sind statisch, sie beschreiben, bewerten, sind Farbtupfer, die manchmal schön klingen, oft aber den Fluß der Sprache stören und die eigenen Bilder der Leserinnen und Leser stören.
«lch will das Ganze, bevor es abgetippt wird, nochmals durchgehen und selbst die paar Adjektive tilgen, die sich eingeschlichen haben», schrieb John Steinbeck im ÐTagebuch eines Romansð.
Es gilt also die Regel, beim Überarbeiten alle überflüssigen Adjektive zu streichen.Adjektive sparsam verwenden
In der Schule lernten wir blumig schreiben, also vor jedes Hauptwort mindestens ein Eigenschaftswort setzen, besser zwei. Eigenschaftswörter sind statisch, sie beschreiben, bewerten, sind Farbtupfer, die manchmal schön klingen, oft aber den Fluß der Sprache stören und die eigenen Bilder der Leserinnen und Leser stören.
«lch will das Ganze, bevor es abgetippt wird, nochmals durchgehen und selbst die paar Adjektive tilgen, die sich eingeschlichen haben», schrieb John Steinbeck im ÐTagebuch eines Romansð.
Es gilt also die Regel, beim Überarbeiten alle überflüssigen Adjektive zu streichen.


Zopfi, Christa & Zopfi, Emil (1995). Wörter mit Flügeln, Kreatives Schreiben. Gümligen: Zytglogge Verlag.
Quelle: http://www.access.ch/zopfi/KAFKA.html (97-03-24)
Betrifft ©opyright:
Diese webpage ist aus Dokumentationsgründen auf diesem server nur gespiegelt. Die AutorInnenrechte werden dadurch nicht beeinträchtigt. Bitte verwenden Sie daher in allen Fällen nur das Original, das über die Quellenangabe erreichbar ist. WS