Lernen in Gruppen *)
Warum ist Lernen in der Gruppe wichtig, welche
Vorteile bietet es?
Wenn in Gruppen gelernt wird, geht es nicht einfach darum, mit
anderen zusammen ein "Produkt" zu erstellen (und diese Sache
möglichst schnell hinter sich zu bringen), sondern das Lernen an
sich sollte im Vordergrund des Interesses stehen. Denn die
Gruppensituation bietet die Möglichkeit, neue Sichtweisen und
Perspektiven kennenzulernen und vom Wissen anderer zu profitieren.
Wenn sich die Gruppenmitglieder gegenseitig unterstützen, kann
jedes seine Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern.
Obwohl von seiten der Wirtschaft hohe Anforderungen hinsichtlich
der Team-, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit an die
StudienabgängerInnen gestellt werden, wird das Lernen in Gruppen
von Studierenden (aber auch z. T. von den Lehrenden) häufig
rundweg abgelehnt. Dabei fallen die Vorteile, die kooperative
Lernformen sowohl auf kognitiver, als auch auf
emotional-motivationaler und sozialer Ebene mit sich bringen
können, meist unter den Tisch:
- Das Lernen in einer Gruppe ist oft anregender und
motivierender, als das Lernen alleine. Da jedes Gruppenmitglied
andere Vorkenntnisse, Ideen oder Ansichten hat, entsteht ein sog.
Gruppenvorteil hinsichtlich Qualität und Kreativität von
Problemlösungen; man selbst wird auf neue Gedanken
gebracht.
- Wer sich aktiv am Gruppengeschehen beteiligt, lernt, zu
argumentieren, zu diskutieren und sein Wissen verständlich
und strukturiert vorzutragen. Dabei werden dann oft
Wissenslücken oder Verständnisprobleme aufgedeckt oder
man lernt andere Interpretationen und Einschätzungen kennen.
Das eigene Wissen wird also überprüft, ergänzt oder
verändert und dabei stabilisiert.
- Gruppen bieten auch die Möglichkeit zum sozialen Lernen:
In Gruppendiskussionen lernt man zu erkennen, daß es nicht
nur eine "richtige", sondern mehrere mögliche Wahrheiten
gibt. Dies führt zu einer toleranteren Haltung gegenüber
den Standpunkten anderer und zur Klärung von
Mißverständnissen und Konflikten.
- Eine Gruppe kann die Lern- und Durchhaltemotivation steigern.
Die von einer guten Lerngruppe ausgehende soziale
Unterstützung trägt dazu bei, daß man "bei der
Stange bleibt".
Allerdings stellen sich diese positiven Auswirkungen von
Gruppenarbeit nicht von selbst ein. Es müssen einige
Voraussetzungen erfüllt sein, damit Gruppenarbeit auch
funktioniert. Dazu müssen die Gruppenmitglieder zum einen bereit
sein, miteinander zu kooperieren, zum anderen müssen sie die
Gruppenarbeit aber auch organisieren.
Was sind wichtige Voraussetzungen für eine
gute Zusammenarbeit in der Gruppe?
- Wichtig ist zunächst, daß die Gruppenmitglieder
gemeinsame Ziele haben, die sie zusammen erreichen wollen. Die
Bereitschaft zur Kooperation ist die Grundvoraussetzung, damit
Gruppenarbeit überhaupt stattfinden kann.
- Die Gruppenmitglieder müssen sich über ihre Ziele
verständigen, also Informationen austauschen und aufnehmen.
Dazu ist ein Klima notwendig, in dem Akzeptanz und Vertrauen
vorherrschen.
- Gruppenarbeit muß geplant und organisiert werden. Ein
wichtiger Punkt hierzu ist die Gruppengröße:
Optimalerweise liegt sie bei 3-4 Personen und mehr als 7 Personen
sollten es nicht sein. Denn je größer eine Gruppe ist,
desto schwieriger wird die Koordination der Gruppenmitglieder.
Auch wächst mit der Gruppengröße die Tendenz,
daß ich einzelne Mitglieder nicht mehr engagieren.
- Die Gruppe sollte leistungsmäßig in etwa gleich
zusammengesetzt sein, damit sie nicht von einem "Star" dominiert
wird, sondern alle die Chance haben, einen Beitrag zu
leisten.
- Das Arbeitsprogramm der Gruppe sollte hinsichtlich der Ziele,
des Umfangs und des Anspruchsniveaus möglichst klar und
konkret festgelgt werden.
- Nicht zu unterschätzen bei der Gruppenarbeit ist der
Aspekt der Informationsverarbeitung, also das intensive
Auseinandersetzen mit dem Lernstoff.. Die Gruppe muß
dafür sorgen, daß eine Informationsverarbeitung
stattfindet, sonst entsteht schnell ein
"Kaffeekränzchen".
- Weiterhin ist es wichtig, daß die Aufgaben in der Gruppe
von Sitzung zu Sitzung klar verteilt werden (wer macht was bis
wann und wie?).
- Die Gruppe muß fähig sein, Störungen
frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Gruppen entfalten ihre
eigene Dynamik, die sogar dazu führen kann, daß die
Gruppe auseinanderbricht. Dies kann z.B. dann passieren, wenn
einzelne Gruppenmitglieder dominieren oder "trittbrettfahren",
also selbst nichts beisteuern und von den anderen profitieren.
Ebenfalls gefährlich wird es, wenn Kooperation in Konkurrenz
umschlägt. Deshalb sollte zwischendurch das Gruppengeschehen
&endash; also die Kooperation und Kommunikation untereinander
&endash; thematisiert und analysiert werden.
- Von entscheidender Wichtigkeit ist auch, daß sich die
Gruppenmitglieder gegenseitig motivieren, z.B. indem sie sich
verdeutlichen, warum das Ziel wichtig für die Gruppe ist und
inwieweit es bereits erreicht wurde. Auch ein paar aufmunternde
Worte können Wunder wirken!
Welche Schwierigkeiten können beim
kooperativen Lernen auftreten?
Da beim kooperativen Lernen mehrere Individuen mit eigenen
Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen zusammenarbeiten,
kann es natürlich zu Schwierigkeiten kommen.
- Kooperatives Lernen ist, wenn es sinnvoll gestaltet wird,
relativ zeitintensiv.
- Koordinationsschwierigkeiten und eventuell ein "information
overload" durch zu vielfältige Ressourcen (besonders bei
großen Gruppen).
- Die Sach- und die Beziehungsebene stehen in einer engen
Wechselbeziehung, die die Gruppe in Konflikte und Spannungen
bringen kann.
Hans Gruber (19**) beschreibt weiterhin folgende 6
Phänomene:
- Der-Hans-der-macht's-dann-eh-Phänomen (auch
free-rider-Effect): Die Arbeit wird denjenigen
Gruppenmitgliedern überlassen, denen es wichtig ist, ein
gutes Ergebnis zu erzielen.
- Ja-bin-ich-denn-der-Depp-Phänomen (auch
succer-Effect): Es kann als Folge des free-rider-Effects
gesehen werden. Diejenigen, die die Hauptlast der Arbeit tragen,
werden zunehmend verärgert und verlieren die Motivation
für das Projekt.
- Da-mach-ich-es-doch-gleich-lieber-selbst-Phänomen
(Matthäus-Effekt oder Scheren-Effekt):
StudentInnen mit höherer Motivation und besseren
Eingangsvoraussetzungen übernehmen oft die Hauptarbeit, da
ihnen die Beiträge der anderen Gruppenmitglieder nicht gut
genug sind oder es ihnen zu langsam vorangeht. Die besseren
Studenten arbeiten also mehr und lernen daher mehr als ihre
KommilitonInnen.
- Das-kann-und-mag-ich-nicht-mach-du-Phänomen
(intrapersonaler Matthäus-Effekt): Die Arbeit wird oft
so aufgeteilt, daß diejenigen, die etwas bestimmtes
können auch diese Arbeit ausführen. In dem Gebiet, das
sie bereits können, vertiefen sie ihre Kenntnisse, was sie
nicht können, lernen sie auch nicht.
- Ich-habe-meinen-Teil-erledigt-Phänomen: Manche
Gruppenmitglieder weigern sich, weitere Beiträge zu leisten,
da sie der Meinung sind, ihren Teil bereits geleistet zu
haben.
- Aufgrund der Schwierigkeiten der Kooperation in den
Lerngruppen sinkt die Kooperationsbereitschaft für weitere
Gruppensituationen.
Aus welchen Phasen besteht der
Gruppenprozeß?
Für denjenigen, der in einer Gruppe arbeiten will (oder
muß) kann es sehr hilfreich sein, die verschiedenen Phasen des
Entwicklungsprozesses von Gruppen zu kennen. Du kannst dadurch z.B.
Dein eigenes Verhalten besser verstehen lernen. Weiterhin kann dieses
Wissen auch bei der Analyse von Konflikten nützlich sein.
- Phase 1: Ankommen, auftauen, sich orientieren
Diese Phase ist gekennzeichnet durch abwartendes Verhalten. Um
die neue Situation für sich einfacher zu gestalten, werden
zunächst einmal innerlich Etiketten verteilt, die die anderen
in ein gewohntes Schema einordnen: nett, intellektuell, Kumpel,
Stockfisch etc. Mit diesen Etiketten verschafft man sich zwar
Übersicht, behindert aber gleichzeitig vorurteilsfreies
Zugehen auf die anderen. Der gemeinsame Nenner hinter diesem
Verhalten heißt Unsicherheit und Wunsch nach Orientierung,
denn jeder der Teilnehmer ist auf der Suche nach seinem Platz und
seiner Rolle in der Gruppe. Alle wollen akzeptiert werden, jeder
möchte seine Werte und Vorstellungen berücksichtigt
wissen. Der eine intensiver, der andere mit größerer
Distanz.
- Phase 2: Gärung und Klärung
Die Teilnehmer sind nun in der Gruppe vertrauter und zeigen ihr
wahres ICH. Sie zeigen die eigenen Interessen und Erwartungen.
Diese Phase ist geprägt von Durchsetzungswillen, Rollen- und
Statusverteilungen, evtl. auch Aggressionen. Skeptische und
konfrontative Fragen werden gestellt. Da jeder seine Interessen
klarer ausdrückt werden die Unterschiede in den Erwartungen
deutlicher. Rivalität und Durchsetzungswille, Rollen- und
Statusverteilungen beeinflussen das Klima. Die Gruppe kommt nur
langsam voran, die Konfusion und gegenseitige Blockade bringt die
Gruppe zur ersten Krise und damit an einen wichtigen Punkt: Es
wächst die Einsicht und Bereitschaft, Entscheidungsregeln zu
finden, Rollen und Funktionen zu verteilen, akzeptable Normen
für das Gruppenleben zu schaffen und unterschiedliche
Fähigkeiten zu akzeptieren. Die Gruppe beginnt, sich zu
organisieren und als Gruppe zu verstehen. Den TeilnehmerInnen wird
klar, wofür sie in Bezug auf ihr Lernen und den Fortschritt
in der Gruppe Verantwortung übernehmen müssen.
- Phase 3: Arbeitslust und Produktivität
In dieser Phase wird die Unterschiedlichkeit der Personen als
nutzbringend erkannt, und als Vorteil für eine kreative
Aufgabenbewältigung gesehen. Aufgabenteilung und
Rollendifferenzierung können stattfinden. Die Gruppe befindet
sich in einer Phase relativ stabiler Arbeitsfähigkeit,
Aufgabenstellungen werden konstruktiv aufgegriffen und auf der
Sachebene bearbeitet. Das Klima ist von gegenseitigem Geben und
Nehmen gekennzeichnet, die Kommunikation funktioniert gut. Die
Gruppe ist nicht mehr so anfällig für
Stimmungsschwankungen. Frustration und Konflikt können
ertragen werden, ohne die Arbeitsfähigkeit der Gruppe in
Frage zu stellen.
- 4.Phase: Abschluß und Abschied
Häufig ist das Ende der Gruppe durch die vorgegebene Dauer
oder durch das Erreichen der Ziele "vorprogrammiert".
Abschluß, Transfer und Abschied sind die drei beherrschenden
Themen der Schlußphase. Abschluß heißt, die
bisherigen Themen zu einem Ende zu führen, auf der Sachebene
ebenso wie auf der Beziehungsebene. Mit Transfer ist gemeint,
daß sich der Teilnehmer mit der Frage konfrontiert, was er
mit dem bisher gelernten anfangen will. Der Abschied braucht um so
mehr Energie, je länger die Gruppe zusammen war und je
persönlicher die Themen und Beziehungen wurden. Emotionale
Bande müssen zu einem (vorläufigen) Abschluß
gebracht werden.
Welche Hilfestellungen gibt es für eine
kooperative, effektive Zusammenarbeit?
Gruppen sind soziale Systeme, die sowohl Aufgaben bewältigen,
wie auch ihre inneren Beziehungen strukturieren müssen. Wird
eines dieser Ziele vernachlässigt, so leidet auch das andere
darunter. Ruth Cohn (1990) plädiert deshalb dafür, die drei
Faktoren Person (Ich), die Gruppe (Wir) und das Thema bzw. die
Aufgabe (Es) gleichwertig zu behandeln. Solange ein dynamisches
Gleichgewicht dieser drei Faktoren immer wieder erarbeitet wird,
existieren optimale Bedingungen für die TeilnehmerInnen als
Personen, für die Interaktion der Gruppe und für die
Erfüllung der Aufgabe. Ein besonderes Augenmerk gebührt
auch dem Umfeld, denn Umfeld und Gruppe stehen auch in Verbindung:
eine Änderung in Deinem Verhalten wird für das Umfeld
spürbar und es wird darauf reagieren.
Nützlich sind auch die von Ruth Cohn aufgestellten
Spielregeln der Themenzentrierten Interaktion (TZI). Sie
helfen, die Interaktion zu erleichtern und sollen als Hilfe, nicht
als zusätzlicher Streß verstanden werden, auch wenn sie
zunächst eingeübt werden müssen.
- Sei Dein eigener Chairman.
Dies bedeutet soviel wie "übernimm die Verantwortung
für Dich selbst". Bestimme wann und was Du sagen willst und
bestimme Dein eigenes Vorgehen im Blick auf die Arbeit, die Gruppe
und alles, was für Dich wichtig ist. Nimm Deine Ideen,
Gedanken, Wünsche und Gefühle wichtig und wähle
aus, was Du den anderen anbieten kannst und um was Du bitten
möchtest.
- Störungen angemessen Raum geben.
Schmerzen, Abneigung oder Vorurteile können unter
Umständen der aktuellen Mitarbeit in der Gruppen ebenso im
Wege stehen wie große Freude, denn sie schwächen
unterschwellig die Konzentration auf das eigentliche Vorhaben.
Deshalb: Unterbrich das Gespräch, wenn Du nicht wirklich
teilnehmen kannst, wenn Du gelangweilt, ärgerlich oder aus
einem anderen Grund unkonzentriert bist. Die Gruppe weiß
dann, was in Dir vorgeht und welchen Anteil sie daran hat.
Werden Störungen nicht beachtet, so kann dies
schwerwiegende Folgen haben, weil das Lernen oder die Arbeit be-
oder sogar verhindert werden. Die Gruppe kann Störungen zwar
ignorieren, wirksam sind sie trotzdem. Eine Gruppe, die die
Störungen ihrer Mitglieder bearbeitet, gewinnt die scheinbar
verlorene Zeit durch intensivere und konzentriertere Arbeit
zurück.
- Vertritt Dich selbst in Deinen Aussagen: Sprich per "ich"
und nicht per "man" oder per "wir".
Die verallgemeinernden Redewendungen wie z.B. "jeder
weiß", "man sagt", "wir alle wollen" usw. sind häufig
persönliche Versteckspiele; der Sprecher übernimmt nicht
die volle Verantwortung für das, was er sagt. Er versteckt
sich hinter der öffentlichen Meinung oder einer behaupteten
Mehrheit um sich und andere zu überzeugen.
- Stelle möglichst nur Informationsfragen
Informationsfragen sind nötig, um etwas zu verstehen.
Fragen, die kein wirkliches Verlangen nach Information
ausdrücken, sind unecht. Ausweichende Antworten oder
Gegenfragen sind die Folge, es kommt zum Interview, statt zum
Dialog. Wenn anstelle von Fragen Aussagen treten, inspiriert das
zu weiteren Interaktionen. Versuche also, eigene Erfahrungen und
Gedanken anzusprechen.
- Seitengespräche haben Vorrang
Sie stören und sind zugleich meist wichtig, sonst
würden sie nicht geschehen. Wenn Teilnehmer
Seitengespräche führen, so sind sie mit großer
Wahrscheinlichkeit stark beteiligt &endash; oder gar nicht. Es
kann sein, daß ein Gruppenmitglied etwas sagen will, was ihm
wichtig ist, aber gegen schnellere Sprecher nicht ankommt und
Hilfe braucht, um sich in der Gruppe zu exponieren.
- Nur einer zur gleichen Zeit
Niemand kann mehr als einer Äußerung zur gleichen
Zeit zuhören. Damit man sich auf verbale Interaktionen
konzentrieren kann, müssen sie nacheinander erfolgen. Sofern
mehr als einer gleichzeitig reden wollen, verständigt man
sich in Stichworten über das, was gesagt werden soll, und
über die Reihenfolge der Sprecher.
- Sei authentisch und selektiv in Deiner Kommunikation. Mache
Dir bewußt, was Du denkst und fühlst, und wähle
aus, was Du sagst und tust
Authentisch sein heißt, Kontakt zu den eigenen Gedanken
und Gefühlen zu haben, die Auskunft darüber geben, was
ich jetzt brauche, wünsche oder tun sollte. Wähle aus,
was Du davon den anderen sagen oder zumuten willst. Alles, was Du
sagst, sollte wahr sein, aber nicht alles, was wahr ist, muß
gesagt werden.
- Beachte die Signale Deines Körpers und achte auf
solche Signale auch bei den anderen
Wer die Sprache seines Körpers kennt, versteht, wie
Gedanken und Aussagen von bestimmten Körpergefühlen
begleitet werden und wie diese ihrerseits eine Aussage machen. Auf
die Sprache des Körpers zu achten, verschafft wichtige
zusätzliche Informationen über das Gesprochene und
Gehörte hinaus. Körpersprache signalisiert Emotionen
sehr deutlich und in der Regel eher als sie ausgesprochen
werden.
- Sprich Deine persönlichen Reaktionen aus und stelle
Interpretationen so lange wie möglich zurück
Sind Interpretationen inadäquat ausgedrückt, so
erregen sie Abwehr und verlangsamen oder unterbrechen den
Gruppenprozeß. Direkte persönliche Reaktionen aber,
also Gedanken und Gefühle, die das Gehörte bei Dir
auslösen, führen immer zu weiteren Aktivitäten und
fördern die spontane Interaktion.
Eine weitere Möglichkeit, gruppenförderliches Verhalten
zu lernen, ist es, in der Gruppe regelmäßig
Feedback-Runden durchzuführen.
Feedback geben und erhalten ist wichtig für unser Lernen und
die persönliche Entwicklung. Angemessenes Verhalten
gegenüber Personen und Situationen lernen wir in hohem
Maße dadurch, daß wir die Auswirkungen des eigenen
Verhaltens auf andere beobachten und die entsprechenden Signale
nutzen.
Feedback geben verbindet sich meist mit drei Zielsetzungen:
- Ich will den anderen darauf aufmerksam machen, wie ich sein
Verhalten erlebe und was es für mich bedeutet (im positiven
wie im negativen Sinn).
- Ich will den anderen über meine Bedürfnisse und
Gefühle informieren, damit er darüber informiert ist,
auf was er besser Rücksicht nehmen könnte. So muß
er sich nicht auf Vermutungen stützen.
- Ich will den anderen darüber aufklären, welche
Veränderungen in seinem Verhalten mir gegenüber die
Zusammenarbeit mit ihm erleichtern würde.
Die positiven Wirkungen von Feedback liegen darin, störende
Verhaltensweisen zu korrigieren und somit die Zusammenarbeit
effektiver zu gestalten. Allerdings ist es keine leichte
Angelegenheit, Feedback zu geben oder zu nehmen. Es kann manchmal
sehr weh tun, peinlich sein, Abwehr auslösen oder neue
Schwierigkeiten heraufbeschwören. Auch muß der offene
Umgang mit Gefühlen häufig erst gelernt werden.
Auch beim Feedback sollten bestimmte Regeln beachtet
werden:
- Das Problem und die eigene Reaktion darauf auf der Sachebene
beschreiben, keine Verurteilungen oder Anklagen.
- Das Feedback muß im eigenen Namen erfolgen, sprich per
ich, nicht per man oder wir.
- Auf konkrete Geschehnisse beziehen und Verallgemeinerungen
vermeiden (also nicht: "Du unterbrichst ständig".)
- Feedback sollte möglichst bald auf das aktuelle Geschehen
erfolgen und nicht erst Wochen danach
- Feedback bezieht sich auf Handlungen des anderen und nicht auf
seine Persönlichkeit (also "Du hast viel geredet" und nicht
"Du bist ein Vielredner")
- Feedback ist nur sinnvoll, wenn es sich auf Verhaltensweisen
bezieht, die der andere auch ändern kann.
- Die Entscheidung, Feedback zu geben oder nicht, bezieht auch
die Bedürfnisse des Empfängers mit ein.
- Die Menge der Information, die mit dem Feedback einhergeht,
muß angemessen sein. Weniger ist mehr.
- Feedback bezieht sich auf hilfreiche Verhaltensweisen ebenso
wie auf störende.
Wie können Konflikte bewältigt
werden?
Konflikte treten in Gruppen recht häufig auf. Sie sind Teil
der Gruppendynamik und führen nach einer erfolgreichen
Bewältigung meist zu einer produktiven Arbeit.
Konflikte entstehen dann, wenn die betroffenen Parteien
voneinander abhängig sind und eine oder beide Parteien zum
gleichen Zeitpunkt Handlungen beabsichtigen oder Durchführen,
die zur Folge haben (könnten), daß sich die andere Partei
behindert, blockiert, bedroht oder verletzt fühlt. Die
Bedingungen, die zum Konflikt führen können z.B. Werte,
Visionen, Ziele, Einstellungen, Motive, Wahrnehmungen oder
Verhaltensweisen sein.
Solange ein Konflikt existiert, hält er die Gruppe davon ab,
Ziele geschlossen anzustreben, Aufgaben koordiniert abzuwickeln und
Beziehungen vertrauensvoll zu gestalten. Eine konstruktive
Konfliktlösung ist deshalb anzustreben.
Zur Bewältigung eines Konflikts kommen zwei Strategien in
Frage:
- Pokerstrategie
In jedem Konflikt gibt es Sieger und Verlierer. Es muß sich
auf Kosten der anderen Partei durchgesetzt werden
- Problemlösestrategie
Jeder Konflikt stellt ein Problem dar, das grundsätzlich
lösbar ist und dessen gemeinsame Lösung beiden Seiten
Vorteile bringt.
Hilfestellungen zur Konfliktbewältigung
- Erregung kontrollieren
Der andere kann kritisiert werden, es ist ihm aber als Person
Respekt und Achtung zuzusichern. Bleibe auf der Sachebene.
- Vertrauen herstellen
Offenbare Dich selbst, zeige Deine Gefühle und schone somit
den anderen
- Kommuniziere offen, beachte dabei:
- Situation
Ist der Ort günstig? Steht genügend Zeit zur
Verfügung? Will ich mir die Zeit nehmen? Soll eine dritte
Partei hinzugezogen werden? (Dies ist dann zu empfehlen, wenn
sich eine Seite hoffnungslos unterlegen fühlt, nicht
weiß, wie sie den Konflikt anpacken soll, von sehr
starken Gefühlen beherrscht wird wie Angst oder Wut).
- Wahrnehmung
keine diffusen Vermutungen äußern, sondern
beobachtbare Ereignisse und nachprüfbare Fakten in die
Argumentation einbauen
- Gefühle
eigene Gefühle ansprechen
- Einstellungen
Vorteile eines kooperativen, Nachteile eines konkurrierenden
Konfliktaustrags besprechen, an die Selbstachtung der anderen
Partei appellieren
- Problem lösen
Ist das Problem verständlich und klar definiert oder gibt
es mehrere Problemdefinitionen? Werden sowohl die sachlichen
als auch die persönlichen Aspekte des Problems
berücksichtigt? Haben sich die Parteien die Zeit genommen,
alle notwendigen Informationen zu sammeln und auszutauschen?
Sind die Zielvorstellungen der Parteien allen klar und
verständlich? Sind die Parteien bereit, verschiedene
Lösungsvorschläge zu bearbeiten? Sind die Parteien
bereit, nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen? Herrscht
Übereinstimmung über die Präferenzen bei der
Bewertung einer Lösung? Wird bei der Entscheidung
über eine Lösung berücksichtigt, ob sie neuartig
ist, Kompensation enthält oder Kompromisse
zuläßt? Sind alle Beteiligten bereit, die
Entscheidung zu akzeptieren und zu tragen?
- Persönlich verarbeiten
Der Konflikt ist erst dann bereinigt, wenn alle betroffenen
Personen sagen können, daß sie mit der getroffenen
Vereinbarung leben und arbeiten können und keinen Konflikt
mehr empfinden.
Was sind Methoden kooperativen
Lernens?
Nachfolgend werden Dir zwei Methoden für kooperatives Lernen
vorgestellt:
1. Gruppenpuzzle
- Der Lernstoff wird &endash; entsprechend der Zahl der
Gruppenmitglieder- in möglichst gleich umfangreiche und
gleich schwierige Abschnitte oder Bereiche aufgeteilt.
- Jedes Gruppenmitglied entscheidet sich für einen der
Abschnitte/Bereiche, um sich mit ihm genauer
auseinanderzusetzen.
- Nachdem jedes Gruppenmitglieder Experte in seinem Gebiet
geworden ist, treffen sich alle wieder.
- Jeder berichtet über sein Gebiet &endash; alle haben
etwas zu sagen und jeder ist einmal in der Lehrer- und in der
Schülerrolle. Dem jeweiligen Sprecher wird aufmerksam
zugehört. Bei Schwierigkeiten sollte er nicht verunsichert,
sondern durch Fragen unterstützt werden.
2. Reziprokes Paarlernen
(für 2-er Gruppen gedacht, kann aber auch in
größeren Gruppen durchgeführt werden)
- Beide Personen lesen zunächst (jede für sich) den
gleichen Textabschnitt.
- Eine der beiden Personen faßt nun den Textabschnitt
zusammen und erklärt ihn dem Partner.
- Dieser gibt nun Rückmeldung, zu dem was er hört,
z.B. weist er auf Unklarheiten, andere Auffassungen oder
Interpretationen etc. hin. Die Verstehensprobleme werden gemeinsam
gelöst, Erklärungen für schwierige Textstellen
gesucht, Verbindungen zum Vorwissen hergestellt, Vergleiche zu
anderen Problemen gezogen etc.
- Jede Person liest den nächsten Abschnitt für sich
durch.
- Anschließend werden die Sprecher/Hörer-Rollen
getauscht: Wer vorher zugehört hat, faßt jetzt den Text
zusammen und erklärt ihn. Das wechselseitige Erklären
wird so lange fortgesetzt, bis der Text durchgearbeitet ist.
Wichtig dabei ist, daß die Rollen getauscht werden, denn
sonst profitiert i.d.R. nur diejenige Person, die aktiv
erklärt.
Checkliste für die eigene
Sozialkompetenz
- Drücke ich mich verständlich aus?
- Höre ich den anderen aufmerksam zu?
- Versichere ich mich, ob ich den anderen richtig verstanden
habe z.B. durch paraphrasieren (= mit eigenen Worten das Gesagte
wiedergeben)?
- Gehe ich auf meine eigenen Körpersignale und die der
anderen ein?
- Interpretiere ich häufig?
- Denke ich über die Wirkung nach, die das, was ich sage,
bei den anderen hervorrufen kann?
- Versuche ich, offen zu kommunizieren, statt versteckte
Botschaften auszusenden?
- Bin ich authentisch?
- Bin ich kritikfähig?
- Bin ich bereit meine eigenen Erkenntnisse oder Konzepte zu
verändern?
- Bin ich bereit, mein Verhalten so anzupassen, daß
effektiv gearbeitet werden kann?
- Bin ich bereit, die Spielregeln, die in der Gruppe bestehen,
einzuhalten?
Checkliste für gruppenförderliches
Verhalten
für Phase 1 des Gruppenprozesses
- Ist ungezwungenes Reden über verschiedene Themen
möglich?
- Finde ich die Gruppenmitglieder sympathisch?
- Kann ich mit diesen Menschen offen sprechen?
- Profitiere ich von der Arbeit in dieser Gruppe?
- Kann ich mir vorstellen, mit dieser Gruppe über einen
längeren Zeitraum hinweg zusammenzuarbeiten?
- Sind die verschiedenen Ziele und Anliegen geklärt?
- Wurde ein gemeinsames Ziel gefunden?
- Stimmen meine Ziele und Anforderungen mit denen der anderen
Gruppenmitglieder überein?
für die Phasen 2 und 3 des Gruppenprozesses
- Steht für die Gruppensitzungen genügend Zeit zur
Verfügung?
- Sind alle pünktlich?
- Führen alle die zugeteilten Aufgaben zuverlässig
aus?
- Halten sich alle Mitglieder an die vereinbarten Regeln?
- Unterstützen sich die Gruppenmitglieder gegenseitig, oder
findet Konkurrenzverhalten statt?
- Geben die Gruppenmitglieder konstruktive Rückmeldung zu
den von den einzelnen erbrachte Leistung?
- Artikulieren die Gruppenmitglieder ihre Ergebnisse und wird
darüber diskutiert? (Gegensatz: schriftliche Ergebnisse, die
nicht diskutiert werden?)
- Wird auf die Erklärungen, Standpunkte und Perspektiven
aller Gruppenmitglieder eingegangen?
- Nimmt sich die Gruppe genügend Zeit, um sich
auszutauschen und über ihr Tun zu reflektieren?
- Bestehen genügend Freiräume für Gedankenspiele
und freie Assoziationen, oder werden solche Aktivitäten von
der Gruppe kaum gebilligt?
- Fühle ich mich wohl in der Gruppe?
- Kann ich die von der Gruppe gestellten Anforderungen
erfüllen?
- Fühlt sich jedes Gruppenmitglieder gleichermaßen
für das Gruppengeschehen verantwortlich?
- Wird versucht, einen Konsens zu erarbeiten?
- Werden die Meinungen und nicht die Personen kritisiert?
Literaturangaben
Langmaack, B & Braune-Krickau, M. (1995). Wie
die Gruppe laufen lernt. Anregungen zum Planen und Leiten von
Gruppen. Weinheim: Beltz Psychologie Verlags Union.
Friedrich, H.F. & Ballstaedt,S-P. (1995).
Strategien für das Lernen mit Medien. Tübingen: Deutsches
Institut für Fernstudienforschung an der Universität
Tübingen (DIFF).
Berkel, K. (1992). Konflikttraining. Arbeitshefte
Führungspsychologie.Band 15. Heidelberg: Sauer
Verlag.
Quelle:
http://leguan.emp.paed.uni-muenchen.de/strategien/lernen_in_gruppen.html
(00-08-09)