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Überblick Gedächtnismodelle

Siehe dazu auch die neuen Arbeitsblätter

Das Gedächtnis
Wie funktioniert unser Gedächtnis?
Netzwerk Gehirn
Inhaltsabhängige Gedächtnisformen
Speicherabhängige Gedächtnisformen
Aufmerksamkeit
Schlaf und Traum

Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß die Speicherung im Gedächtnis den folgenden Prinzipien gemäß abläuft:

Enkodierung - Speicherung - Abruf

Wie dies genau geschieht, ist umstritten, es gibt verschiedene Modelle dafür.

1. Mehrspeichermodelle

Diese Modelle werden grundsätzlich gestützt durch das Auftreten des seriellen Positionseffektes.

2. Modelle der Verarbeitungstiefe (levels-of-processing)

Craik&Tulving (1975): Sie beziehen sich auf die Speicherung von Worten, die je nach "Auftreten" unterschiedlich fest (oder tief) gespeichert werden. Die Tiefe nimmt vom bloßen Aussehen des Wortes über den Klang bis hin zum semantischen Inhalt zu. Gestützt wird diese These durch Experimente, in denen Sätze gelesen werden; die Vpn werden entweder gebeten, die Sätze inhaltlich zu bewerten, oder das Auftreten des Buchstaben "e" zu zählen. Das Erfassen des Sinnes erfordert mehr kognitive Anstrengung, die Verarbeitung ist tiefer, es zeigt sich der erwartete bessere Recall, als bei der nur formalen Betrachtung.

Walker&Jones (1983): Sie fügen dem o.g. Konzept der Verarbeitungstiefe noch den begriff der Elaboration hinzu. Die tiefere Verarbeitung, die zu besserer Speicherung führt, resultiert aus besserer Elaboration. Durch intensives Beschäftigen mit dem Wort wird es besser von anderen unterscheidbar und damit besser organisiert, was bessere Recall-Möglichkeiten bringt.

3. Modelle semantischer Netzwerke

 


Übrigens: Auch die Entwicklung neuer Computer orientiert sich in zunehmendem Maße an den Modellen des menschlichen Gehirns, wobei manche Versuche sogar dahin gehen, lebende Gehirnzellen direkt mit den Chips zu verbinden. Ob es dadurch gelingen kann, damit schlauere Computer zu produzieren?


Zwei interessante Untersuchungen zum tierischen Gedächtnis fanden sich in der Zeitschrift Nature (1998, Nummer 395, S. 272).

Ein Vogelhirn kann sich Zeiten merken

Das menschliche Gedächtnis speichert Ereignisse gleich mit dem Ort und der Zeit, in dem sie stattgefunden haben. Bisher dachte man, daß diese Fähigkeit einzigartig sei. Doch nun berichten US-Neurobiologen über ausgeklügelte Experimente, die glaubhaft machen, daß auch Vögel sich nicht nur merken, was geschah, sondern auch, wann es geschah. Sie brachten Eichelhähern, die Futter als Vorrat verscharren, zuerst bei, daß Mottenlarven mit der Zeit verderben. Wenn die Vögel nun vor der Wahl zwischen Mottenlarven und (unverderblichen) Erdnüssen stehen, dann entscheiden sie sich nur dann dafür, lieber die Larven auszugraben, wenn sie diese erst vor kurzem verscharrt haben. Daß sie die verdorbenen Larven am Geruch erkennen, schlossen die Forscher aus, indem sie den Inhalt aller Futterspeicher erneuerten. Es scheint also, daß Eichelhäher zumindest über eine primitive Form von "episodischem Gedächtnis" verfügen. (Nature, 395, S. 272).

Unser Hirn tut sich mit "bevor" schwer

Das menschliche Gehirn tut sich mit Sätzen schwerer, in denen Information nicht in chronologischer Reihenfolge präsentiert wird. Ein Beispiel: Der Satz "Bevor ich heimwankte, trank ich den Wein aus" beansprucht die grauen Zellen mehr als die Version "Nachdem ich den Wein ausgetrunken hatte, wankte ich heim". Das stellten Forscher aus Hannover und San Diego fest, indem sie die elektrische Aktivität im Kopf von Personen maßen, während sie ihnen solche Sätze vorlasen. Bei "Bevor"-Konstruktionen stieg die Aktivität vorne links im Großhirn, dort, wo das Kurzzeitgedächtnis sitzt, viel stärker an als bei der "Nachdem"-Variante. Es bedarf eben eines gewissen Merkaufwandes, um Teilsätze zeitlich zu ordnen. (Nature, 395, S. 71).


©opyright Werner Stangl, Linz 1998.
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