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Geruchs-Test: Schokolade als "Star"
Ihr Duft entspannt, erregt, tut wohl

Sogar die Hirnaktivität kann der Duft von Schokolade beeinflussen, ergab ein Experiment. Überraschendes Ergebnis: Geruch von Kaffee oder faulendem Fleisch hat keine Wirkung.

"Kein anderer Geruch, den wir testeten, hatte derart starke Effekte wie der von Schokolade", erklärt der Londoner Neuropsychologe Neil Martin. Zusammen mit Kollegen hatte er in einer Studie die Wirkung verschiedener Düfte auf den Menschen untersucht.

Die Probanden saßen dabei in speziellen Räumen mit geruchsneutraler Luft, trugen Augenklappen und Ohrschützer, sodaß sie sich voll auf das Riechen konzentrieren konnten. Und während sie also mit diversen Aromen konfrontiert wurden, wurden ihre Gehirnaktivitäten gemessen. "Schokolade stellte sich in unserem Geruchsexperiment als Star heraus", betont Martin. Weder Kaffeeduft noch Knoblauchgeruch, weder das Aroma von

Schokolade-Aroma erhöhte die Alpha- und die Beta-Aktivität der Hirnströme

Weder Pfefferminze noch das von gebackenen Bohnen konnten im Gehirn derartige Wirkungen auslösen wie Schokolade. Als "wohltuend, angenehm und sehr entspannend" empfanden die "Riecher" den Schokoladeduft. "Er scheint das Gehirn gleichzeitig zu entspannen und zu erregen, aber auch geistig wach zu machen", schildert Martin.

Das Schokolade-Aroma erhöhte gleichzeitig die Alpha- und die Beta-Aktivität der Hirnströme. "Alpha wird häufig bei entspannten, aber wachsamen Erwachsenen gefunden, Beta wiederum bei Menschen, die eine Art mentaler Arithmetik betreiben", erklärt Martin, der sich erwähnte Wirkungen der Schokolade nicht erklären kann. Vielleicht - mutmaßt er - wird das emotionale Zentrum im Gehirn aktiviert. Aber das wiederum ließe die Frage offen, warum nicht auch andere angenehme Düfte derlei Effekte auslösen.

Ein Rätsel bleibt auch, warum der Geruch von Kaffee und faulendem Fleisch keinerlei Wirkungen gezeigt hatte. "Gerade von diesen beiden Gerüchen hatten wir erwartet, daß sie einiges bewirken können", meint Martin.


Copyright © "Die Presse", Wien Donnerstag, 12. Juni 1997