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Jeder Vierte erfindet falsche "Erinnerungen"

Jeder vierte Erwachsene hat bei einer amerikanischen Studie falsche "Erinnerungen" aus seiner Kindheit erfunden. Je schlechter das Gedächtnis ist, desto größer sei auch das Risiko, sich vergangene "Erlebnisse" einzubilden. Das berichteten Forscher auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft (AAAS) in Seattle (US-Bundesstaat Washington).

Ein amerikanisch-australisches Team unter Leitung von Elizabeth Loftus an der Universität Washington in Seattle hatte Menschen mit der Vorstellung konfrontiert, sie hätten als Kind mit der Hand eine Fensterscheibe eingedrückt. 24 Prozent der Studienteilnehmer gaben nach den Gesprächen an, dies sei ihnen tatsächlich passiert, wie Loftus Freitag nachmittag (Ortszeit) berichtete.

Beim Abspeichern von simplen Informationen spielt das Gedächtnis sogar jedem zweiten einen Streich. Loftus Kollege Henry L. Roediger fand in Studien mit Studenten heraus, daß "Illusionen des Gedächtnisses durchaus normal sind". Jeder zweite hatte behauptet, das Wort "Schlaf" gehört zu haben, nachdem eine Liste mit den Wörtern Bett, Traum, Decke, Dösen und Polster verlesen worden war.

Loftus wurde nach eigenen Angaben aufgrund von Expertenberichten auf das Thema aufmerksam, nach denen sich Erwachsene fälschlicherweise an sexuellen Mißbrauch in der Kindheit erinnerten. Für sie sei es nun auch nachvollziehbar, daß sich Erwachsene fälschlich in traumatische "Erinnerungen" aus der Kindheit zurückversetzen können.

Künftig wollen die Forscher testen, ob sich die Einbildungskraft auch positiv nutzen läßt, etwa zur Behandlung von magersüchtigen Mädchen, die ihre frühere Figur anerkennen. Zudem dürften sich bekannte, aber wenig befolgte Empfehlungen von Ernährungsexperten in das Gedächtnis "pflanzen" lassen.


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Quelle: http://www.apa.at/scripts/depot/swe/19970217DBI052.txt (97-03-24)